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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.03.1892
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1892-03-17
- Erscheinungsdatum
- 17.03.1892
- Sprache
- Deutsch
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64, 17. März 1892. Nichtamtlicher Teil. 1649 freundlichem Grün geschmückten Hof des Grundstücks, so bietet sich uns auch hier ein überraschendes Bild. Ein zierlich gegliederter, mit Turm und Erker ausgestatteter gelber Backsteinbau schließt seitlich an das Hauptgebäude an. Breite Thürcn und Laderampen davor deuten aus seine Bestimmung als Lager- und Packraum; darüber die Wohnung des Hausmanns. Den Hintergrund des Bildes bietet ein mächtiger vier stöckiger Backstcinbau mit gewaltigen, dem Lichte reichlichen Eingang schassenden Fenstern. Eine bis an das oberste Stockwerk hinangeführtc, freistehende eiserne Wendeltreppe dient der Sicherheit des Lebens bei eintrctender Gefahr und vermehrt gleichzeitig in ästhetischer Rücksicht das angenehm Wcchsclvollc des Anblicks. In diesem Hintergebäude ist die Druckerei von Carl Marquart und die Buchbinderei von M. Göhre untcrgcbracht. Mit der Ueberzcugung, daß nach diesem ersten gewinnenden Eindruck auch an der inneren Einrichtung, sowohl in Betreff der Zweckmäßigkeit wie der Gediegenheit der Erscheinung nichts versäumt worden sei, traten wir ein. Dennoch wurden wir überrascht von dem, was uns ein liebens würdiger Führer zeigte und erläuterte. Die Haupträumc des Geschäfts, Kontor, Privatkonto! und Sprechzimmer, blicken nach der Straße hinaus und erfreuen sich, wie überhaupt alle Räume, reichlichen Lichtes. Das Hauptkontor, an das nach rückwärts das Kassenzimmer und ein Vorraum sich anschlicßen, ist ein geräumiger Saal mit vielen schönen, bequemen Arbeitspultcn, Wandschränken, dem Tclephonverschlag und allem denk baren Zubehör, alles in einsach gediegener Ausstattung und aufs zweck mäßigste eingerichtet. Von den Pscilerwänden mahnen in mächtiger gotischer Schrift die Weisungen: -Denk deutsch-, »Sprich deutsch-, -Schreib deutsch-, eine für ein deutsches Verlagshaus gewiß sehr berechtigte Lehre. Die einfach gehaltene, nur von schmalen dunklen Leisten diagonal durch zogene Decke zeigt in der Mitte in matt gehaltenem Farbcnton das dem Buchhändler, wie jedem deutschen Schulkinde wohlbekannte Wappen des Hauses, die bewurzelte Eiche mit einem ausgcschlagenen Buche und den Buchstaben F. H., auf dem Gczweige das verschlungene Band mit dem Wahlspruch. Ein Haustelcgraph neuesten Systems im Kasscnzimmer, der mit allen Räumen des Grundstücks durch eine einfache Umschalt vorrichtung in Verbindung steht und aus verhältnismäßig weitem Ab stande sogar das geflüsterte Wort deutlich vernehmbar macht, fand — nicht ohne einen berechtigten Tropfen Neid in Anbetracht der eigenen Maschine veralteten Systems — unsere höchste verständnisvolle Würdigung. Neben dem Hauptkontor liegt das geräumige Privatkontor und weiterhin ein recht geschmackvoll und gediegen ausgestattetes Sprech zimmer. Alle diese Räume haben unmittelbare Verbindung mit den großartig eingerichteten Lager- und Packräumen, die sich im rückwärtigen Teile des Hauptgebäudes und in der ganzen Länge, Tiefe und Höhe des Seitengebäudes anschlicßen, und welchen Zwecken, abzüglich des Maschinen- und Heizraumes, auch noch der ganze Kellcrraum unter beiden Gebäuden dient. Alle diese großartig angelegten Räume haben Stcinwölbung und Asphaltboden, werden zum Teil durch reiches Oberlicht erleuchtet und sind aus einer wirksamen Dampfheizung in allen Teilen, auch im Keller, von einer behaglichen Wärme durchströmt. Die Natur des Hirt'schcn Verlages bringt es mit sich, daß das Ballcnlager gegenüber dem Handlagcr, namentlich dem der gebundenen Bücher, räumlich zurücktritt. Da nun aber, wie leicht erklärlich, auch erstercs einen ansehnlichen Raum beansprucht, so kann man sich leicht die erstaunliche Ausdehnung des Handlagers danach Vorsteven. Es kann nicht ausbleiben, daß es in der räumlichen Ausnutzung auch dunklere Stellen in diesem gewaltigen Lager giebt. Hier ist sehr sinnreich geholfen. Die Berührung eines Knopfes am Zugang zu solchen Stellen genügt, um sofort die an der Decke im Drahtgitter schwebende Glühlampe zu entzünden, und dem augenblicklichen Lichtbedürfnis ist bestens und überreich genügt. Dieses System elektrischer Lampen verbreitet sich durch das ganze Haus. Uebcrall im Lager und Packraum hängen die Drahtlampen und überall über den Pulten in den Kontoren die elektrischen Schreiblampen, von den Decken die stilvollen Kronen So ist für alle Tages- und Nachtstunden an der Hand des rastlos fort schreitenden Erfindungsgcistes in bester Weise gesorgt. Wie bekannt vereinigt seit längeren Jahren Herr Arnold Hirt in Leipzig, der im Jahre 1879 nach dem im Februar desselben Jahres er folgten Tode seines Vaters, des unvergeßlichen Breslauer Verlegers Ferdinand Hirt, an die Spitze des Leipziger Geschäftes trat, den Besitz der drei Häuser Ferdinand Hirt in Breslau, Ferdinand HirtLSohnin Leipzig und I. H. Bon's Verlag in Königsberg in seiner Person. Alle seine vielen Untergebenen in diesen umfangreichen Be trieben sind einig im Lobe seiner ungewöhnlich tüchtigen und für das Wohl seiner Mitarbeiter jederzeit treu besorgten Persönlichkeit. Von dieser schönen Bedachtnahme auf die Wohlfahrt seiner Angestellten hat er bei Gelegenheit des Einzuges in das eben kurz geschilderte Heim einen neuen ihn hoch ehrenden Beweis gegeben, indem er seine Mit arbeiter bei einem festlichen Einzugsschmause um sich versammelte und ihnen Mitteilung von einer außerordentlich reichen Stiftung machte, die bei eintretendcn Todesfällen den hinicrlassenen Familien zugute kommen soll. Ein schöner Beweis hochherziger und fürsorglicher Gesinnung, der alle Angehörigen der Hirt'schcn Geschäfte mit aufrichtigem Danke erfüllt. Nemumdsünszigster Jahrgang. Der Einzug in das neue Haus fällt in das sechzigste Jahr der Begrün dung des Breslauer Stammhauses durch Ferdinand Hirt. Was dieser wackere Mann geschaffen, hat sein Nachfolger in treuer Arbeit redlich vermehrt; be sonders wohlthuend berührt hierbei das pietätvolle Gedenken an den Heimgegangenen Gründer, und dieser liebevollen Erinnerung ist auch im neuen Hause im Aeußcren und Inneren reichlich Ausdruck gegeben. Das Bildnis des Gründers grüßt schon von weitem aus der stattlichen Front deS Hauses heraus, und auch in den inneren Räumen blickt sein ausdrucksvoller Kopf von mehrfachen Stellen auf dieselbe emsige und unermüdliche Thätigkcit, die die Ausgabe und der Inhalt seines reichgesegncten Lebens war. Auch der deutsche Buchhandel hat seinen Namen in treuer ehrenvoller Erinnerung; dem Sohne und Nachfolger aber ruft er bei dem heute besprochenen wichtigen Abschnitte in seinem Geschäftsbetriebe gewiß gern ein aufrichtig gemeintes, herzliches Glückauf zu. Zur Verlagsordnung. — Zum Entwürfe der Verlagsord nung des Börsenvereins sind auf das Ersuchen des Vorstandes ziemlich zahlreiche Acußcrungen von Buchhändlern und buchhändlcrischen Vereinen, von Juristen und Schriftstellern eingegangen. Der Ausschuß wird am 22. März in Leipzig zur vierten Lesung des Entwurfes zusammcntretcn, der dann in der endgiltig vorzuschlagcnden Form recht zeitig vor der Hauptversammlung veröffentlicht werden soll. Verlagsanstalt und Druckerei A.-G. (vormals I. F. Richter) in Hamburg. — Zu unserem, dem -Hamburger Tageblatte- ent nommenen Bericht über die Generalversammlung der Vcrlagsanstalt und Druckerei A.-G. (vormals I. F. Richter) in Nr 58 d. Bl. tragen wir nach dem Berichte aus dem »General-Anzeiger sür Hamburg und Altona heute nach, daß nach Ablehnung des Antrages I der Herren Bankdirektor W. Fuchs (Heilbronn) und Genossen Herr vr. Klcinschmidt namens der Minorität von 443 Aktien die Erklärung abgab, daß er gegen Gründer und Emissionshäuser Klage erheben werde. Ferner teilte uns Herr G. Wildt-Stuttgart als Berichtigung der durchaus den Thatsachen widersprechenden Darstellung im Hamburger Tageblatt, daß seine Ausführungen vom Vorsitzenden »als nicht zu treffend widerlegt worden seien-, folgendes mit: Meine Ausführungen lauteten: 1) -Als Mitvertreter der Minorität bitte ich den Herrn Vorsitzenden um gefällige Angabe, nach welchen Grundsätzen die Bewertung der Bücher in der Bilanz (ca. 1 Million Mark» ausgenommen worden ist-. Diese zuerst sich ausdrängcndc Frage wurde gar nicht beant wortet. 2) Als im Laufe der stürmischen Versammlung die Minorität mich gleichfalls in die -Revisionskommission- als einzigen in der Versammlung anwesenden Sachverständigen vorschlug, erklärte ich, daß ich persönlich dieses dornenvolle Ehrenamt nicht erstrebe, daß ich aber die Majorität der Generalversammlung dringend bitten möchte, wenigstens einen Sach verständigen, d. h. einen Buchhändler aus dem großen Kreise unserer Leipziger oder Berliner Kollegen hierzu zu erwählen. Auch diese Befürwortung blieb unbeantwortet und unberücksichtigt. Im Interesse der Gesellschaft habe ich ein solches Vorgehen der Majorität tief bedauert. Stuttgart-Berlin, 13. März 1892. G. Wildt. Brand. — Die Firma I. P Bachem in Köln ist in der Nacht vom 8. zum 9. d. M. von einem bedauerlichen Brandunglück betroffen worden. Der im Bachem'schen Verlage erscheinenden -Kölnischen Volks- zcitung- entnehmen wir hierüber folgenden Bericht- Ein erhebliches Schadenfeuer hat in der vergangenen Nacht im vordern Flügel des Buchdruckerei-Gebäudes von I. P. Bachem in der Bahnhosstraßc gewütet. Der Ausbruch desselben ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Der Hauswächter hatte bei seinem Rundgang gestern Abend um 10 Uhr nichts bemerkt. Das Feuer wurde in der Frühe gegen 3 Uhr von Nachtwächtern zuerst gesehen, als schon im dritten Stock nach der Straße zu die Flammen die Fenster beleckten. Rasch war die Feuer wehr auf den Weckruf von unserer Fcucrmcldcstclle aus eingctroffen und begann die Löscharbciten, welchen sich außerordentliche Schwierigkeiten ent- gegcnstellten, weil die brennenden Papicrmassen, besonders auf dem vierten Stockwerk, entsetzlichen Qualm und furchtbare Hitze verbreiteten. Eine Zeit lang brannte es gleichzeitig außer im Herd des Feuers, dem dritten Stock, auch auf dem zweiten und vierten. Es waren höchst bedrohliche Augenblicke. Nach Aussage der Feuerwehr wäre das ganze Gebäude verloren gewesen, wenn sie nur zehn Minuten später eingctroffen wäre Nach dreistündiger Löscharbeit war die Gefahr beseitigt Der städtischen Feuerwehr und ihren Offizieren gebührt alle Anerkennung. Der angerichtetc Schaden an verbrannten und verdorbenen Drucksachen, rohen, broschierten und gebundenen Verlagswcrkcit sowie am Gebäudc-Jnncrn ist ein sehr bedeutender. Der Betrieb der Druckerei ist nicht unterbrochen. Eine der Rotations-Maschinen, die zu ebener 223
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