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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.08.1921
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- 1921-08-01
- Erscheinungsdatum
- 01.08.1921
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- Deutsch
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Geschäftsstelle oder «postüberweijung innerhalb Deutsch-»; l/.Seite S5 2N. Nichtmitgliedorpreis: die Seile2.25M.. lands 100 M. halbjährlich. Für 27 ichtmitglieder jedes S. 750 M.. >/r 6. 402 M.. '/« 6. 205 M. Stellengesuchs Stück 200 M. halbjährlich. Für Kreuzbandbezug sind die 40 "Pf. die Seile. Auf alle «Preise werden 25A. Teuer.-Suschl. Nr. 177 (R. 141). Leipzig, Monlag den i. August 1921. 88. Jahrgang. Redaktioneller Teil. Die Stellung der „Herausgeber" zur Kulturabgabe. Von Or. Georg Göhler. Herr Hofrat Rösch wird sich selbst sagen, daß der große Schlag mit der Kulturabgabe nicht so leicht glücken wird. Nach dem die Überrumpelung der öffentlichen Meinung mit ein paar kulturtriefenden Propaganda-Artikeln nicht geglückt ist, wird er nun andere Taktik einschlagen und zunächst einmal in der Stille arbeiten lassen. Es ist durchaus notwendig, daß von allen denen, die die Gefahren der Kulturabgabe für das ganze deutsche Geistesleben erkannt haben, fortwährend weitere Aufklärungsarbeit geleistet wird. Denn Herr Hofrat Rösch gehört nicht zu den Leuten, die sich durch einen Mißerfolg von der fanatischen Verfolgung ihres Planes abbringen lassen, zumal für ihn vom Gelingen dieses Planes auch die weitere Durchführung seiner Aufführungsrechts- Politik in der vielen Gefahren ansgesetztcn Genossenschaft deut scher Tonsetzer abhängt. Zwar haben bereits viele Musiker-Organisationen, z. B. der Deutsche Musikerverband, die Organisation deutscher Musiklehr- träfte, der Verband der Direktoren deutscher Konservatorien, der Verband deutscher Lehrergesangvereine, die Kulturabgabe wegen ihrer kulturschädigcndcn Wirkungen in schärfster Form abgelehnt. Aber man darf niemals vergessen, daß Herr Hofrat Rösch infolge seiner Beziehungen ei» sehr mächtiger Mann ist, der feine Hilfs truppen nun, da er bei den Musikern so schlechte Erfahrungen gemacht hat, besonders bei den Literaten suchen wird. Bei der Unzahl bon Menschen, die die Feder emsig rühren, wird die Kulturabgabe um so mehr Anklang finden, als sich viel Prole tariat darunter befindet, das jedem, der ihm höhere Einnahmen verspricht, gern Gefolgschaft leistet. Den Schriftstellern gerade müßte aber klar gemacht werden, Laß auch bei ihnen nur die bereits in Reichtümern sitzenden Mods- grötzcn einen wirklichen Profit von der Sache haben werden, und daß der größte Teil aller s ch r i f t st e l l e r i s ch e ri Tätigkeit, nämlich alles, was für Zeitungen und Zeitschrif ten geschrieben wird, und alle Herausgebcrtätigkeit keinen Pfennig Nutzen von der Kulturabgabe haben werden. Verglichen mit den Geistesarbeitern, die auf diesen beiden Gebieten tätig sind, ist doch die Zahl derer, die wirkliche Bücher schreiben und veröffentlichen, sehr gering. Also gerade die Mehrzahl der Geistesarbeiter hat auch auf diesem Gebiete, genau wie in der Musik, nichts von der Kultur abgabe. Welche Ungerechtigkeit darin besonders der Herausgeber tätigkeit gegenüber liegt, müßte jedem literarisch Tätigen ohne weiteres klar sein. Während jeder Verfasser Irgendeines Schundromans oder einer Skandalbroschüre lg fl, vom Ladenpreis jedes verkauften Exemplars bekommen soll, sollen alle Prozente, die für gemein- freie Werke eingehen, bekanntlich in die Kulturkasse fließen, deren Hauptaufgabe darin bestehen wird, die enormen Verwaltungs kosten zu decken, insbesondere auch alle die Geistesarbeiter zu be zahlen, die es künftig vorziehen werden, sich durch ihre Beziehun- > gen zu den verteilenden Verbänden gutbezahlte Ruhepöstchen in dem Riesenbetriebe der großen Kulturverrcchnungsanstalt zu zchern. Während also da eine Unzahl neuer Beamter und Angestell ter die Zahl der an sich in Deutschland im Überfluß vorhandenen Drohnen vermehren soll, werden die Herausgeber gemeinfreier Werke für ihren Bienenfleiß nicht den geringsten Nutzen von der Kulturabgabe haben. Jeder, der in solchen Dingen sachverständig ist, weiß, daß die Herausgeberarbeit in den meisten Fällen nicht nur unendlich viel mühseliger, sondern auch wichtiger für die Kultur ist als die übliche sogenannte Schöpferarbeit. Wenn jemand durch seine gewissenhafte Forschcrarbeit die Werke eines der großen Meister dem Volke in bester Form zugänglich macht, so müht er sich damit viel mehr und dient seinem Volke in viel schönerer Weise, als wenn er selbst minderwertiges Neues produziert. Ist es nicht sinnlos, dieser minderwertigen Arbeit 10 °/> Extra-»Kultur---Be- lohnung zuteil werden zu lassen, während jene Tätigkeit leer ausgeht und aus das Verleger-Honorar angewiesen ist, das in den meisten Fällen der Arbeitsleistung nicht entsprechen kann, weil für alle freie» Werke möglichst billige Preise angesetzt werden müssen? Ich möchte dabei gleich noch auf eine nachteilige Folge der Kulturabgabe Hinweisen, die ja die Preise aller Bücher und Noten um weitere 10 °/» verteuern würde. Schon jetzt haben die teuren Preise die sehr bedenkliche und unangenehme Folge, daß bei gemeinfreien Werken der Dichtkunst und Musik ein großer Teil der Käufer nicht mehr nach der Güte, sondern nach der Bil ligkeit der Ausgaben fragt. Wenn das so wcitergeht, werden die Verleger künftig diese Ausgaben noch viel weniger als bisher mit besonderen Unkosten belasten und noch weniger an den Herausgeber einer besonders kritischen oder instruktiven Ausgabe zahlen können. Die Folgen würden minderwertige Ausgaben sein, bei denen der fehlerhafte Text und der Mangel jeglicher Herausgeberarbeit skrupellose Verleger nicht weiter stören würde, da ein großer Teil des Volkes doch die billigsten Ausgaben kaufen würde. Was das für Folgen gegenüber dem Auslande haben würde, das bisher Schundaus- gabcn deutscher Meisterwerke nicht kannte, daran sei nur neben her erinnert. Die schädlichen Folgen der Kulturabgabe gehen also viel weiter, als man denkt. Und gerade die zahlreichen deutschen Geistesarbeiter, die als Herausgeber tätig sind, sollten sich klar darüber sein, daß sie ihnen nicht nur keinen Vorteil, sondern unmittelbare Nachteile bringt. Die meisten Leute wissen ja gar nicht, was für eine enorme, wirklich gar nicht zu bezahlende Arbeit in gewissenhaften Aus- gaben steckt. Man greife irgendeine beliebige heraus, etwa die von Rob. Schumanns gesammelten Schriften über Musik von Kreisig (Breitkopf L Härtel) mit ihrem erschöpfenden Register oder die der.Klavierwerke von Joh. Seb. Bach von vr. Hans Bi schofs (Steingräber Verlag) oder die Kant- und Schopenhauer- Ausgabe bei Reclam. Was steckt in solchen Bänden für Arbeit und welchen Wert hat solche Arbeit für die Kultur des Volkes! IltS
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