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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 06.09.1894
- Strukturtyp
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- Band
- 1894-09-06
- Erscheinungsdatum
- 06.09.1894
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- Deutsch
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5334 Nichtamtlicher Teil. M 207, 6. September 1894, sondere, das sich der europäischen Koalition gegen Frankreich angeschlosscn hatte. In Preußen und im deutschen Reich über haupt beherrschten die Kriegssorgen alle Gemüter — und dennoch entfaltete der Buchhandel eine geradezu erstaunliche Thätigkeit und Rührigkeit, Was zunächst die Zeitungen, Zeitschriften und sonstigen periodischen Erscheinungen betrifft, so schossen diese gleichsam wie Pilze ans der Erde hervor, und schon damals bekun deten die Verleger jene feine Witterung für »Aktualität«, die die Gegenwart in so hohem Grade beherrscht. Ich nenne hier nur einige besonders bezeichnende Publikationen dieser Art: der Buchhändler Christian Ritscher in Hannover kündigte am 7. März 1794 mittels Cirknlars »Rambergs Gallcric der in teressantesten Scencn aus der französischen Revolution« an. Es heißt darin u, a,: »Wir leben jetzt in einer der merkwürdigsten Perioden der Weltgeschichte, Wir erfahren täglich die wichtigsten Auf tritte und Begebenheiten, die aller Angen ans sich ziehen, die das allgemeine Interesse erregen und deren Geschichte auch für die Nachwelt immer höchst merkwürdig bleiben wird. Wichtig sind daher die Bemühungen unserer Historiker, die Geschichte dieser Zeit uns und der Nachwelt auf- znbcwahrcn , . . Nie war daher in dieser Rücksicht die bildende Kunst wohl mehr Bedürfnis für Zeitgenossen und Nachwelt, als jetzt, und vielleicht nie boten sich ihr aus der Zeitgeschichte eine solche Menge und Mannigfaltigkeit großer und allgemein interessierender Scenen zu ihrer Be arbeitung dar als eben jetzt.« Der Pränumerationspreis des in Lieferungen erscheinenden Werkes, dessen erstes Blatt die Darstellung des rührenden Auf tritts enthielt, wo die unglückliche Marie Antoinette von ihren Kindern Abschied nimmt, um aus dem Temple in die Concier- gcrie geführt zu werden, kostete bis Michaelis 2 Thaler 20 Groschen oder einen Dukaten; nachher wurde der Ladenpreis um ein Drittel erhöht. Auf 9 Exemplare erhielt man das zehnte, auf 15 zwei und aus 20 drei Exemplare gratis. Die Gebrüder Hahn in Hannover gaben »Fliegende Blätter heraus, »dem französischen Krieg und dem Revolutions wesen unserer Zeiten gewidmet« — ein Archiv der revolutio nären und kriegerischen Ereignisse von 1794 —; in Altona erschien bei Hammerich das »Deutsche Magazin«, redigiert von Eggers, eine politisch-geschichtliche Zeitschrift, worin scharfe Worte gegen die Censur und für die Preßfreiheit fielen; Th, Schmalz in Königsberg ließ »Annalen der Rechte der Menschen erscheinen; aus dem Inhalt des ersten, von Friedrich Nicolovius in Königsberg verlegten Heftes derselben hebe ich die nachstehenden Aufsätze hervor: »Zur Untersuchung der Menschen rechte«, »Bemerkungen zur Beantwortung der Frage über das Verhältnis der Politik zur Moral, - Die Freiheit des Bürgers«, Moralisch-politische Untersuchungen der Ehe« rc. Ferner erschienen »Genius der Zeit« (Altona, Hammerich), »Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmackes« (Berlin, Friedrich Maurer), »Europäische Annalen« (Tübingen, Cotta,) »Klio, Monats schrift für französische Zeitgeschichte« (Leipzig, Schäfersche Buch handlung) u, v, a. Die Zahl der Kalender, auch die der politischen, war Legion; aber diese sonst so harmlosen Schriften spieen dies mal Feuer und Flamme; denn durch die im September 1793 dekretierte Einführung des Neufränkischen Nationalkalenders in Frankreich wurde eine heillose Verwirrung hervorgerufcn, so daß die meisten deutschen Kalender für 1794 gegen die Neu gestaltung des Kaleudcrwescns heftig protestierten. Selbst das »Journal des Luxus und der Moden« von 1794 (Weimar, Verlag des Industrie-Comptoirs) wurde wütend und donnerte gegen die Pariser Kalcndermänncr u, a. mit folgenden Aus- ührungen: »Jeder Tag der Neufrankcn gebiert, seit ihnen die Köpfe schwindeln oder abfallcn, mit einem neuen Greuel auch 10 neue Thorheiten; und cs würde in l^cr That ein höchst interessantes und unterhaltendes Werk geben, wenn ein hcllsehender und witziger Beobachter der französischen Revo lution sich die Mühe genommen hätte, alle die Skurrilicn, Pasguinaden, Rodomontaden und lächerlichen Nationalzüge der Neufrankcn zu sammeln, die sie während ihrer neuen Staatsumwälzung der Welt preisgeben. Eine der größten Schellen ihrer Wcisheitskappe ist — alles neu zu machen und alles Alte nicdcrzurcißen. So haben wir sie gesehen ihren Thron und ihre Regierungsform Umstürzen und ein Unding von einer ungeheuerlichen Republik schaffen, die nicht dauern kann; im Nationalkonvent darüber dclibericren, ob man Gott eine Existenz zugestehen wolle oder nicht; alle Religion und Gottesverehrung abschaffen; christliche Kirchen mit abgeschmackten Ceremonien zu heidnischen Tempeln cin- weihen und dann einen wahren modernen Götzendienst einführen; alle vorigen Gebräuche in Sprachen und Sitten umschaffcu; Erziehung und Schulunterricht aufheben, weil dies die freien Menschen zu Sklaven mache; Türme ab- brcchen, weil sie höher als die Häuser wären und der Gleichheit schadeten; ihre vorigen Maße, Gewichte, Münz verhältnisse und Zeitrechnung abschaffen und sich selbst nun als das Urbild, Lehrer, Befreier und Schutzgötter aller Nationen der Erde aufstellen, letztere auffordcrn — cs ebenso wie sie zu machen und es mächtig übel nehmen, daß die anderen Nationen der fünf Weltteile nicht einen gleichen politischen Saltomortale zu wagen Lust haben. Einer der albernsten Streiche, den unter vielen anderen diese Freiländer indessen vor kurzem gemacht haben, ist die gänzliche Ab- und Umschaffung ihrer vorigen christlichen Zeitrechnung und ihres alten Kalenders; denn sie werden uns dadurch in Zukunft eine solche Verwirrung in die Geschichte, wenigstens ihres unglückseligen Reiches, sowie auch jetzt schon in den Gang aller Handels- und Rechnungsgeschäfte, die sich auf eine richtige und von der ganzen kultivierten Welt allgemein angenommene Zeitrechnung gründet, machen, daß kein Mensch, der mit ihnen zu thun hat, den andern mehr verstehen und alles in Stockung geraten wird,« Der »Neufranzösische Kalender« war übrigens bei Baum- gärtner in Leipzig für 4 gute Groschen zu haben, — Sehr ge lesen wurde namentlich der in Göttingen in der Dieterich'schen Buchhandlung erschienene Revolutionsalmanach«. Vom In halt desselben wird man sich eine ungefähre Vorstellung machen können, wenn ich nur erwähne, daß auf zwei Blättern die zehn sehr ähnlichen Köpfe von zehn berühmten guillotinierten Personen: Gräfin Dubarry, Charlotte Corday, Bailly, Baruavc, Luckner, Fabre, Carrier, Chaumette, Danton und Guillotin ab- gcbildet wareix, Uebrigens tauchten auch unpolitische Blätter und sonstige periodische Erscheinungen in großer Fülle auf und fanden einen mehr oder weniger ausgedehnten Leserkreis. Die Sommersche Buchhandlung in Leipzig allein gab eine beträchtliche Anzahl von Taschenbüchern der verschiedensten Art heraus, so z. B. ein »Unterhaltendes Taschenbuch für Damen«, -Almanach für Reisende«, ein »Taschenbuch für Kinderwärterinucn« rc. Das letztere ist, seinem Zweck entsprechend, auch sehr billig gewesen; denn obschon es 16 Bogen kl, 8P enthielt, kostete es gebunden und in Futteral bloß 6 Groschen. Amüsant sind die Bezugs bedingungen der Verlagshandlung; diese machte mittels Cir- kulars und Annonce in den gelesensten deutschen littcrarischcu Zeitschriften jener Zeit bekannt: »Wer sich gerade an uns wendet und von einem der vorhergehenden Taschenbücher 4 Exemplare auf einmal nimmt und in Sächsischem Gelde oder Louisdor zu 5 Reichs- thaler bar bezahlt, erhält das fünfte frei und kann von
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