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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.03.1922
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1922-03-04
- Erscheinungsdatum
- 04.03.1922
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- Deutsch
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Es beträgt die Zahl der Geschäftsrundschreiben rund 57 000; der alphabetisch geordneten älteren Verlags- und Anttquariats- kataloge rund 26 000; der neuerdings verzeichnten, laufend ein gehenden Verlags- und Antiquariatskataloge 275 und 862; der Buchhändlerbriefe 2718. — Dem Gedächtnis des noch im Jahre 1920 wegen Krankheit beurlaubten und im Berichtsjahre verstorbenen ersten Mitarbei ters Paul Schmid haben wir seinerzeit im Börsenblatt dankbare Worte gewidmet. Von einer ausländischen Firma erhielten wir ein Schreiben, in dem sich folgende Sätze finden: »Und wollen wir uns bemü hen, den Bestand der Bibliothek zu vermehren. Diese Bemühung verdient die Bibliothek umsomehr, als dieselbe, wie wir sehen, dem, wozu sie berufen ist, in vollem Matze entspricht. Bei Empfang Ihres Schreibens . . . konnten wir nicht umhin, auszu rufen: Es gibt nur eine große Nation, das Ist die deutsche!« I. Goldfriedrich. Ladenpreise und Verkaufspreise. Offener Brief. Stuttgart, den 24. Februar 1922. Sehr geehrter Herr Otto Weitbrecht! Ihrer öffentlichen Aufforderung folgend, äußere ich mich zu Ihren Darlegungen in Nr. 45 des Bbl. Die Angst, den Dingen ins Gesicht zu sehen und sie in ihrer vollen Unerfreulichkett zu erblicken, und dann die noch größere Angst, aus der gewonnenen Erkenntnis die Folgerungen zu zie hen; und schließlich die oft riechbare Angst, das theoretisch Ge- folgerte in die Praxis, in die Tat umzusetzen — diese drei Äugst- lichkeiten sind besonders kennzeichnend für die Gegenwart, in der Weltpolrtik rmd Weltwirtschaft sowohl wie in der deutschen Politik und Wirtschaft, und in seinem kleinen Kreis »rächt der deutsche Buchhandel keine Ausnahme. Im Gegenteil: das Vogelstraußwesen und die Selbstbelügung, das an den Dingen Vorbeischielen, nur um keinen wirklich entscheidenden Schritt tun zu müssen, das zaghafte Herumdoktcrn und Kurpfuschen au allem Brandiggewordenen, wo nur ein entschlossener Messerschnitt noch helfen kann, — das scheint mir typisch für unseren Stand zu sein, gerade auch in der Behandlung der Ladenpreisfrage mit all ihrem Drum und Dran. In einem mit sehr viel Geist geschriebenen Buch, das zahl reiche ganz allgemein im Leben gültige Regeln enthält, nämlich in unserer seligen Felddienstordnung, steht, daß es ein schwerer Fehler sei, der sich oft bitter räche, wenn man nur deshalb in einer Stellung verharre, weil man sich darin mit vieler Mühe ein gerichtet habe. Dieser Fehler scheint mir auf unseren festen Laden preis zuzutressen. Auch er ist die Frucht endloser Mühen gewe sen, es hat langer„zäher Arbeit bedurft, um ihn zu schaffen. Nun aber die Verhältnisse sich so gewaltig verändert haben, sollen wir da bloß deshalb an dem von den Ereignissen überholten Selbstgeschaffenen festhalten, weil es schwer erkämpft wurde in der Vergangenheit? Vielleicht halten Sie mich für einen unentwegten Mili taristen, aber ich muß noch einmal einen militärischen Vergleich ziehen. Im Sommer 1917 schrieb Ludendorff in einem Befehl: »Unhaltbar gewordene Stellungen sind aufzugeben; der Kwnps um sie verbraucht unnötig Kräfte». Trifft das nicht auch auf unseren Kampf um den Ladenpreis und Sortimenterzuschlag zu? Es war schon kein Kamps mehr — ein Krampf war das! Mit kleinen halben Maßnahmen, mit gequälten Kompromissen und papierenen Entschließungen, mit oft von Anfang an unhaltbaren Verträgen usw. glaubten wir, dem wilder als je sausenden Rad der Wirtschaft in die Speichen fallen zu können. In der Über zeugung, daß mit all diesen künstlichen wirtschaftlichen Bindun gen« doch nichts Rechtes erreicht und am Ende bloß gedoktort statt kuriert wird, habe ich mich von all diesen Verträgen zwischen Firma und Firma oder Gruppe und Gruppe serngchal- ten und es stillschweigend dem Sortimenter überlassen, ob er für meine Bücher glaubt Zuschläge nehmen zu müssen oder nicht. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß, wenn der Verleger seine Ladenpreise einigermaßen der Geldentwertung gemäß festsetzt, 280 d. h, hinaufsetzt, der Sortimenter dann in der Regel keinen Zu schlag mehr nötig hat. Aber mag er selbst darüber entscheiden! Einer etwaigen »happigen« Zuschlagswillkür wird auch hier der stets viel stärkere Zwang wirtschaftlicher Notwendigkeiten bald korrigierend entgegentreten. (Konkurrenz, Rückgang des Umsatzes.) Ihr Vorschlag nun deckt sich, soweit es sich um nichtwissen- schastliche Bücher handelt, im wesentlichen mit dem, was ich i» einer Vorstandssitzung der Stuttgarter Verleger-Vereinigung schon im vergangenen Sommer folgendermaßen skizziert und ganz ähnlich begründet habe, wie Sie es jetzt tun: 1. An Stelle des festen Ladenpreises tritt der »Katalogpreis- des Verlags, eine Art Richtpreis. 2. Dieser Katalogpreis ist ein Minimalpreis. Er ist die Grundlage für Tantiemenhonorare. 3. Das Sortiment erhebt nach freiem Ermessen auf diesen Katalogpreis die Zuschläge, die es nötig zu haben glaubt. Eine Wirkung unter anderen wäre dann die, daß z. B. das Stuttgarter Buch in Flensburg oder Königsberg teurer sein wird als in Tübingen oder Heilbronn, und das Berliner Buch würde in Potsdam und Brandenburg billiger verkauft als in Waldshut und Freiburg i. B. Warum nicht? Ich bin mir völlig klar darüber, daß diese Aufhebung des festen Ladenpreises keine ideale Lösung der ganzen Frage bedeu ten kann. Wo soll auch gerade heutigentags irgendein Wirt schaftsproblem eine ideale Lösung finden? überhaupt sind Ideale mehr für den Himmel als für diese Erde, wo man doch zumeist bloß die Frage zu entscheiden hat, welches von mehreren Übeln das erträglichere sei. Soviel aber steht für mich fest: Das Problent des Ladenpreises, das uns, den Verlegern und Sorti mentern, nun schon seit Jahren immer wieder eine ungeheuere Arbeit macht und wachsenden Verdruß und Unfrieden im ge samten Buchhandel erzeugt, dieses Problem ist mit den bis- herigen Maßnahmen nicht gelöst worden, und in der Richtung aller bisherigen Versuche kann eine Lösung auch gar nicht ge funden werden. Denn der eherne Gang der Wirtschaftssntwick- lung wird alle unsere künstlichen Konstruktionen immer wieder über den Haufen Wersen. Das sollte auch der eifrigste Zwangs- wirtschastler allmählich gelernt haben. Also eine vernünftige freie Wirtschaft mit freier Bahn dem Tüchtigen. Die Aufhebung des Ladenpreises in der skizzierten Weife wäre wenigstms eine Lösung des Problems (wenn auch durchaus keine besonders schöne), und der trojanische Krieg im Buchhandel hätte ein Ende. Man würde aufatmen. Wenn sich dann einmal aus dem jetzigen WirtschaftschaoS so etwas wie festes Land wieder gebildet haben wird, auf dem man Fuß fassen kann, dann wäre es an der Zeit, die Frage zu prüfen, ob die Rückkehr zu unserem alten festen Ladenpreis im Gesamtinteresse des Buchhandels liegt und inöglich ist. Vorläu fig aber stehen wir nicht auf festem Boden, sondern auf einem »Was stürzen will, soll man noch stoßen!« sagt Nietzsche (nicht Nitschmann!). Also stoßen wir — aber nein, das ist gar nicht mehr nötig. Er ist ja schon längst gestürzt, der feste Laden preis, und wir brauchen uns nur ehrlich auf den Boden der Tat sachen zu stellen und die Dinge, wie sie bereits zwangsläufig ge worden sind, zu sanktionieren und zu normieren, statt sie mit auf reibenden Kämpfen und unsinnigen Anstrengungen anders machen zu wollen; gegen einen Strom, der erwiesenermaßen stärker ist als wir. Mit kollegialer Begrüßung Ihr ergebenster Robert Lutz. Wie soll man Bücher kaufen? Von Kunstschriftsteller Carl G. Laurin*). Es gibt viele Entwicklungsstufen zwischen einem Menschen, der mit einem unentschlossenen und ängstlichen Ausdruck eine Buchhandlung be tritt und fragt, ob er »irgendein gutes Buch« erhalten könne und zwi schen — sagen wir, dem Bibliothekar der Nobelstistung. *) Aus dem Almanach des Schwedischen Bnchhandlungsgchilfe»- Vereins überseht von Felix Värkonyi.
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