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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.08.1903
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- 1903-08-14
- Erscheinungsdatum
- 14.08.1903
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6220 Nichtamtlicher Teil. 187, 14. August 1903. Die elf ältesten bekannten Drucke. Seit dem glücklichen Fund des Kalenderdrucks für 1448, den der Landesbibliothekar Zedler in Wiesbaden im vorigen Jahre gemacht hat, sind die bisherigen Anschauungen über den Zeitpunkt der Erfindung der Buchdruckerkunst insofern geändert worden, als dieser Zeitpunkt ziemlich weit in das 5. Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts zurückverlegt worden ist. Freilich ist dadurch, daß es nicht mehr gewagt scheint, die eigentliche Erfindung in die erste Hälfte jenes Jahrzehnts zu verlegen, die Person Gutenbergs in ein neues Dunkel ein getreten, indem über seinen damaligen Aufenthaltsort nicht das geringste bekannt ist. Vielleicht hat doch die Schedelsche Chronik noch recht, die behauptet, daß »diese hochwürdige Kunst zu allererst in Deutschland zu Mainz am Rhein er funden worden ist... und das ist geschehen in dem Jahr unseres Herrn 1440«. Was nun im besondern jenen Kalenderdruck so hervor ragend wichtig macht, das ist die Tatsache, daß er für die früheste Druckzeit bis 1454 den einzig beständigen, unan fechtbaren Pol in dem Meer der Vermutungen und Kombi nationen bildet, das seit Jahrzehnten uns umbrandet. Von diesem festen Boden aus lassen sich aber andre feste Punkte gewinnen, weil diese älteste uns bekannte Type des astro nomischen Kalenders auch in andern Drucken auftritt. vr. Paul Schwenke hat diese Type die »Donat- u. Kalender typ e« genannt, weil ihre älteste Form in dem Pariser- Fragment einer 27zeiligen Donatausgabe und ferner in einigen Kalenderdrucken erscheint. Nachdem Zedler die Type in der ersten im vorigen Jahre erschienenen Veröffentlichung der Gutenberggesellschaft eingehender behandelt und durch eine Anzahl Reproduktionen der Forschung näher gebracht hat, bringt die kürzlich erschienene zweite Veröffentlichung der Gesellschaft eine, die begonnene Publikation der kleineren Denkmäler in der Donat- und Kalendertype fortsetzende Arbeit des Abteilungsdirektors der Königlichen Berliner Biblio thek vr. Paul Schwenke.*) Er schließt sich darin der Ansicht Zedlers, an, daß die Type, mit dem der schon erwähnte Donat gedruckt worden ist, eine ältere Stufe der für den astronomischen Kalender verwendeten Type ist, mit andern Worten, daß der 27zeilige Pariser Donat in oder vor 1447 gedruckt worden und dem nach das älteste Druckwerk ist, das auf uns gekommen ist. Es gibt Leute, und zwar nicht wenige, die die müh same und wohl auch etwas langweilige Arbeit der Typen vergleichung für überflüssig und zwecklos halten. Daß sie gleichwohl zu sehr praktischen Ergebnissen führen kann, lehrt die Tatsache, daß sie uns hier wenn nicht ein be stimmtes Jahr, so doch sichere Anhaltspunkte für die Zeit der Erfindung der Druckkunst liefert. Auch die Planimetrie und Logarithmenrechnung erscheint an sich den meisten Leuten wenig verlockend, bis sie später einsehen, zu welch eminent praktischen Zwecken die an sich trockene Wissenschaft gebraucht werden kann. Zu dieser Bemerkung wurde ich infolge einer Äußerung eines Mitglieds der Gutenberggesellschaft veranlaßt, das die bisherigen beiden Publikationen zu fachmännisch-lang- weilig-gelehrt fand. In der Tat können sie auf das Inter esse des großen Publikums nicht rechnen; aber einerseits müssen sich die Mitglieder doch sagen, daß eine solche Ge sellschaft in erster Linie durch ihre Veröffentlichungen für die Wissenschaft von Bedeutung werden muß, anderseits tritt man ihr auch weniger deshalb bei, um sich durch sie eine vergnügte Stunde bereiten zu lassen, sondern um durch den Beitrag diese Wissenschaft zu unterstützen. *) vr. vs.uI Lobvsvlrs, dis Vovs-t- und üglsudsrtzys. l^g.obtrg,A und Übsrsiobt. (VeröKsntlieliuii^sii dsr OuteubsrAASsell- svbsti ll.) Nsdur 1903, 49 8. 4". u. 7 Viobtdruoktg.ks1ll. Wie mühsam diese Wissenschaft oft ist, zeigt z. B. auch der Umstand, daß nur zwei der ältesten bis jetzt bekannten Drucke mit der Donat- und Kalendertype, nämlich der Türkenkalender für 1455 und das 1454 zuerst benutzte Ablaßbriefformular, selbständig erhalten blieben, während alle andern als Aktenum schläge oder Verkleidung von Buchdecken auf uns gekommen sind. Mit Ausnahme des Ablaßbriefs sind sie auch alle nur in einem Exemplar bekannt, so daß es keinem Zweifel unterliegen kann, daß viele mit jener frühesten Type hergestellte Drucke gänz lich verloren gegangen sind. Das Typenstudium hat übrigens ergeben, daß auch der älteste, auf uns gekommene Druck, der Pariser 27zeilige Donat, nicht ein erstes Druckwerk sein kann. Schwenke hat festgestellt, daß die für ihn verwandte Type sich in einem Versuchs- und Übergangsstadium befindet. »Es stehen bei einer Reihe von Buchstaben parallele Formen, vermutlich alte und neue, nebeneinander«. Diese Type hat nun eine Wandlung durchgemacht. Der astronomische Kalender zeigt »nicht sowohl eine Schöpfung neuer Formen, als eine Vereinfachung der vorhandenen; die weniger ge lungenen sind ausgeschieden, die gut befundenen neu ge gossen.« Das nächste erhaltene Druckdenkmal ist der schon erwähnte Türkenkalender. Er zeigt die Type, wie sie von da ab unverändert bleibt sowohl in der Auszeichnungsschrift des Ablaßbriefformulars, wie im Aderlaßkalender für 1457, im deutschen Cisianus zu Cambridge, in den 27zeitigen Donatdrucken, von denen noch in London und München ein Exemplar aufbewahrt wird, in dem 27zeitigen Donat, der in zwei Teilen in Oxford und Bamberg erhalten ist, in dem 30zeiligen Donat in den Bibliotheken Bodleiana und Oxford und dem Donat des Albrecht Pfister. Einen vollständigen Neuguß der Type mit weitern Änderungen in den Formen zeigt erst die Type der 36zeitigen Bibel. Die Frage, wo diese Drucke hergestellt worden sind, be antwortet Schwenke dahin, daß sie ans Mainz Hinweisen. Der Pariser Donat, der Aderlaßkalender, ein Blatt des 30 zeitigen Donat sind in dieser Stadt selbst gefunden worden, der astronomische Kalender stammt aus dem nahen Kloster Schönau im Rheingau, der 31 zeitige Ablaßbrief ist in der Mainzer Diözese verbreitet worden, der Cisianus folgt dem Mainzer Kalender, und sein erster Aufbewahrungsort liegt in der Gegend von Mainz bis Straßburg; der Türken kalender ist in der Orthographie ausgesprochen rheinfränkisch. Nur der 27zeilige Donat, dessen unterer Teil sich in Bam berg befindet, ist dort aufbewahrt gewesen, aber seine Ent stehung will Schwenke »gewiß nicht dahin« verlegen. Als Grund seiner Weigerung sieht er die Folgerung an, daß man im andern Falle genötigt sei, nicht nur den Druck der 36zeitigen Bibel dem Pfister zuzuschreiben, was heute ziemlich allgemein geschieht, sondern ihn auch für die dafür nötige Erneuerung der Type ansprechen zu müssen, und letzteres stehe im Widerspruch mit dem, was wir von Pfister erwarten dürften. Ob dieser Grund genügt, um die Tatsache der Er haltung des Druckes gerade in Bamberg in ihrer Folgerung zu entkräften, scheint mir zweifelhaft. Die Frage, von wem die Type angefertigt worden ist, beantwortet Schwenke dahin, daß es kaum gestattet sei, au einen andern Urheber zu denken als an den Mainzer Er finder, Gutenberg selbst; »ich sage ausdrücklich Mainzer, um die holländischen Ansprüche nicht von vornherein auszu schließen«. Schwenke ist auch vollständig davon überzeugt und glaubt auch, daß nunmehr, d. h. nachdem jetzt die Aus übung der Kunst bis weit in die vierziger Jahre zurückverlegt ist, auch der stärkste Zweifler die Möglichkeit nicht mehr bestreiten werde, daß die geheimen Künste, die Gutenberg nach Ausweis der Straßburger Prozeßakten von 1439 dort betrieben hat, sich auf denselben Gegenstand bezogen hätten. Was das Verhältnis dieser alten Donat- und Kalenderschrift
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