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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.10.1896
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- 1896-10-08
- Erscheinungsdatum
- 08.10.1896
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- Deutsch
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235, 8. Oktober 1896. Nichtamtlicher Teil. 6349 lassen müssen, als es vorliegtI Zum Teil klingen die Namen der von Luther Beschenkten etwas eigentümlich, z. B. Ernst Malyno, Jahn (ohne Vorname!), Ernst Jacoby, Jacob Dolly, Hans Josty, Mendle (ohne Vorname!), Guttsher (ohne Vorname!). Wunderbar fügte es sich, daß Anton Ulrich in Wittenberg am 12. November 1531 einen Valerius Maximus und genau ein Jahr später, am 12. November 1532 wiederum einen Valerius Maximus von Luther geschenkt erhielt! Doch genug des Scherzes! Die Sache ist zu ernst. Wir haben es hier mit einer der raffiniertesten Fälschungen zu thun. Eine einzige Beobachtung genügt, die Unechtheit der Bände erkennen zu lassen: der Namenszug Luthers ist von 1522 bis 1544 schablonenhaft derselbe. Um hier nicht so bald erkannt zu werden, haben die Fälscher gern eine ganze Bändesolge benutzt. Hier sollte Luther seinen Namen rasch hintereinander geschrieben haben — damit war das schablonenhaft Gleiche desselben zu erklären. Darum widmet Luther seinem Freunde Bucer den eben erst erschienenen fünfbändigen Chrysostomus, »Herrn Johannes Lampe zu Wittenberg» den gleichfalls nagelneuen fünfbändigen Hieronymus, fünf Bände Hieronymus (von 1516 und 1525 — recht sorgfältig zusammengesucht!) -Herrn August Scholl zu Witten berg-, vier Bände Bonaventura -Herrn Ludwig Ditterich zu Halle- und zwei Bände Bonaventura (von 1495!) seinem -gutten Freunde Otto Meydinger zu Halle». Warum stehen die Inschriften — momentan kann ich nur 64 Bände darauf hin kontrollieren — nur in lateinischen Bän den? Weil deutsche Bücher aus jener Zeit bedeutend wertvoller sind. Viel Geld wollten die Fälscher offenbar nicht anlegen. Des halb nahmen sie, was billig zu bekommen war. Hier wäre ein Weg, den Fälschern auf die Spur zu kommen! Vielleicht läßt sich feststellen, in welchen Katalogen die hier be findlichen Inkunabeln zuletzt gestanden haben und von wem sie erworben worden sind. Den Gipfel der Frechheit der Fälschungen stellen die In schriften ihrem Inhalte nach dar. Meines Wissens besitzen wir kein einziges Lied Luthers in Originalhandschrift. Und was taucht hier aus? Das Lied »Vater unser im Himmelreich- findet sich als »Auto graphon- dreimal (1530 — nach München verkauft —, 1529 — nach Mailand —, 1533 nach Wien!), -Dies sind die heil'gen zehn Gebot- gleichfalls dreimal (1530 — München, 1541 — Mailand, !533 — Wien), -Gelobet seist du, Jesus Christ- zweimal (1530 — München, 1535 — Mailand), »Eine feste Burg ist unser Gott zweimal (1530 — München und Mailand). Wer durchschaut hier nicht das Fabrikmäßige der Herstellung? Und wie geschickt haben die Schwindler ihre Machwerke verteilt! Aber noch mehr! Der 23. Psalm ist fünfmal') vertreten. Und wohin hat man die einzelnen Exemplare gebracht? Je eins nach Leipzig, Halle, München, Wien und Mailand! Je dreimal finden wir die Sprüche: -Kämpfe den guten Kampf des Glaubens-, »Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben-, »Also hat Gott die Welt geliebt-. Auch hier verfuhr man so, daß München, Mailand und Wien mit je einem Exemplare bedacht wurden. Doppelt vertreten sind neun Sprüche. Von acht dieser Bände ging je einer nach Mailand und München. Nur ein Spruch findet sich zweimal in Mailand (1530 und 15401). So gedankenarm war Luther nicht. Wohl schrieb er gern ein Bibelwort in eine Bibel oder sonst ein Buch (nicht dieses Buch schenkend, sondern um eigenhändig, wie man es wünschte, etwas einzutragen; in dasselbe Buch thaten es öfters dann nach ihm Melanchthon u. s. w. — wie z. B- eine Bibel auf dem Schlosse Wolkenburg es zeigt!), aber er fügte dem seine eigenen Gedanken hinzu. Viel Zeit und Mühe haben die Fälscher aufgewandt. Mir würde jede Minute leid thun, die ich der Aufdeckung dieses Schwindels widme, wenn ich nicht wüßte, daß solches eine Pietäts pflicht gegenüber dem großen Reformator und zugleich ein Dienst der Wissenschaft geleistet ist, die vor jeder Unwahrheit insolge jener verbrecherischen Fälschungen bewahrt bleiben möge. Leipzig. v. Buchwald. Mit Bezugnahme auf Vorstehendes habe ich nur noch hinzu zufügen, daß in einem Zeitraum von 25 Jahren (1871 bis 1896) nach meinen genauen Aufzeichnungen sowohl in deutschen als aus ländischen Autographenauktionen (dem Hauptmarkt des Auto graphenhandels) ca. 20 echte Lutherautographen zum Verkauf kamen, worunter sich allein 6 Fragmente befanden, somit also nur 14 eigenhändige und vollständige Briefe in Betracht kommen, von denen ich allein 4 Piecen (viäs Katalog XXII) noch am Lager habe. Hieraus mag man ersehen, wie undenkbar es ist, daß in einem halben Jahre 79 echte Dedikationsexemplare plötzlich zum Vorschein kommen können, und ist somit auch durch diese kurze Notiz die evidente Fälschung der letzteren begründet. Leipzig. Otto Aug. Schulz. In Berlin noch ein Exemplar. (D. Red. d. Le»ltralblatts s. Btbl.-Wesen.) Dreiundsechzigjter Jahrgang. Oeffentliche Lesehalle in Charlottenburg. — Wie die Nat.-Ztg. mitteilt, hat das »Komitee für die Errichtung einer öffent lichen Lesehalle- in Charlottenburg eine Petition an den dor tigen Magistrat gerichtet, worin es heißt, daß es Kenntnis davon erhalte, daß die Stadtgemeinde mit der Errichtung einer Volks bibliothek und Lesehalle Vorgehen wolle. Nun lehre aber die Er. fahrung, daß ein abgelegenes, zu kleines und während weniger Tagesstunden geöffnetes Lokal, sowie ein nicht allen Bedürfnissen genügender Lesestoff nicht geeignet seien, weite Kreise an die Aus nutzung einer solchen Einrichtung zu gewöhnen. Der Ausschuß halte es daher für seine Pflicht, schon um einer Zersplitterung der Kräfte vorzubeugen, der Stadtgemeinde seine Mitwirkung an zubieten. Nach den vorliegenden Erfahrungen würden die Grund lagen einer solchen sein: 1) Ein von fachmännischer Seite ohne jede Tendenz zusammengestelltes Büchermaterial. 2) Eine in dem Lese saale ausliegende Auswahl bedeutender Tageszeitungen und perio discher Zeitschriften aller Parteischattierungen. 3) Leitung und Betrieb durch einen wissenschaftlich gebildeten, fachmännisch geschulten Bibliothekar. 4) Benutzung unter möglichst geringen Formalitäten, zunächst Wochentags von 9—3 Uhr und 6 -10 Uhr, Sonntags von 6—10 Uhr abends. 5> Ausreichendes Lokal mit mindestens 100 Sitzplätzen in frequenter Lage. Das Komitee spricht daher die Bitte aus, die Stadtgemeinde Charlottenburg möge die Errichtung einer Volksbibliothek und Lesehalle in dem oben bezeichnten Umfange, durch den eine segensreiche Wirkung für die Allgemeinheit gewähr leistet werde, und nach den oben entwickelten Grundsätzen be schließen. Für den Fall, daß die Gemeindebehörden die Bitte durch Beschluß erfüllen, erklärt sich das Komitee zu folgenden Leistungen bereit: 1) Lieferung einer nach fachmännischer Auswahl anzu schaffenden Sammlung von ungebundenen Büchern im Werte von 20 000 in auf drei Jahre nach Bedürfnis verteilten Raten. 2) Zahlung von 1000 Jahresbeitrag zu den Einbinde- und Ein richtungs-Kosten, zunächst gleichfalls für drei Jahre. Neue Bücher, Kataloge rc. für Buchhändler. Osntralblatt kür Libliotbsksvsssn. Uisg. unter stänäiAsr Nit- virkung rablrsiobsr LaebAsaosssn äss In- unci Luslanäss von I)r. 0. Uartvig, Libüotbsksäirsktor in Halls. XIII. labrA. 10. u. 11. Ult. Oktober - blovsmbsr 1896. Usiprig, Otto Uarraseo vite. Inbg.lt: 2usätrs unä LsriebtiAUUASn eu msinsm -Liblio- Arapbisobsn Lanäbuvb über clis lnttsratur kür bsbräisobs 8praobkunäs- von Abrite 8tsinsebnsiäsr. — 2um srstsn Luob- äruok in Nübingsn. Von Orot. I)r. X. 8teilt. —- Lin inter nationaler Lg.tg.loA clor exakten IVisssnsebaktsn. Von Lar! äunksr. — Lin unsrbörtsr 8obvinäs! mit Lutbsr-VutoArapbsn. Von U. Lusbvalä. — Rsosnsionsn unci ^nesigsn. — lllit- teilunASn aus unä über Libüotbsksn. — Vsrmisebts Uotiesn. — Usus LrsobeinunASn a. ä. 6sb. ä. Libliotbsksvsssns. — Xntiquarissbs LataloAS. — ksrsonalnaobriobtsn. Hinrichs' Halbjahrskatalog 196. Fortsetzung. Verzeichnis der im deutschen Buchhandel neu erschienenen und neu aufgelegten Bücher, Landkarten, Zeitschriften rc. 1896, 1. Halbjahr. Mit Stichwort. Register, wissenschaftlicher Übersicht, sowie einem Anhang, enth. solche Neuigkeiten, die angezeigt gewesen, aber noch nicht erschienen sind oder deren Einsichtnahme bisher nicht möglich gewesen ist. Hrsg. u. verlegt von der I. C. Hinrichs'schen Buchhandlung, Leipzig. 8°. 854, 288 S- Vstronomis; UstsoroloAis, Lntiq.-LataloA Ur. 228 von Usiurieb Lsrlsr in Ulm. 8". 16 8. 492 Urn. Latbolisobs 'Ideologie. Nouatliobsr Xnesigsr Ur. 1 (8sptswbsr 1896) von N. Lsmpsrtr' Antiquariat (L. Haustein) in Lonn. 8". 36 8. Lrotsstantisebs IbsoloAis. LntbaltsncI clis Libliotbsk clss vsr- storbsnsu Obsreonsistorialratss Uöptnsr in Ooblsnr. Lntiqu.- LataloA Ur. 197 von kä. Usmpsrtg' Antiquariat (?. Uan- stsin) in Lonn. 8". 117 8. Uittsrarisobs 8sltsnbsitsn, alts Uolrsobnitt- unä Lupksrvsrks sie. Vntiquarisvbsr Vursigsr Ur. 99 von 1. 8obsibls in 8tuttAart. 8°. 22 8. 264 8. Xusvabl aus allsn IVisssusebaktsn. ^.ntiqu.-Latalog Ur. 44 von Usinrieb 8sböninAb, Lntiquariat in Nünstsr i. W 8". 115 8. 3475 Urn. Geldsendungen nach Rußland. — Aus St. Petersburg wird der Leipziger Zeitung geschrieben: Bekanntlich kann gegen wärtig im russischen Reiche eine Geldsendung nur in der Weise effektuiert werden, daß das bare Geld, wohl verpackt, der Post über geben wird, die es dann wie andere Wertsachen behandelt und das darauf liegende Porto einzieht. Diese mit Umständen und verhält nismäßig hohen Kosten verknüpfte Einrichtung wird nun, wie die I Regierungsblätter melden, durch die Einführung der in Deutschland 858
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