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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.02.1901
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1901-02-12
- Erscheinungsdatum
- 12.02.1901
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- Deutsch
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Börsenblatt f. d. deutschen Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. 1265 tung gegenseitiger Interessen habe sich auch in anderen Rich tungen bereits herangebildet, so daß man von der Zeit das jenige in kurzem erhoffen dürfe, was zu erzwingen wir doch nicht ausreichende Mittel besäßen. So urteilt in Zeiten, wo die Staaten sich allerwärts durch Zollerhöhungen bedrängen, eine kleine Zahl von Inter essenten, denen die Fügung der Zeit und wohl auch eigenes Geschick eine günstige, sichere Lebensstellung beschieden hat. Und was überraschen muß — es kommen diese Stimmen gerade aus Kreisen, denen die gegenwärtig in unseren Händen befindlichen Aequivalente später noch zu gute kommen könnten. Aber das Gebiet, auf dem sie Umschau halten, bildet doch nur eineu kleinen Teil des Gesichtsfeldes, welches vor dem Bücherstatistiker offen liegt. Auf letzterem erhebt die große Anzahl wissenschaftlicher Werke und Unterhaltungsschriften mit den phototppisch kopierten Illustrationen fortdauernd Klage über Plünderung und sogar über Verunstaltung. Diplomatik und Courtoisie vermögen ja in manchen Dingen viel! Blicken wir aber auf die jahrelangen fruchtlosen Bemühungen unserer Schriftsteller- und Buchhändler-Aus schüsse, unserer in dieser Richtung thätigen Reichsorgane, um mit Rußland, Schweden, Dänemark und den Nieder landen auf einen der Gerechtigkeit mehr entsprechenden verständigen moäus vivonäi zu gelangen, sehen wir, daß eine mit Holland bereits vereinbarte Punktation am Widerstande der dortigen Kammern gescheitert ist, so möchte ein Zart gefühl schwer zu erklären sein, das uns hinderte, bei Her stellung neuer für unser Inland wirksamer Schutz gesetze unsere Interessen denen des Auslandes mindestens gleichzustellen und unsere Thüren nur dann vollständig zu offnen, wenn die Gegengabe nicht fehlt. Darum sei in letzter Stunde dem hohen Reichstage die Bitte unterbreitet, den Z 55 des zur Beschlußnahme vor liegenden Entwurfes in seiner Tragweite nochmals zu prüfen und die angefügte Veränderung ihrem ungefähren Inhalte nach, wenn auch nicht ganz in der vorgeschlagenen Form, dem neuen Gesetze einzuverleiben. (Entwurf) Original: Z 55. Wer nicht Reichs angehöriger ist, genießt den Schutz für jedes seiner Werke, das im Inland erscheint, so fern er nicht das Werk selbst oder eine Ilebersetzung an einem früheren Tage im Aus lande hat erscheinen lassen. Unter der gleichen Voraus setzung genießt er den Schutz für jedes seiner Werke, das er im Inland in einer Ueber- setzung erscheinen läßt; die Ilebersetzung gilt in diesem Falle als das Originalwerk. (Entwurf) Abänderung: tz 55. Wer nicht Reichs angehöriger ist, genießt für jedes seiner im Jnlande verlagsmäßig veröffentlichten Werke, sofern es nicht schon vorher im Ausland in irgend einer Sprache erschienen ist, den Schutz gegen Nachdruck und unbefugte Uebersetzung. Ist die Sprache, in der unter dieser Voraussetzung das Werk im Jnlande erschien, die deutsche, so gilt diese Erschei nung als Original, auch wenn sie Uebersetzung ist. Weitere Schutzrechte kann der Nichtreichsangehörige nur durch Beitritt seines Geburtslandes zur Berner Konvention vom 9. September 1886 erwerben. Die Holzschnittausstellung im Deutschen Vuchgewerbehause zu Leipzig. Wenn auch Ausstellungen von Originalen, besonders von neuen Erscheinungen und Erzeugnissen, den ersten Platz im Pro gramm des Deutschen Buchgewerbevereins einnehmen müssen, so ist doch auch eine Ausstellung wie die zur Zeit im Erdgeschosse des Buchgewerbehauses veranstaltete von zweifellos hohem Wert. Es dürste sich nicht so leicht wieder eine Gelegenheit bieten, den deutschen Holzschnitt des fünfzehnten und sechzehnten Jahr hunderts so gründlich kennen zu lernen, wie hier an der Hand der besten Nachbildungen, die es giebt. Wir glauben daher, daß es sich wohl lohnt, etwas ausführlicher über die reichen Schätze zu berichten, die dort zu sehen sind. Eine Gruppe Inkunabeln eröffnet den Reigen. Man kann an den ausgestellten Einzelblättern (1400—1450) beobachten, daß das Ideal der Verfertiger dieser populären Bilderwaren die kolorierte Federzeichnung war. In derben Linien stellt der Holz schnitt den Umriß dar, der dann mit der Hand koloriert wurde. Einige ausgezeichnete, täuschend getreu angetuschte Nachbildungen (vergl. besonders den Neujahrswunsch) geben eine besonders deut liche Vorstellung von der ganzen Klasse. Nachbildungen von Blockbüchern, d. h. von Büchern, die ganz von Holzstöcken ge druckt sind, z. T. mit umfangreichem, mühsam geschnittenem Text, schließen sich an (1460—1500). Diese ganze volkstümliche Ware trägt den Stempel der Massenerzcugung. Nicht höher stehen die ersten Buchillustrationen. Auch sie sind in der Mehrzahl noch von jenen Bildermachern, den Verufsmalern hergcstellt. So besonders die Bilder der ersten illustrierten Drucke (Albrecht Pfisters Donat in Bamberg) und die massenhaften Augsburger Illustrationen. Schon etwas höher stehen die Ulmer Erzeugnisse und die Holzschnitte der Kölner Bibel (um 1480). Aber erst das Eingreifen der Künstler hebt den Holzschnitt aus der kindlichen Stufe der Frühzeit. Der Maler Reuwich mit seinen großartigen Landschaften in Breydenbachs heiligen Reisen (Mainz 1486), Ulmer, Straßburger und besonders die Nürnberger Meister Wolgemut und Pleydenwurff, sowie der geniale Unbekannte, der die Lübecker Bibel von 1494 illustriert hat, zeigen, welchen Ausdruck der Holzschnitt nehmen kann. Ein besonderes Interesse fordert der Illustrator des Ritters von Turn und von Sebastian Brants Narrenschiff (Basel 1494). Man hat in ihm den jungen Dürer erkennen wollen. Wenn wir dieser Ansicht auch nicht beipflichten können, so sind doch die Illustrationen von einer Frische und Lebendigkeit, Figuren und Landschaft so gut, daß wir sagen: wir stehen unmittelbar vor der Pforte zu voller künstlerischer Freiheit. Die brachte dem Holzschnitt Albrecht Dürer. Man studiere seine großen Hauptwerke: die Apokalypse, die Passionen, das köstliche Marienleben, die teils im Auszuge, teils vollständig vorhanden sind. Wie da die Körper an Plastik, die Landschaft an Klarheit, Reichtum, Stimmung gewonnen haben! Welche tiefe religiöse und poetische Gestalt in diesen einfachen Blättern niedergelegt ist! Diese Werke allein schon machen den Besuch der Ausstellung zu einem Genüsse schönster Art. Man beobachte aber auch, wie der Holzschneider (auf dieser Stufe trennt sich der ausführende Xylograph vom zeichnenden Künstler) schrittweise lernt, die ganze Feinheit des durchsichtigen Liniengewebes genau nachzuschneiden. Man ver gegenwärtige sich dabei, daß es darauf ankommt, die schwarz druckenden Linien im Stock erhaben stehen zu lassen, also die kleinen (weißen) Rechtecke, Rhomben u. s. f. zwischen den Linien einzeln herauszuheben — eine ebenso langwierige wie schwierige Arbeit. Auf Dürer folgen die Werke, die im Aufträge des Kaisers Maximilian hergestellt sind, und unter ihnen dürfte der Riesen holzschnitt der Triumphpsorte (neuer Abdruck der Originalstöcke) besonders interessieren. Neben dem barocken und doch so köstlich reichen Entwürfe des Ganzen beachte man wieder die Schönheit des Schnittes: hier und an den Details zum Triumphzug läßt sich die ganze Virtuosität des alten Faksimileschnitts am besten studieren. Die Illustrationen zum Theuerdank und viele zum Weiß- kunig, die österreichischen Heiligen und so vieles andere der Zeit, besonders die Arbeiten Schäuffeleins (ca. 1480—1540) und anderer Nürnberger Schüler und Nachfolger Dürers, verraten neben tech nischer Gewandtheit doch schon ein Erlahmen der Erfindung. Frisch wirken noch die Schnitte Burgkmairs in Augsburg, denen ein festlich heiterer Charakter eigen ist, und die Illustrationen eines zweiten Augsburger Meisters, der nach seinem Hauptwerke der Meister des Petrarka genannt wird. Er ist vor allem als flotter Erzähler zu bezeichnen. Unter Burgkmairs Arbeiten (1473—1531) nimmt die stattliche Reihe der herrlichen Farben holzschnitte zweifellos den ersten Platz ein. In ihnen offenbart sich des Meisters Sinn für Festgepränge und heitere Schönheit am deutlichsten. Aber weder dem Augsburger, noch dem Witten berger Meister Lucas Cranach gebührt der Ruhm der Erfindung des farbigen Holzschnitts: dieser ist vielmehr älter. Die Aus stellung zeigt schon unter den Buchholzschnitten des fünfzehnten Jahrhunderts einen mit mehreren Platten gedruckten Farben holzschnitt. Nur so viel ist richtig: jene Meister haben durch ge schickte Verwendung der Tonplatten dem Holzschnitt allererst eine gewisse malerische Wirkung gesichert. Neben den Genannten hat auch Albrecht Altdorfer in Regensburg (1480—1538) den Farben holzschnitt kultiviert. Daneben interessieren unter den Arbeiten Achtundsechzigster Jahrgang. 163
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