Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.06.1904
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1904-06-17
- Erscheinungsdatum
- 17.06.1904
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19040617
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-190406178
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19040617
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1904
- Monat1904-06
- Tag1904-06-17
- Monat1904-06
- Jahr1904
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
5262 Nichtamtlicher Teil, 138, 17. Juni 1904. aber soll durch diese Veranstaltungen gleichsam zu einem gediegenen und guten Geschmack erzogen werden, damit das, was Kunst und Technik an wirklich bedeutenden Werken schafft, auch bei der großen Masse immer mehr Boden und Anerkennung findet. Bevor wir auf die Ausstellungen selbst näher eingehen, seien noch ein paar kurze, allgemeine Worte gestattet. In der Ostermeß- und Jahresausstellung kann niit Freuden sestgestellt werden, daß der künstlerische Zug, der seit einigen Jahren auch durch das Buchgewerbe geht, immer inehr um sich greift und die neuzeitliche Buchausstattung im Verlag stetig an Boden gewinnt. Erfreulicherweise beschränkt sich der Buchschmuck jetzt auf eine gewisse Einfachheit, die trotzdem vornehm wirkt und echt künstlerische Leistungen zeigt. Aber gerade diese einfach vornehme Ausstattung ist für jeden Bllcherliebhaber und Kunstfreund wertvoller, als so manche andere künstlerisch sein sollende Buchausstattung. Aber noch ein erfreuliches Zeichen kann festgestellt werden; die künstle rische Buchausstattung, die vor zwei Jahren sich noch in vielen, ja in den meisten Fällen nur auf das Außere, den Bucheinband, zu erstrecken pflegte, breitet sich nun auch immer mehr auf das Innere des Buches aus. Wir finden jetzt häufig viel besseres Papier verwandt, ferner sind die Kopf- und Schlußleiften, sowie die sonstigen Zierstücke ent weder eigens von Künstlern für den betreffenden Zweck ge schaffen oder doch aus den Erzeugnissen solcher Schrift gießereien entnommen, die wirklich künstlerische und originale Erzeugnisse schaffen. Wohl finden wir hier und da noch Verlagswerke, bei denen man den Willen, etwas Gutes zu schaffen, wohl be merkt, die aber in ihrer Ausführung noch viel zu wünschen übrig lassen. Im großen ganzen aber zeigt auch die dies jährige Ausstellung wieder einen ganz gewaltigen Fort schritt des Buchgewerbes in technischer und künstlerischer Hinsicht, der für die Folge das Beste hoffen läßt, denn je mehr im Verlage die künstlerische Buchausstattung um sich greift, desto geläuterter und vornehmer wird auch der Kunstsinn des großen Lesepublikums werden. Nun zu den einzelnen Ausstellungen selbst, von denen zuerst die Sonderausstellungen des Deutschen Buch gewerbemuseums kurz gewürdigt werden sollen. Die umfangreichste der diesjährigen Sonderausstellungen ist diejenige von Originalradierungen und Original- Holzschnitten, die aus dem Wettbewerb der Zeitschrift für bildende Kunst (Verlag von E. A. Seemann in Leipzig) hervorgegangen sind. Das Ergebnis dieses im Juli 1903 erlassenen Wettbewerbes ist ein sehr erfreuliches, zu nächst im Hinblick auf die wider Erwarten ungemein starke Beteiligung von deutschen und fremden Künstlern, dann aber auch bezüglich der hervorragend künstlerisch wertvollen Leistungen, die dieses Preisausschreiben zeitigte. Die besten Blätter werden in der Zeitschrift für bildende Kunst ver öffentlicht und dadurch einem großen Teil unserer Leser aus eigener Anschauung bekannt werden. Bei den Originalradierungen sind die verschiedensten Manieren, Stich, Radierung, Aquatinta, zum Teil auch kombiniert, zur Anwendung gelangt. Die technisch und künstlerisch sehr interessanten Blätter zeigen uns Land schaften, Porträts, Nachtszencn, Straßenbilder, Akte usw. und sind zum größten Teil weit über das Mittelmaß hinaus gehende Arbeiten. An vielen Blättern läßt sich deutlich der Einfluß der japanischen Kunst erkennen, der aber noch schärfer und deutlicher in den meist farbigen Originalholz schnitten zum Ausdruck kommt. Es ist eine Freude bei den Holzschnitten zu sehen, wie mit derben, aber ausdrucksvollen Umrissen und wenigen, gut gewählten und sein abgestinimten Farben der Eindruck der Wirklichkeit erreicht ist. Daß unter den Originalholzschnitten sich auch Blätter befinden, die man nicht anders als wie mit dem Namen »Spielerei- be zeichnen kann, soll und darf nicht verschwiegen werden. Unter den Holzschnittkünstlern nimmt Bruno Heroux in Leipzig eine Sonderstellung ein, denn er hat die Technik des Hotzschnittes selbständig aus dem Charakter des Mate rials heraus entwickelt und ihn zu einer Stilreinheit ge bracht, die im Streben nach Tonwirkung verloren gegangen war. Seine Blätter sind daher im Vergleich mit den anderen Arbeiten besonders interessant. Der Zeitschrift für bildende Kunst gebührt Dank für das von ihr erlassene Preis ausschreiben, das uns Gelegenheit bietet, neben bewährten und anerkannten Künstlern auch junge tüchtige Kräfte in ihren Arbeiten kennen zu lernen. Die zweite größere Sonderausstellung besteht aus den Tafeln der 1. Lieferung des Werkes Rrsviarinm Krimavi, das nach jahrelangen Vorbereitungen nun in einer voll ständigen Reproduktion, zum Teil in farbigem Lichtdruck, zur Ausgabe gelangt. Die Verleger A. Sijthoff in Leiden und Karl W. Hiersemann in Leipzig haben nach Über windung von großen Schwierigkeiten, Dank dem Zusammen wirken und der Ausdauer der beteiligten Kräfte ein Wer? geschaffen, welches das Original in seinem Text und seinen prächtigen, schön erhaltenen Miniaturen naturgetreu wieder gibt. Von dem in der Bibliothek von San Marco in Venedig befindlichen Original waren bis zum Erscheinen der 1. Liefe rung der Nachbildung wohl Photographien zu haben, aber diese konnten die Schönheiten des örsviarinw Llriwavi nie voll zum Ausdruck bringen. Nur unsere heutige ganz aus gezeichnete Reproduktionstechnik war berufen, eine Nach bildung des Originals zu schaffen, die dem letzteren an Wirkung durchaus nicht nachsteht, ja dieses selbst, in be schränktem Sinn angewandt, zu ersetzen vermag. Der Hof- knnstanstalt Albert Frisch in Berlin ist es gelungen, die Nachbildung des Originals in einer so meisterhaft vollendeten Weise herzustcllen, daß ihre Leistung als eine auf dem Ge biete der Reproduktionstechnik bisher unerreichte bezeichnet werden muß, der vollste und unumwundene Anerkennung gebührt. Schon die einfach getönten Lichtdrucke sind muster haft, die farbigen Tafeln aber sind von einer solchen Feinheit und Naturtreue, daß sie auch die kleinste Einzelheit des Originals erkennen lassen. Die Miniaturen sind von einer Frische der Farbe und zeigen jeden Strich, jede Tonlage so deutlich, daß ein Vertiefen in die einzelnen Tafeln ein Genuß ist, uns zugleich aber auch mit Stolz auf die in so hoher Blüte stehende technische Leistungsfähigkeit unserer deutschen Reproduktionsphotomechanik blicken läßt, die zudem ein künstlerisches Feingefühl ihr eigen nennen kann. Den beiden Verlegern aber gebührt Dank für den hohen Wage mut, mit dem sie an die Durchführung des bedeutsamen Werkes herantraten, und für die Unerschrockenheit, die sie alle Schwierigkeiten überwinden ließ. Möge ihr prächtiges Werk von Erfolg gekrönt sein und ihnen nicht nur ideelle, sondern auch materielle Erfolge reichlich zu teil werden. Die dritte Sonderausstellung zeigt uns Reproduk tionen farbiger Holzschnitte aus der in japanischer und in englischer Sprache erscheinenden japanischen Zeitschrift Kokwa, sowie japanische Seidenmalereien. Diese Ausstellung führt uns wieder deutlich vor Augen, in welcher meisterhaften Weise die Japaner die Nuancen von Licht und Farbe zu geben vermögen, wie scharf sie die Natur zu beobachten ver stehen. Mit den geringsten Mitteln wissen sie ihrer Freude an der Farbe Ausdruck zu geben und ein Bild der unmittel baren Naturbeobachtung vorzuführen. Für den Charakter des Stofflichen, z. B. für das Fell eines Affen, das Ge fieder von Vögeln, die Schuppen eines Fisches, be sitzen die Japaner ein geradezu bewundernswert feines
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder