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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.02.1901
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1901-02-18
- Erscheinungsdatum
- 18.02.1901
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
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Börsenblatt f. d. deutschen Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. 1421 Nichtamtlicher Teil. Die Lx lidi'i« - Sammlung des Grafen zu Leiningcn-Westerburg in Neupasing bei München. Die Sitte, die Bücher einer Bibliothek mit einem si^num bibliotbsoas oder, was dasselbe sagt, einem Lx übrig, zu deutsch; Bibliothekzeichen, zu versehen, ist schon säst ein halbes Jahrtausend alt. Aber erst das neunzehnte Jahrhundert mit seinen historischen Bestrebungen hat nachdrücklich die Auf merksamkeit auf diese althergebrachte Kunstübung gelenkt und uns die Bedeutung der Lx libris-Klein-Kunst in ihrein ganzen Umfange erkennen gelehrt. Man begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Sammlungen von Bibliothek- zeichen anzulegen und hat dann auch in unseren Tagen die Entwicklungsgeschichte des Ux libris in den einzelnen Ländern geschrieben. Der königl. preußische Rittmeister a. D. Karl Emich Graf zu Leiningen-Westerburg in Neupasing bei München besitzt zur Zeit die größte Lx libris - Sammlung des Konti nents, die gegenwärtig genau 20 000 Stück*) umfaßt. Diese gewaltige Anzahl, die das beredte Zeugnis für einen unermüd lichen und enthusiastischen Sammeleifer ist, mag uns umsomehr in bewunderndes Erstaunen setzen, wenn wir bedenken, daß Graf Leiningen erst von 1889 an, also seit kaum zwölf Jahren, Ux libris sammelt. Lassen wir die einzelnen Blätter an unseren Augen vorüberziehen, so bekommen wir ein miniaturen- haft gezeichnetes Bild der Kunst und Kulturentwicklung der langen Periode von 1470 bis auf die jüngste Gegenwart, denn auch auf diesem scheinbar so eng begrenzten Gebiet der Kleinkunst finden wir, allerdings nicht lückenlos, die Chronik verschiedener Zeitalter erzählt. Stil und Mode, jegliche Capricen des Geschmacks, alle Geschmacklosigkeiten und nicht zuletzt die Schönheiten, die dem Schoße der Zeiten entstammen, haben sich auch auf diesem kleinen Kunstfelde widcrgespiegelt, so daß es sowohl für den Kunst- und Kulturhistoriker, wie für den Laien von hohem Interesse ist, dieses Spezialgebiet zu durchforschen, da es in jeder Hinsicht die Kenntnisse zu bereichern vermag. Die Sammlung des Grafen Leiningen enthält zahlreiche, köstliche Stücke, viele schöne Blätter teils von bedeutsamem kunsthistorischen Wert, teils von hohem heraldisch genealogischen und historisch-biographischen Interesse, die jetzt zum weitaus größten Teile auf keine Weise mehr zu bekommen sind, nachdem die Zahl der Lx libris - Sammler in den letzten Jahren merklich gewachsen ist und das Kostbarste sich in festen Händen befindet. Betrachten wir nun erst einmal die äußere Zusammen stellung und den Aufbau der genannten Sammlung. Die einzelnen Lx libris sind behutsam mit der oberen Seite auf dünne Kartons geheftet, nach der Größe und ihrem Wert zu je 4, 6 oder 9 aufgeklebt; seltnere und bessere Exemplare auf einem Karton allein oder zu zweien. Unter jedem dieser Blätter steht mit Bleistift der Name, Stand und Wohnort des Besitzers und das genaue oder geschätzte Datum, an der rechten Ecke der eventuell gezahlte Preis. Wo ein Blatt in der bisherigen Litteratur erwähnt ist, steht auch der Hinweis hierauf seit wärts mit Bleistift vermerkt; oben auf dem Karton ist der Name des Künstlers mit seinen Lebensdatcn verzeichnet. Die Kartons mit den Ux libris sind nach Ländern und jedesmal unter sich wieder chronologisch — die ältesten immer voran — geordnet. Diese Kartonpakete ruhen auf stärkeren Pappendeckeln und sind oben über dem Paket mit einem Bande zusammengebunden; die Pakete tragen oben auf dem Deckel die Aufschrift der betreffenden Abteilung. Auf diese *) Diese Zahl wurde am 8. Februar 1901 erreicht. Achtuudsechzigster Jahrgang. Weise ist es leicht möglich, eine Sammlung von 20 000 und noch viel mehr Blättern bequem iu einem Schranke mittlerer Größe unterzubringen. Ich glaube, ein jeder, der den Grafen Leiningen besucht, um seine Sammlung zu besichtigen, wird erstaunen, einen verhältnismäßig wie kleinen Raum diese weltberühmte und großartige Lx libris-Sammlung einnimmt. Das läßt sich aber auch nur bei der peinlichsten Ordnung erreichen, die ein sorgfältig geführter und wöchentlich ergänzter alphabetischer Katalog angenehm unterstützt. Von den 20 000 Lx libris des Grafen Leiningen sind nun; 9887 deutsche, 9175 ausländische, 890 Faksimile nachbildungen und 48 Originalzeichnungen. Die auslän dischen Blätter verteilen sich folgendermaßen; England 4242, Frankreich 1902, Amerika 1268, Italien 496, Belgien 343, Holland 267, Schweden und Norwegen 215, Rußland ISO, Dänemark 82, Spanien und Portugal 42, Kanada 35, Australien 22, Griechenland 4, Japan 9 u. s. w. Deutschland ist in dieser Sammlung bei weitem am reichsten vertreten, und das ist leicht erklärlich, nicht nur weil der Sammler selbst ein Deutscher ist, sondern weil in Deutschland im 15. Jahr hundert die Sitte der Lx libris begründet wurde und die Miniatoren des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts sich auf diesem reizvollen Gebiet fast ohne Ausnahme sehr lebhaft bethätigten; weil ferner auch in neuester Zeit Deutschland obenan steht in künstlerisch entworfenen Lx libris, qualitativ wie quantitativ. In der obengenannten Summe deutscher Blätter sind auch die Oesterreichs und der Schweiz mit ein begriffen schon deshalb, weil deren stammesverwandte Künstler sich oft schwer voneinander trennen lassen und sehr häufig ineinander übergreifen. Die chronologisch-stilistische Reihen folge dieser deutschen Abteilung setzt sich zusammen aus: 201 Lxlibris aus denJahren 1470—1600 , ohne 408 „ „ „ „ 1600—1700 s Geistl. 1138 „ ., „ ., 1700—1800 ohne Rokoko) u.Klöst. 414 „ „ „ „ 1470—1900 Geistliche Personen. 508 ., 1470—1900 Klöster. 481 „ „ ., „ 1470— 900 Rokoko. 141 „ „ „ „ 1470—1900 Bibliothekinterieurs 155 „ „ „ „ 1470—1900 alteAllegor.m. Büch. 736 „ „ „ „ 1470—1900 alte sonstige Allegor. 537 „ „ „ „ 1800—1870 Neuzeiti ohne Geistl. 4697 ., „ „ „ 1871—1901 „ / u. Klöster. 304 „ „ „ „ 1800—1900 nur Schriften ohne Bildschmuck. 81 „ „ „ „ 1500—1900 Bayern. Man wird aus dieser Zusammenstellung ein ungefähres Bild von der Vielseitigkeit der Sammlung empfangen, die alle Länder und alle Zeiten in sich schließt. Im frühesten Mittelalter war die Pflege der geistigen Interessen einzig und allein auf die Klöster konzentriert; aus ihnen gingen die Baumeister, Bildschnitzer und Miniatur maler jener Zeit hervor. Wie aber die Kirche die Beschützerin und Hegerin jeder Kunstübung in jener Epoche gewesen ist, so fand auch die Wissenschaft und jegliche höhere Gelehrten bestrebung bei ihr Aufnahme und Wartung. Daher finden wir auch in den Klöstern die ältesten und wertvollsten Stätten zur Herstellung und Sammlung von heiligen Büchern, Konzilienakten, kirchlichen Denkwürdigkeiten, ja selbst von heidnischer Litteratur des Altertums, die die ersten Christen in ihre Klöster retteten und dort sorgsam aufhoben. Da die Klöster nun häufig ihre Bücherschätze untereinander aus liehen, so versahen sie sie mit einem Eigentumszeichen, das ursprünglich in der handschriftlichen Eintragung des Kloster namens bestand. Dem Brauche jenes Zeitalters entsprechend, wurden diese Namenseintragungen bald wie die Folianten 189
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