Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.08.1904
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1904-08-20
- Erscheinungsdatum
- 20.08.1904
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19040820
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-190408208
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19040820
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1904
- Monat1904-08
- Tag1904-08-20
- Monat1904-08
- Jahr1904
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
6932 Nichtamtlicher Teil. ost 193, 20. August 1904. Interessant ist die Stellung des Verfassers zur Frage der Überproduktion. Grunow und ich haben für die Überproduktion die Verfasser, namentlich die Universitäts- Professoren, verantwortlich gemacht. Bücher habe diese An schuldigung zurückgewiesen und mit Recht. Wenn Professoren zu viele Bücher schrieben, so verursache dies keine Über produktion an gedruckten Büchern. Man könne keinem Verfasser, der glaube, daß er etwas zu sagen habe, verwehren, zu schreiben und zu versuchen, es zum Druck gelangen zu lassen. Vielleicht glaube er, daß das, was er zu sagen habe, besser sei, als was bereits gedruckt ist, vielleicht sei ihm auch nicht alles, was über den Gegenstand geschrieben sei, bekannt. Mit einem Wort: man könne nicht von einem Autor erwarten, daß er den Marktwert seiner eignen Schriften zu schätzen imstande fest dies sei Sache des Verlegers. Würden also zu viel Bücher gedruckt, so sei niemand anders dafür ver antwortlich als die Verleger. In einzelnen Fällen seien sie sogar direkt verantwortlich, wenn sie nämlich den Auftrag zur Abfassung eines Werks gegeben hätten. Im folgenden läßt der Verfasser die Gegenschriften Revue passieren. Die Börsenblattartikel von Wellmann, Schürmann, Ehlermann, Seemann, Grunow, Elster, Thron werden angeführt, als die wichtigsten meine Entgegnungen (tbs wosk important ok tbs rspliss is tbs ssriss ok artiolss ok II. v. vraxsr) genannt und kurz charakterisiert, ebenso die Schriften von Trübner — -ich muß mich begnügen, auf die Schrift selbst zu verweisen, als die bedeutendste, die Büchers Denkschrift gezeitigt hat (tbs Most valuabls ok tbs reritings tbat bavs grovn out ok vr. Lüsbsr's ,vsnbsobrikt') - —, ferner Knorrn, Koehler, Fischer. Der Verfasser faßt sein Endurteil dahin zusammen, daß es fast unmöglich sei. dem Gegenstand in einem kurzen Aufsatz gerecht zu werden. So wäre es von Interesse ge wesen, der Frage der Bücherpreise näher zu treten, die zu der Kontroverse zwischen Professor Paulsen und vr. Ruprecht geführt habe. Bücher behauptet, daß die deutschen Bücher teurer seien; als die in andern Ländern gedruckten, Prager, Trübner rc. behaupten das Gegenteil. Das Ergebnis dieser Kontroversen sei bis jetzt gleich Null. Trotz seiner Übertreibungen und seiner Einseitigkeit, ja trotz mangelnder eingehender Vorstudien (in spits svsn ok tbs lasst ok prspa- ration rvitb vvbieb tbs antbor rrsnt to rvorst) sei Büchers Werk nicht nur außerordentlich interessant; es werde auch ein wichtiger Beitrag zur Literatur des Buchhandels bleiben, gebe doch selbst Trübner zu, daß es Wahrheiten enthalte, über die der Buchhändler nicht leichten Herzens hinweg gehen sollte. — In derselben Nummer befindet sich ein Aufsatz: -Voss tbs doostssllsr lasst sntsrpriss?« (Ermangelt der Buchhändler des Unternehmungsgeistes?), den ich, als mit meinem Thema nur lose zusammenhängend, nicht eingehender behandeln kann. Der Aufsatz prüft, ob die Vorwürfe, die die deutschen, französischen, englischen und auch amerikanischen Verleger den Sortimentsbuchhändlern gemacht haben, sie täten zu wenig zur Verbreitung der Bücher, gerechtfertigt seien. Als Ursache des zeitweiligen Versagens des Sortiments buchhandels wird die Preisschleuderei als die hauptsächlichste angeführt; es wird erwartet, daß nach Regelung dieser Frage das Sortiment erhöhtes Interesse für den Vertrieb zeigen und seine Existenzberechtigung erweisen werde. — Von Büchers Denkschrift ist die dritte, vermehrte und verbesserte Auflage*) erschienen. Gegen die zweite ist sie um genau 50 Seiten, d. h. um ein Siebentel, stärker ge worden. Wenn diese Vermehrung bei ferneren Auflagen so weiter geht, so wird das Buch bald in zwei Bände geteilt werden müssen. In der Vorrede setzt sich der Verfasser mit einigen seiner Kritiker auseinander, so mit den Verfassern von Theorie und Praxis, sowie mit K. Trübner und P. Siebeck. »Es ist eine nur zu häufige Erscheinung«, sagt der Verfasser (X, XI) »daß wirtschaftliche Interessengruppen, wenn ihre An gelegenheiten zum Gegenstand öffentlicher Erörterung gemacht und vom Standpunkt des Gemeinwohls aus betrachtet werden, darin eine Anmaßung erblicken. So lange sie aus unfern Schriften glauben Argumente holen zu können, die ihren Interessen günstig scheinen, werden wir mit Beifall zitiert; finden sie bei uns das Gegenteil, so sind wir Igno ranten und unpraktische Stubengelehrte, wenn nicht noch Schlimmeres.« — Mir scheint, daß sich Herr Bücher damit die Zurückweisung der Widerlegungen, die seine Denkschrift namentlich durch die Arbeiten Trübners und Siebecks er fahren hat, doch etwas gar zu leicht macht. Nicht nur weil die Darlegungen Büchers ihre In teressen schädigen, haben die Buchhändler Stellung dagegen genommen, sondern weil sie geeignet erscheinen, ebenso die Interessen des Gemeinwohls zu verletzen, wenn sie einmal praktisch werden sollten. Es ist einem Mann der Wissenschaft gar kein Vorwurf daraus zu machen, auch nicht, wenn er Nationalökonom ist, wenn sich gewisse praktische Tätigkeiten seinem Verständnis entziehen, und selbst dann nicht, wenn er von seinem Standpunkt aus sie beleuchtet. Aber bei der mangelnden Kenntnis praktischen Geschäfts lebens und seiner Grundlagen, die vielen unsrer Gelehrten eignet, ist es kein Wunder, wenn sie praktische geschäftliche Dinge nicht begreifen können und deshalb bei ihrer Behand lung zu falschen Schlüssen kommen. Gerade Bücher scheint sich dem nicht zu verschließen, wenn man anders die be herzigenswerten Worte, die er in seiner Antrittsrede als Rektor am 31. Oktober 1903 über die Notwendigkeit der Aufnahme der Buchhaltung unter die Universitätsdisziplinen gesagt hat"), etwas erweitert. Die Zusätze, die die dritte Auslage erfahren hat, finden sich laut Vorrede namentlich in den Abschnitten über den Verlag und über die Bücherpreise. Ferner ist wiederum ein Kapitel (XVII) hinzugekommen, das sich: »Die Rabattstage im englischen Buchhandel« betitelt. Ich habe schon weiter oben gezeigt, wie leicht sich Pro fessor Bücher die Kritik des Buchhandels abschüttelt, und es dürften deshalb Verbesserungen auf Grund dieser Kritik nicht allzu zahlreich sein. Daß Bücher infolge dieser Kritiken seine grundsätzlichen Ansichten ändern werde, hat wohl niemand erwartet; er ist aber auch in ziemlich unwesentlichen Dingen bei seinen Aufstellungen verblieben, auch wenn diese Kritiken tatsächliche Berichtigungen enthielten."*) Auch die Tabelle IV: *) Der deutsche Buchhandel und die Wissenschaft. Denkschrift im Aufträge des Akademischen Schutzvereins verfaßt von l)r. Karl Bücher, vrd. Professor der Nationalökonomie a. d. Universität Leipzig. Dritte, vermehrte und verbesserte Auflage- 80. Druck und Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. 1904. XIV, 364 Seiten. ") »Denn es ist doch nicht gerade ein erbauliches Schauspiel, wenn in öffentlichen Gerichtsverhandlungen tagelang Verneh mungen von Sachverständigen der Buchhaltungswissenschast über oft sehr einfache Fragen stattfinden müssen, und wenn für den erkennenden Richter Handelsbücher, Vermögensverzeichnisse, Vor- mundschastsrechnungen — alles Dokumente von größter Beweis erheblichkeit — wirklich Bücher mit sieben Siegeln sind. Auch die Ausbildung der Nationalökonomen .... würde von dieser Dis ziplin Nutzen ziehen.« Man vergleiche damit den Ausspruch eines französischen Nationalökonomen: »Wer von der doppelten Buch führung nichts versteht, hat kein Recht, über Nationalökonomie mitzusprechen.- *") So steht noch immer auf Seite 61 der dritten Auflage die falsche Rabattierungsangabe bei Arndt, Preußisches Berggesetz, die ich schon in meinen »Ausschreitungen« berichtigt habe.
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder