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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 05.01.1881
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1881-01-05
- Erscheinungsdatum
- 05.01.1881
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- Deutsch
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3, 5. Januar. Nichtamtlicher Theil. 39 Bibel von 1488, die Hussitenbibel von 1506, die von den Je suiten nach der Schlacht am Weißen Berg mit fanatischem Eifer gesuchte und vernichtete Bibel von 157S—94, welche der Freiherr v. Zierotin Herstellen ließ; eine polnische Radzivilbibel von 1563 nimmt ihre Stelle ein neben der russischen des Fürsten v, Ostrog >561, die holländisch-russische 1717—24 von Peter L veranstaltete Uebersctznng, finnische, celtische, lettische, walachische sind vorhanden, die in Island 1584 gedruckte, nicht minder eine grusische 1743 in Moskau gedruckte Bibel; türkische, persische, armenische, die zahlreichen Sprachen Vorder- und Hinterindiens, darunter die seltenen Uebersetzungen des Neuen Testaments von Ziegenbalg und Gnndler, Trangebar 1711, der äthiopische Psalter 1513, das erste in äthiopischer Sprache in Europa gedruckte Buch, die erste in Amerika gedruckte Bibel von 1663, in virginische Jndianersprache von I. Eliot übersetzt. Wer zählt die Völker? nennt die Namen? kann man hier wohl fragen, und doch habe ich nur eine oberfläch liche Auslese gehalten. Wie interessant wäre es auch, wenn diese stummen Zeugen der Vergangenheit, die hier aus allen Welttheilen sich zusammengesunden haben, reden könnten und erzählen von den Schicksalen, die sie mit erlebt im Lause der Jahrhunderte, von den Familien, deren Pracht- und Erbstück sie bildeten oder deren täglicher Genosse sie bei den Hausandachten waren, durch welche Hände sie gegangen sind, bis sie endlich in die friedliche Ruhe unserer Bibliothek gelangten! Es fehlt nicht an handschriftlichen Bemerkungen aller Art und nach alter Sitte findet sich häufig aus den leeren Blättern vorn und am Schluß eine Art Familienchronik; aber Wichtiges, allgemein In teressantes habe ich nirgends gefunden. Das Werthvollste findet sich in einer Lutherbibel von 1545,wo von Luther'z, Melanchthon's, Bugenhagen's und Cruciger's Hand eine Widmung eingetragen ist; ein griechisches Neues Testament, Basel 1538, trägt auch ein Autograph Luther's, besonders reich an Autographen ist eine hebräische Bibel von 1521, ein wahres Stammbuch, welches Widmungen von Melanchthon, Selneccer, Veit Dietrich d. I., Joachim Camerarius, Lukas Thangel und Anderen vereinigt. Ein sehr merkwürdiges Stück ist die Handbibel der Königin Christine von Schweden, der excentrischen Tochter Gustav Adolf's, eine schwedische Bibel von 1633 mit reichem Goldschnitt und schön gesticktem Einbande, einen Hirsch und das Lamm mit der Kreuzes fahne darstellend; von andern fürstlichen Besitzern sind zu er wähnen: Katharina, Tochter von Gustav Wasa von Schweden, geb. 1539, welche ihre deutsche Lutherbibel von 1572 mit einer Fülle von ziemlich unbedeutenden Randbemerkungen versah; eine wunder schöne illuminirte Frankfurter Bibel von 1580 war die Familien bibel der Herzoge von Liegnitz; Anna, die Tochter unseres Herzogs Christoph, Gattin des Herzogs Johann Georg, hat die Geburt ihrer Kinder, den Todestag ihres Mannes darin eingetragen. Die herr liche Koburger Bibel von 1483 gehörte dem kunstsinnigen Tübinger Schloßhauptmann Nicolaus Ochsenbach an, vorher war sie das Eigenthum Jörg's von Sachsenheim gewesen; eine englische Bibel gehörte Bengel, dem sie Zinzendors übergab; eine lateinische Bibel von 1566 gehörte Leo Judä, eine hebräische von 1536 dem Berner Prosessor Wolfgang Musculns, eine andere hebräische von 1524 dem Tübinger Professor vr. Wilh. Schickhardt; in eine lateinische Bibel von 1576 hat John Swift 1704 seinen Namen eingetragen. Zeuge eines tragischen Geschicks war eine Tübinger Bibel von 1627; sie gehörte dem Pfarrer Georg Wölfslin von Owen, der 1634 nach der Nördlinger Schlacht nach Nürtingen flüchtete und in der dor tigen Kirche von kaiserlichen Soldaten ermordet wurde; noch trägt das Exemplar die verblaßten Spuren seines Blutes. Ein Vers, worin der Besitzer eines griechischen N. Testam. Basel 1535 seine Rechte in grausigem Latein wahrt, möge hier auch Platz finden: Iransitgue bis ili die Hölle, Gehen wir von den Besitzern überzndenDruckern, so könnte man die Geschichte der Buchdruckerkunst von ihrer Entstehung an durch alle Wandlungen bis in die Gegenwart herein nirgends besser und leichter studiren, als in diesem Bibelsaal. Alle die großen Namen der früheren Jahrhunderte, die Fust und Schösser von Mainz, die Eggestein, Mentel, Knoblauch, Grüninger von Straßburg, Sweyn- hein in Rom, Aldus Manutins, Hieronymus de Paganini von Venedig, Plantin von Antwerpen, Marschall von Lyon, Amerbach, Froben, Brylinger, Adam Petri von Basel, Froschauer von Zürich, Stephanus von Paris und Genf, Koburger und Peypus von Nürnberg, Luft von Wittemberg, Quentel von Cöln, Th. Anshelm von Pforzheim, Elzevier von Leyden u. s. w. sind hier vertreten bis herab zu dem sacsimilisirten Sinaiticus, zu den Stereotyp- und Blindendrucken unserer Bibelanstalt. Eigenthllmlich ist das Bild, das sich uns zeigt; kaum war die edle Kunst erfunden, so entfaltete sie gewaltig ihre Schwingen; wie rasch verbreitete sie sich und wie schnell war eine hohe Stufe technischer Vollendung errungen! Nirgends aber zeigt sich das furchtbare Elend, welches der 30jährige Krieg, die Armuth, welche er über Deutschland brachte, mehr als an den Erzeugnissen der damaligen und späteren Presse: das Papier ist schlecht, die Typen sind mangelhast, die Ausstattung ist geschmack los ; erst von Beginn dieses Jahrhunderts ist wieder das Aussteigen zu bemerken; man wandelt wieder in den Fußtapfen der Renaissance und Reformation. Aber so schön, so glatt, so klar die Producte unserer Pressen jetzt sind, sie sind manchen ersten Drucken kaum gleich; ein Schaustück unserer Sammlung ist die oben erwähnte Bibel von A. Pfister (1450—60) in 36 Zeilen, mit Holzlettern in Missalcharakter gedruckt; mehr als 4 Jahrhunderte sind darüber hingegangen, aber der Druck ist noch so schwarz, wie wenn er eben aus der Presse käme, die Typen, so klar und schön, sind ein Ent zücken des Kenners, das Papier ist so stark, daß es noch einmal 4 Jahrhunderte übersteht, ohne zu brechen. Und wie viele Pressen könnten jetzt einen so reinen und vollkommenen Pergamcntdruck Herstellen, wie jene Peypusbibel von 1524 und der Psalter von 1525! Freilich, es fehlt auch nicht an dem Gegentheil. England war schon früher stark an kleinerem, augenverderbendem Druck, und wenn der Goliath unserer Sammlung eine Oxforder Bibel von 1717 ist, 55 Centimeter hoch, so können wir auch mit einem Zwerg auswarten, einem griechischen N.Testament, Sedan 1628, 77 Milli meter hoch und 45 breit, einem Seitenstück zu dem berühmten Dan- tino. Württembergische Drucker begegnen uns wenig; ich erwähne als Seltenheiten eine lateinische Bibel von Zainer in Ulm 1480, eine noch frühere Glosse von Petrus Lombardus von Konrad Fyner in Eßlingen um 1472 und einen hebräischen Psalter von 1542 aus der Druckerei des Paul Fagius in Jsny. Zu dem Drucker gesellt sich der Künstler; welch reiches Feld bot die Bibel dem Xylographen, dem Kupferstecher! Auch die Ge schichte des Holzschnittes läßt sich hier verfolgen von seinen frühesten rohen Anfängen an in der 3. deutschen Bibel (Jodocus Pflanz mann in Augsburg 1475) bis zu ihrer höchsten Blüthe durch die Schnitte von Mich. Wohlgemuth, AlbrechtDürer, HansSchäufselin, H. Springinsklee, H. Burgmaier, Urs Gras, Lukas Cranach u. a.p seit 1480 die niederdeutsche, 1483 die berühmte Koburger Bibel mit Bildern geschmückt war, erschien säst keine deutsche Bibel ohne solchenSchmuck; jene mehr erwähnte Peypusbibel hat einen wunder bar schönen Schnitt von A. Dürer; zu der eckitio xrmosps von
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