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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.05.1922
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- 1922-05-10
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- 10.05.1922
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Redaktioneller Teil. X° 1V8, 10. Mai 1922. malz die damit erstrebten Ziele erreichen. Es kommt nicht darauf an, ob wir das Papierstück »Mark» nennen, das noch die Kauf» kraft von 3 oder don 2 Goldpfennigen hat, sondern es kommt aus die Stabilität, das Gleichdleiben des Geldwertes und Preis niveaus an.) Scheiden die Befürchtungen, die man an einen Preisabbau großen Stils knüpft, sonach aus, so glaube ich, daß einer Preis-, Kapitals- und. Isst not lasst, Rationalisierungspolitik, wie sie sich aus den vorstehenden Darlegungen logisch ergibt, keine Einwände mehr im Wege stehen. Deutsche Gegenwartsdicktunq im Ausland. Von Hanns Martin Elster. Deutschland ist das Land der Weltliteratur. Kein Volk die ser Erde nimmt das dichterische Schaffen der fremden Sprachen so bereitwillig in Übersetzungen auf wie das deutsche. Wenn eine Umfrage nach den bei uns meistgelesenen Büchern veranstaltet wird, gehören ausländische Autoren, wie im vergangenen Jahre, Tagore, Rolland, Dostojewski, Tolstoi, Strindberg, Dumas stets dazu. Ebenso steht die deutsche Bühne fremdsprachigen Bühnen werken jederzeit offen. Es soll hier nicht darüber gestritten wer den, welche Rach- und welche Vorteile diese »offene Tür« in lite rarischen Dingen für Deutschland mit sich bringt. Die Tatsache steht fest und auch ihre Folge, daß das Verständnis sür fremd ländische Wesenheit unter den Deutschen infolge dieser bereitwilli gen Aufnahme fremdländischer Literatur am weitesten und tiefsten verbreitet ist. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Dichtung Pionierarbeit für ein Volk unter fremden Völkern leistet. Die Franzosen wissen dies ganz genau. Ihre gelben Roman bände haben Anteil an der Weltgeltung Frankreichs. Deutschland muß infolgedessen den Wunsch haben, ebenfalls in allen Kultursprachen mit den Werken seiner-Dichter seine Wesenheit erkennen lassen zu können. Wie steht es mit der Ver breitung der deutschen Dichtung im Ausland? Die Literatur- sorschung ist nicht in der Lage, diese Frage lebensvoll zu beant worten: sie mutz Philologie treiben, und die Antwort auf unsere Frage liegt einem Philologen fern. Aber auch der Verlagsbuch handel hat keine Stelle geschaffen, um systematisch Material zu sammeln, das Auskunft zu geben vermöchte, welche deutschen Dich tungen sind übersetzt worden, in welche Sprachen, und welchen Erfolg haben sie im Ausland gehabt. Thema nicht nur für eine Dissertation, sondern dauernd zu behandelnde Aufgabe der Kul turpropaganda, der Darstellung deutscher Wesenheit im Ausland. Bei diesen Feststellungen geht es nicht so sehr um die klas sische Literatur. Der Sprachlehr- und Schulbetrieb allein legt hier Beschäftigung und Übersetzung der Hauptwerke nahe, obwohl auch hier das Ausland weit hinter Deutschland mit seiner Cor neille-, Moliöre-, Racine- und Shakespeare-Pflege zurücksteht. Nein, am meisten muß uns an der Verbindung unmittelbarer Lebenskräfte, Gegenwartsäußerung liegen: wie deutsch« Art gegenwärtig sich offenbart, kann allein fremdländischen Zeitge nossen die Wahrheit über Lauf und Gehalt unserer Zeit und unseres Seins enthüllen. Die Gegenwartsdichtung Frankreichs z. B. kommt sofort zu uns herüber: in den erfolgreichen und auch in den weniger erfolg reichen Erscheinungen. Romain Rolland und Barbusse, Francis Jammes und RenS Arcos usw. wurden.sofort deutschem Geiste vermittelt. Können wir Gleiches von deutschen Gegenwartsdich tern sagen? Eine kurze Umfrage bei deutschen Verlegern, von denen allerdings nur eine kleine Anzahl zu antworten für nötig befand, gab wenigstens einen Querschnitt, einige Hinweise. Es dauerte fast stets Jahr und Tag, ehe e r f o l g r e i ch st e deutsche Dichter in die fremden Sprachen übersetzt wurden. Der Erfolg allein war Anlaß der Übertragung: also eine geschäftliche Be rechnung, kein Sich-einsetzen für höhere Werte. Diese kamen höchstens unbewußt und unberechnet über die Grenze. Daß Gustav Frenssen und Waldemar Bonsels Eingang in alle Kultursprachen fanden, erscheint bei dem Bucherfolg dieser Dichter selbstverständlich: daß mit ihnen zugleich ein gut Teil deutschen Wesens in deutlichster Gegenwärtigkeit nach Frankreich, England, Amerika, Rußland, Holland, Skandinavien, Italien, Japan usw. drang, kann nur mit besonderer Freude erfüllen. Andere, auch bei uns mit großen Erfolgen ausgezeichnete Dichter 66t traten hinzu: RudolfHansBartsch wurde von Skandina vien, Holland, England ausgenommen, Otto Ernst drang mit »Flachsmann als Erzieher- in sämtliche Kulturstaaten, mit »Asmus Semper« nach Holland, Paul Schreckenbachs »König von Rothenburg« kam nach Amerika, Karl Hans Strobls »Alte Türme« nach Schweden. Von Walter Bloem wurden »Volk Wider Volk«, »Eisernes Jahr«, »Schmiede der Zukunft« in das Englische, Schwedische, Holländische über setzt; KarlRosne rs,»Silberne Glocke« und »Drei Schwestern- ins Holländische, Schrott-Fiechtls »Fcderl am Hut« eben falls. Karl Brögei's »Held im Schatten« wurde in das Schwedische übertragen, ebenfalls H. Löns' »Zweites Gesicht«. Carl Spittelers Werke wurden in das Französische, Schwe dische, Spanische, Tschechische, Englische, Italienische übersetzt; Helene Voigt-Diederichs wurde nach Schweden ge bracht, M. v. Ebner-Eschenbach nach Italien, Frankreich, England, Carl Busse nach Polen. Ludwig Fulda fand Eingang in Holland, Italien, Rußland, Tschechoslowakei, Ungarn, Amerika; I. C. Heer in England, Holland, Amerika, Herzog wurde in Dänemark, Schweden, Holland, Amerika; Frankreich (»Hanseaten«) verbreitet; Ricarda Huch in Hol land; R. St ratz in Holland, Amerika, Frankreich (»Der Weiße Tod«); Sudermann in Rußland, Spanien, Italien, Tschecho slowakei, Ungarn, Holland, Amerika, England, Frankreich, Schweden, Dänemark, Finnland, Norwegen, Lettland; Elisa beth von Heyking kam nach Frankreich, England, Skandi navien, Polen, Ungarn, Böhmen; Ossip Schubin nach Eng land, Frankreich, Dänemark. Neuerdings holt man Ger hart Hauptmann (seit 1912) nach England, wo »Gesammelte Werke« erscheinen; Dehmel nach Böhmen, Rilke nach Schwe den (»Vom lieben Gott«), Wassermann nach England (»Christian Wahnschasfe«), Clara Viebig nach Finnland, H. v. Hofmannsthäl mit seinen Gedichten nach England, Georg Kaiser nach England und Ern st Tollers »Wand lung« nach Frankreich, England, Spanien, Schweden; Paul Keller (katholische Kirchenhilfe!) nach England, Frankreich, Finnland, Italien, Holland, Spanien, Portugal, Ungarn, Vlam- land. Diese — gewiß völlig zufällige — Auswahl von Über setzungen deutscher Gegenwartsliteratur läßt doch schon deutlich erkennen, wie sich das deutsch« Gesicht im Ausland spiegelt: zwei fellos mehr nach der Oberfläche denn nach der Tiefe, nach der unbedingten Gültigkeit. Für den fremdländischen Übersetzer war das äußere Moment Antrieb zur Übertragung, nicht das inner liche Mitgehen mit unserer Wesensart und ihrem Ausdruck, das den Deutschen zu Dostojewski oder zu Anatole France gebracht hat. Sensation des äußeren Erfolges in Auslagen- und Auffüh- rungsziffer, stofflicher Inhalt wie Schilderung deutscher Indu strie oder deutschen Soldatentums, zeitgeschichtliche Sensation (Rosners »König- oder Tollers »Wandlung«), nur ganz selten aber aufrichtige Mitarbeit und sachliche, in die Tiefe gehende Kenntnis der wirklichen deutschen Dichtung als Ausdruck deut scher Art. Kann man sich bei dieser Lage Wundern, wenn im Ausland eine so irrige Meinung von deutscher Art entstehen konnte, wie sie heute überall gang und gäbe ist? Der Deutsche ist nicht schuldlos an diesen Zuständen. Er soll nicht etwa achselzuckend über die geringe Ausnahme deutscher Dichtung im Ausland hinweggehen und über das mäßige Inter esse fremder Völker an deutscher Kunst schelten. Er soll sich fragen: wie kann sich's bessern. Der Deutsche im Ausland, der, selbst veräußerlicht, in Rudolf Herzog, Stratz und Bloem die Repräsentanten deutscher Gegenwartsdichtung sah, war natürlich nicht imstande, ein sachliches Bild vom deutschen Geist und Wesen zu vermitteln. Kein Franzose steht der Literatur seiner Zeit und seines Landes so beziehungslos nach ihrem wesenhaften Schwergewicht gegenüber. War es ein Wunder, wenn das Aus land dann glaubte, Herzog, Stratz, Bloem seien wirklich die wah ren Dichter Deutschlands? Wo aber war in Deutschland selbst die Arbeitszentrale, die es sich zur Aufgabe machte, in fremden Ländern deutsche Dichtung zu vermitteln, bekannt zu machen? Paris treibt andauernd Expansivpolitik mit seiner Literatur: von Verlegern, Autoren und vom Staate aus, wenn die Franzosen
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