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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.07.1904
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1904-07-11
- Erscheinungsdatum
- 11.07.1904
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- Deutsch
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5962 Nichtamtlicher Teil. -V 158, II. Juli 1904. in hübscher Weise den Buchhandel mit der heimatlichen Alpenrose. Wenn sich beide dadurch unterschieden, daß die Literatur dort nicht gedeihe, wo die Alpenrose üppig sprosse und blühe, so stimmten sie anderseits in ihrer Anspruchs losigkeit, Dauerhaftigkeit und Festigkeit überein, auch manchen heftigen Sturm siegreich überstehend. — Sein Hoch auf den Verein fand lebhaften Widerhall. Herr vr. Piper von der Deutschen Verlagsanstalt dankte im Namen der Schriftsteller. Er pries in geistvoller Rede die rechten Verleger als wahre Künstlernaturen, und bekannte sich als Anhänger eines fröhlichen Krieges, der auf beiden Seiten von ehrenwerten Männern geführt werde. Seine mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgte Rede endete mit einem aus warmem Herzen kommenden Lob der unver gleichlichen Schönheit Stuttgarts und einem Hoch auf die Stadt. Schließlich feierte der Senior der Gesellschaft, Herr Verlagsbuchhändler Theodor Ackermann, München, die Stuttgarter, Stuttgarterinnen und den Festausschuß. — Hiermit war die Reihe der Tischreden erschöpft und die Zeit schnell vorgeschritten. Herr Mohrmann brachte noch die eingelaufenen Glückwunschtelegramme zur Verlesung und ver band damit den herzlichen Dank für alle dem Jubilar dar gebrachten Wünsche und Ehrungen. Zwei lustige Tafellieder, das eine verfaßt von M . . y, der schon oft in dankens werter Weise die Meßfestlichkeiten durch Beiträge seiner Muse verherrlicht hat, erhöhten die lustige Stimmung, die nach und nach Platz gegriffen hatte. Ein Vers aus seinem Taseliied möge hier seine Stelle finden' Stoßt an, die Schriftsteller leben I Hurra hoch! ist Wenn auch grimmig gar einer die Zähne fletscht, Was sich liebet, das neckt sich — und kriegt sich zuletscht! Schatz! Ich brauch' Dich! — Schatz, Du brauchst mich! »Das hohe Lied vom Schutzverein« (nach der Melodie! Crambambuli) hatte sich ebenfalls besonder« Beifalls zu erfreuen und begann nnt folgenden Versen: Alljährlich war es Brauch und Sitte, Wenn man in Leipzig festlich aß, Daß in der Buchgenossen Mitte Als Gast auch der Herr Rektor saß! Da aßen sie und tranken sie In Freundschaft und in Harmonie, In edler Harmonie, in Harmonie. Doch eines Jahrs sprach Rektor Bücher: Das Buchvolk schlemmt doch gar zu sehr, Biel besser wär's, das ist ganz sicher, Sie gäben vom Gewinn was her. Und kaum gedacht, ward's auch gemacht, Ward sogleich zu Papier gebracht, Auf Holzpapier gebracht, Papier gebracht. Ein eingelaufener »Antrag auf Ergänzung der Satzungen« in elf Paragraphen sei nicht vergessen, ebensowenig ein hübsches, praktisches Notizbuch in schmalem Format, das die Großbuchbinderei von Heinrich Koch in Stuttgart gestiftet hatte. — Nach Schluß des in allen Teilen aufs schönste verlaufenen Festmahls blieb man noch lange beim Glase Pilsener und dampfender Zigarre in angeregter Unterhaltung beisammen, und alle Teilnehmer, Buchhändler wie Gäste, nahmen wohl die freundlichsten Eindrücke mit hinweg. Am Dienstag den 21. Juni fand im großen Saale des BUrgermusenms die Abrechnung statt, die sich in wenigen Stunden glatt abwickelte. Der anschließende Frühschoppen im Garten des Hotels Textor war recht zahlreich besucht, stand doch der jährlich nur einmal sich bietende Genuß bevor, den humorsprudelnden Worten unsres Wohltätigkeits- apostels, Herrn Otto Petters, Heidelberg, lauschen zu dürfen. Wiederum verstand er es in meisterhafter Weise, die einzelnen Herren auf die Größe ihres Portemonnaies richtig zu taxieren, und brachte eine namhafte Summe für die notleidenden Standesgenossen zusammen, die ihm dafür gewiß ein herzliches »Vergelt's Gott» im stillen wünschen. Am Nachmittag ruhte das werktägige Getriebe im Buchhandel Stuttgarts mit Ausnahme der Sortiments handlungen, bei denen eine Schließung der Geschäfte un tunlich erscheinen wollte. Um 3 V« Uhr beförderte die Zahnradbahn in mehreren Sonderzügen auf die luftige Höhe von Degerloch eine große Gesellschaft, die sich in langem Zuge unter Vorantritt einer Musikkapelle nach einem idyllisch gelegenen Waldplatz, der Klara tanne, zu einem fröhlichen Picknick bewegte. Die Ver anstaltung eines Waldfestes war ein glücklicher Gedanke des Festausschusses, wenn er auch anfangs einige Be sorgnis Hervorrufen wollte, da das Gelingen des kühnen Unternehmens rein von dem freundlichen Gesicht des alten Petrus abhing. Mochte es nun den guten Beziehungen zuzuschreiben sein, die »der neue Mann- des Vergnügungs komitees mit dem Wettergott unterhielt, oder sonstigen Ein flüssen, kurzum, das Fest gelang vorzüglich und befriedigte alle Teilnehmer in hohem Maße. Eine fliegende Wald schenke hatte sich in einer Lichtung ausgetan, die für Speise und Trank sorgte, während sich die Gesellschaft, die nach Hunderten zählte, an den einfachen Tischen niederließ und, da deren kleine Anzahl bei weitem nicht ausreichte, den schwellenden Moosboden zum Lager erwählte. Drückende Schwüle brodelte über dem Stuttgarter Talkessel; aber hier oben im tiefen Waldschatten war die Temperatur eine höchst angenehme. Die Sonne warf nur ein zelne Strahlen durch das dichte Laubwerk, hier goldene Flecken auf dem Boden ausstreuend, dort mit der Wange eines lieblichen Buchhändlertöchterleins kosend. Die Musik ließ ihre munteren Weisen ertönen und forderte damit die Jugend zum fröhlichen Reigen auf. Bald bewegte sich eine lange Reihe von Paaren zwischen den Buchen und Tannen hindurch, ein farbenreiches, leuchtendes Bild im dunklen Forst, auf das manches Eichhörnchen verwundert herab geblickt haben mag. — Nur zu bald erscholl das Hornsignal zum Ausbruch, und unter dem Klange lustiger Weisen ging es zurück zur Zahnradbahn, die die Gesellschaft schnell wieder in die Residenz zurückbrachte. Viel Zeit zur Festtagstoilette blieb nicht übrig; denn um acht Uhr begann der große Familienabend im Festsaal der Liederhalle. Aus Anlaß des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums des Württembergischen Buchhändlcrvereins war ein außerordentlich reichhaltiges Programm aufgestellt worden, das unsers Erachtens — da seine Abwicklung über vier Stunden beanspruchte — allzu reich war und zu große An sprüche an die Ausdauer der zahlreichen Festteilnehmer bei hoher Sommerglut stellte. Auserlesene musikalische Genüsse, Kammermusik, Instrumental- und Vokalsoli, Männer- Chöre und Quartette, Lustspiel, Operette, wahrlich eine mannigfaltige Mnsterkarte, wechselten bunt miteinander und boten für jeden Geschmack etwas. Das einheimische Steindel-Quartett, auch über die schwarzroten Grenzpfähle genügend bekannt, eröffnete den Abend mit dem Mozartschen Quartett Ls-änr op. 452 für Klavier, Violine und Violoncello. Vater Steindel spielte die Viola, während sich seine drei Knaben im Alter von 11—13 Jahren in die übrigen Instrumente teilten. Ob nun der älteste, Bruno, die Itbapsoäio bovgroiso Nr. 4 von Liszt zum Vortrag brachte, oder der jüngste, Albin, ein Capriccio für Violine von Paganini seinem Instrument ent lockte, oder Max eine Gavotte, Komposition seines Vaters, ertönen ließ, jeder der Knaben erwies sich als Künstler auf seinem Instrument und überraschte sowohl durch die Reife der Auffassung als durch vorzügliche Technik. Jeder der kleinen Künstler mußte mit einer Dreingabe für den reichen
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