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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.03.1922
- Strukturtyp
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- 1922-03-30
- Erscheinungsdatum
- 30.03.1922
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Redaktioneller Teil. X- 76, SO. März 1822. Stuttgart ist vor dem Kriege aus geistigem, künstlerischem und wirtschaftlichem Gebiete sehr rührig gewesen. Nach der langen Unterbrechung durch den Krieg, die Revolution und ihre Nach» wehen setzt allmählich das frühere rege Leben wieder ein. Die Edelmesse, die Buchmesse und die Möbelmesse kön nen wohl schon als ständige Einrichtungen betrachtet werden. Dazwischen werden noch einzelne andere Spezialmessen eingeschaltet. Kürzlich hatten wir auch eine l a n d w i r ts ch öst lich e W o ch e, verbunden mit einer Ausstellung. Da waren viele Tausende Bauern aus allen Teilen Württembergs nach der Hauptstadt gekommen. Die Bauernorganisationen sind seit dem Kriege sehr unternehmend geworden. Sie wissen, datz sie sich in den Verbraucherkreisen keiner großen Sympathie erfreuen, und da sie vielfach im Kampf gegen die Regierung und die Steuerbehör den stehen, betrachten sie eine landwirtschaftliche Woche zugleich als eine Kundgebung, durch die sie der Hauptstadt ihre Macht vor Augen führen wollen. Die Bauern haben mit Geldausgaben natürlich nicht gekargt, aber der Buchhandel scheint wenig davon profitiert zu haben. Den Teilnehmern der landwirtschaftlichen Woche wurden soviel Vorträge, kincmatographische Vorführungen und Zerstreuungen aller Art geboten, daß sie nach ihren Ein käufen in den Läden der verschiedensten Art keine Zeit mehr hat ten, eine Buchhandlung zu besuchen. Im Landwirtschaftlichen Wochenblatt hatte man es auch ganz übersehen, die Teilnehmer zum Ankauf von Büchern in Stuttgart zu ermahnen. Vielleicht nimmt das nächste Mal der Stuttgarter Buchhändlerverein die Sache in die Hand. Auch bei anderen Veranstaltungen, den Spezialmessen, der Ausstellung des württembergischcn Weltbundes usw., ließe sich doch etwas für den Buchhandel tun. Im Handelshof ist soviel Raum, daß sich Wohl ein Platz für Ausstellung und Verkauf von Fachliteratur finden ließe. Die Frage ist bei solchen Gele genheiten immer die, wer den Verkauf übernehmen und wie die Sache organisiert werden soll. Aber es müßte sich doch schließ lich eine geeignete Form finden lassen, um eine so gute Reklame- und Absatzgelegenheit auszunutzen. In baulicher Hinsicht hat sich im Innern Stuttgarts seit dem Kriege keine nennenswerte Veränderung vollzogen. Jetzt geht aber der neue Bahnhof, der zu den Parkanlagen zurück verlegt worden ist, allmählich seiner Vollendung entgegen. Das davor stehende Königstor, das leider nicht erhalten werden konnte, wird zurzeit abgebrochen. Der sogenannte untere Teil der Königstraße, d. h. der Teil vom neuen Hauptbahnhof bis zum Königsbau, wird in der nächsten Zeit eine völlige Veränderung erfahren, sodaß die Besucher Stuttgarts sich hier gar nicht mehr auskennen werden. Der ehemalige königliche Marstall ist zum Abbruch bestimmt und die Reihe der gegenüberstehenden Ge bäude ist zum größten Teil schon niedergelegt. Hier werden In den nächsten Jahren große Hotel« und Geschäftspaläste erstehen. Wie weit diese Neubauten sich in der Richtung zum Schloßplatz erstrecken werden, steht noch nicht fest. Dort befinden sich auch noch die beiden Häuser Königstratze 3 und 5 bei der heutigen Marstallstraße, die beide, nach den Plänen Thourets erbaut, in den Besitz des bekannten Verlagsbuchhändlers Hallberger über gegangen waren. Als ein Novum verdient noch verzeichnet zu werden, daß die Etsenbahnverwaltung den gewaltigen Turm des neuen Hauptbahnhofes einer Gesellschaft überlassen hat, die darin Lass, Bar und allerlei sonstige Vergnügungsstätten einrichtet. Dadurch wird das sonst so ernste und würdevolle Stuttgart auf den fremden Besucher einen Eindruck machen, der dem Charakter der Stadt eigentlich gar nicht entspricht. . , . Zu den nützlichsten Einrichtungen, die das Börsenblatt ge troffen hat, gehören die Berichte über das Weihnachtsgeschäft im Buchhandel. Ich will natürlich nicht auf das Ergebnis zurück kommen, das bereits von der Redaktion zusammcngefaßt worden ist, sondern nur auf einen Punkt Hinweisen, auf den man in Zu kunft zu achten Wohl Veranlassung haben wird. In den Städten und Bezirken, in denen Industrie und Handel rege sind, lauteten die Urteile allgemein dahin, daß die Preise der Bücher keine Rolle spielten. Anders war es in den stillen Städten, in denen Beamte, Pensionäre, Rentner usw. vorherrschend sind. Die- 402 ser Mittelstand, der früher als wohlhabend galt, aber infolge der Geldentwertung vielfach in die größte Bedrängnis geraten ist, zählte einst zu den ständigen guten Bücherkäufern. Heute muß er sich in seinen Mitteln einschränken und mff manche Ausgabe verzichten, die er sich früher unbedenklich gestatten konnte. So er klärt es sich, datz z. B. in Gelsenkirchen die Preisfrage keine Rolle spielt, wohl aber z. B. in Kassel. Ob aber der Bergmann, der täglich 140.— -kt verdient, ein ebenso guter Bücherkäufer werden wird, wie es z. B. früher ein bescheidener Privatbeamter war, ist eine andere Frage. Die Schieber und sonstigen Kriegs- und Re< volutionsgewinnler haben ihren Bedarf an Lederbänden und Luxuzdrucken zumeist gedeckt. Jetzt fragt es sich: Werden die A r- beiter und die Bauer n, die zwei Klassen, die jetzt das meiste Geld verdienen, in Zrckunft einen so starken Anteil an den Bücher- käufern stellen, daß im Verlags- wie im Sortimentsbuchhandel ernstlich mit ihnen zu rechnen ist, d. h. datz sie einen Ersatz für den Teil des Mittelstandes, der nicht mehr kaufkräftig ist, abgeben werden? Die Bauern, soweit sie nicht früher wenigstens etwas studiert haben, gehören ja nicht gerade zu den eifrigen Bllcher- käufern, obschon manche recht gern ein Buch kaufen, wenn ihnen ein geeignetes von einem Manne, zu dem sie Zutrauen haben, einpfohlen wird. Bei meinem Verkehr mit den Bauern auf den Fildern ldas ist die fruchtbare landwirtschaftliche Gegend ober halb Stuttgarts) habe ich Wohl gelegentlich bei einem Bauern gehört, daß er einem Reisenden für 2000.— ./k Leinen abgskaust hat, aber nie vernommen, daß auch nur einmal ein Bücher reisender dort gewesen sei. Die Arbeiter, die gewerkschaftlich organisiert sind, und das ist heute wohl bei der Mehrheit der Fall, kaufen vorwiegend nur Gewerkschaftsliteratur oder solche Schriften, die ihnen in ihren Parteiorganen oder Parteibuch- Handlungen empfohlen werden. Wenn die Gewerkschaften nicht so einseitig wären, müßten sie ihre Mitglieder viel mehr, als cs bisher geschehen ist, auch auf diejenigen für die Arbeiter geeig neten Bücher Hinweisen, die nicht gerade in einem ausgesproche nen Parteiverlag erschienen sind. Dies würde im Interesse der Arbeiter selbst liegen. Zu einem Aufstieg einer Klasse gehören nicht bloß hohe Löhne, sondern auch Pflichten auf geistigem Ge biete, und nur wenn die Arbeiter aus ihre Fortbildung bedacht sind, werden sie sich in der Stellung behaupten können, die sie in der Revolution errungen haben. Zu diesem Zwecke müssen ihre geistigen Interessen geweckt und gefördert werden, und da zu sind außer den Volkshochschulkursen und ähnlichen Veranstal tungen die Bücher am geeignetsten. Es gibt ja auch kein Volk, dar eine so große Zahl guter Bücher zur Verfügung hat, die auch dem Horizont des einfachen Arbeiters angepaßt sind, wie das deutsche. Die Gewerkschaften und die vielen Arbeitervereine müß ten es jetzt als . ihre dringendste Pflicht betrachten, die Arbeiter systematisch zum Bücherkaufen, das ihnen bisher noch zum großen Teil fremd ist, anzuleiten, zumal da dadurch auch die vielen Arbei ter in den mit dem Buchgewerbe zusammenhängenden Industrien neuen Verdienst finden würden. » » » Von Stuttgart ging der Ruf aus, der im ersten Augenblick sehr paradoxal klingt: DieBüchersindzubillig! Darü ber wird sich mancher wundern, der jetzt schon über hohe Bücher preise klagt. Es fragt sich nur, was man unter billig und was man unter teuer versteht, und da sich bei weiteren Preissteige rungen in der Tagespressc vielleicht unliebsame Erörterungen daran knüpfen werden, dürfte es Wohl notwendig sein, die Sache von der richtigen Seite zu betrachten. Wenn früher ein Verleger oder ein Sortimenter einen starken Absatz zu verzeichnen hatte, so freute er sich über das gute Ge schäft. Er brauchte ja nur die in seinem Lager entstandenen Lücken neu auszufüllen, der Sortimenter, indem er wieder vom Verleger bezog, der Verleger, indem er nötigenfalls neue Auf lagen druckte oder neue Werke herausbrachte. Diese neue Ware konnte der Sortimenter wie der Verleger sich im allgemein?» zu denselben, oft sogar z» günstigeren Bedingungen verschaffen. Jetzt ist die Sache ganz anders. Die Bücher, die der Sortimen ter abgesetzt hat, erhält er nie wieder für denselben Preis, und die Bücher, die der Verleger neu drucken läßt, werden um so viel teurer, daß er in vielen Fällen auf die Herstellung verzichten
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