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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.12.1897
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1897-12-13
- Erscheinungsdatum
- 13.12.1897
- Sprache
- Deutsch
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sich führen und jederzeit auf Verlangen der zuständigen Be hörde vorzeigen müßte. Wenn es vielleicht hie und da am .Vollzug fehlte, so brauchte man doch deshalb nicht das Ge- lsetz zu ändern oder auf dem Umwege der Steuergesetzgebung /zu ergänzen. Wenn I)r. Pichler jedoch von »minderwertigen )ruck-Erzeugnissen spräche, mit denen hausiert würde, so wäre sdas bei der grundsätzlichen Verschiedenheit der Auffassungen der jMenschen und der Parteien ein sehr bedenkliches Gebiet ^llr. Pichler könnte Druckschriften für wertlos halten, die er ku denen rechnete, die einen Wert hätten. Hätte man es >och jüngst erlebt, daß der Abgeordnete Lerno dem Histo riker Sybel die wissenschaftliche Bedeutung abgesprochen und ^dafür einen obskuren Schriftsteller himmelhoch gelobt hätte, von dem außer Herrn Lerno wohl in ganz München wenige Leute etwas gewußt hätten. Die Gefahr läge,' zumal über den Geschmack nicht zu streiten wäre, nahe, daß hier sehr .grundsätzliche Verschiedenheiten in der Auffassung von der ! Minderwertigkeit eines Druck-Erzeugnisses in Frage kämen. Vielfach würde auf dem Lande die »Gartenlaube« kolportiert. Er kenne ernst zu nehmende Leute, die an dieser kein gutes Haar ließen, während er selbst sie möglichst in die deutschen Familien eingeführt zu sehen wünschte. Umgekehrt würde mit Dingen hausiert, die nach seiner Meinung allerdings so minderwertig wären, wie man sich nur denken könnte. Er läse da z. B. in einer Zeitung, daß von einem Südtiroler Geschäft Preis- kourants verschickt würden für verschiedene Drucksachen, die seinem Geschmacke nicht entsprächen, z. B. »Mittel, eine Seele aus dem Fegefeuer zu erlösen«. Er sage das ohne jede Neben absicht ; aber das wäre etwas, was man für unendlich minder wertig hielte, für etwas, womit das Volk wirklich betrogen und belogen würde. Mit dem Anträge vr. Pichler würde daneben aber gerade die gute Litteratur bedenklich geschädigt. Es würde auch mit Schriften tief religiösen Inhalts schwunghaft hausiert. Dem Vereine für Massenverbreitung guter Bücher in Weimar, der zahlreiche Zweigvereine hätte, der billige Volksausgaben von Klassikern und überhaupt gute Schriften unter das Volk bringen möchte, der von vielen Gemeinden unterstützt würde, dem bliese man mit solchen erhöhten Steuer sätzen unter Umständen das Lebenslicht aus. Der Abgeordnete Wirth (lib.) ist zwar mit vr. Pichler über die Schädlichkeit der Kolportagelittcratur einverstanden, aber im übrigen, bemerkt er, gingen die Urteile über Bücher und Schriften natürlich je nach Weltanschauung und Kon fession auseinander. Ihm und vielen anderen wäre z. B. das »Daheim« lieber als die »Gartenlaube«. Der Verbrei tung schlechter und widerchristlicher Schriften würde aber durch Steuererhöhung nicht Einhalt gethan. Gerade die schlechte Litteratur ertrüge am leichtesten auch höhere Steuersätze. Dieser Litteratur müßte man dadurch entgegentreten, daß man eine bessere in das Volk hineinbrächte, die nicht wie Sumpfwasser anzuschauen sei und wirkte, sondern eine Unter- haltungslitteratur, die wie frisches Quellwasser Herz und Gemüt erfrischte, die über Litteratur, die verschiedenen Er findungen und großen Erfolge des menschlichen Geistes, Ge schichte, Kunst und dergleichen Belehrung brächte. Der Ver breitung solcher Schriften wären erhöhte Steuersätze gerade sehr gefährlich. Vielfach würden in Ortschaften, die vom Pfarrsitze weit entfernt wären und wo sich die Leute bei An schaffung von Büchern nicht der Hilfe ihrer Geistlichen be dienen könnten, Gebet- und Predigtbücher, verschiedene Aus gaben der Heiligen Schrift, besonders solche mit gutem Druck für ältere Leute, oder solche mit wirklich künstlerischen Bei gaben kolportiert; die Leute möchten derartige Bücher doch sehen, ehe sie sie kaufen. Bei dem Vertrieb derartiger für die Hausandachten bestimmter Schriften wäre der Gewinn der Kolporteure ein sehr bescheidener, so daß es unrecht wäre, ihn durch höhere Steuersätze noch zu beschneiden. Man sollte es daher ruhig bei den Sätzen der Regierungsvorlage be lassen. Abgeordneter Brach (lib.): Er wäre jederzeit für Be kämpfung der Auswüchse im Gewerbeleben, zu denen auch der Hausierhandel gehöre, eingetreten. Er begrüße daher die Regierungsvorlage. Mit den Anträgen ll,-. Pichlers wäre er aber nicht einverstanden; sie träfen vielfach die Hausier gewerbe, die häufig von krüppelhaften und älteren Leuten betrieben würden, die diese höheren Sätze nicht erschwingen könnten. Der deutschfreisinnige Abgeordnete ve. Freiherr v. Stauf- fenberg hielt die Hinaussetzung des Satzes für die Druck schriften für absolut unannehmbar, und sie sollte dies seines Erachtens eigentlich für das ganze Haus sein. Was man da mit treffen wollte, das träfe man absolut nicht. Man sage, man wolle die Schundwaren treffen, obgleich er das Gefühl nicht unterdrücken könne, daß man den Esel schlage und den Reiter meine. Die Schundwaren träfe man nicht da mit, diese würden in der Regel nicht öffentlich, sondern mit Umgehung der Oeffentlichkeit vertrieben, und auf die Ver breitung dieser schlechten Kolportageromane, die leider an die Stelle der alten Volksbücher »gedruckt in diesem Jahr« getreten wären, würde man nicht den geringsten Einfluß üben. Da hätten die Leute einen so starken Absatz, daß sie auch die 50 ^ mit Vergnügen hergäben. Was man aber mit Notwendigkeit viel stärker träfe, das wäre der Vertrieb der guten Schriften. Schon von verschiedenen Seiten wäre dargethan worden, daß durch die Volksschriftenvereine und in anderer Weise die nachhaltigsten Versuche gemacht worden wären, gute Lektüre in weitere Kreise des Volkes zu bringen. Bei diesem Geschäft schaute nicht viel heraus. Dieser Ver trieb würde auf das stärkste getroffen. Auch könnten die politischen Parteien ja heutzutage gar nicht anders existieren, als wenn sie ihre Grundsätze durch Schriften, durch die Presse, in das Volk hinaustrügen. Die aufstrebenden Parteien wären ja viel stärker darauf angewiesen als die gewissermaßen herrschenden Parteien, die es nicht notwendig hätten. Der Vertrieb derartiger politischer Schriften würde aber teils voll ständig unmöglich oder so erschwert werden, daß ein großer Schaden daraus entstünde. Man beabsichtige das ja nicht mit dieser Erhöhung: aber es werde dies notwendig eintreffen, und wenn diejenigen Parteien, die hauptsächlich jetzt mit auf diesen Vertrieb von Druckschriften zur Verbreitung ihrer Grundsätze angewiesen wären, das nicht merkten, wenn sich z. B. die Anhänger des Bauernbundes den Strick ge wissermaßen um den Hals ziehen ließen, in dem sie sicher einmal erdrosselt würden, so hätte er ja nichts dagegen zu 'eigen, aber die Folge würde das sein. In seinem Schlußwort bemerkte vr. Pichler: Eingehend wäre über die Druckschriften gesprochen worden. Sartorius und Ehrhart meinten, daß dadurch eine Schädigung der kleinen Buchhändler herbeigeführt würde. Soweit er sich erinnere, wären gerade die kleinen Buchhändler am aller entschiedensten gegen diesen Hausierhandel; sie bäten sogar in Petitionen, man sollte diesen womöglich aufheben. Ehrhart und vr. Casselmann hätten gemeint: Was wären denn minder wertige Bücher? Um die Würdigung des Wertes handelte es sich bei der Besteuerung gar nicht; er hätte bloß darauf hingewiesen, um zu zeigen, daß gerade hier eine ganze Reihe von Mißbräuchen vorkäme. Diese Unterscheidung könnte man bei der Gewerbeordnung anbringen. Wenn Ur. Cassel mann wieder auf den alten Sybel zurückgekommen wäre — ja, man würde sich allerdings nicht verständigen über die Wertschätzung dieses gelehrten Herrn, seine Partei hätte hier ihre eigene Meinung. Abgeordneter Wirth hätte auf gewisse Vereine hingewiesen, die sich die Verbreitung guter und billiger Bücher und Zeitschriften angelegen sein
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