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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.02.1882
- Strukturtyp
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- Band
- 1882-02-27
- Erscheinungsdatum
- 27.02.1882
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- Deutsch
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Nichtamtlicher Theil. Hk 48, 27. Februar. 8i-S Schriften aus dem fünfzehnten Jahrhundert gibt von dem da maligen Bildungsstande der Nation eine durchaus günstige Vor stellung und zeigt, wie sehr das Volk in allen Massen ans Lesen gewöhnt war. „Allein im Utrecht'schen Gebiete", schrieb über die Verbreitung deutscher Bücher in den niederdeutschen Provinzen der echt kirchliche Reformator Joh. Busch (ch um 147S), „besitzen mehr als hundert Nonnen- und Beghinencongregationen deutsche Bücher und lesen dieselben täglich entweder für sich oder im Refectorium." „Die Vornehmen des Landes", fährt er fort, „das gemeine Volk, Männer und Frauen haben hier in unserer ganzen Gegend viele deutsche Bücher, worin sie lesen und studiren." Natürlich wurden diejenigen Werke durch den Druck am meisten vervielfältigt, welche den reichsten Absatz in Aussicht stellten, und welche man am weitesten verbreiten wollte. Man kann also aus dem Maße der Vervielfältigung sicher schließen auf die Bedeutung und den Werth, der einem Werke für die Zeitgenossen beigelegt wurde, und anderseits den Einfluß einer Schrift leicht nach deren Vervielfältigung berechnen. Daher ist es für die Kenntniß und Beurtheilung jener Zeit keine gleich gültige Thatsache, daß die Bibel in mehr als hundert Ausgaben erschien, daß ferner zum Beispiel ein theologisches Werk des Johann Heynlin von Stein vom Jahre 1488 bis 1500 in zwanzig, daß die pädagogischen Schriften von Jacob Wimphcling binnen etwa fünfundzwanzig Jahren in dreißig verschiedenen Ausgaben gedruckt wurden, daß das Buch „von der Nachfolge Christi" bis zum Jahre 1500 in mehreren Sprachen nicht weniger als neunundfünfzig Ausgaben erlebte. Von einer Samm lung deutscher Sprichwörter sind noch jetzt zehn Ausgaben vor handen. Die Frage, in wieviel Exemplaren die einzelnen Aus gaben erschienen sein mögen, läßt sich nur annähernd lösen. An zwei Stellen in Wimpheling's Schriften wird die Stärke der Auflage ans tausend Exemplare angegeben; Johann Cochläus ließ im Jahre 1511 seine lateinische Grammatik in tausend Exemplaren drucken; gleichzeitig erschien Pfeffcrkorn's Handspiegel in ungefähr tausend Exemplaren; von Jakob Locher's Fulgentius wurden ebensalls tausend Exemplare gedruckt*). Nach diesen Beispielen läßt sich wohl, abgesehen von den Folioausgabcn, die angegebene Zahl als die damals gewöhnliche für die Auslage eines Buches annehmen und hiernach die Ver breitung einzelner Werke bei zwanzig, dreißig, selbst bis sechzig Ausgaben berechnen. Bei Erbauungsbüchern und sonstigen Schriften religiösen Inhaltes war die Zahl der Exemplare wohl noch größer; wie denn auch andere Schriften berühmter Männer, welche ein großes Publicum fanden, in stärkerer Auslage erschienen. So wurde „das Lob der Narrheit" von Erasmus gleich in der ersten Auf lage in achtzehnhundert Exemplaren gedruckt. Unzählig viele Druckwerke aus dem fünfzehnten Jahrhundert sind theils in den späteren religiösen Kämpfen und in den Bürger kriegen verloren gegangen, theils bis in das gegenwärtige Jahr hundert herein unbeachtet gelassen und verschleudert worden. Dennoch kann man die Zahl der noch jetzt vorhandenen aus der Zeit bis zum Jahre 1500 auf mehr als dreißigtausend, von welchen sehr viele drei bis vier und noch mehr Foliobände stark, ansetzen, und hieraus einen Rückschluß machen auf die geistige Arbeit und Energie jener Zeit. *) Für Folioausgaben hielten die Buchdrucker in Italien dreihundert Exemplare für eine geeignete Auslage. Vergl. v. d. Linde so. Die kleinste Auslage des Verlags von Schweynheim und Pannartz in Rom zählte 27S, die größte 110» Exemplare. Vergl. das Berzeichniß bei Fall, zur Beurtheilung des fünfzehnten Jahrhunderts 4IS—4l0. Miscellen. lieber Berthold Auerbach's literarischen Nachlaß schreibt man der Neuen Freien Presse Folgendes: „Der Dichter hat im vergangenen Sommer in der Villeggiatur seines intimsten Freundes, in dem »Waldhause« bei Niedernau (Tübingen), mit der Auszeichnung seiner Lebensgeschichte begonnen, welche nach seinem Plane bis zum Tode seiner ersten Frau reichen sollte. Ta Auerbach schon Anfangs November in Cannstatt schwer erkrankte und ihm auch in Cannes jede geistige Anstrengung ärztlich untersagt war, dürfte das Werk nicht viel über die Geschichte seiner Vorfahren hinausgekommen sein. Unter diesen nimmt eine hervorragende Stelle sein Großvater ein, ein böhmischer Musikant, der aufseinen Wanderfahrten nach Württemberg gekommen war. Er war Virtuose des Hackbrettes und erhielt deshalb im schwäbischen Lande den Beinamen: »Schmuhl Hackedebak«. In diese Autobiographie wollte Auerbach im Genre der in der »Deutschen Rundschau« erschienenen »Besuche im Jenseits« seines Freundes Ferdinand Hiller eine Reihe literarischer Portraits aus der nachclassischcn Periode Deutschlands verweben, alle nach der Natur und seinen persönlichen Beziehungen zu den Betreffenden gezeichnet. Dieser Theil des Werkes — ohnehin vielleicht der interessanteste des ganzen Planes — dürfte fertig vorliegen, außerdem eine Anzahl jener kleineren Geschichten, wie er sie neuerdings gesammelt unter dem Titel: »Deutsche Jllustrirte Volksbücher« bei A. Bielefeld in Karlsruhe herausgab. Ein socialer Roman, wegen dessen Titel Auerbach noch im Sommer mit Victor von Scheffel verhandelte und den er schließlich »Der Meister und seine Gesellen« nennen wollte, ist un gedruckt geblieben und soll auch nach des Autors Wunsch nicht ver öffentlicht werden. Die Memoiren Auerbach's dürften zuverlässig und gut zu ergänzen sein aus seinen regelmäßigen ausführlichen Briefen an seinen Vetter, den Lehrer vr. Auerbach in Frankfurt a. M. Eigentliche Tagebücher hat Auerbach nicht geführt; als solche können aber sehr wohl diese seit langer Zeit regelmäßig fort gesetzten Briefe an den Vetter gelten." In Halle wird in den Tagen vom 12. bis 14. April d. I. der Zweite Deutsche Geographentag abgehalten werden. Es ist damit eine Ausste llung von jederlei Hilfsmitteln des geo graphischen Studiums und Unterrichts verbunden, wofür Zusen dungen an die G. Schwetschke'sche Verlagshandlung zu richten sind. Aus dem Reichs-Postwesen. — Für die Bestellung der Postsendungen durch Eilboten treten, nach einer Be kanntmachung vom Staatssecretär des Reichs-Postamts vom 20. ds., vom 1. März ab folgende Bestimmungen versuchsweise in Kraft: Bei Vorausbezahlung des Eilbestellgeldes sür Sendungen nach Landorten kommt wie bei Telegrammen eine Gebühr von 80 Pf. sür Briese, Postanweisungen und Geldbriefe, dagegen für Pallete eine solche von 1 M. 20 Pf. ohne Unterschied der Entfernung zur Erhebung. Für die Eilbestellung im Ortsbezirk der Postanstalten kommt im Fall der Vorausbezahlung die seitherige Gebühr von 25 Pf. für alle Gegenstände außer den Palleten, sür letztere der Satz von 40 Pf. zur Anwendung. Ist das Eilbestellgeld nicht im voraus entrichtet, so hat der Empfänger, wenn er die Sendung an nimmt, das volle Botenlohn zu zahlen. Den Eilboten werden Geld briefe und Werthpackete bis zum angegebenen Werth von 400 M., Postanweisungsbelräge ebenfalls bis zur Höhe von 400 M. mitge geben. Eilpackete im Gewicht von mehr als 5 Kgr. werden nur in soweit abgetragen, als die Postanstalt am Bestimmungsort es sür angängig erachtet. Bei Vorausbezahlung des Eilbestellgeldes ist unter dem die Eilbestellung verlangenden Vermerk der Zusatz „Bote bezahlt" zu machen.
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