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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.06.1899
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1899-06-15
- Erscheinungsdatum
- 15.06.1899
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- Deutsch
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136, 15. Juni 1899. Nichtamtlicher Teil. 4369 angenehmsten Erinnerung bleiben. Bei einem opulenten Mahle saßen wir an einein großen runden Tisch, der mit frischen Blumen reich geschmückt war, mit dem ehrwürdigen alten Herrn und seinen drei Töchtern in bunter Reihe. Keine Spur von Etikette dabei. In London kommt man überall vor 6 Uhr abends im Ueberrock und nach 6 Uhr überall im Frack und weißer Binde. So waren wir also auch bei dem Herrn Minister nicht etwa im Audienzanzuge, sondern so, wie wir von der Kongreßarbeit kamen, und hatten das Gefühl, daß es dem würdigen alten Herrn Freude machte, Berufsgenossen und Landsleute seines Großvaters bei sich zu sehen. Und wir hatten nicht weniger Freude an der ge winnenden Liebenswürdigkeit und den, zum Teil in deutscher Sprache vvrgetrngenen Erzählungen unseres Gastgebers. Für uns Deutsche bildet dieser Besuch bei Mr. Goschen einen Glanzpunkt des Kongresses. Abends hatten uns die Herren Macmillan zu einem kliimer im Savoy-Hotel geladen, wo im ganz internationalen Kreise ebenfalls ein sehr gemütlicher Ton herrschte. Es muß überhaupt gesagt werden, daß die englischen Kollegen eine wahrhaft großartige Gastfreundschaft gegen uns ausgeübt haben, wie sie es denn auch an Ueberraschungen anderer Art nicht fehlen ließen. Sv erhielten sämtliche Delegierte ein kostbares emailliertes Abzeichen, im Knopfloch zu tragen, gedruckte Führer durch London und Windsor mit Ansichten und Plänen, dann ein größeres Blatt niit den Portraits sämtlicher Delegierten, u. dergl. m. Auch waren wir von mehreren Klubs für die Dauer unseres Aufenthaltes zu Ehrenmitgliedern ernannt lind hätten als solche ein herr liches Lcbeil führen können, wenn wir nur die Zeit dazu gehabt hätten. Aber es war die ganze Woche hindurch keine Stunde unbesetzt, und schließlich hatte doch auch die Genuß fähigkeit ihre Grenzeil. Am Freitag, den 9., dem letzten Kongreßtage, ivurde noch recht scharf gearbeitet, um mit allem fertig zu werden. Kaum daß man sich die Zeit nahm, einer Einladung des Präsidenten Mr. Murray zum lrmollson in einem nahe der Stativners' Hall gelegenen Hotel Folge zu leisten. Am Nach mittage wurden dann noch in einer Plenarsitzung die sämt lichen Abteilungsbeschlüsse sanktioniert und darauf der Kongreß unter dem üblichen Austausch der Höflichkeit ge schlossen. Die Leser des Börsenblattes wird es besonders interessieren, zu hören, daß der nächste Kongreß in zwei Jahren in Leipzig stattfinden soll. Der Börsenverein wird dann Gelegenheit haben, den ausländischen Kollegen eben falls einen festlicheil Empfang zu bereiten. Ob mir dabei ähnliches leisten können, wie es in Paris, Brüssel und London geschehen ist, das soll und muß wenigstens versucht werden. Am Freitag Abend war zum Abschied noch eine Fest lichkeit in der Guildhall, dein Rathause der City, veranstaltet. In drei Sälen fanden wir eine auserlesene Gemäldesamm lung, iil einem andereil Saale trug ein Männerquartett Lieder vor, und in der Bibliothek konzertierten die Coldstream Gliards Ihrer Majestät. Den prächtigsten Anblick aber bot die große Empfangshalle, 46 w lang, 15 m breit und 17 in hoch, deren 500 Jahre alte herrliche Holzarchitektur mit einem Kostcnaufwande von 30 000 F vor einigen Jahr zehnten rekonstruiert ist. In diesem mächtigen Raume, dessen eine Längsseite von einem reich besetzten Büffett flankiert wurde, wogte bei blendendem Lichte die etwa 800 Personen starke Gesellschaft den ganzen Abend hin und her; viele be rühmte Männer waren erschienen, auch der Lordmayor, und ein reicher Damenflor in eleganten Toiletten gab uns Ge legenheit, anch nach dieser Richtung hin den Londoner Kol legen unseren Dank für die Ueberraschnng aussprechen zu können. Der Abend hatte in seinem ganzen Verlaufe viel Aehnlichkeit mit der Festlichkeit, die vor zwei Jahren in dem ErchSunblkchzlgs!» Jahrgang. Stadthause in Brüssel veranstaltet war. Nun, Leipzig würde wohl in der Lage sein, den Fremden im Gewandhause oder im Saale des Palmengartens ähnliches bieten zu können. Als eine Erholung nach der anstrengenden Woche war für heute, Sonnabend, noch ein Ausflug aufs Land geplant, der denn auch von fast sämtlichen Kongressisten beim herr lichsten Sonnenschein ausgeführt wurde. Ein Schnellzug brachte uns nach Windsor. Die Königin hatte die — Fremden sonst nicht gewährte — Erlaubnis erteilt, ihre Privatbibliothek be sichtigen zu dürfen, und so wurden die dort vorhandenen Schätze an Manuskripten und alten, seltenen Büchern von uns unter der sachkundigen Führung des Bibliothekars ge bührend bewundert. Es kann nicht meine Aufgabe sein, hier auf Einzelheiten einzugehen; aber erwähnen will ich doch, daß ich mit wahrer Andacht das erste mit der Jahreszahl des Erscheinens versehene Buch betrachtet habe, die erste Aus gabe des von Fust und Schösser 1457 gedruckten Psaltcriums. Und zwar ist dies Exemplar in Windsor das besterhaltene der wenigen noch bekannten; keines der in Wien, Paris u. s. w. befindlichen hat einen so breiten Rand und einen so schönen, sauberen Druck. Merkwürdigerweise besitzt die Windsor- Bibliothek keine der beiden bekannten Gutenberg-Bibeln, die zwar nicht datiert, jedenfalls aber älter sind als das Psalterium; doch sagte mir der Bibliothekar, daß ein Exemplar der Mazarin- Bibel in einer benachbarten Kapelle aufbemahrt werde. Bei läufig bemerkt, sagte mir Herr Bernard Quaritch, den ich gestern besuchte, daß das von ihm so teuer erworbene Exem plar der zweiten Ausgabe (1459) des Psaltcriums sich noch in seinem Besitz befinde. Es ist also die vor zwei Jahren durch deutsche Zeitungen gegangene, auch von mir in meine »Bücherliebhaberei« aufgenommene Notiz, das Quaritch- Exemplar sei weiter verkauft, unrichtig gewesen. Was sonst im Windsor-Castle zu sehen ist, darüber giebt jedes Reisehandbuch Auskunft; ich kann davon also schweigen. Aber ich darf es wohl aussprechen, daß die Aussicht von der Terrasse des Schlosses über die herrliche Landschaft bei dem klaren blauen Himmel und die erfrischende Luft geradezu belebend auf uns einwirkten. Die fröhliche Stimmung, in der wir alle nach den schweren Kongreßtagen heute waren, sie wird gewiß zum Ausdruck gekommen sein auf den ver schiedenen Gruppenbildern, die ein Berufsphotograph und mehrere Liebhaber in Windsor ausgenommen haben. Diese Stimmung war aber wohl auch mit eine Folge des letzten lunoüsons, das uns Mr. Murray in einem Windsor-Hotel anbot. Damit hatten die gemeinschaftlichen Unternehmungen ihr Ende erreicht, und in einzelnen Gruppen nach Belieben fuhren die Teilnehmer nach London zurück, um von hier aus die Rückreise nach dem Kontinent anzutreten. Ich will den heutigen Bericht nicht schließen, ohne der Lnbiisbsrs' Association ok drsai lZritsin anä Irolanä auch an dieser Stelle nochmals den wohlverdienten Dank im Namen aller deutschen Delegierten für die uns erzeigten Aufmcrsam- keiten, sowie für die würdige und erfolgreiche Durchführung des Kongresses abzustatten. In einein dritten Artikel werde ich über die Arbeiten selbst berichten, sobald das nötige Material vorliegt. London, den 10. Juni 1899. Otto Mühlbrccht. Verein der Buchhändler ;n Braunschweig. (Vgl. Börsenblatt No. 113.) In Bezug auf unfern im Börsenblatt vom 18. Mai d. I. enthaltenen Artikel können wir heute die erfreuliche Mit teilung machen, daß die hiesige Kaiserliche Ober-Post-Direktion infolge unserer Eingabe sich auf den Verkauf von Postwert zeichen beschränken wird. Brannschwcig, den 13. Juni 1899. Verein der Buchhändler zu Brnnnschweig. 582
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