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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.07.1903
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1903-07-25
- Erscheinungsdatum
- 25.07.1903
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
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- Saxonica
- LDP: Zeitungen
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^ 170, 25. Juli 1903. Sprechsaal. 5761 schuhe.« Ihren Standpunkt kann allenfalls ein Universitätsbuch händler einnchmen oder ein Sortimenter, der sich auf den Betrieb einer Spezialität eingerichtet hat. Glauben Sie, daß das Gros der deutschen Buchhändler in den kleinen Städten Ihrer Auf forderung, das Schulbüchergeschäft ganz aufzugeben, Nachkommen kann? Unter keinen Umständen, wie ich Ihnen aus nachfolgendem bcweiscnsmöchte. Heute hat der kleinere Sortimenter gegen die Zeit vor fünf undzwanzig Jahren schon so manches aufgcgeben. Erstens ist das Bilderbuchgeschäft so ziemlich ganz aus seinen Händen ge nommen. Heute geben die allerorten befindlichen Warenhäuser Bilderbücher bis zu 25 Ordinär-Wert gratis zu, um die spar samen Hausfrauen an ihre Verkaufstische zu ködern. Bilderbücher bis zu 1 ^ Ordinär-Wert verkauft das Warenhaus, und was für schöne Exemplare? Wenn sich einer der Herren Kollegen diese einmal näher angesehen hat, so sind ihm die jetzigen Bestrebungen der Schule betreffend »Erziehung zur Kunst- wohl einleuchtend, denn durch diese Bilderbücher werden dem kindlichen Gemüt in den Jahren der ersten Aufnahmefähigkeit solche elenden An schauungen beigebracht, daß die Schule durch gute Anschauungs bilder jahrelang daran arbeiten muß, den Kindern die An schauungen zu korrigieren. Dem Sortiment verbleibt nur noch der Vertrieb besserer, d. h. auch teurerer Bilderbücher, deren Ver leger leider damit kalkulieren muß, daß das Sortiment nicht bar einkauft, und wodurch so hohe Ladenpreise dieser Bücher entstehen, daß wir Sortimenter als die «Apotheker- für Bilderbücher, d. h. die teuren Leute verschrien werden. Ich komme nun weiter zum Jugendbüchergeschäft. Dieses wird uns zur Zeit fast aus demselben Grunde, das beim Bilder büchergeschäft maßgebend ist, von den Warenhäusern und diesmal gerade von denen der großen Zentralen aus der Hand gerissen. Diese Abteilung der Warenhäuser wird einen ungeahnten Auf schwung nehmen, so daß wir in der kürzesten Zeit so weit sein werden, auch beim Angebot von Jugendschristen als die »Apotheker- zu gelten. Wir Sortimenter sind dann gerade gut enug dazu, die bessern Jugendschriften als erste Staffel zum adenpreise anzubieten, während die frühern, kaum wenige Jahre zurückgelegenen Jahrgänge oder Auflagen zu Schundprcisen ins Warenhaus wandern, das heute im Begriff ist, das moderne Antiquariat in Jugendschriften zu monopolisieren. Vergleichen Sie die Preise der Bücheranzeigen von Tietz und Wertheim im Berliner Tageblatt, hören Sie die Klagen der Ramsch-Großhändler und Jugendschriften-Verleger über die geringe Aufnahmefähigkeit des Sortiments gegen früher und sehen Sie sich in der Weihnachts zeit die schlecht besuchten Buchläden an. Stellen Sie dies alles mit den Erfahrungen in Ihren eignen Sortimenten zusammen, und Sie werden die Zeichen der Zeit verstehen. Ich komme nun drittens zum Kalendergeschäft. Dieses ist seit einem Jahrzehnt durch die Verausgabung von Reklame kalendern seitens der großen Versandhäuser so zurückgegangen, daß es im Sortiment kaum noch beim Umsatz zu berücksichtigen ist. Der bessere Familienkalender wird durch die 10 <ß-Kalender der Jahrmärkte, Hausierer und Buchbinder verdrängt, dort aber, wo noch irgendwie Aufnahmefähigkeit für einen 50 Kalender ist, da treten Pastoren mit praktischem Geschäftsblick, Krieger-, Militär- und Beamten-Vereine, Landwirtschafts-Gesellschaften rc. rc. mit ihren Fachkalendern ein und beengen uns ebenfalls das Ab satzgebiet. Ebenso wird der Absatz in Kalendern mit großem Ge schick durch die politischen Parteien — natürlich ebenfalls mit Umgehung des Sortiments — ausgenutzt. Es sollte mich gar nicht wundern, wenn demnächst gratis ein allgemeiner deutscher Warenhauskalender erscheint, dessen Anhang aus einem Preis verzeichnis von Bilderbüchern, Jugendschriften und Klassikern besteht, um so seitens der Warenhäuser zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Ich könnte nun noch eingehen auf Absatz von Variis, Musikalien, 10 Pfennig-Bibliotheken rc. rc., will es aber für heute genug sein lassen, um wieder auf meinen Ausgangspunkt zurückzukommen, die Hände vom Schulbüchergeschäft zu lassen. Verehrter Kollege Toeche, wollen Sie mir nun erklären, wo die Schüler in den kleineren Städten ihre Schulbücher kaufen sollen, wenn nicht beim Buchhändler? Sie sagen: «wenn alle Buchhändler so handeln würden, wie ich (d. h. keine Schulbücher verkaufen), so werden die Perleger das bald gewahr werden.« Wieso? An den chöhern Schulen-xvurden sich bald Lehrer finden, die den Bezug der Schulbücher vermitteln. Wie es heute z. B. an diesen Anstalten einen Lehrer als Rendanten, einen andern als Bibliothekar gibt, so würhe^ es bald' einen dritten als Buch händler geben!' Der Verleger hätte eine schöne, abgeschlossene Lieferung in Händen, brauchte keine Spesen nach Leipzig zu zahlen, den großen Bar-Sortimenten keine ,Vorzugsrabatte zu eben, bekäme Ordinär-Preise mit geringem Rabattabzug und rauchte überdies keine Klagen der Sortimenter anzuhören. Mit Volksschulbüchern entlasten uns schon heute Buchbinder, Papier- Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. 70. Jahrgang. Händler, sowie andere Krämer des Kopfzerbrechens, wie es einmal werden soll, wenn wir keine Schulbücher mehr verkaufen wollen. Dank unserer kostbaren, vorzüglichen Organisation geben wir unfern Buchbinder - Konkurrenten durch die Bar sortiments - Kataloge bekannter Großhändler noch damit die beste Konkurrenzfähigkeit in die Hände, daß wir ehrsamen Männer der Gilde keinen Rabatt geben, während sich der Krämer und Buch binder an keinen Beschluß des Börsenvereins hält (? Red.). Wenn wir Buchhändler es eben nicht verstehen, die Jugend in unsere Läden zu ziehen, so brechen wir für unser späteres Geschäft mit dem Grundsatz: »Wer nicht wirbt — der verdirbt«. Nein, wir müssen uns gerade das Schulbüchergeschäft zu erhalten suchen als eine der Stützen des kleinen Sortiments, und dürfen nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Wir müssen eben danach streben, die Herren Verleger zu bewegen, einen Rabatt zu geben, der ge eignet ist, etwaige Verluste bei neuenAuflagen und Neueinführungen andrer Bücher zu decken und uns eine anständige Lebensweise zu sichern. Wir müssen die Verleger zu bewegen suchen, nur mit Sortimentern, und zwar in entgegenkommender Weise zu ver kehren. Wie das zu erreichen ist, möchte ich berufneren Kräften ans Verlegerkreisen überlassen, von denen ein Teil recht gern wohl auch meinen Ansichten beipflichten wird. Den Sortimentern aber möchte ich als Mitglied des aller dings noch in den Kinderschuhen steckenden Sortimenter-Vereins immer wieder znrufen: »Wer nicht wirbt — der verdirbt, Sorti menter organisiert euch!« — Lissa i/P. Friedrich Ebbecke. VII. Das von Herrn W. Fussinger in Berlin in Nr. 164 d. Bl. vorgeschlagene Auskunftsmittel, die durch das Erscheinen neuer Auflagen antiquarisch gewordenen Exemplare älterer Schulbücher zu einem etwas ermäßigten Preise zu verkaufen, dürfte wohl keinem der Herren Kollegen etwas neues sein. Aber nach meinen langjährigen geschäftlichen Erfahrungen hat sich nur in ganz ver einzelten Fällen dieses Mittel verwenden lassen. Es ist gewiß, daß die Schwierigkeiten des Schulbücherverkaufs durch die Einführung der neuesten Rechtschreibung sich erheblich gesteigert haben und daß diese Steigerung voraussichtlich auch allgemach Nachlassen wird, bis etwa wieder eine veränderte aller- neueste Schreibung in Sicht ist. Aber das größere, dauernde Moment der Beunruhigung ist doch die Praxis einzelner Schul bücherverleger, durch häufige unbedeutende Veränderungen, wie Umstellen kleiner Absätze, Weglassen einzelner Kapitel und Ersetzen solcher än anderer Stelle usw. den Gebrauch der frühern Ausgabe neben der neuesten unmöglich zu machen oder doch für Lehrende und Lernende über Gebühr zu erschweren. Aus diesem Grunde haben sich hier, und wohl auch andern orts, die Schüler bis aufs äußerste gesträubt, eine ältere Auflage zu nehmen, wenn auch zu viel billigerem Preise angeboten. Und ganz verdenken kann man es unter diesen Umständen den Lehrern nicht, wenn sie die neu in eine Klasse eintretenden Schüler aus drücklich anweisen, unbedingt nur die neuesten Ausgaben (nach der Jahreszahl) der Schulbücher zu kaufen und zu gebrauchen. — Natürlich überträgt die Schwierigkeit des Verkaufs sich dann auch auf solche Bücher, wo die neue Auflage absolut keine andere Änderung aufwsist, als einzig und allein die neuere Jahreszahl auf dem Titelblatt; denn gegen die Autorität des Klassenlehrers ist jeder Uberzeugungsversuch des Buchhändlers machtlos. Bei dem Wettbewerb der Schulbücherverleger untereinander ist nicht anzunehmen, daß eingeführte und vielleicht seit vielen Jahren im Gebrauch befindliche Schulbücher fortwährend der Verbesserung bedürfen; eine gewisse Beständigkeit im Wortlaute der Lehrtexte ist auch durch das Preußische Unterrichts-Ministerium gefordert. Wenn hie Herren Schulbücherverleger sich ein wenig mehr an diese Bestilnmung halten möchten, würden sie sich den Dank aller andern Kreise,- die mit Schulbüchern zu tun haben, verdienen, ohne ihr eigenes berechtigtes Geschäftsinteresse zu schädigen. Königsberg i. Pr., 22. Juli 1903. Hermann Fischer. Verspätete Nemittenden. (Vergl. Börsenblatt Nr. 1°87, 169.) III. Zur Abweisung der Klage des Verlegers ist es erforderlich, daß der Sortimenter S. wirklich -ordnungsgemäß, remittiert hat, d. h. in einer Weise, die den Vereinbarungen mit dem Ver leger bezw. den Usancen des deutschen Buchhandels entspricht, und daß somit Annahmeverweigerung der Nemittenden seitens des Verlegers zu Unrecht erfolgt ist. Der Verleger ^4. hat sich dem Sortimenter L. gegenüber zur - 765
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