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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.03.1901
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1901-03-30
- Erscheinungsdatum
- 30.03.1901
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
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Börsenblatt f. d. deutschen Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. 2597 und Leipzig folgten. Die Verpflichtung ist also in allen drei Städten angenommen und dadurch die Stellung des Börsen vereins ganz erheblich gestärkt worden; sie hat auch bereits die Folge gehabt, daß die energischste Gegnerin der ganzen Rabattübereinkunft, die Firma Mayer L Müller hier, sich seit dem 1. Januar 1901 den Bestimmungen des Börsen vereins unterworfen hat, nachdem sie noch im Laufe des letzten Sommers gegen zwei Vorstandsmitglieder der hiesigen Vereinigung — die Herren Siegismund und Prager — eine Privatklage auf Grund des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb anhängig gemacht hatte. Sie glaubte in einem von dem Vorstände der Vereinigung gegen eine Firma in Leipzig veranlaßten Verfahren wegen Lieferung an gesperrte Firmen eine Geschäftsschädigung erblicken zu müssen! Diese Privatklage ist zwar von der Klägerin kostenpflichtig zurück gezogen, aber durch eine — noch schwebende — Civilklage auf Schadenersatz in Höhe von 1600 ^ ersetzt worden. Wir können aus diesem Verhalten natürlich nicht den Schluß ziehen, daß die Firma Mayer L Müller den Wunsch hat, mit dem Berliner Sortiment, das den Herren Siegismund und Prager für ihre mühevollen Arbeiten in der Rabatt frage und in dem Kampfe gegen Warenhäuser, heimliche Lieferanten u. s. w. vielen Dank schuldet, wieder in freundliche Beziehungen zu treten.*) Unser Verein kann jetzt daran denken, mit anderen Hinder nissen aufzuräumen, die leider in Berlin noch reichlich vor handen sind. In erster Linie steht hierbei der 16>/, Prozent- Rabatt an den hiesigen Magistrat, gegen den wir schon lange kämpfen, ohne zum Ziele zu gelangen. Das böse Beispiel, das der Berliner Buchhandel mit der, wenn auch not gedrungenen Gewährung dieses unverantwortlich hohen Ra batts giebt, hat im vorigen Jahre dazu geführt, daß der Magistrat zu Schöneberg plötzlich von seinen bisherigen Lie feranten auch 162/g Prozent verlangte, und wenn wir auch mit allen Mitteln gegen die Firmen vorgegangen wären, die sich der Forderung Schönebergs unterworfen hätten, weil die vom Börsenverein bewilligte Ausnahme einzig und allein für den Berliner Magistrat gilt, — so kamen wir doch glück licherweise in die angenehmere Lage, unseren Mitgliedern mitteilen zu köunen, daß Schöneberg auf die höhere Rabatt- forderuug infolge unserer Vorstellungen verzichten und sich auch ferner mit 10 Prozent begnügen wolle. Als Fortsetzung zn dieser Sache kam eine gleiche Mehrforderung von seiten der Gemeinde Wilmersdorf, die schließlich in gleich günstiger Weise verlaufen ist, trotzdem der krasse Fall vorgekommen war, daß eine hiesige Firma sogar 20 Prozent angeboten hatte und sehr schwer zu bewegen gewesen ist, sich den Satzungen des Börsenvereins zu fügeu. Die Rabattfrage bezüglich der Lieferungen an den Ma gistrat zu Berlin ist in unserer Versammlung vom 28. Juni sehr eingehend behandelt worden. Man kam nach den ge machten trüben Erfahrungen zu dem Beschlüsse, es vorerst nur auf gütlichem Wege zu versuchen, eine Aenderung zum Besseren herbeizuführcn, und dabei die Hilfe der Kor poration zu erbitten, um unter Darlegung der Verhältnisse im hiesigen Buchhandel den Magistrat zu bewegen, frei willig auf die Forderung von 16^ Prozent zu verzichten. Vielleicht kommt zu diesem Versuche jetzt der richtige Zeitpunkt, um diese unrühmliche Ausnahmestellung des Berliner Sorti ments zu beseitigen. Sonstige Verfehlungen gegen die Rabattbestimmungen sind im verflossenen Jahre wiederum häufig vorgekommen, selten jedoch bei Mitgliedern unseres Vereins. Ausnahmslos sind die Klagen durch die hiesige Vereinigung erledigt worden, *) Inzwischen hat das Gericht I. Instanz, das Kgl. Land gericht Berlin I, K. f. HS. 10 durch Erkenntnis vom 23. März 1901 die Klägerin mit der erhobenen Klage abgewiesen. rlchtundsechzlüster Jahrgang. und da bereits bemerkt ist, daß die dortigen vier Vorstands mitglieder auch Mitglieder unseres Sortimenter-Vereins sind, so können wir hinzufügen, daß die Arbeit im Vorstande der Vereinigung eine ganz unglaublich große gewesen ist, deren Bewältigung in der Hauptsache dem Vorsitzenden, Herrn Siegismund, obgelegen hat. Aber gerade in der mühevollen Durchführung all' der zahlreichen Vorlagen liegt ein großer Erfolg, der dem ganzen Berliner Buchhandel zu gute kommt und seine zur Zeit bestehenden guten Beziehungen zum übrigen Buchhandel mitgeschaffen hat. Freilich wird es in Zukunft nicht möglich sein, die mit dem Amt eines Vorsitzenden der Vereinigung verbundenen Arbeiten von einem Berufsgenossen zu bewältigen, der dabei auch noch sein eigenes Geschäft führen muß; man wird daran denken müssen, die immer mehr zunehmende Arbeitslast auf einen Herrn zu übertragen, der sich lediglich diesen Angelegenheiten widmen kann. Der Kampf gegen die Warenhäuser, der unserem Ver' eine durch die im vorigen Bericht näher mitgeteilte Klage gegen unsere Wertheim-Kommission und sonstige Ausgaben schon über 500 Kosten verursacht hat, beschäftigte uns und die Vereinigung nach wie vor und kam durch die Er öffnung eines neuen großen Bazars (Tietz) wiederum in ein sehr lebhaftes Stadium, da es galt, auch hier die heimlichen Bezugskanäle zu verstopfen. Sie werden hinreichend über diese Vorgänge aus dem Börsenblatt orientiert sein, daß wir, und zwar infolge der mit ganz besonderem Danke anzu erkennenden Wachsamkeit und Hilfe verschiedener Verlagsfirmen und Barsortimente, öffentlich eine Anzahl Lieferanten festgestellt haben, so daß auch das neue Warenhaus nur unter Schwierig keiten seinen Bücherbedarf decken kann. Dergleichen große Firmen, die ihren Umsatz nach Millionen berechnen, sind also zu einer recht kläglichen Rolle gezwungen, wenn sie Bücher brauchen, da sie heimlich und durch Mittelsmänner beziehen müssen; aber es ist ohne Frage, daß sie immer wieder solche Wege finden und den hiesigen Sortimentsbuch handel aufs tiefste schädigen. Auch das neue Warenhaus hat eine große Menge neuer Bücher zu Schleuderpreisen vor rätig, und wir müssen sehen, daß uns die Brotartikel immer mehr aus der Hand genommen werden und nns nur die schwierigen, mühevollen, aber wenig einbringenden Geschäfte bleiben. Der Absatz in Bilderbüchern und Jugendschriften, Klassikern u. s. w. wird in den hiesigen Sortimenten von Jahr zu Jahr geringer, so daß auch die betreffenden Verleger schwer darunter leiden. Das Weihnachtsgeschäft hat unter diesen Verhältnissen wiederum sehr viele Klagen in Sorti menterkreisen hervorgerufen. Auch die Schädigungen durch Bücherprämien nehmen kein Ende, und es war besonders wieder eine Firma, die doch sonst fortwährend den Sortimentsbuchhandel um Ver wendung für ihre periodischen Veröffentlichungen angeht, dagegen anderseits durch Angebot von Bücherprämien in einem ihrer Blätter denselben Sortimentsbuchhandel aufs äußerste benachteiligt! lieber die allgemeinen Angelegenheiten des Buchhandels, wie sie in der letzten Leipziger Ostermesse und in besonderen Versammlungen zu Tage getreten sind, haben Herr Prager und Herr Siegismund in unseren Sitzungen berichtet; über die neue Warenhaussteuer und über neuere gesetzliche Be stimmungen, die für die Handelsgeschäfte von Bedeutung waren, referierte Herr Prager. Im Frühjahr drohte von neuem die sogenannte I-si Heinze, die unserem Verein be reits einmal Veranlassung zu einer Eingabe an den Reichs tag gegeben hatte; in dem aus allen Kreisen zusammcn- getretenen Komitee, das zur Abwehr des Gesetzes gebildet wurde und dann den Goethebund ins Leben rief, befand sich auch Herr Prager und hat darin den Sortimenter-Verein vertreten. 341
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