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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.07.1891
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1891-07-20
- Erscheinungsdatum
- 20.07.1891
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- Deutsch
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4185 ^5 165, 20. Juli 1891. Nichtamtlicher Teil. nicht umhin können, jedem einzelnen dieser Sätze, obwohl das meiste in ihnen neu ist, zuzustimmen und zu bekennen, daß sein bisheriger Glaube vielfach Blindheit, im besten Falle ein Gemisch von richtigen und un richtigen Annahmen war, jedenfalls nur ein verworrenes Durcheinander bot, dem jede klare und sichere Grundlage fehlte. Diese Grundlage bietet der Verfasser in seinen beiden Büchern -Wieviel verdiene ich jährlich?» und »Welchen Wert hat mein Geschäft?»: beide Bücher gehören innig zusammen. Klarheit und Wahrheit zu schaffen in den unendlich vielen und ermüdenden »Kleinig keiten», die das Ganze des Geschäftsganges eines Sortimcntes, namentlich mit gemischtem Betriebe, ausmachen, ist ihre Aufgabe, die wie im ersten, so auch im zweiten Buche glänzend gelöst wird. Nicht daß wir trockene Anweisungen empfangen, etwa autoritäre Lehrsätze, die wir nachbctcn sollen; sondern kein Lehrsatz bleibt ohne Beweis, keine Schätzung ohne ihre eingehendste Begründung; der Weg, den der Verfasser selber durch schritten, um zur vollen Klarheit zu gelangen, wird dem Leser nicht vorenthaltcn, und nur auf diese Weise teilt sich auch ihm Klarheit und Wahrheit mit. Wäre cs möglich, diese beiden schätzenswerten Begriffe, wie im wörtlichen Ausdruck so auch nach ihrem Wesen auseinandcrzu- haltcn, so möchten wir sagen, daß sich das erstcrc Buch mit der Schaffung von Klarheit beschäftigt, während das letztere der Wahrheit auf den Grund geht. Diese letztere dankenswerte Mühewaltung des Verfassers wollen wir in nachstehendem betrachten. Wenn cs sich um die Feststellung des Wertes, beziehungsweise des richtigen Kaufpreises eines Sortimentsgcschäftes handelt, so giebt cs im großen und ganzen drei Größen in Betracht zu ziehen, zwei reale Werte: die Vcrdicnstjumme und den Vcrmögcnsstand, denen sich als dritter ein Jdealwcrt anschlicßt. Daß letzterer gerade in der buchhändlcrischen Anschauungsweise eine bedeutende Rolle spielt, ist bekannt; leider herrscht gerade über ihn die allgemeinste Unklarheit; diese beseitigt und auch den idealen Wert auf richtige rechnerische Grundlage gestellt zu haben, ist ein großes Verdienst des Verfassers Nicht minder aber wendet sich dieser auch den realen Werten zu und geht in unbefangener, streng sachlicher Weise an ihre Prüfung, hier bei allerdings manchen geträumten Besitzstand erheblich verringernd oder gar vernichtend, manche schöne Illusion gründlich zerstörend. Wie er schon in seiner Buchführung mit allerhand unklaren Schätzungen, alte», gläubig verehrten, darum nicht minder haltlosen Dogmen frischweg aufgeräumt hat, so hat er auch diesmal nicht die Feder ergriffen, um allen unseren Gepflogenheiten Lobpsalmcn zu schreiben, sondern um mit voller Offenheit Mißstände aujzudcckcn und beseitigen zu helfen, wo sie nach seiner Ucbcrzeugung vorhanden sind. Der Verfasser verkennt die Schwierigkeiten seiner Ausgabe keines wegs. Ec verhehlt sich nicht, daß im Sortimentsbuchhandel häufig ganz besondere örtliche und andere Verschiedenheiten bestehen, Einflüsse, die der sipabloncnmäßigen Wertbestimmung cntgcgcnwirken und in ihrer Mannigfaltigkeit und Vielseitigkeit sich der Durchbrechung entziehen. Demnach wünscht er auch, seine Arbeit nur als Beiträge zur Wert- bcstimmung aufgcfaßt zu sehen, nicht als den Versuch einer endgiltigcn Lösung dieser schwierigen Frage. Wir halten den Verfasser hier sür zu anspruchslos. Jedenfalls scheint uns sein streng vom Allgemeinen zum Besonderen vorschreitender Weg der richtige und besonders glücklich seine Methode, jeden einzelnen Gegenstand seiner Betrachtung zunächst gründlich und unter steter Vergleichung des Althergebrachten mit seinen Ncucrungsvorschlägcn zu erforschen, um dann seine Schlußfolgerung zu ziehen und sie als belehrenden oder warnenden Fingerzeig dienen zu lassen. Nach einer kurzen Einleitung und einem ersten Kapitel mit allge meinen Betrachtungen folgt als zweites Kapitel die Besprechung vom »Verdienst und Besitz- als den hauptsächlichen Ausgangspunkten zu einer Wcrtbestimmung. Der berechtigten Vorwürfe gegen den Sorti mentsbuchhandel , gegen seine mangelnde kaufmännische Vorbildung, seine häufige Unklarheit über die Grundbedingungen einer gedeihlichen Existenz, die optimistische Gcschästsauffassung, mit welcher sich der nach Selbständigkeit strebende Gehilfe in die handgreiflichste Gefahr stürzt, muß der Verfasser hier leider eine ansehnliche Reihe bringen. Das finanzielle Ziel eines Sortimenters der mittleren und kleinen Stadl ist bekanntermaßen kein allzuhohes; leider wird auch dieses in der Mehr zahl der Fälle nicht erreicht. Die Zahl der Sortimenter, die durch ihr Geschäft allein wohlhabend geworden sind, ist so klein, daß der Ver fasser sie mit vollem Recht als die bekannte -Ausnahme von der Regcl- hinstellt. Glücklich noch diejenigen, die nach aufreibender, sorgenvoller Arbeit eines ganzen Lebens sich ihren ursprünglichen Besitzstand ungeschmälert er hielten; die Mehrzahl der Ansäuger ist zufrieden, wenn es ihnen ohne allzu- große Verluste gelingt, die hcißcrschntc Selbständigkeit alsbald wieder abzu- slrciscn, um nur unter wesentlich erschwerten Lebcnsbedingungen die unklug verlassene Gehilfenthätigkcit wieder aufzunehmen. Diese Verhältnisse sind traurig, aber nicht schwärzer dargestcllt, als sic in Wirklichkeit sind. Die Ursache findet der Verfasser weniger in äußeren Umständen, als vielmehr in der nicht wcgzuleugncnden Sorg losigkeit und Unkenntnis, die der junge Sortimenter beim Kaufe eines Geschäfts in Bezug aus die Grundbedingungen jeder geregelten kauf männischen Existenz, auf die genaue Ermittelung von Verdienst und »chtundfünfzigster Jahrgang. Besitz fast durchgchends an den Tag legt. Demgemäß lautet seine erste Forderung: »Was wir also vor allen Dingen im Buchhandel brauchen, das ist eine vollständige kaufmännische Durchbildung eines jeden einzelnen Gliedes unserer Gemeinschaft und die sich hieraus von selbst folgerichtig ergebende unbedingte Klarlegung aller unserer Geschästsverhältnisse.» Vollkommen zutreffend bemerkt er weiter: -Beharren wir dagegen auch fernerhin auf unserem alten Stand punkte, so werden uns auch in Zukunft alle Vereinsmaßrcgeln und alle, wenn auch noch so gut gemeinten Rcsormvorschläge und Reformen nichts nützen. Das Heil kommt und kann auch hier nicht von oben herab kommen; auch wir müssen, ein jeder für sein Teil, redlich zur Besserung beitragen, mit alten und veralteten Ucbcrlicfcrungcn brechen, dem Zeitgciste folgen und — rechne» lernen, wie cs jeder andere Geschäftsmann auch muß.» Diesc sehr beherzigenswerten Bemerkungen vorangcschickt, stellt sich der Verfasser im Interesse vollkommener Objektivität nun auf den Stand punkt des Kauslicbhabers, nicht des Handlungsbcsitzers, um von hier aus in die Einzelheiten seines Stoffes einzudringcn. Sehr lehrreich ist zunächst das folgende Kapitel, überschricben; »Die übliche Berechnung des Reingewinns-, in dem der Verfasser an der Hand von Thatsachcn und Zahlen die gegenwärtig fast allgemein geübte Methode der Wertbcrcchnung eines Sortimcntsgc- schäftcs beleuchtet, um daran zu zeigen, wie es nicht gemacht werden soll. Die leider unverkennbare Wirklichkeit, die er hier vorsührt, er scheint fast wie eine Satire, so drastisch wirken seine Ausführungen und Zahlcnbcispiclc. Nicht minder niederschmetternd wirkt seine Beleuchtung des Spcscn- kontos, wie cs meist gchandhabt wird. Ihm ist das vierte, gleichfalls sehr überzeugende Kapitel gewidmet. Im fünften Kapitel, -Der Sortimenter als Kausmann- überschricben, wird eine allgemeine Anweisung zu richtigerer Gcschäftsbehandlung ge geben, die in den nächsten Kapiteln: -Allgemeine kaufmännische Gewinn- bcrcchnung«, »Die Inventur-, -Unsere Aktiva-, »Unsere Passiva- ihre weitere Aussührung erfährt. Wir können im Rahmen dieser Be sprechung dem Verfasser nicht ins einzelne folgen, wollen aber einiges wenige hcrausgrcifcn, das uns ganz besonderer Beachtung wert scheint. Das erste betrifft die für allgemeine kaufmännische Verhältnisse außergewöhnlich schnelle Entwertung des Büchcrlagers. Das hier hcrvorzuheben, scheint uns darum wichtig, weil leider gerade dieser Um stand nur allzuhäufig übersehen wird. Ins Große gehende jährliche Abschreibungen vom Werte des Sortimentslagers zu machen, scheint wirklich fast die geringste Sorge des Handlungsbesitzers zu sein, und doch ist die geregelte Vornahme gerade dieser, freilich schmerzlichen Ar beit, eine der wichtigsten Obliegenheiten der Buchführung. Wenn jemand seine Handlung zum Kaufe ausbietet, so Pflegt er gerade auf den Be stand an festem Lager als vorhandenen reellen Wert einen gewissen Nachdruck zu legen, und nicht selten sind die Fälle, wo er ihren Wert zum vollen Einkaufspreise geschätzt hat und diesen Umstand sogar in seinem Verkaufsinserat hcrvorhcbt, freilich auch hier oft genug sich des unseligen und unkausmännischen-C irca- befleißigend, das weiter nichts besagt, als daß der Verkäufer sich über den Wert seines Objektes nicht klar ist. Der Verfasser sagt hierüber: -Wohl in keinem kaufmännischen Betriebe erleiden die Handels artikel eine derartig große und rapide Entwertung und leichte Un- vcrkäuflichkeit, wie gerade im Buchhandel. Während jede andere Ware — Genußmittel und ausgesprochene Eintagsartikel aus genommen — stets einen gewissen Wert behält, sobald sie tadellos erhalten wird, und schließlich immer noch einmal ihren Liebhaber findet, trägt die Ware -Buch- ihr Alter an der Stirne an- gcschriebcn und lebt als -neu- nur ein recht kurzes Leben. Alsdann sinkt das Buch rasch von Wertstufe zu Wcrtstufc . . . und wartet jahrelang auf einen Käufer billiger Ramschware, der cs sür eine Kleinigkeit ersteht, mag es äußerlich auch noch so neu und un gelesen sein.« Und weiter; -Für Bücher bestimmt allein der Absatz, nicht innere Gediegen heit den kaufmännischen Werl ...... Das hier naheliegende Wort -Nachfrage- hält der gewissenhafte Ver fasser in der Feder zurück, weil gerade die Nachfrage cs ist, die, durch Verleger-Reklame hcrvorgerufen, die meisten Ladenhüter schafft. Mit solchen zweifelhaften Werten Pflegen namentlich die Sortimente größerer Städte gesegnet zu sein, während Handlungen in kleineren Städten be denkliche Anschaffungen leichter unterlassen und oft ohne Nachteil sich auf sogenannte Brotartikcl beschränken können. Der Verfasser findet demnach auch das Lager kleinerer Handlungen meist verhältnismäßig wertvoller als dasjenige großer, berühmter Firmen, bei denen Konkurrenz und ein gewisses -IWblesss oblige- zu manchem gefährlichen Partic- bezuge verleitet. Wie diese Ladcnhüterbestände entstehen und zunächst unmcrklich, aber mit um so größerer Sicherheit ein munteres Wachstum bethätigcn, erklärt der Verfasser in einer einfachen Erzählung, der man den Preis der voll kommenen Naturwahrhcit zuerkenncn muß. Er hätte noch hinzusügen 563
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