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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.07.1892
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1892-07-28
- Erscheinungsdatum
- 28.07.1892
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- Deutsch
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173, 28. Juli 1892. Nichtamtlicher Teil. 4455 aus den Kreisen des Publikums haben erkennen lassen, daß das Bestehen des Dienstes nicht allgemein bekannt ist. Die Einlieferung bei den Post- anstaltcn, welche über den Tarif vollständig Auskunft geben, hat nur mit Angabe des Adressaten und des Bestimmungsorts zu erfolgen; die Bezeichnung eines Spediteurs ist nicht notwendig. (Reichs-Anz.) Entscheidungen des Reichsgerichts. — Unterläßt der Spe diteur bei Ucbergabe des Guts an eine Eisenbahn im Auslande, welche für Verlust des Guts nur dann Ersatz gewährt, wenn der Wert unter Zahlung eines Hähern Frachtsatzes deklariert wird (so bei den eng lischen Eisenbahnen), diese Wertdeklaration, so haftet er, nach einem Urteil des Reichsgerichts, ll. Civilscnats, vom 15. Januar 1892, dem Absender gegenüber für den aus jener Unterlassung entstandenen Schaden, auch wenn er vom Absender keinen Auftrag zur Deklaration erhalten hatte. Hat aber der Absender Transportversicherung genommen, so kann der Spediteur, wenn er nach Lage der Umstände der berechtigten Meinung ist, bei Unterlassung der Deklaration der Absicht des Auftrag gebers gemäß zu handeln, von jener Deklaration Abstand nehmen. — Die von einem Kaufmann, einer Handelsgesellschaft oder einer Aktiengesellschaft ihren geschäftlichen Angestellten mündlich gemachten Pcnsionszusagen sind, nach einem Urteil des Reichsgerichts, II. Civil scnats, vom 8. März 1892, rechtswirksam. Weltausstellung in Berlin. — Zu der Frage einer Weltaus stellung in Berlin äußert sich in der Nationalzcitung ein zur Zeit im Auslande sich aufhaltcndcr Industrieller aus Württemberg mit folgendem treffenden Urteil: -In verschiedenen ausländischen Kreisen habe ich die Meinung aus sprechen hören, daß man sich über die Schwerfälligkeit und Umständlichkeit, mit welcher man in Deutschland an die Ausstellungsfrage herantritt, ebenso wundert wie über den Umstand, daß die Deutschen sich erst dann über ein solches Werk einigen zu können scheinen, wenn es von außen bedroht wird. Dieses Urteil ist nicht sehr schmeichelhaft; aber cs ist wahr. Ein Zeugnis für die bei uns beliebte Umständlichkeit findet fick in der Zeitungs nachricht, daß der Reichskanzler Erhebungen über die Stellung der Groß industrie zur Ausstellungsfragc angcordnet hat. Hiernach scheint es, daß die Rcichsregierung in solchen Fragen nicht gut beraten ist und nicht die richtige Fühlung mit der Industrie hat. Es wäre allerdings ein be quemer Weg, wenn man derartige Fragen in einer Art Abstimmung be antworten könnte. Dies ist aber der gänzlich verschiedenartigen Interessen wegen unmöglich. Es ist eine ganz unrichtige Voraussetzung, wenn man meint, eine Ausstellung erfordere heutzutage die Beteiligung der ganzen Industrie eines Landes. Wenn eine Ausstellung auf einer gesunden Grundlage stehen soll, so ist sie nach den Grundsätzen geschäftlicher Zweck mäßigkeit durchzuführen, d. h. sic soll diejenigen Industriezweige um fassen, welche ein unmittelbares geschäftliches Interesse an der Ausstellung haben; diejenigen aber, welche ein solches nicht haben, sind — von wenigen Ausnahmen abgesehen — bei der Ausstellung entbehrlich und daraus ergiebt sich, daß man dieselben nicht zur Beteiligung drängen soll, daß sie aber auch nicht zur Beurteilung der Frage berufen er achtet werden, ob überhaupt eine Ausstellung stattfinden soll oder nicht. Ein überwiegender Teil unserer Großindustrie, z. B. der Textil-, der Eisen-, der Papierindustrie, kann mit seinen Masscnerzeugnissen, Rohpro dukten, Halbfabrikaten, welche meist nach Maß und Gewicht verkauft werden und oft wegen des Gewichts nur ein beschränktes Absatzgebiet haben, entweder kein oder nur ein geringes Interesse an einer Weltausstellung haben, während anderseits eine Beteiligung an großen Unternehmungen bedeutende Opfer auferlegt. Andere Großbetriebe, welche praktischen Nutzen von der Ausstellung erwarten können, haben die Beteiligung infolge ihres Welt rufs und ihrer den ganzen Weltmarkt umfassenden Vcrkaufsorganisation nicht nötig und manche derselben können auch die Ausstellungen scheuen, weil diese hauptsächlich den kleineren aufstrebenden Konkurrenten zu gut kommen. Die Befragung der Großindustrie kann also nur irre führen. Die Frage ist aber überhaupt unnötig, denn die Antwort liegt auf der Hand. Die rasche technische und kunstgewerbliche Entwicklung, welche sich heutzutage in einem großen Teil unserer Industrie vollzieht, macht es demselben zum Bedürfnis, die Augen des Publikums und die Aufmerk samkeit des Weltmarktes auf seine Erzeugnisse zu lenken. Es sind hauptsächlich diejenigen, welche in Beziehung aus Form, Farbe, Kon struktion, Mode rc. immer wieder Neues zu bieten haben. Für diese, meist nicht der Großindustrie angehörenden Zweige ist das AusstellungS- wesen ebenso eine Notwendigkeit geworden, wie eine solche z. B. für die bildende Kunst unbestritten ist; es giebt deshalb für diesen Teil der Industrie eine Ausstellungsmüdigkcit nur in Beziehung auf ein Ueber- maß von Ausstellungen und für die betreffenden deutschen Industrie zweige nur insofern, als man ihnen die Beschickung fremder Ausstel lungen über das Maß geschäftlicher Zweckmäßigkeit hinaus zumutet. Wenn man nun fragen will, ob Deutschland eine große Ausstellung braucht und in .würdiger Weise durchzusühren ,im stände ist, so kann darüber die Großindustrie keine befriedigende Antwort geben; die Frag muß vielmehr gestellt werden, ob die am Ausstellungsw efcn interessierte deutsche Industrie dieser Aufgabe gewachsen ist. Zu der Antwort bedarf es keiner langwierigen Erhebungen. Es genügt der oberflächlichste Ueberblick über die vielgcgliederten und leistungsfähigen Gebiete unserer Kunstindustrie, unserer Maschinen- und chemischen In dustrie und über die zahlreichen und vielartigen Nebenzweige, um diese Frage unbedingt zu bejahen. Eine Reihe vortrefflicher kleinerer Aus stellungen, von welchen nur die erste Münchener Kunstgcwerbeausstellung, die Düsseldorfer und Stuttgarter Ausstellungen als Beispiele erwähnt sein sollen, geben die Bestätigung dafür, daß eine Zusammenfassung aller dieser Leistungen in einer Berliner Ausstellung ein reiches und großartiges Bild deutschen Gewerbe- und Kunstfleißes geben muß. Die vortrefflichen Nachwirkungen jener kleinen Ausstellungen geben auch den Maßstab dafür, was wir von einer deutschen Weltausstellung zu erwarten haben in Beziehung auf die Anregung zum Fortschritt und auf die wertvollsten Anknüpfungen nach innen und außen. Es darf daraus eine allgemeine wirtschaftliche Förderung erwartet werden, die nicht nur den Ausstellern, sondern auch der nicht unmittelbar beteiligten Groß- und Masscnindustrie und der Gesamtheit, insbesondere auch den Interessen der Arbeiter zu gut kommen muß. Das Vorgehen Frank reichs und das Bestreben, uns zuvorzukommen, beruht sicher in erster Linie auf den Vorteilen, welche dieses gcwerbfleißige Land von den Ausstellungen empfangen hat. Hiernach dürste es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß es nunmehr zur Pflicht der Reichsregierung und sodann des Reichstags geworden ist, die Einleitung zur Berliner Weltausstellung mit aller Energie als Aufgabe des Reichs ungesäumt in die Hand zu nehmen. Auch über den Zeitpunkt der Ausstellung kann kein Zweifel mehr bestehen. Wenn die oben erwähnten Voraussetzungen zutreffen, und wenn man erwägt, welche gewaltigen Fortschritte die deutsche Industrie seit der Gründung des Reichs gemacht hat, dann kann es nach einem Viertel jahrhundert nicht zu früh sein, eine Weltausstellung auf deutschem Boden abzuhaltcn. Der Gedanke, die Ausstellung im Jahre 1900 zu veran stalten, war verfehlt, und es ist nicht ein Nachteil, sondern ein Glück, daß derselbe durch das Vorgehen Frankreichs vereitelt ist. Der geeignete Zeitpunkt für die deutsche Ausstellung ist das Jahr 1896 oder spätestens das Jahr 1897; unsere Beteiligung in Chicago im Jahre 1893 wird dadurch nicht beeinträchtigt, und ebenso ermöglichen wir demjenigen Teil unserer Industrie, welcher einen Nutzen davon zu erwarten hat, die Beteiligung in Paris im Jahre 1900, wie uns die Beteiligung der Franzosen im Jahre 1896 oder 1897 willkommen sein soll. Es sind jetzt seit Jahren über die Ausstellungsfrage Worte genug gewechselt. Nun wollen wir Thaten sehen. Möge das Reich endlich vorangchcn. Die deutsche Industrie wird den ihr daraus erwachsenden Ehrenpflichten im vollen Umfang gerecht werden.» Jn ähnlicher zuversichtlicher Weise äußert sich Professor von Gneist über den Plan einer Berliner Weltausstellung. Er sagt: »Wir Deutschen müssen in solchen Fällen immer aufgerüttelt werden, denn wir überlegen zu viel und zu lange. Die Franzosen sind dagegen schnell bei der Hand und fangen auch immer klug an. um nachher Dummheiten zu machen. Wenn wir Deutschen aber etwas unternehmen, bringen wir es auch zu einem guten Ende. Die Ausstellungsidee nicht mehr fallen zu lassen, ist für uns eine Ehrensache. Selbst wenn wir Norddeutschen so fischblütig wären, so würden die Süddeutschen uns aufrüttcln, denn die haben wärmeres Blut. Die Geldfrage kann uns keine Sorgen machen. Wenn die Stadt Berlin 10 Millionen Mark zum Garantiefonds zeichnet und das Land und das Reich diesem Beispiel folgen, so haben wir im Handumdrehen 30—40 Millionen beisammen, eine Bettelsumme für das Deutsche Reich. Aber unseren Großindustriellen wird die Entscheidung offenbar schwer. Darauf, daß die Großindustrie mit Begeisterung vorangehen würde, ist nicht zu rechnen, die Ausstellungs sache muß unbedingt vom Staat, von der Rcichsregierung in die Hand genommen werden, natürlich unter Beteiligung der Stadt Berlin im Verein mit unseren großen Bauunternehmern, Ingenieuren. Architekten und den Aeltesten der Kaufmannschaft. Die deutsche Industrie und der deutsche Handel werden sich übrigens einer solchen Provokation gegen über auch nicht lumpen lassen. Zwei Ausstellungen hintereinander zu beschicken, ist auch nicht leicht. Allein von Paris werden wir uns nicht schlagen lassen. Wenn unsere Ausstellung auch nicht so reich sein sollte, so wird sie sich doch durch mancherlei auszeichnen, was uns eigen ist. Wir haben übrigens auch gute Architekten und Dekorateure, welche in Bezug auf Geschmack den Franzosen gar nicht nachstehen. - Professor Virchow meint, es sei von großem Schaden für unser Ansehen, für die Stellung unseres Handels und unserer Industrie im internationalen Verkehr, daß wir so lange gezögert haben. Wir hätten schon viel früher eine Ausstellung in Deutschland haben müssen, die alle Nationen der Erde in der Reichshauptstadt zusammenführt. »Wir verzetteln unsere Kräfte, indem wir mit einer gewissen Konsequenz alle fremden Ausstellungen mit großem Aufwand von Kosten und Arbeit beschicken. Warum sollen wir denn nicht endlich im großen Stil eine Ausstellung im eigenen Lande ausrichten, um ein Gesamtbild von unserer Leistungsfähigkeit zu geben? Was die anderen Nationen vermögen, 604»
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