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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.06.1871
- Strukturtyp
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- 1871-06-19
- Erscheinungsdatum
- 19.06.1871
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1798 Nichtamtlicher Theil. 137, 19. Juni. Nichtamtlicher Theil Aus den Papieren der Weidmannschen Buchhandlung. III.») C. F. Schwan. Schiller stand mit seinem ersten Verleger in freundschaftlichster Beziehung, seine Briefe an Frau von Wvlzogcn sind dafür Zcugniß. An ihn hat er sich, wie er schreibt, in Mannheim am meisten altachirt, ihm, den auch die mütterliche Freundin kennt und hochschätzt, liest er seine Millerin (Kabale und Liebe) vor und er erzählt mit Behagen, daß Schwan äußerst damit zufrieden sei. Der kurfürstliche Hofbuch händler und Hofkammcrrath macht dabei ein großes Haus, bei ihm und Dalberg findet der junge Dichter die ausgesuchteste Gesellschaft, und wie diesem der Vater als Kritiker und Geschäftsmann rathcnd zur Seite steht, so tritt ihm in der ältesten Tochter Margarethe ein Mädchen gegenüber, schön, gebildet, dabei durch den vor kurzem er folgten Tod der Mutter zur Leitung des Hauswesens berufen und tüchrig.. „Die Schwanin ist beinahe die einzige Person, eine Schau spielerin ausgenommen, die eine vortreffliche Person ist", gesteht Schiller etwas kühl Frau von Wolzogen. Wir wissen, daß der Dich ter zu dem jungen Mädchen eine stille Liebe im Herzen trug, die, allmählich wachsend und von Margarethen erwidert, im April 1785 in einem an den Vater gerichteten Brief ihren letzten Ausdruck fand. Schwan lehnte Schiller's Antrag ab, ohne der Tochter etwas davon zu sagen. Den Grund zur verneinenden Antwort fand Schwan in der Charaktcreigenthümlichkeit Margarethens, die zu Schiller's Gat tin nicht passe. „Margarethens Richtung im folgenden Leben", sagt Karoline von Wolzogen, „soll bewiesen haben, daß Herr Schwan richtig gesehen und auch hierin als Freund gegen Schiller gehandelt habe." Die Briefe, die Schwan an den ihm persönlich befreundeten Reich schrieb, sind, so wenig davon noch vorliegen, doch eine erwünschte Ergänzung dessen, was, auch von dem Verhältniß zu Schiller abge sehen, über Schwan bekannt geworden ist. Dieser erscheint uns als eifriger Geschäftsmann, und wenn Nicolai in einem Schreiben an Neicb von dem Mannheimer sagt, er mache etwas mehr Worte als gut sei, so kann er ihm doch die rühmende Bezeichnung eines sehr braven Mannes nicht versagen. Dabei leuchtet aus den Geschäfts briefen eine wohlthucnde Warmhcrzigkeit heraus, Schwan ist ein vortrefflicher Familienvater, und die Kränklichkeit seiner Frau, einer Tochter der Frankfurter Buchhändlcrfamilie Eßlinger, macht ihm manche Sorge, die in den Briefen wiederklingt. Wie er sich für Lite ratur intercssirtc, ergibt sich aus seinem Verhältniß zu Schiller; dabei hat er selbst auch außergcschäftlich mit Glück verschiedene Male zur Feder gegriffen und beschäftigt sich in derselben Zeit, in der er als Schöngeist der deutschen Bühne seine Thätigkeit znwendet, mit der Abfassung eines französisch-deutschen Wörterbuchs. Er ist cs, den der Mannheimer Kurfürst au Lessing sendet, diesen für seine Akademie „anzuwcrbcn". Dieser Umstand, der Schwan vier Wochen von Hause fern hielt, war der Grund, daß etliche Briefe von Herrn Junius, sowie Wcidmann's Erben und Reich einige Zeit unbeant wortet in Mannheim gelegen hatten. Jetzt, wo Schwan, nach länge rem Aufenthalte in Braunschweig, Göltingen, Cassel, Marburg, Gießen und Frankfurt nach Hause zurückgekehrt ist, schreitet er — 17. Sept. 1776 — zu Beantwortung des Eingcgangenen. Was er geschrieben, mag den Anfang des aus seinen Briefen Mitznthcilcn- dcn machen. Nach allem hatten die beiden Leipziger Verleger in Erfahrung gebracht, daß ein gewisser Bender in Worms Nachdrücke von I. T. Hermes' Roman Sophiens Reise von Memel nach Sachsen und von Sulzer's Theorie der schönen Künste in der Arbeit habe, und sie ») II. S. Nr. 133. bitten deshalb Schwan um Rath. Schwan scheint anzunehmen, daß der berüchtigte Heilmann in Viel auch hier die Hand im Spiel habe, denn Bender ist nicht vermögend, einen Katalogum auf eigene Kosten zu drucken, viel weniger Sulzer's Theorie noch Sophiens Reisen. „Ich dächte", meint der Mannheimer weiter, „es wäre noth- wcndig, daß Sie vidimirte Abschriften von Ihren Privilegien an den Magistrat zu Worms schickten und selbigem dabei schrieben: Sie hätten gehört, daß Bender Bürger in Worms geworden sey und hoff ten also, der Magistrat werde ihn dazu anhaltcn, Kahserliche Pri- vilegia zu respectiren, damit Sie nicht genöthigt wären, wegen ver sagter Justiz selbst über denWormser Magistrat bei kaiserl. Majestät zu klagen. Zu gleicher Zeit aber würde ein Brief an den Weihbischof von Scheben, Präsident der Frankfurter Büchcrcommission, nicht übel an gebracht sehn. Dieser Umstand wird nun wenigstens die gute Wir kung haben, daß viele Leute abgeschreckt werden, künftig nicht mehr auf jeden angekündigten Nachdruck sogleich zu pracnumeriren. Herr Nicolai hat mir seinen sämmtlichen Verlag in Commission angeboten, so daß ich ihn auch an andere Buchhändler ausliefern kann. Er schickt mir Alles franco hierher, giebt mir ZZs/zR, und ich liefere den Buch händlern mit 25HH für meine Rechnung aus. Noch außerdem hat er sich erboten, auch meinen Verlag unter nemlichen Bedingungen in Commission zu nehmen und in dortigen Gegenden nicht nur auszu- liefcrn, sondern auch bestens bekannt zu machen. So wenig auch mein Verlag zu bedeuten hat, so ist das doch immer eine angenehme Aussicht für mich. Die Herren dort spielen mit Louisd'or, ich mit Gulden; die Nebenumstände wohl berechnet, ist mir der Gulden so viel wcrth als Ihnen ihre Louisd'or, weil ich dabcy ebenso vergnügt sehn kann, als sie. Die obigen Bedingungen sind mir auch in Absicht anderer genug; da würde, wenn mehrere zusammentreten, nur noch der einzige Punkt wegen der Miethc Vorkommen: und wenn nun auch nur 6 Buchhändler zusammen jährlich allenfalls 100 fl. Miethe zahlen, was macht das auf einen? ohngcfähr 2 alte Louisd'or und das wäre dann alles." Seitdem sind Jahre verflossen. Mancher Geschäftsbrief kam vom Rhein zur Pleiße, für die betheiligtcn Firmen von Wichtigkeit, für uns gleichgültig. Im Frühjahr 1777 fühlt sich Schwan augen leidend, nur mit wenig Worten sendet er zur Messe den Abschluß der alten Rechnung und im Herbst nimmt er dann Veranlassung sich dafür zu bedanken, daß Reich ihm außer den bestellten Sachen auch uoch die Novitäten unverlangt gesandt hat. Schwan wird sich dafür auch bemühen, sie besonders auszubrcitcn, das erheischt schon sein eigener Vortheil. Freilich, in Betreff des Buchhandels sicht cs in dortiger Gegend betrübt aus. Bald fängt es den Mannheimer an zu gereuen, daß er Buchhändler geworden ist. Von lauter Räubern umringt, und so zu sagen, ganz fest cingeschlossen, verliert man dort fast alle Aussichten und mit diesen allen Mnth. Dow wird er ja sehen, wie er sich die paar Jahre, die er noch zu leben hat, ehrlich durchschlage. Ein wenn auch schwacher Trost bleibt cs immer zu sehen, wie unrecht Gut nicht gedeiht. Der Vieler Hcilmann sitzt nun mit dem Wormser Bender bis über die Ohren drin; er wird sein Leben nichts von ihm bekommen, er, der die ganze Welt betrügt. Und dann, nach 2'/„ Jahren — 25. Fcbr. 1779 — knüpft der unsvorliegcndeBriefSchwan'swiedcran den imScptcmbcr1776 hin geworfenen, jetztabe,. weiterenbuchhändlcrischenKreisen zurErwägung anhcimgegcbcncn und von der Pfälzer Negierung durch ein zu ge währendes Privileg geförderten Gedanken an ein in Mannheim zu errichtendes norddeutsches Commissionslagcr an. „Ich weiß nicht", schreibt Schwan, „ob ich jetzt meine Absicht noch so gut erreichen werde, als ich sic vielleicht vor dreh Jahren würde erreicht haben, da das Uebcl noch nicht so weit um sich gegriffen hatte;
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