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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.11.1883
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1883-11-12
- Erscheinungsdatum
- 12.11.1883
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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Die Vertheilung dieser Summe oder ihre Verwendung bliebe dem Verbände anheimgestellt. Eine solche, uns durch ein Gesetz aufzuerlegende Last würde eine allgemeine Erhöhung unserer Leihgebühr nach sich ziehen müssen. Bei dieser Reform würde allerdings nicht möglich sein, daß der jeweilige Autor hierdurch eine entsprechende Entlohnung finden werde; allein, meine Herren, ist es nicht bester, das Gute zu nehmen, wenn das Bessere nicht erlangt werden kann? Wäre cs nicht schon ein ganz außerordentlicher Gewinn, wenn auf diesem Wege das Alter Ihrer Mitglieder sicher gestellt wer den könnte? Sollte ich nicht auch in Ihrem Kreise, dem in telligentesten der Nation, auf Opferfrcudigkeit zum Besten Ihres Standes zählen dürfen? Ich hege die Hoffnung, daß ich Ihre allseitigc Zustimmung zu meinem Vorschläge finden werde, und daß Sie jene Opfcr- freudigkcit besitzen, die dieser von Ihnen verlangt. Es erübrigt mir nun wohl nur noch, in Kurzem zu skiz- ziren, wie ich mir denke, daß zur Rcalisirung meines Vorschlages vorgegangcn werden solle, und dann die Vortheile, die für Sic daraus resultiren, in etwas zu beleuchten. Schon die eben tagende Versammlung des Schriftsteller- Verbandes ist in der Lage, den ersten Schritt zu thun, auch ohne sich vorher mit meinem Vorschläge einverstanden zu er klären. Deshalb beantrage ich nachstehende Resolution, die ich unseren Hrn. Vorsitzenden zur Debatte zu bringen und zum Be schluß zu führen ersuche. Diese Resolution hätte zu lauten: Die Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Schrift steller-Verbandes erklärt: „Die Benützung der literarischen und musikalischen Werke zu gewerblichen Zwecken in den Leihanstalteu verpflichtet diese Gewerbe zu einer entsprechenden Entschädigung an die geistigen Eigenthümer. Sie beauftragt den Vorstand des Verbandes, jene Schritte zu thun, die geeignet sind, diesen Anspruch zur allseitigeu Anerkennung und zu gesetzlichem Schutze zu führen." Der Beschluß einer solchen Resolution ist derart bedeu tungsvoll, daß die Tagespresse sich nicht cntschlagen kann, diese Angelegenheit zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. Hier, meine Herren, beginnt nun die Aufgabe für jeden einzelnen von Ihnen, durch Sie selbst oder Ihre Verbindungen die Dis kussion in fortwährendem Flusse zu erhalten, damit Ihr Anspruch vom allgemeinen Rechtsbcwnßtsein Anerkennung finde, wozu cs wohl kaum einer langen Zeit bedürsen wird. Ist das erreicht, so ist der Moment gekommen, an die Ge setzgebung mit Ihrem Verlangen heranzutreten. Von wesent lichem Nutzen würde es nun sein, wenn dieser Schritt von unserer Zustimmung begleitet werden könnte. Bei Berücksichtigung meines Vorschlages stehe ich und einige meiner College», die ich dafür gewonnen habe, schon jetzt auf Ihrer Seite. Es empfiehlt sich weiters, die Vorlage mit einem Memo randum zu begleiten, das außerdem in gedruckten Exemplaren an jedes einzelne Mitglied des Reichstages übersandt wer den muß. Haben Sie die gesetzliche Anerkennung, so ist die Sache eigentlich fertig; es erübrigt nur die Fixirung der Höhe der Entschädigungssumme, die aber besser vorher noch zwischen uns zu vereinbaren wäre; es könnte die Sache sonst an jener Stelle noch an diesem Umstande scheitern. Uni nun von dem Resultate meines Vorschlages ein an näherndes Bild zu geben, will ich annehmen, daß der geringste, > auch von dem kleinsten Geschäfte jährlich zu zahlende Betrag, ! nicht unter fünfzig Mark betragen dürfe. Meiner Meinung nach wäre der doppelte Betrag nicht zu hoch gegriffen. Bleiben wir aber vorläufig bei fünfzig, und berücksichtigen wir auch vorläufig nicht die größeren Geschäfte, die natürlich nach ihrem Verhält- uiß zu zahlen hätten, und welche auch bei einer nur sehr mäßigen Erhöhung von etwa 25 Proeent der Leihgebühr, zwei- bis fünf tausend Mark zu zahlen in Stand gesetzt werden. Rechnen wir weiter nur die Zahl von zweitausend Leih anstalten, deren Firma das Buchhändler-Adreßbuch aufzählt, in Wirklichkeit ist die Zahl eine weit größere, so ergeben diese zweitausend Geschäfte schon beim niedrigsten Ansatz jährlich 100,000 Mark, und der Verband besitzt in zehn Jahren ein Vermögen von einer Million, deren Ertrag, meiner Meinung nach, wenigstens so lange zu den von mir bezeichneten Zwecken zu verwenden wäre, bis das anwachsende Capital auch die Ver wendung für andere Zwecke gestattet. Ich halte es für nöthig, nun noch zu erwähnen, daß ich selbst diesen meinen Vorschlag nicht als den ausschließlich einzig möglichen halte; daß ich vielmehr der Ansicht bin, daß ein all seitig befriedigendes Resultat nur aus dem vereinten Be mühen aller Betheiligten, Schriftsteller, Verleger und Leihbiblio- thckarc, hervorgehen kann. Der Durchführung dieser Reform stehen so vielseitige Schwierigkeiten entgegen, daß der einzelne Fachmann sic nicht alle überblicken kann. Meine Absicht geht vorläufig daraus hinaus, Ihnen einer seits zu zeigen, daß aus vereinten Bestrebungen ein Resultat für uns Alle hervorgehen kann; andererseits wünsche ich Sie zu veranlassen, durch Beschluß meiner vorgeschlagenen Resolution den ersten dazu nothwcndigen Schritt zu thun, der alle weiteren nach sich ziehen muß. Dennoch möchte ich fragen: Kann irgend Jemand sich durch die von mir vorgezeichnetc Reform bcnachtheiligt fühlen? — Ich glaube — nein! Dem Schriftsteller wird ein ihm längst gebührendes Recht, seine Zukunft wird gesichert, — den, Leihbibliothckar wird ge holfen, so daß er in die Lage kommt, den Verlag deutscher Literatur zu stützen und die Wünsche des Publicums befrie digen zu können, worin auch zugleich der Gewinn für letzteres sich ausdrückt, ohne daß vom Publicum mehr gefordert zu wer den braucht, als dem Gebotenen entspricht; und die Nation wird in Zukunft einer Schuld enthoben sein, die sie von je ihren Schriftstellern gegenüber getragen. Ernst Wichert-Königsberg: Meine Herren! Als ich im vorigen Jahre auf dem Schriftstcllcrtag meinen Vortrag über die Leihbibliotheken und das. geistige Eigenthum hielt, war ich mir voll bewußt, daß damit das Rad, das lange gestanden hatte, ins Rollen gekommen sein würde; ob es rasch, ob es langsam rollen würde, ans welchem Wege oder Umwege, und wo es endlich einmal liegen bliebe, das konnte ich natürlich nicht vorhersehen. Von allen Forderungen, die ich in Aussicht haben konnte, war ich weit entfernt davon zu schließen auf das, was in Wirklichkeit geschehen ist. Daß nämlich seitens der zunächst Betheiligten ans unserer Seite, mit Ausnahme der wenigen Stimmen, die sich schon damals bei der Berathung selbst hören ließen, dem Project zugestimmt würde, war sicher; daß uns aber von einer Seite her, von der wir es am wenigsten erwartet hätten, frcund- lichst entgegengekommcn werden würde, darüber kann auch ich meine große Freude und Befriedigung ausdrücken, ebenso dar über, daß Hr. Last, der Besitzer der größten Leihbibliothek, die wir haben, die große Güte gehabt hat, sich dieser Angelegenheit anzunehmen. Ich glaube, daß aus diese Weise die einzige Mög-
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