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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.08.1866
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- 1866-08-01
- Erscheinungsdatum
- 01.08.1866
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92, 1. August. Nichtamtlicher Theil. 1547 dem Mangel an Nachahmung in der nächsten Zeit, denn Strabon's Angabe: daß Aristoteles der Erste gewesen sei, der Bücher gesam melt und die ägyptischen Könige zur Aufstellung einer Bibliothek angeleiret habe, gehört mit der Varronischcn Behauptung hin sichtlich des Papiers in eine Kategorie. Allein der Speculations- geist scheint sich doch nicht eher auf die fabrikmäßige Vervielfäl tigung der literarischen Werke geworfen zu haben, als bis die Schriftsteller selbst ihreWissenschaft zum Gelderwerb verwendeten. Bekanntlich geschah dies im 5. Jahrhundert, während der athe nischen Aufklärungsperiode, als die Sophisten zu methodischer Behandlung vieler Zweige des menschlichen Wissens den Grund legten und die geistige Regsamkeit des Volkes in hohem Grade förderten. Von der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts an mehren sich auf einmal die Erwähnungen von Bücherverbreicung und von Bibliotheken. So müssen z. B. die Schriften des Prota- goras aus Abdera sich in vielen Händen befunden haben. Denn da er in seinem Buche über die Götter geäußert hatte, er wisse nicht, ob Götter existirten oder nicht und wie sie beschaffen seien, wurden seine Bücher durch den Herold von den Besitzern einge fordert und auf dem Markte verbrannt. Tenophon erwähnt in seinen Denkwürdigkeiten des Sokrates ein Gespräch zwischen dem Meister und dem jungen Eukhydemos, „der viele Schriften von den berühmtesten Weisheitslchrcrn und Dichtern gesammelt harte". Nach Athenäus besaßen auch der Archonc Eukleides und der Dichter Euripides bedeutende Büchersammlungcn, und in einem Stücke des der mittleren Komödie angehörcnoen Dichters Alexis wird der täppische Herakles aufgefvrdert, sich aus dem reichen Büchervorrathe seines Lehrers Linos ein Werk nach Be lieben zu wählen; er greift hin und nimmt — ein Kochbuch. Mnaseas, der Vater Zenon's, des Stifters der stoischen Schule, ein Kaufmann, brachte seinem Sohne aus Athen die Schriften der Sokrätikec mir nach Eypern und weckte dadurch in dem Jünglinge die Liebe zur Philosophie. Namentlich waren cs die klassischen Schriftsteller der Nation, vor allem der vergötterte Homer, die wohl in keinem gebildeten Hause fehlten. Sie wurden nicht nur in den Schulen überall gelesen und memorier, sondern dienten überhaupt als Fortbildungsmitiel für jedes Alter. Be merkenswert!) sind in dieser Beziehung zwei Stellen in den Fröschen des Aristophanes. Ander einen heißt es: „Schänd liches Thun ziemc zu verhüllen dem Dichter, nicht offen am Licht cs zu zeigen dem Volk. Denn was für die Knaben der Lehrer sein soll, der ihnen den Weg anzeigc, das sind für Erwachsene die Bücher," und die andere lautet: „Doch wenn ihr besorgt, es fehle den Hörern an echter Schule, so macht um das euch keinen Kummer; denn es ist nicht mehr wie sonst. Sind es doch ge diente Denker. Jeder har sein eigenes Buch und lernt daraus Geschmack und Ton." Außerdem hatte man auch Bücher für allerhand praktische Zwecke des Lebens. Da gab es Kochbücher und Küchcnrecepte für Hausfrauen und Köche (schon Platon kannte das Kochbuch des Sicilianers Mirhäkos), Anekdocen- sammlungen für Schmarotzer, Regeln über den Anstand (z. B. von der Pythagoräerin Phintys), Receptbüchec für Krankheiten u. s. w. Ist somit für jene Zeit eine ziemliche Nachfrage nach Bücherabschriften erwiesen, so fragt cs sich weiter, auf welchem Wege man sich in Besitz derselben zu setzen pflegte. Wenn von Demosthenes erzählt wird, daß er die Geschichte des Thukydibes eigenhändig mehrere Male abgeschrieben habe, so erkennt man wohl daraus die Bewunderung, die der Redner gegen das Muster aller Geschichtsschreibung hegte, ist aber nicht zu dem Schluffe berech tigt, als ob die Liebhaber der Literatur gewöhnlich durch eigenen Fleiß ihren Büchecbesitz vermehrt hätten. Im Gegentheil wider spräche dies vollständig den Sitten und Gewohnheiten der freige borenen Bürger der besseren Zeit. Es bleibt also nur übrig, an einen handwerksmäßigen Betrieb des Abschreibegeschäfts zum Zwecke des Gelderwerbs zu denken. Und darauf weisen auch die sichersten Spuren hin. Hccmodoros, ein Zuhörer Platon's, fand es gewinnbringend nachSicilien zu reisen und dort mit den neuen Schriften seines Lehrers zu handeln. Er beging dadurch keinen literarischen Diebstahl; denn Cicero schreibt von der ohne sein Vorwissen geschehenen Veröffentlichung einer seiner Schriften an seinen Freund Atticus: „Sage mir, gefällt es dir erstlich ein Buch ohne meine Erlaubniß herauszugcben? dies thar nicht ein mal Hccmodoros, der die Schriften Platon's zu veröffentlichen pflegte." Aber weil er als Jünger der Wissenschaft dieselbe so materiell ausbeutetc, entstand das Sprichwort: „Hccmodoros reist in Philosophie." Daß sogar ein starker Exporthandel mit Büchern getrieben wurde, ergibt sich daraus, das Lenophon in Salmydessos (Midja an der rumelischen Küste) unter den Kauf- mannsgürern außer den Bettgestellen und Truhen auch Bücher sah. Doch wir finden auch schon vor Platon's Zeit den Buch händler selbst erwähnt. Der Grammatiker Pollux hat die Notiz hinterlassen, daß der Komiker Kratinos einen „Bücherschreiber", Aristomenes einen „Bücherhändler" in bestimmten Dramen er wähnt habe. Beide blühten zu Anfang des pcloponnesischen Kriegs. Ihre Zeitgenossen Eupolis und Aristophanes aber nennen bereits „den Büchermarkt" zu Athen (jede Abtheilung des Marktes führte nach den darin verkäuflichen Waacen ihren Namen). Wenigstens heißt es in den Vögeln des Aristophanes: „Fürs erste flattern alle in der Frühe nach dem Aufstehen, wie wir, zur Atzung; dann fallen sie insgesammt in den Büchermarkt ein und weiden dort die Volksbeschlüsse ab." Mit den öffentlichen Staatsschriften wurde überhaupt ein lebhafter Handel getrieben, und cs gab fliegende Buchhändler, die dergleichen in der Stadt colporlirten und ausriefen, wie die Händler mit Volksbeschlüssen in demselben Lustspiel, der sich mit den Worten einführt: „Ich bin Gesetzeshändler und gekommen, um euch neue Gesetze zu ver kaufen." Daneben zogen auch Bettelpriester und Wahrsager herum, welche Traktätchen voll magischer Sprüche und Gebelfor- meln vertrödelten, wie Euripides sagt: „Vieler Bücher blauen Dunst." Für die Zeit Alcxander's möge hier noch folgende Anek dote aus Zenon's Leben von Diogenes von Laecte stehen: Als er, schon 30 Jahre alt, nach Athen gekommen war, saß ec einst bei einem Buchhändler. Dieser las gerade das zweite Buch von Le- nophon's Memoiren des Sokrates vor, und erfreut fragte Zenon, wo solche Männer zu finden wären; da nun in diesem Augen blick Krates vorüberging, zeigte ihm der Buchhändler denselben mit den Worten: „Diesem schließ dich an!" Zugleich kann man hieraus abnehmen, daß die Buchhändler auch dadurch Käufer an zulocken suchten, daß sie in ihren Localen, die jedenfalls, wie die Werkstätten anderer Handwerker, müßigen Leuten aller Classen zur Zusammenkunft dienten, Stücke aus ihren vorräthigen Wer ken vorlasen. Anfangs waren übrigens wohl, wie später in Rom, dieBuchhändlerauchzugleichCopisten. Als sich aber der Bücherver- kehr erweiterte, werden sie sich ohne Zweifel taugliche Sclaven zum Abschreiben herangebildel haben. Mit solchen versah z. B. der König Antigonos Gonatas seinen Freund Zenon, und auf das selbe Verhältnis deutet cs wohl hin, wenn der gleichzeitige Phi losoph Lykon in seinem Testament schreibt: „Den Chares lasse ich frei und Lykon soll ihm den Unterhalt gewähren. Auch vermache ick ihm 2 Minen (50 Thaler) und meine vorgelcsenen (d. h. wohl bereits mündlich publicirten) Bücher; die noch nicht herausgege benen Werke gebe ich dem Kallinos, daß er sie sorgfältig edire." Die Schenkung an den freigelassenen Chares hätte wenig stens keinen Sinn, wenn er sich nicht voraussichtlich durch eigene Vervielfältigung der Schriften einen Gewinn hätte schaffen können. Die cylindrisch geformten Bücherkästen gehörten nunzum nothwcn- 217 '
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