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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 21.07.1908
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1908-07-21
- Erscheinungsdatum
- 21.07.1908
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- Deutsch
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- Saxonica
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7874 Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel Nichtamtlicher Teil 167, 21. Juli 1SV8 einer »Hof-Virginia« in amerikanischer Auktion zu gunsten des Witwenfonds trug auch hier der Wiener Vertrauensmann zur Belebung der Stimmung bei. Ein Spaziergang in das Rosental zu Bonorand, der drückenden Hitze halber zumeist auf »elektrischem Wege« zurückgelegt, schloß sich dem an, und nur zu schnell verflogen die Stunden in anregender, munterer Unterhaltung, bis einer der auswärtigen Kollegen nach dem andern aufbrach, um der Heimat wieder zuzueilen oder — den lange ersehnten Urlaub anzutreten. — Gute Erholung! Und auf fröhliches Wiedersehen! Rich. Hoffmann. Die Kunst auf der Osterrneß-Ausstellung im Deutschen Buchgewerbehause in Leipzig. V. (Vgl. Nr. 127, 152, 158, 162 d. Bl.) »Michelagniolo« von Hans Mackowsky, Verlag von Marquardt L Co. in Berlin. In schöner, formvoll endeter Sprache, die sich oft zu hohem Schwung erhebt, er zählt der Verfasser vom Leben und Wirken eines der Gewaltigsten im Reiche der Kunst. Wenn Mackowsky es nicht verschmäht, für den sprachlichen Ausdruck häufig selbst das Pathos anzuwenden, so entspricht dies durchaus der Eigenart Michelangelos, der es liebte, in pathetischen Gebärden zu schwelgen. Diese großschreitende Welt, die einer der größten Künstler aller Zeiten geschaffen, weiß Mackowsky durch seine bilderreiche Sprache bewundernswert zu erläutern. Man lese nur die Schilderungen über die Deckenbilder in der Sixtina, und man wird überrascht sein von der An schaulichkeit, mit der der Verfasser den geistigen Gehalt dieser überreichen Formenwelt klarzulegen weiß. Der umfangreiche Stoff ist in sechs Kapitel gegliedert. Das erste enthält die Jugendentwicklung des Meisters nebst Erläuterung seiner Erstlingswerke bis zur Entstehung der kolossalen Davidstatue, sowie seine Beziehungen zu Leonardo da Vinci. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der herr lichen Schöpfung der Sixtinischen Decke und dem Beginn des Grabmals des Papstes Julius II., das zu den Decken bildern der Sixtina in seiner weiteren Ausgestaltung einen tragischen Gegensatz bilden sollte. Ferner werden die Beziehungen Michelangelos zur Antike eingehend er örtert. Das dritte Kapitel behandelt die Grabdenk mäler der Medici und schildert den Wendepunkt in des Meisters Leben, der durch den Untergang der Freiheit von Florenz herbeigeführt wurde. Im Gegensatz zu den tragischen Momenten steht das folgende vierte Kapitel, das den großen Künstler als Menschen kennzeichnet. Wir finden Gelegen heit, seine schönen menschlichen Empfindungen, aber auch seine Schwächen kennen zu lernen, beobachten ihn im Kreise seiner Freunde und gewahren seine intimsten Herzens regungen, die er in dichterischen Selbstbekenntnissen zum Ausdruck gebracht hat. Das fünfte Kapitel ist den letzten dreißig Jahren, die Michelangelo in Rom verlebte, gewidmet, wo das Jüngste Gericht und die Fresken der Pauls-Kapelle entstanden. Wir folgen dem Meister bis ins Greisenalter, erfahren Näheres über sein schönes Freund schaftsverhältnis zu Vittoria Colonna, sowie über seinen männlichen Freundschaftskreis, der mit dem zunehmenden Alter immer mehr zusammenschmolz, da der Meister sich mehr und mehr in die Einsamkeit zurückzog. Es folgen dann genaue Berichte über Michelangelos Tod und Be gräbnis. Den Schluß des interessanten Werkes bilden die Würdigung seiner architektonischen Schöpfungen und die Darlegung seines Verhältnisses zu Bramante. Die bei gefügten zahlreichen Anmerkungen und Exkurse, in denen eine Reihe strittiger Fragen und die Authentizität gewisser Werke behandelt werden, sind ganz dazu angetan, der kunst wissenschaftlichen Forschung dienlich zu sein. Das Jllustra- tionsmaterial besteht aus 61 technisch vollendet ausgeführten Heliogravüren, Vollbildern in Tonätzung und mehreren handschriftlichen Faksimiles. Der vortreffliche Buchschmuck in Form von Initialen, Schlußstücken rc. ist von E. Nigg aus- gefbhrt, die übrige geschmackvolle typographische Ausstattung von A. Wohlfeld. Anläßlich des am 22. Mai d. I. erfolgten sechzigsten Geburtstages Fritz von Uhdes hat die Deutsche Verlags- Anstalt in Stuttgart als zwölften Band der von ihr herausgegebenen »Klassiker der Kunst« des hochgeschätzten Münchener Meisters bisheriges Lebenswerk erscheinen lassen unter dem Titel: »Uhde«, des Meisters Gemälde in 285 Ab bildungen, herausgegeben von Hans Rosenhagen. In Uhdes Schaffen verkörpert sich zweifellos eine der markantesten Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit, und da der Meister auf dem Höhepunkt seines Schaffens steht, so darf man es ohne weiteres als eine wohlverdiente Ehrung ansehen, wenn in Form der vorliegenden Publikation seinen künstlerischen Verdiensten Rechnung getragen wird. Der Verfasser beginnt seine Ausführungen über das Leben und die Kunst Fritz von Uhdes mit den Worten: »Mehr und mehr bricht sich in Deutschland die Erkenntnis Bahn, daß die siebziger und achtziger Jahre des verflossenen Säkulums einen Aufschwung der heimatlichen Malerei gesehen, wie ihn die deutsche Kunst noch niemals erlebt hat. Selbst nicht in den Zeiten, da Dürer und Holbein auf Erden wandelten«. Bei aller Achtung vor dem Kunsturteil Rosen- hagens vermag ich diesen Satz beim besten Willen nicht zu unterschreiben. Wohl leben wir in einer Zeit künst lerischen Aufschwungs, sehen auch manche Künstler persönlichkeit von starker Eigenart hervortreten; jedoch ob wir ein Recht haben, diese über Meister wie Dürer und Holbein zu stellen, das möchte ich be zweifeln. Wer die Entwickelung unserer Kunst ohne Brille der Partei betrachtet, wird bald sehen, wie arg wir noch im Experimentieren stecken, und daß wir von jener Klarheit und Höhe des künstlerischen Ausdrucks, wie es sich im Stil jener Meister offenbarte, aller Wahrscheinlichkeit nach noch ein gut Stück entfernt sind Es liegt mir fern, mit dem hier Gesagten die Verdienste eines Uhde im mindesten schmälern zu wollen, ist es doch allgemein bekannt, daß er mit zu denen zu zählen ist, die uns zur Natur zurück geführt, uns von einem falschen Idealismus befreit haben; anderseits soll gern anerkannt werden, daß er uns eine Reihe Kunstwerke von unvergänglichem Werte dargeboten hat, von denen unser Leipziger Museum eins seiner reifsten birgt in dem köstlichen Gemälde »Lasset die Kindlein zu mir kommen«, an dessen Malerei und inniger Charakter schilderung man sich immer wieder aufs neue erfreuen wird. An der Hand authentischen, bisher zum Teil noch un bekannten Materials berichtet uns Rosenhagen von dem Werdegang des Künstlers und kennzeichnet seine Stellung in der neueren Malerei. Welche Wandlungen Uhde im Laufe der Zeit in seiner künstlerischen Anschauungsweise durchgemacht hat, ist aus dem chronologisch geordneten Bildermaterial, das außer drei Farbentafeln vorzügliche Schwarz-Weiß-Reproduktionen bringt, zu ersehen. Der un- gemein frisch und lebendig geschriebene Text bietet treffliche Erläuterungen zu der hochinteressanten Bilderfolge. Die Aus stattung des Ganzen ist der Bedeutung des Inhalts durchaus angepaßt. Ernst Kiesling.
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