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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.11.1889
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1889-11-16
- Erscheinungsdatum
- 16.11.1889
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
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268, 16. November 1889. Sprechsaal. 6107 Falsche AiisfasslilM» mid Maßregel». Von einem befreundeten Schriftsteller er holten wir folgende Anfrage: »Was ist denn das? Haben Sie die Bnchhändlergesetze übertreten? Sie sollen mit auss fchwarze Brett gekommen sein und würden Ihre Sendungen zurück erhalten. Sv höre ich von meinem Sortimenter.». Da hat sich also im stillen ein -in Acht und Bann thun- abgespielt! Wohl eine Folge des Nichtbeitritts zur Verleger-Erklärung oder der Zurückziehung derselben. Die Antwort darauf müßte sein, daß man nun den sogenannten Schleuderern alle möglichen Chancen bietet und zusieht, ob man dabei nicht weiter kommt, als mit dem sogenannten soliden Sortiment. Uns scheint die Maßregelung einersehr falschen und einseitigen Auffassung z» entstammen. Der Nichlbeitritt zur Verleger-Erklärung oder die Zurückziehung derselben bedeutet noch durchaus nicht die Förderung der Schleuderei. Sie hat wenigstens beim Einsender dieses keine andere Bedeutung, als den Wunsch, die Geschäftsleute kennen zu lernen, die von ihm Schutz gegen Konkurrenz fordern. In der Allgemeinheit, wie die Verleger-Erklärung ausgefaßt wird, hat sie auch diejenigen Sortimenter zu schützen, die den Verleger und seine Artikel nicht nur links liegen lassen, sondern sogar absichtlich die ähnlichen Artikel eines Verleger-Konkurrenten vertreiben. — Solche Leute zu schützen ist ge schäftlicher Unsinn! Das buchhändlerische Geschäft wird jetzt leider sehr viel durch Phrasen beherrscht, der innere Kern fehlt aber. Zu diesem inneren Kern gehört vor allen Dingen, daß die Sortimenter, welche sich sür einen Verlag verwenden wollen, das auch durch Wort und That kund geben. Diese dann vor verderblicher Konkurrenz zu schützen, diese als wirkliche Geschäftsfreunde an- zusehen, wird jedem Verleger eine freudig zu erfüllende Pflicht sein. Wie die Verleger-Erklärung alles was Sortiment heißt, zusammensasscn soll, cs mag nun gut oder schlecht sein, so geht die Jnacht- erkläruug wieder blindlings über Stock und Stein — und wird dem Sortiment den Hals brechen. Denn soviel ist doch gewiß: die Ver leger, welche nicht bei der Verleger-Erklärung stehen, sind keine unreifen Knaben, sondern haben als denkende Männer sich ihren Entschluß reif lich überlegt. Haben sic bisher auch ohne Er klärung dem Sortiment vollen Schutz gewährt, so kann die heimliche Achtcrklärung sic leicht da hin bringen: 1. dem Sortiment auch gegen bar nur mit ganz gewöhnlichem Rabatt zu liefern, und 2. allen denjenigen, welche durch größere Rabatt-Gewährung an das Publikum einen verstärkte» Absatz erzielen, möglichst mit Vorzugs-Bedingungen entgegen zu kommen. Wo bei diesem Kampfe der Sieg sein wird, bedarf wohl keiner großen Erörterung; — Ver leger und sogenannte Schleudcrcr gehen nicht dabei zu Grunde. Die falsche Ausfassung und Maßregel ent stammt einer anderen falschen Auffassung, näm lich der von der Macht der Verwendung sür Artikel durch die Sortimenter. Das ist die große Illusion, die sich durch das Sortiment hinzieht, die aber, näher betrachtet und mit der littcrarischcn Lupe besehen, sofort hinfällig wird. Es ist noch keins der den Büchermarkt beherrschenden Bücher durch den Willen des Sortiments groß gezogen, wenig stens in den letzten Jahrzehnten nicht mehr. Der Name des Autors, die Güte des Buches, die Sprechsaal, -r- Ausstattung, welche der Verleger dem Buche giebt. und die Reklame, welche er für dasselbe macht, das sind die Hauptfaktorcn sür die Gang barkeit eines Buches. Wie viele gute Bücher kommen zur Messe vom Sortiment zurück, wenn der Verleger sich auf den Vertrieb durch dieses verlassen hat! Bestürzt und unwillig nimmt er dann die Sache selber in die Hand und siehe da, — dann kom men die Bestellungen, und dann meint das Sor timent, wclcbeS die einfache Vermittlerrolle spielt, der Verleger müsse nun in Dankbarkeit er sterben. Möge die Frage, wer das heutige Sorti ment erhält, später mal näher beantwortet wer den, — sür heute nur die klare und bündige Antwort : Der Verleger und seine schöpferische und bekanntmachcndc Thätigkcit. Und nun noch eine salsche Auffassung. Die Verleger-Erklärung existiert, teilweise schon ca. acht Jahre, — sie wurde j. Z. schon dem Sortimenter-Verein auf lein Drängen geg ben. Hätte sie irgend eine Bedeutung, so müßten die sogenannten Schleudcrcr schon kurz und klein sein. Statt dessen befinden sic sich im besten Wohlsein und werden seit, während auf Erklä rung und Cirkular aus Cirkular losstürmcndc Sortimenter dahin gegangen sind. Glücklicherweise sind doch wohl viele Sorti- nn ntcr zur Einsicht von der Ohnmacht der Ver leger-Erklärung und von ihrer ganz falschen, unbegrenzten Inanspruchnahme gekommen und wollen in dem Sortimcntcrbund ein Fundament schassen, mit dein der Verleger rechnen kann. Wäre das nicht, so könnte die Bannbulle des Sortiments, welche im gehe inen jetzt ergangen ist, einen Kamps heransbcschwörcn, der gerade das hcrbeiführt, was jeder umsichtige Buch händler vermeiden will, — die Untergrabung des tüchtigen (solid ist ein falscher Ausdruck) Sortiments. e. Dcr Sortiiiieiiterlimid und das Sortiment. Die Erörterungen in Nr. 262 des Börsen blatts tressen mit einem Briefe zusammen, den ich mir unten mitzutcilen erlaube und der den »U»-Artikel illustriert, zu dem ich nur noch zu bemerken habe, daß auch ich aus dem Cirkular über den »Sortimenterbund» wie aus den andern Cirkularen der Sortimenter-Vereine nur herausgelesen habe, daß man diejenigen Ver leger zu niaß re ge ln gedenkt, die nicht ferner hin — meiner Meinung nach völlig nutzlose — Ovfer sür die Sortimenter bringen. — Wie es möglich ist, daß ein Par Schleuderfirmen den ganzen deutschen Sortimentsbuchhandel — 7 gegen 2060, oder umgekehrt — derartig in Auf ruhr bringen können, daß sie gegen alte acht bare Verlegcrfirmen förmlich den Bann aus sprechen, keine Drohung scheuen, das ist mir und Wohl auch noch vielen meiner Herren Kollegen unbegreiflich. Es muß etwas sehr faul im Sortiments buchhandel sein und dies wird ja auch schon in der zweiten Einsendung der Nr. 262 recht hübsch illustriert. Ja, der Sortünentsbuchhandcl hat zum großen Teil längst die Fühlung mit den Verlegern verloren, nach meiner unmaßgeblichen Meinung : weil er das Börsenblatt nicht liest, wie es sich gehört — weil er die Novitäten nicht kennen lernt — weil er die Fracht für die No vitäten scheut — Weiler sich zumeist nur mit seichter, leicht absetzbarer Ware (darunter verstehe ich neben den Büchern: Portemonnaies, Messer, Cigarren rc. rc.) beschäftigt. Er hat sür die Mühen, Geldopser, Ent täuschungen, Konkurrenzkämpfe der Verleger ganz das Verständnis verloren. Bringt ein Verlag ein leicht absetzbares, Aussehen erregendes Buch, dann mag er Laden und Kasse auf seine Rech nung zunächst dem Sortimenter füllen: schwere Artikel, mühsam absetzbare Bücher läßt er sich gar nicht kommen. Während ein Verleger früher bei Ankün digungen von Neuheiten Bestellungen erhielt, die oft das Doppelte der Auflage überstiegen, ver langt man jetzt kaum 200 von 1000 Auflage. Neuigkeitssendungen aber sind verboten, also: Verleger sieh zu, wie du deine Bücher los wirst. — Sagte mir doch neulich ein alter Verleger, der nicht viele, aber feine Bücher bringt: »Was Wundern Sie sich: Wenn Sie sich auf den Sorti mentsbuchhandel verlassen, sind Sie schon ver lassen. Ich setze fast nur noch durch eigene Be mühungen direkt ab». — — Hierzu nun Folgendes: Ich. verlege einen Kalender, der alljährlich seine festen Abnehmer hat, mithin ohne jedes Risiko ist. Dieser Kalen der enthält Inserate, auch Büchcranzeigen. Eine solche von Gscllius brachte mir folgendes Schreiben ein: ..... den 6 November 1889. Beim zufälligen Durchblättern des 1890er Kalenders bemerke ich unter den Inseraten eine Empfehlung der Gscllius'schen Buchhand lung. Die Abfassung derselben weist in nicht mißzuverstehender Form auf die notorisch billigen Preise, also auf das Nichteinhalten der von den Verleger» festgesetzten Verkaufs preise hin Die Aufnahme eines derartigen Inserats besonders von Ihrer Handlung hat mich sehr staunen gemacht. Dem Sorti menter werden Sic doch nicht zumuten können, daß derselbe so abgesaßte Inserate von solchen Firmen, deren Geschäftsbetrieb durch seitens des Börsenvereins erlassene Sperrung genügend gekennzeichnet, weiter verbreitet. Ein Zufall hat mich diesmal recht zeitig das Inserat erkennen lassen. Ich und meine mir bekannten Kollegen haben dasselbe einfach hcrausgerissen. Es hat uns dies aber gelehrt, sich für Ihre Verlags artikel in Zukunft nur mit größter Vorsicht zu verwenden, um nicht derartige gegen sein eigenes Geschäft gerichtete Empfeh lungen selbst zu verbreiten Ergebenst I H-« Aus diesen Drohbrief verbat ich mir einfach die Einsprache in meine Gcschäftsdispositionen, dann ließ ich mir das Konto des Herrn I. H. ausschlagen. Was hatte er gebraucht? Nur kourantc Artikel, keine einzige Novität hatte er verschrieben! Wie die Herren Sortimenter über eine Censur der Inserate in den von ihnen ver triebenen Büchern und Zeitschriften denken, ob sie wie Herr I. H. »alles hcrausrcißen», was ihnen Konkurrenz machen könnte, weiß ich nicht, bezweifle es aber. In der Gsellius'schen Anzeige steht nur: -Preise notorisch billig- und ein Angebot von Koch, Landrccht, vorletzte Ausgabe zu 27 sonst enthält das Inserat nur eine ganz ge bräuchliche Geschäftscinpfchlung. Dies als Beitrag zur Reformation des Buchhandels. 8. Vcrlagsbuchhändler. Eile mit Weile! Anfrage. Alle Verleger, auch im Ausland, liefern an Handlungen, die bei ihnen offene Rechnung haben, auf Verlangen auch direkt per Post. Nur in Leipzig sind mehrere Verleger, darunter
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