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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.12.1904
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1904-12-16
- Erscheinungsdatum
- 16.12.1904
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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292, 16, Dezember 1904. Nichtamtlicher Teil. 11401 nur schriftlich bemerkt hatte, z. B. »im Hintergrund Baum schlag- »sw . in den Konturen auf den Stock zu bringen. M.t dem Wischer gab er dann ungefähr den nötigsten male rischen Eindruck des Ganzen und überließ dem Holzschneider die Ausführung des Baumsckflags, des Himmels, des Bodens im Vordergrund usw., dessen, was der Holzschneider ja schon oftmals mit einer gewissen Regelmäßigkeit vor gezeichnet bekommen hatte. Durch die Erfindung der Holzphotographie wurde nun der Holzzeichncr mehr und mehr entbehrlich. Man sparte die zwei oder drei Tage Arbeit an größern Zeichnungen gern, da ja die Haupt sache durch die Photographie auf das Holz übertragen war, und überließ dem Holzschneider das Umsetzen in diejenigen Striche, die er ohnehin nachzuschneiden gewohnt war. Der einzelne Holzschneider wurde selbständiger, und eine größere Formengewandtheit, eine nuancenreichere Sprache der Abbildungen waren die Folge. Das Werkzeug Bewicks. Grabstichel und Buchsbaumplatte, waren schon lange das ausschließliche Material, und da und dort benutzte man wohl auch die Technik Bewicks. weiße Linien in den dunklen Grund hineinzugraben, wenn es sich eben um Partien handelte, die sich mehr dem vollen Schwarz des Buchdrucks näherten. Erst der neuesten Zeit ist es Vorbehalten gewesen, diese Holzstichtechnik, die von der auszulösenden schwarzen Fläche ausgeht, ausschließlich zur Anwendung zu bringen und damit die Freiheit des Werkzeugs und Materials wieder zu erobern, die durch die hohe Ausbildung des Linienholzschnitts verloren gegangen war. Diese neueste Phase des Holzschnitts heißt der Tonholzschnitt. Er hat seinen Namen daher, daß der Holzschneider nicht mehr mit einzelnen schwarzen Linien auf weißem Grund, sondern mit weißen Liniensystemen auf schwarzem Grund, also mit getönten Flächen arbeitet. Gehen wir wieder von dem vollen schwarzen Rechteck aus und stellen wir uns vor, daß der Holzschneider in das schwarze Rechteck nebeneinander lauter parallele weiße Vertiefungen eingräbt, die zwischen sich so viel Holz stehen lassen, wie sie selbst breit sind. Wir erhalten damit ein Linienspiel, das im ganzen als ein grauer Ton erscheint, der die Mitte zwischen schwarz und weiß hält. Nimmt der Holzschneider die einzelnen Stellen weniger tief, so bleiben die Flächen dunkler, schneidet er seine Furche breiter, so wird die Fläche Heller. Wohlgemerkt: es handelt sich dabei stets um Furchungen, die der Grabstichel, der vom Handballen geschoben wird, als seine natürliche Arbeit verrichtet, er handelt sich nie mehr um das künstliche Ausbohren von weißen Flächen, damit die schwarzen Linien stehen bleiben. Der moderne Holzschneider arbeitet also in den schwarzen Hintergrund so viel verschiedene Töne hinein, wie ihm seine Vorlage vorschreibt, und bildet durch geschickte Schwingungen. Überkreuzungen, Schwächungen und Stärkungen der einzelnen Furchen Effekte aus, die den Beschauer sogar Unterschiede des dargestellten Stoffs oder andre Besonderheiten der wiederzugebendcn Vorlage erkennen lassen. Der alte Linienholzschnitt ist durch die photomechanische Strichätzung ersetzt worden, und mit ihm gehört sein Stil der Vergangenheit an. Wenn einer heute noch ab und zu den alten Linienholzschnitt anwendet, so hat dies seinen Grund darin, daß der Holzschnitt in diesem Falle billiger ist als die Zinkographie, daß besondre technische Rücksichten maß gebend sind, oder daß die formgewandte Hand des Holz schneiders irgend eine schlechte Vorlage verbessern mußte. Als künstlerisches Verfahren hat der Linienholzschnitt unter allen Umständen aufgehört zu bestehen; denn es fehlt ihm die wirtschaftliche Basis, auf Grund deren er Arbeit er halten könnte, und die innere Notwendigkeit, das teure Material und die teure Arbeit des Holzschnitts zu einer Wiedergabe zu benutzen, die photomechanisch völlig gleich- BSrleoblatt sür dru deulsch-li Buchhandel. 1l. Jahrgang. wertig und viel billiger und schneller erfolgt. Es ist dem gemäß ein völliges Verkennen des Stils der Holzschneide kunst, wenn sich heute Künstler berufen fühlen, schwarze Konturen auf das geduldige Holz zu zeichnen und eigenhändig nachzuschneiden, damit eine Arbeit verrichtend, dis schon Michael Wohlgemut im Jahre I486 als überflüssig erachtete. Diese Leute nennen sich Original holzschneider und begehen schon mit diesem Ausdruck einen Denkfehler, denn auch sie reproduzieren nur und zwar ihre eignen Zeichnungen; sie reproduzieren sie aber meistens herzlich schlecht, denn es fehlt ihnen die Übung im Gebrauche des Werkzeugs. Das edle Material des Buchs baums und das vortreffliche Werkzeug des Holzschneiders müssen dazu dienen, das Thema unter allen Umständen schlechter wiederzugeben, als es der photographische Apparat täte; ein zeitgemäßer Ausgleich zwischen Thema, Material und Bearbeitung findet also nicht statt. Das Vorstehende gilt natürlich nur von solchen Arbeiten, deren Autoren keine Gelegenheit Vorbeigehen lassen, um zu behaupten, daß der heutige Holzschnitt auf Abwege geraten sei, und die für unser deutsches Buchgewerbe etwas Richtigeres zu schaffen glauben. Fern liege es uns, solche Arbeiten kritisieren zu wollen, die geistreiche Versuche sein sollen, den Japanismus nachzuahmen oder andersgeartete Einzclblätter zu produ zieren; — über solche hat der Buchgewerbler nicht zu Gericht zu sitzen. Daß Versuche gemacht werden, den Holzschnitt auch zu andern Zwecken als nur für den Tonholzschnitt dienstbar zu machen, beweist das Entstehen mehrerer Farbenholzfchnitte in den letzten Jahren; ja es wird sogar versucht, den Holzschnitt im großen Stile für den Wandschmuck zu verwenden. Ein Führer auf diesem Gebiet ist der Berliner Holzschneider Albert Krüger, der in seinen neuesten und reifsten Schöpfungen sich der Technik unsers Reproduktionsholzschnitts um so mehr nähert, je ferner er sich ursprünglich davon gehalten hat. Die Ori- ginalholzschueider proklamierten ihn eine Zeitlang als ihren Führer. Die zunftmäßigen Reproduktionsholzschneider können ihn heute aber als Kollegen begrüßen, der es ihnen nicht nur in technischer Hinsicht gleichtut, sondern an künstlerischem Empfinden, an Sicherheit der Lösung seiner Aufgaben allen sogar vorbildlich sein kann. Die Lebensberechtigung der Holzschneidekunst, der die photomechanischen Verfahren immer mehr zu Leibe gehen, beruht heute vornehmlich in ihrer Überlegenheit zur Repro duktion von Kunstwerken, von Gemälden. Der Holzschnitt geht stets auf die Eigenart des schaffenden Künstlers ein und wählt seine Vortragsweise unter Rücksicht auf den dar gestellten Gegenstand, auf die Maltechnik oder Bildhauer- lechnik, er paßt sich dem Maß der Verkleinerung so an, daß er dem Beschauer in lebhafterer Sprache die Gedanken seiner Vorlage vermittelt als die alles nivellierende Photo graphie. Er weist also Eigenschaften auf, die den andern Rcproduktionsverfahren heute noch fehlen, und er hat den rechten Stil, d. h. die seinem Material und seinem Werk zeug natürlich entsprechende und in künstlerischer Hinsicht seinen Vorlagen am nächsten kommende Reproduktwnsweise. Eine Weiterentwicklung des heutigen Holzschnitts ist durchaus nicht ausgeschlossen. Sie ist aber nur zu erwarten, wenn von künstlerischer Seite unter Berücksichtigung seiner Eigen art neue, höhere Aufgaben gestellt werden. — Nach Vorführung einer Reihe auf das Gesagte sich be ziehender Lichtbilder schloß der Vortragende eine kurze Charakteristik des galvanoplastischen und Stereotypiever fahrens an, das durch ausliegende Prägungen, Kupfer schalen, fertig gemachte Galvanos usw. trefflich illustriert wurde. Lebhafter Beifall lohnte den weit über eine Stunde sich hinausziehenden Vortrag. 1492
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