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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.11.1901
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- 1901-11-07
- Erscheinungsdatum
- 07.11.1901
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- Deutsch
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erster Linie Künstler war. einen sehr großen Aufschwung, manch wertvolle Werke wurden herausgegeben, Neuauflagen und Neuausgaben von anderen veranstaltet. Es ist ein ganz eigenartiges Lebensbild, das uns hier in unserem Berufsgenossen entgegentritt, ein Bild, das durch nähere Beschäftigung mit ihm nur gewinnen wird und das eingehendere Würdigung verdient. Der Künstler war auch ein bewährter Kunstkenner und Sammler. Seine Wohnung war angefüllt mit herrlichen Kunstwerken. Moncony in seinem llourval äos vozmZos en Lortugal, Lrovovoo, Itallo .io. 1665/66 theilt dort seine Be merkungen über seinen in den Winter 1663/64 fallenden Aufenthalt in Frankfurt a. M. mit und führt unseren Me rlan als den damals vorzüglichsten deutschen Maler auf, bei dem er auch viele gute Gemälde anderer Meister, namentlich eine ausgezeichnet schöne Lucretia von Guido Reni gesehen habe. Matthaeus Merian d. I. starb, in den letzten Jahren seines Lebens schwer von Podagra heimgesucht, am 15. Februar 1687. Seinen Grabstein beschrieb ich in meinem Jugeiid- iverkchen über Merian. Matthaeus d. I. hinterließ vier Söhne und eine Tochter; von den Söhnen ist Johann Matthaeus der bedeutendste. Er, wie sein älterer Bruder wurden in den Adelstand er hoben. Wie sein Vater, so wurde auch Johann Matthaeus als Bildnismaler sehr geschätzt. Dieser Sohn des jüngeren Merian, 1659 geboren, wurde schon durch seinen Vater in die große Welt eingeführt, der ihn dem Markgrafen von Baden-Baden empfahl. »Ich habe vor weniger Zeit meinen Sten Sohn auß Italien zu hauß bekommen, der zeichnet über alle Maasen schöne Contra saite mit Crayönen, wann er diesen Winter die Generalität könte zeichnen, um ins Kupfer zue bringen, so Ivolte Ihne an Ewer Hochfürstliche Durchl. nacher Linz senden, umb solche alda zue ver fertigen, es solte ein schönes keyserlich Heldenbuch abgeben-, schreibt er 1683. Im Januar 1684 reiste der junge Künstler zum Markgrafen, und Briefe des Vaters an den Markgrafen und den Baron Pazendorf, den Begleiter und Hofmarschall des Fürsten, danken für die Ausnahme, die der Sohn ge sunden hat. Johann Matthaeus wurde auch der Nachfolger des Vaters im Geschäft; der älteste Sohn, dem 1673 eine Ratsstelle bei der Amtsrentkammer in Berlin verliehen war, trat diese an und stieg bis zum kurfürstlich brandenburgischen Kammer- und Geheimrat auf. Aus seiner Ehe mit Susanna Maria von Neuhausen ging Charlotte von Merian hervor, die sich mit Eosandsr von Goethe vermählte, dessen Verschwendungssucht schließlich den Zusammenbruch des Merianschen Geschäfts mit herbeisühren sollte. Johann Matthaeus' Ehe mit Johanna Maria Heldeviers scheint kinderlos gewesen zu sein, woraus auch hindeutet, daß sein künstlerischer Nachlaß und seine Sammlungen von Jakob Heldeviers in einem gedruckten Preiskatalog zum Kaufe angeboten wurden. Es werden in diesem Verzeichnis 326 Oelgemälde von seinem Vater und anderen Meistern und noch 35 größere Zeichnungen von ihm selbst zum Kauf angeboten. 1 Das Leben des Karl Gustav und seiner Brüder bedarf noch der näheren Forschung. Durch Kelchners Forschung . (Buchhändlerakademie I. Bd.) ist bereits nachgewiesen, daß Durch einen 1726 vorgekommenen Brand der Rest des Ver lages vernichtet wurde. Wenden wir uns noch kurz dem 'Milhann Matthaeus Merian zu. Waren Urgroßvater und ' Wshßoater, de Bry und Merian der Aeltere in erster Reihe und dann erst Künstler gewesen, war bei d. I. der Künstler vorherrschend, der aber nie dMi Geschäftsmann verleugnete, so sehen wir in Johann Mnitttzaeus den gefeierten Künstler, der dem Betrieb des Ge schäftes fast ganz fern blieb und wohl nur die Nutznießung Miwidl-chMier Jahrgang. hatte.") Er wurde in den Adslstand erhoben und von Kur mainz zum Geheimrat ernannt. Johann Matthaeus war fast ausschließlich Bildnismaler, und zwar war die Pastell malerei seine eigentliche Kunst. Er nahm für das einfache Brustbild sechs Carolin, ein Kniestück mit Händen oder gar eine ganze Figur wurde mit zwölf, fünfzehn bis zwanzig Carolin bezahlt. Auch Zeichnungen in schwarzer Kreide auf blauem Papier, weiß gehöht, findet man von ihm; von seinen Bildnissen sind viele von Kilian, Schenk u. a. in Kupfer ge stochen, er selbst hat diese Kunst nicht mehr ausgeübt. Johann Matthaeus war ein eifriger Kunstfreund, wie sein Vater. Das Haus in der Galgengasse beherbergte 1693 die Geliebte des Kurfürsten von Sachsen, die ihr Wochenbett dort abhielt und die mit einem Gefolge von 54 Personen dort war. Johann Matthaeus starb 1716, seine Ehehälfte 1720, direkte Erben scheint er nicht hinterlassen zu haben; Charlotte, die Tochter seines Bruders Karl Gustav, scheint die Erbin der Reichtümer gewesen zu sein. Sie war mit Eosander von Goethe vermählt, jenem Vielverleumdeten, an den noch einige charakteristische Bauten in Berlin erinnern. Er war eine abenteuerliche Natur, ein richtiges Kind jener eigen artigen Zeit, die selbstbewußte, eigennützige, gewissenlose Abenteurernaturen groß werden ließ. Der Verschwendungs sucht dieses Ehepaares, sowie verschiedenen Mißgeschicken ist dann der Meriansche Verlag zum Opfer gefallen. Johann Michael von Loen giebt eine anschauliche Schilderung von dem Leben und Treiben im Eosanderschen Hause. Loen, der hervorragende Schriftsteller und Kunstkenner, scheint auch einen großen Teil der Merianschen Kunstschätze und auch des Merianschen Besitzes erworben zu haben, näm lich das Meriansche Landgut »aus der Windmühle«. In seinem Besitz befand sich auch das Familienbild der Merians, dessen bereits Erwähnung gethan wurde; 1777 wurde sein Nachlaß versteigert und dadurch endgiltig die Merianschen Schätze in alle Welt verstreut. Fünfzig Jahre vorher war das Geschäft erloschen, der Brand des Karmsliterklosters hat die Auflösung entschieden beschleunigt, nachdem vorher schon die Kauflust des Publikums nachgelassen haben wird. — Ich hoffe bald in der Lage zu sein, über die letzten Zeiten des Merianschen Geschäftes näheres berichten zu können. Schon Hüsgen in seinen »Nachrichten von Frankfurter Künstlern und Kunst-Sachen, 1780« schreibt; »Hier in Frankfurt finden sich noch eine Menge der Merian schen Kupferplatten der Topographie, woran aber Merians achter Grabstichel sehr mißhandelt ist, indem sie von schlechten Händen meistens aufgestochen find; dadurch gleichsam unbrauchbar gemacht, hat man viele an Kupferstecher Pfundweiß überlassen, tue solche hernach verschnitten, und auf der ungestochenen Seite zu andern Dingen benutzt haben. Wie hoch sind demnach Merians schöne Kupferstiche täglich mehr zu schätzen, da ihre Quellen endlich gantz austrocknen werden. -Seine große Anzahl Wercke kennt man in aller Welt schon hinlänglich genug, ich finde demnach überflüssig, hier weitläustig davon zu reden, oder Merians längst gegründeten Ruhm stam melnd vermehren zu wollen. Ich füge demnach nur noch an, daß, wer von Kupfer-Blättern erste Abdrucke hat, wie er dann deren von der Bibel drey unterschieden ausgehen ließ, erstlich ohne einigen Zusatz von Schrift, zweytens mit Versen darunter, drittens in der Bibel selbst, und auf die Art von mehreren gantzen Folgen, wer dieser Sorten besitzt, sage ich, derjenige bewahre sie wohl, und überlasse sie nicht den Kindern zum Spielen und sonstigem Ver derben: ^Jch bin leider nur allzuoft Augenzeuge davon gewesen, An anderer Stelle fährt er fort: »Wem ist übrigens nicht Merians lüsatruw lkuropasum be- Hiergegen spricht allerdings, daß er 1687, nach dem Tode des Vaters, schreibt: -ihm sei die Continuation des llboatri Luro- paoi anheim gefallen und er ersuche um Communicirung einiger NS8
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