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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.05.1922
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1922-05-10
- Erscheinungsdatum
- 10.05.1922
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- Deutsch
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X« 108, 10. Mai 1922. Redaktioneller Teil. Ein Wort für Herrn Eugen Diederichs! Di« nachfolgenden Jeilen sollen bei weitem nicht das ganze von Herrn Diederichs angeschnittene Problem ausrollcn, sondern nur ein Beitrag zu dessen Lösung sein. Nachdem die Lobgesänge auf das glänzende Weihnachtsgeschäft swas haben Sie heute noch davon. Herr Kollege?) verhallt waren und säst zugleich auch der Rus nach höheren Ladenpreisen, kamen dieselben, ver anlaßt natürlich in erster Linie durch die Macht der Verhältnisse, la winenartig. Der Wettlaus mit dem Swinegel, wie ein Kollege die Verhältnisse recht treffend kennzeichnet, wurde zur Parforcejagd. Alles umsonst; es ist nichts gewonnen worben! Nur das Publikum sängt an, stutzig zu werden. Dieses Tempo der Preissteigerung war es bisher im Buchhandel nicht gewöhnt. Es kaust noch immer und zahlt, wenn auch murrend die geforderten Preise, aber es sieht sich immer mehr als früher die Ausstattung an; gemeint ist hier nicht in allen Fällen bas verivendete Material, da genügen meist einige erläuternde Worte. Der äußere Eindruck vor allem ist cs, der mit kritischem Auge unter dem Gesichtspunkte der Preislage gemustert wird; und es ist be schämend, in wie vielen Fällen der Käufer mit abfälligen Urteilen im Recht ist. Man erwiderte mir nicht, daß ich die Herstellungspreise nicht kenne. Ich brauche nur ein Dutzend Neuerscheinungen etwa gleicher Qualität nebeneinander zu legen, um herauszufinden, wieviele Verleger sich durch allzu große Nachlässigkeit in der künstlerischen Aufmachung gegen den guten Ruf des Buches im allgemeinen und nicht zuletzt gegen ihre eigene Firma versündigen. Es ist erstaunlich, welche Verschieden heit in der Leistungsfähigkeit oder Leistungswilligkeit der ver schiedenen Verleger besteht. Autorenhonorar, Auslagenhöhe und Kapital- krast der einzelnen Firmen mögen dabei eine große Rolle spielen. -Solange es noch Wälder gibt, wird eS auch noch Bücher geben-, sagte mir kürzlich ein Kunde. Ter Mann hatte nicht unrecht. Wie es möglich ist, daß ein Verleger z. B. für Mk. 80.— einen Roman aus leidlichem Papier in einem Leinenband bringen kann, während ein anderer ein Buch desselben Umsangs zu säst gleicher Zeit nur in einem leichten Pappband aus elendem Holzpapicr ohne jede künstlerische Rote heraus bringt, gibt doch zu denken/ Sollte es nicht vielleicht doch Firmen geben, die sich die Sache ein bißchen zu leicht machen? Ae schwieriger die Verhältnisse werden sHerr Diederichs meint, wir seien erst am Anfänge), desto mehr Sorgfalt sollten die Herren Ver leger aus die Ausstattung der Bücher legen. Je mehr dem Bllcher- käuser zugcmutet wird, zu zahlen, desto besser muß sich der ihm zu verlausende Gegenstand präsentieren. Dann wird er die Preissteige rungen eher verschmerzen. Man bedenke nur, wieviel Bücher zu Gc- schenkzweckeu verwendet werden, und erst recht, wieviel mehr noch ver wendet werden sollten. Nur nicht Nachlassen, meine Herren, auch wenn es schwer fällt. Sie sind es nicht, der dem Kunden gegcniiber- stcht, das ist immer der Sortimenter, der dann mit allerlei Begründun gen die Situation retten muß. Bedauerlich ist, daß der Sortimenter nicht in der Lage ist, seine älteren und meist noch weit besseren Lagerbestänbe umzeichnen zu können. Di« Ursache ist, daß wohl die reichliche Hälste aller Verleger überhaupt keine Preisänderungcn veröffentlicht. Dann darf man sich auch nicht wundern, wenn das Prcischaos immer größer wird. Wie Herr Kollege Poltier-Weeber, Lörrach, ganz richtig schreibt, ist es eine heilige Pslicht jedes Verlegers, jede Preisändcrung zu veröffent lichen. Zumindest kann er dem Sortimenter über Leipzig eine kurze Roiiz zugehen lassen, wenn ihm schon der direkte Weg zu teuer ist. Die einzige Selbsthilfe für den Sortimenter, nämlich den Preis durch Schätzung und Vergleich mit anderen Werken selbst scstzusetzen, dürfte dem Verleger auch nicht angenehm sein. Fast täglich kommen Fälle vor, wo ein nachbczogenes Buch in Halblcinwand z. B. Mk. 05.— kostet, während man es noch vor kurzem in Ganzleinen mit Mk. 30.— verkauft hatte. Wie ist das nur möglich?, fragt sich der Sortimenter. Man hat doch das Börsenblatt Zeile für Zeile verfolgt und nichts davon gelesen, einfach deshalb, weil der Verleger es nicht für nötig hielt, den inzwischen vielleicht schon zweimal erhöhten Preis anzukiindigen. Eine hier auch schon erörterte Tatsache, daß viele Bücherkäufer sich an die neuen Preise nur sehr schwer gewöhnen können, ist der Umstand, daß die Bücher früher aus Gründen der ungeheuren Überproduktion viel zu billig waren. Viele meiner Leser werden sich erinnern können, welch prachtvolle Sachen vor dem Kriege die Reisenden der Großanti- guariaisfirmen in ihren Koffern brachten, und zu welchen Spottpreisen, nicht etwa nur unter dem Gesichtspunkt der heutigenBerhältnisse betrachtet. Welche Stapel brachte» allein die Warenhäuser aus ebendiese» Quellen! Ein Beispiel: Bücher des deutschen Hauses in Ganzleinen Mk. —.00; hören Sie wohl, Herr Kollege, neunzig Pfennige, im Wavenhause vielleicht sogar sür Mk. —.05. Ähnliche Fälle gibt es in Menge. Da ist es natürlich kein Wunder, wenn heute die Bücher, auch wenn sie im Preise noch zu niedrig gehalten werden, den meisten Käufern zu teuer erscheinen. Volkswirtschaftlich genommen drückt bekanntlich jede Überproduktion auf die Preise. Die Vorteile kommen lediglich dem Käufer zugute. Herr Otto Reich!, Darmstadt, schreibt nun ganz richtig, baß die Bücherproduktion auf jeden Fall eingeschränkt werden muß. Eigentlich kommt die Überproduktion dem Sortimenter in gewissem Sinne zugute, denn er ist scheinbar in der glücklichen Lage, eine reiche Auswahl zu haben und nicht aus einzelne Verleger angewiesen zu sein, wenn für ihn nicht der große Nachteil entstünde, daß er durch das ungeheure Überangebot ständig in Versuchung ist, zu viel zu be stellen und sein Kapital zu verzetteln, nicht zuletzt aber auch seine und seiner Angestellten Arbeitskraft. Denn wenn er mit 200 Firmen an statt nur mit 100 arbeitet, so bedeutet dies säst 100°/„ mehr Arbeit und Spesen und damit Geldverlust- Konzentration ist heule mehr denn je gebieterische Notwendigkeit für jeden Sortimenter. Er erreicht dadurch 1. größere Übersichtlichkeit des Lagers, 2. engere Beziehungen zu den bevorzugten Verlegern, 3. höhere Staffelrabatte und 4. Ersparung einer Masse Zeit, Arbeits- und Nervenkrast. Einer Unsitte möchte ich bei dieser Gelegenheit mit steuern, das Ist das Ausdrucken von Preisen aus broschierte Werke, die bet Eintreffen derselben beim Sortimenter meist schon nicht mehr gültig sind und für letzteren nur wieder «ine Mehrarbeit bedeuten. Unrichtig ist es ferner, wenn Verleger anzeigen, daß sie ihre Ver lagswerke um soundsoviel Prozent erhöht haben, und dabei vergessen, anzugeben, welches denn eigentlich der letzte Preis war. Also, bitte, Zahlen angeben, mein« Herren! Herrn Diederichs bitte ich, wenn er mit jenen Auserwählten an einem mehr oder weniger idealen Platze tagt, vor allem eins nicht zu vergessen, nämlich daß mit 35"/„ Rabatt, wie das heute im Verlag so häufig Unsitte geworden ist, kein Sortimenter auskommen kann. Be schließen Sie nun, was Sie wollen, meine Herren, die Rabattsrage ist sür den Sortimenter bei allen kommenden Beratungen der Kern punkt. Kür die Sorttmentersiihrer aber gilt heute mehr denn je: viäsant eonsnlss . . . ! Plauen i. V. Max Hochmut h. Folgende Schriftstücke wurden in Briefsorm an die Herren Eugen Diederichs in Jena und Otto Reich! in Darmstadt ge richtet: I. Herrn Verlagsbuchhändler Eugen Diederichs, Jena. Sehr geehrter Herr Kollege I Mit höchstem Interesse habe ich mich dem Studium Ihres Aus satzes in der heutigen Nummer (08) des Bbl. gewidmet. Vieles darin erscheint mir allerdings eruptiv. Werden Sie mit Ihrem Esprit den »«Sprit äs eonps» erzeugen? Aber Sie wollen wohl auch zu nächst nichts anderes, als mit stärkster Gebärde auf die immer mehr und bringender erscheinende wahrhafte Gemeinsamkeit in der Hand lung der führenden und ethischen Geister des Buchhandels Hinweisen. Die Zeit ist der Erzeuger dieser Initiative. Aber bedenken Sie auch, baß gerade die, die aus idealen Motiven zum Buchhandel gekommen und die man gewiß zum Teil mit Recht »führend« nennen darf, soweit sie die Schöpfer von ideellen Werten wurden, daß gerade diese von peitschenden Sorgen selten aus die Höhen der Kaufmannschaft gestellt werden? Ist nicht der von Anbeginn ein »Parcival« gewesen, der seine Aktien im Berlagsbuchhandel anlegte? Wie soll eine solche Per sönlichkeit die strebende Energie aufbringen, praktisch und energisch zu handeln? Ich begrüße aufs lebhafteste Ihren Trompetenrnf und bin ge willt, aus den weiteren Ton und sein Echo zu horchen. <Was sagen Sie zu dem merkwürdig Ihren Aufsatz ergänzenden Artikel des Herrn Otto Reichl-Darmstadt, dessen konkrete Bcgrifs- lichkett und Form mich fesselte?) Freiburg i. B. Ernst Gnent her, Verleger. II. Herrn Verlagsbuchhändler Otto Reich!, D a r m st a d t. Ich habe in der heutigen Nummer <98> des Bbl. mit Interesse Ihren Aussatz gelesen. Es ist wunderbar, wie Sie aussprechen, was ich einige Zeit schon für richtig erkannte. Es wird auch jedenfalls der hcitlige Artikel des Herrn Kollegen Dicdcrichs-Jena, der eine eigene Ergänzung zu Ihren Ansichten bildet, zweifellos (genau wie Ihr Aussatz) Wirkungen auslösen, die ich zu begrüßen Ursache zu haben glaube. Darf ich bitten, mir mitzuteilcn, welches nach Ihrer Ansicht die nächsten Schritte sein werden, um zu greifbaren Resnltaicn zu komme»? Mit kollegialer Begrüßung Kreiburg i. B. Ernst Guenther, Verleger. «07
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