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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.04.1900
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1900-04-14
- Erscheinungsdatum
- 14.04.1900
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- Deutsch
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86, 14. April 1900. Nichtamtlicher Teil. 2927 Thüren, an den Schränken, die viel Platz wegnehmen, hat er ein System von festschließenden Rollläden erfunden, die sich automatisch öffnen und in geschlossenem Zustande das Ein dringen des Staubes verhindern; eine senkrecht angebrachte schmale Wendeltreppe, die so wenig Platz wie möglich weg nimmt, führt in den Zwischenstock, wo sich Dubletten von Zeitungen befinden. In den oberen Schränken des Bibliotheksraumes, die von der rings herumlaufenden Galerie aus zugänglich sind, ist die eigentliche Bibliothek untergebracht: an die 30 000 Bände; alle nur existierenden Ausgaben der Werke von H. Balzac, Thsophile Gautier, George Sand, Sainte-Beuve, Victor Hugo, A. de Muffet rc., alle nennenswerten litterarischen Erscheinungen der französischen Litteratur seit Jahrzehnten, erste Ausgaben in den meisten Fällen, Luxusausgaben bevorzugter Schrift steller rc. rc. rc. sind vertreten und fein säuberlich geordnet. Dieses Sammlerheim hat noch weitere Eigentümlichkeiten aufzuweisen und birgt noch eine Masse interessanter und wertvoller Gegenstände, die in Schränken im Erdgeschoß untergebracht sind. Da ist erstens der Schrank Thdophile Gautier, der rund 2000 Feuilletons des berühmten Schrift stellers, Zeitungsausschnitte von 1836—1872 aus »1s, Lrssss«, »Uowtsur« und »ksrstts äs Lsris« in zwei Exemplaren enthält; ferner umschließt der Schrank fast die gesamte Korrespondenz Thöophile Gautiers seit 1818, Briefe an seine Großmutter, seinen Vater, seine Mutter, seine Schwestern, an seine Freunde Hugo, Dumas, George Sand, Wagner, Msry, Sainte-Beuve rc., 800 Briefe an der Zahl. Spoelberch de Lovenjoul stellt dieses Material zur Herausgabe einer Bio graphie Thöophile Gautiers unentgeltlich zur Verfügung. Der Schrank enthält ferner eine ganze Anzahl Andenken an Thsophile Gautier, darunter seinen Ring, den er während seines ganzen Lebens getragen hat, eine Anzahl Original-Manuskripte, z. B. »sspitsins I'rsessss«, VozmAs sn Hsps^ns rc. rc. Wir kommen zum Schrank George Sand: Wieder eine ganze Anzahl Original-Manuskripte der beliebten Schrift stellerin, darunter das mit blauer Tinte geschriebene zu »Usrquis äs Villsmsr«, ferner zu »visdls snx oüsmps«, »läsuprst«, »Odütssu äs8 ässsrts«, »Lpiriäion« und viele andere; ferner ist vorhanden die ganze, so interessante Korre spondenz mit A. de Müsset, 83 Briefe an Sainte-Beuve und Hunderte verschiedener Briefe und Antworten an und von berühmten Persönlichkeiten wie Gautier, Emile de Girardiu, Mme. Alexandre Dumas, Dumas-Hinard, Aurore Dudevant, Boccage rc. rc., alle reich an interessanten Einzelheiten aus dem Leben und Schaffen der berühmten Schriftstellerin und von großem litterarischen Wert. Auch Haarflechten der George Sand und andere Reliquien sind vorhanden. Einer der interessantesten Schränke ist sicherlich der Sai.ne-Beuves, der fast das ganze Material, das Sainte-Beuve zu seinen literarhistorischen und kritischen Studien benutzte, enthält, eine Unmasse von Autographen, Dokumenten, Notizen, die sorgfältig geordnet sind und vielfach schon von neueren Schriftstellern von Ansehen zu biographischen Arbeiten mit Erfolg benutzt wurden. Es würde zu weit führen, alle anderen Schätze und Kostbarkeiten, litterarischen Dokumente und Reliquien, die der sonderbare Mann gesammelt hat, hier aufzuführen. Seit vierzig Jahren ist er unausgesetzt thätig, seine Schätze zu ver mehren, er scheut keine Kosten, in Besitz dieses oder jenes Briefes, Manuskriptes oder Andenkens an irgend einen be rühmten Schriftsteller zu kommen; er fragt auch nicht lange nach der Herkunft des betreffenden Stückes, wie er selbst erklärt hat, sondern kauft es einfach, nachdem er die Echtheit festgestellt hat. Er geht ganz auf in seinem Sammlerberuf und findet in seinen litterarischen Arbeiten die vollste Be friedigung. Was sein Bienenfleiß zusammengebracht hat, was er selbst in rastloser, mühseliger Arbeit geschaffen, das wird dereinst der Nachwelt zu gute kommen, da er be absichtigt, die ganze Sammlung einschließlich seiner reich haltigen Bibliothek dem LIusSs äs Oüsntill^ (bekanntlich vom Duo ä'^umsls dem Institut äs Ikrsnss geschenkt) nach seinem Tode zu vermachen, woselbst sie in seinem Sinne fortgeführt und benutzt werden soll. Zum Schluffe möge noch eine Liste der von dem Vicomte Charles de Spoelberch de Lovenjoul veröffentlichten Werke folgen: 1. Muäs oritiqus st bibliogrsplüqus äss osuvrss ä' L.. äs Nussst. 1867. (^.non^w.8.) 2 kr. 2. rllkrsä äs Nussst st sss xrstsnäuss sttsquss oontrs Viotor Hugo. 1878. 1 kr. 3. Histoirs äss osuvrss äs 8. äs Lslrse. 2. sä. 1886. 7 kr. 50 o, (Von der rlosäönüs krsnysiss preisgekrönt.) 4. 1,6 Koeüsr äs Lis^püs (Vsrs.) 1s vis, 1s nsturs, 1s ksutsisis. 1879. 3 kr. 50 o. 5. IIn äsrnisr odspltrs äs l'üistoirs äss osuvrss äs 8. äs Lslrso. 1880. 2 kr. 50 o. 6. Histoirs äss osuvrss äs llbsopbils Osutisr. 2 vols. 1887. 50 kr. 7. ll,es lunäis ä'un oüsroüsur. 1894. 3 kr. 50 o. 8. fituäss Lslrsoisnuss: IIn rowsn ä'sinour. 1896. 3 kr. 50 o. 9. 1s vsritsbls üistoirs äs »Dlls st llui«. 1897. 3 kr. 50 o. 10. ,4utour äs Honors äs Lslrso. — Illuäss Lslrseisnnss. 1897. 3 kr. 50 o. L. Kleine Mitteilungen. Post. — Für Pakete nach Brasilien sind die Frankosätze bedeutend ermäßigt worden, und zwar beträgt das Franko fortan bis 1 ÜA 1 40 H, über 1—5 ÜA 2 ^ 60 H, über 5—7>/, ÜA 3 ^ 20 -) und über 7-/^-10 üx 4 ^ 20 H. Für Pakete nach China und Hongkong sind bei der Leitung über England die Portosätze wesentlich ermäßigt worden. Es sind fortan zu entrichten: über Hamburg oder Bremen und England bis 1 ÜA 1 ^ 60 über 1—3 ÜA 2 60 -), über 3—5 ÜA 3 60 <) und über Belgien oder Niederlande und England je 20°) mehr als über Hamburg. Leipzig. Protestbewegung gegen die -IsxHeinze».— Von einer großen Anzahl angesehener Männer Leipzigs ist die nachfolgend abgedruckte Eingabe an das königlich sächsische Ge samtministerium gerichtet worden: -An das. königliche Gesamtministerium richten die Unter- cichneten die Bitte, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln ahin zu wirken, daß den vom Reichstag angenommenen Para graphen 184s und 184d der sogenannten Isx Heinze, falls sie dem Bundesrate vorgelegt werden sollten, die Bestätigung ver sagt werde. Dieses Gesuch entspringt der Ueberzeugung, daß die angeführten Bestimmungen, wenn sie Gesetzeskraft erlangen, weniger dem Schutze der öffentlichen Sittlichkeit dienen, als viel mehr andere hohe Kulturinteressen, die den Unterzeichneten be sonders am Herzen liegen, schädigen werden. Weite Gebiete der Kunst, Litteratur und Wissenschaft, sowohl an sich, als auch in ihren Beziehungen zum praktischen Leben, sollen von der Lebens lust der Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden, wenn sie -ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzen». Damit wird ein Maßstab eingeführt, der jeder objektiven Bestimmbar keit ermangelt. Selbst unter den berufensten Beurteilern dieser Gebiete menschlichen Schaffens und Empfindens wird schwerlich volle Einigung darüber zu erzielen sein, zumal gegenüber den Erzeugnissen der Gegenwart, die vielfach mit ernstem Streben nach neuen Problemen greift. Sicherlich dagegen sind viele, und darunter solche, die zur Handhabung der beabsichtigten Gesetzes bestimmungen berufen wären, mit dem Unterschiede zwischen den Anforderungen künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeit einer seits, den Regeln der herrschenden Sitte andererseits nicht hin reichend vertraut, so daß ihr Schamgefühl durch Darstellung von Lebenserscheinungen verletzt wird, auf welche Kunst und Wissenschaft niemals verzichten können. Demnach würden die höchsten geistigen Bestrebungen einer unberufenen, verständnis losen Kontrolle unterworfen und dadurch in ihrer Entfaltung gelähmt sein. Ueberdies ist schon die Zusammenstellung dieser Bestrebungen mit den niedrigsten Verbrechen, wie sie in dem fraglichen Gesetzentwürfe vorliegt, geeignet, sie im öffentlichen 394*
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