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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.11.1888
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1888-11-19
- Erscheinungsdatum
- 19.11.1888
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- Deutsch
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5888 Nichtamtlicher Teil. Z6 269, 19. November 1888. Nichtamtlicher Teil. ch A. J.'Kö Am 5. November starb sanft und unerwartet Anton Jo seph Koppel in St. Gallen"an Luugenlähmung im Alter von! 68,t Jahren, einer der Besten aus unseren Reihen, dem hier ein ^ Wort des Gedächtnisses gebührt. Koppel war 1820 in der St. Gallischen Rheinthalgemeinde ! Au geboren als der Sohn einfacher, sehr geachteter Landleute;! unter ländlichen Arbeiten wuchs er auf, zu seinen Füßen er glänzte der Rhein und der hellgrüne Bodensee, um ihn standen die grünen Berge des Rheinthales, gekrönt von den vielen Schnee häuptern. Die besondere Begabung und die feine sinnige Art! des Knaben veranlaßte den Geistlichen des Orts, ihn zum Stu dium der Theologie zu ermuntern und seine Angehörigen dazu! zu bewegen. Er wurde in seinem dreizehnten Jahre auf die Kantonsschule nach St. Gallen gebracht, wo er seine besser ge schulten Altersgenossen beinahe im Flug einholte, auch überholte; doch ging später seine Neigung mehr auf einen bürgerlichen Beruf und er verließ die Kantonsschule als ein nach Sitten, Fleiß und Kenntnissen vorzüglicher Schüler, um in die Buchhandlung von! C. P. Scheitlin in die Lehre zu treten. Dieses, wenige Jahre zuvor neu gegründete Geschäft erregte! damals Aufsehen durch seine ungemeine Rührigkeit, Thatkraft und schönen Listen, mit welchen es sich rasch zu den größten Schweizer Sortimenten stellte. Ein namhafter Anteil daran gebührt den Leistungen unseres Köppel. Schon nach wenigen Monaten wurde der sanfte, bescheidene Lehrling, ohne es zu wissen und zu wollen, der Vorarbeiter der sämtlichen Angestellten und zwar in einer Anzahl von täglichen Arbeitsstunden, die namentlich in den leb haften Geschäftszeiten der Wintermonate eine Höhe erreichten, von welcher der heutige Buchhandel keine Ahnung mehr hat. Köppel arbeitete mit Kraft, Emsigkeit und Verständnis als ein wahres Musterbild des Sortimenters; es war ein Genuß ihm zuzusehen oder mit ihm zu arbeiten. Seine Bücherkenntnis war eine ebenso ausgebreitete als sachliche und eindringende, die hervorragenderen Erscheinungen nahm er abends mit auf die Stube und erkannte ihr Wesen mit schnellem Blick, die Recen- sionen sah er ebenso durch, doch nicht in den Arbeitsstunden, welche hierzu keine Zeit ließen, sondern in den wenigen Frei stunden. Ebenso große Kenntnis wie über das Reich der Bücher besaß er auch über den ganzen Wirkungs- und Kundenkreis; jede litterarische Zu- oder Abneigung, jedes besondere Fach oder die Nützlichkeit eines Buches für den oder jenen, jeden zum Massen vertrieb günstigen Artikel fand er sofort und behielt alles im Gedächtnis. Seine Arbeitskraft hatte das Besondere, daß er nicht hastete, aber beim Übergang von einer Art der Arbeit in eine andere und verschiedene keine Station brauchte und machte, wie zum Pferdewechsel, sondern wenn der letzte Buchstabe von etwas aus der Feder war und die rechte Hand legte es ab, so griff die linke schon wieder nach der nächsten Arbeit, einerlei ob es etwas Mechanisches war, oder ob er die Kunden aufs beste be riet oder ob er Artikel schrieb zu der Zeit, da er eine Zeitung im Verlag hatte, alles ging ruhig, ununterbrochen und gleich mäßig wie eine Uhr vor sich und lieferte eine erstaunliche Menge gethaner Arbeit. Als C. P. Scheitlin 1846 sein Geschäft verkaufte, ging Köppel mit an den neuen Besitzer über; doch verstand der letztere, ein sehr gebildeter Kaufmann, den Wert Köppels nicht mehr in gleicher Weise zu würdigen; er hemmte ihn durch veränderte Anordnungen, anstatt ihn seiner besseren Geschäftskunde frei zu überlassen, so daß der bescheidene Mann, der, verheiratet, noch mit seiner Geschäftsführerstellung zufrieden war, veranlaßt wurde, mit sehr kleinen Geldmitteln ein eigenes größeres Haus zu kaufen, wobei ihm von einem edlen Kunden ein großer Kredit entgegenkam, und^darin unter' seinem Namen 1854 sein eigenes Geschäft zu beginnen. Es kamen schwere, mühevolle Jahre; die Uebernahme einer Zeitung und die Einrichtung einer Bnchdruckerei hierzu waren keine glücklichen Unternehmungen, aber sie waren ihm dadurch aufgenötigt, daß ein Konkurrent ihm die Aufnahme der Anzeigen in dem hauptsächlichen Blatt engherzig verweigerte. Mit höchster Anstrengung und Sparsamkeit rang er sich durch alle Schwierig keiten durch, das Geschäft blühte empor, eine treffliche Gattin und schöne Häuslichkeit erquickte ihn in der wenigen Freizeit, die er sich gönnte, und nach und nach wuchs ihm aus fünf Kindern, aus welche die guten Eigenschaften der Eltern wesentlich vererbten, die kräftige Hilfe im Geschäfte durch zwei Söhne und eine Tochter heran. Wäre Köppel mehr an die Öffentlichkeit herausgetreten, so hätte er durch sein klares, besonnenes Urteil, wie durch seine Kenntnisse eine Rolle im öffentlichen Leben führen können; aber das entsprach nicht seinem Sinn; ohne Ehrgeiz, still, bescheiden, fast schüchtern ging er seinen Weg, er sagte sich, daß ein Sorti menter seinen Platz im Geschäfte hat, nicht auswärts; dennoch genoß er allgemein Hochschätzung und Vertrauen; auf der süd deutschen Abrechnung in Stuttgart, wo er seit Jahrzehnten regel mäßig selbst abrechnete, wie auf der schweizer in Zürich war er einer der liebsten Gäste. Eine tief religiöse Gesinnung war die Grundlage seiner Liebenswürdigkeit, die besonders auch auf Kinder ihre Anziehung übte. In den letzten Jahren machte sich das Alter bemerklich; es meldeten sich Atembeschwerde»; dennoch war er nicht zu bewegen, Feierabend zu machen und die Arbeit an seine Söhne abzugeben; er arbeitete fort wie immer. Am 4. November ging er an scheinend wohl zu Bette, in den ersten Stunden des 5. erwachte er an Beklemmung, erhob sich, und wenige Augenblicke darauf sank er in die Arme seiner Gattin und der herbeigeeilten Tochter; eine plötzliche Lungenlähmung hatte seinem Leben ein Ende ge macht. ' S. Von der deutsch-nationalen Äunstgewerlie-Ausstellung " in München. Von Theodor Goebel. (Fortsetzung aus Nr. 265). Als ein tüchtiger Meister der Farbe und des Druckes erwies sich auch durch seine Ausstellung L. T. Wiskott aus Breslau, unter dessen Arbeiten namentlich ein Madonnenbild in litho graphischem Farbendruck hervorgehoben zu werden verdiente. Wie wohl er als seine Spezialität die Herstellung von Plakaten auf Papier, Pappe etc. bezeichnete, hatte er doch auch recht saubere Bilderbücher, Tisch- und Speisekarten etc. ausgestellt. Zwei Kölner Buchdruckereien, beide sehr bedeutend und als höchst leistungsfähig bekannt, I. P. Bachem und Dumont- Schauberg, hatten sich sehr bescheiden zur Ausstellung in einem Rahmen vereinigt, in welchem sie natürlich nur Accidenzarbeiten zeigen konnten. Die erstgenannte Firma zeichnet sich stets aus durch weises Maßhalten in der Wahl von Schrift und Ornament bei ihren Arbeiten, die dadurch ein elegantes, vornehmes Aussehen erlangen, das gefördert wird durch präcisen, klaren und reinen Druck, für den sie mit Vorliebe blaue Farbe wählt; die letztere Firma druckt ebenso sauber und gut, ist aber in der Wahl von Farbe und Schriften nicht ganz so rückhaltsvoll, ohne indes dabei in Ueber- treibungen zu fallen, wie dies ja auch die Vereinigung beider in München zeigte. Zu der hier besprochenen Kollektiv-Ausstellung gehörte auch eine Anzahl Finnen von Ciseleurcn und von Graveuren in Metall und Stein, welche^ indes, soweit ihre Erzeugnisse nicht für Druck
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