Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.12.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-12-18
- Erscheinungsdatum
- 18.12.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19201218
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192012182
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19201218
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1920
- Monat1920-12
- Tag1920-12-18
- Monat1920-12
- Jahr1920
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Redaktioneller Teil. 286, 18, Dezember 1920, samkeit und der höheren Leistungen führen. Von Gewinnbeteili gung als Gipfel der Sozialisierung bis zur Verstaatlichung des ganzen Unternehmens und Bürokratisierung der Leitung und An gestelltenschaft ist ein weiter Raum für Möglichkeiten gegeben, deren Anwendbarkeit genau nach dem einzelnen Fall geprüft werden mich im Hinblick auf vernünftige Aufrechterhaltung der Wirtschaft und ihres Gedeihens, IV, Im Verlagsbuchhandcl, den wir bisher im wesentlichen be trachteten, fließen die sozialisierenden Produktion-- und Vcrtci« lungsprobtcme stark ineinander, da Autoren, Verleger und Ver lagsgehilfen sich zusammentun müßten, um aus gemeinsamer Kraft zu schaffen und zu regeln und in gemeinsame Kasse zu Wirt schaften, aus der der Anteil nach einem überaus schwierigen Schlüssel (wenn er gerecht sein soll) verteilt werde» müßte. Es gäbe eine große Geistfabrik, und sie würde kapitalistisch bleiben müssen, da die eigentlich letzte Sprosse der Sozialisierungsleiter, die Nationalisierung oder Kommunalisierung, hier denn doch noch nicht ernstlich vorgeschlagen worden ist. Anders beim Sortimentsbuchhandel und beson ders einem Zweige von ihm, dem Bahnhofsbuchhandel. Hier hat man verschiedentlich schon an Vergesellschaftung in Staatshand oder Gemeindehand gedacht — offenbar weil man hier die Entfernung vom geistigen Zeugungsakt für beträchtlicher hielt. Die Verfechter solcher Meinung sind entweder überzeugte Kommunisten, die alle nicht-individuelle Arbeit und Verteilung für das Ideal halten, oder sonderbare Schwärmer, die der ge- mcinwirtschastlichen Organisation auch im Kleinverkauf nach haltige Einwirkung aus die öffentliche Moral und das allgemeine Glück zusprechen. So meinte z, B, K. A, Wittfogel in der Zeitschrift »Der Bibliothekar« (1919, Nr. 10/12), dem modernen Menschen liege an einer sinnvollen Regelung des späteren Schick sals der erzeugten Güter, da er ihrer zur Deckung seines Ver brauches bedürfe. In dieser Eigenschaft als Verbraucher fordere er Vergesellschaftung der Verteilung, Sozialisierung des Handels, So spricht er der Verstaatlichung des Sorti mentsbuchhandels das Wort, Die Konkurrenz übe eine verarmende Wirkung in bezug auf die Reichhaltigkeit der in der Stadt käuflichen Bücher aus. Auch arbeite der Buchhandel nach kapitalistischen Gesichtspunkten, Er frage nicht, was die Allgemeinheit fordere, sondern was ihn för dere, nicht, was etwas tauge, sondern was »ginge-, was sich rentiere. Dadurch werde der Buchhändler ein Feind der Volks bildung und ein sozialer Schädling, Er spekuliere auf die pri mitiven Instinkte seiner Käufer, Sexualität und Sensationslust, und anstatt aktiv in dm geistigen Werdegang seiner Volksgenos sen einzugreifen, ließe er sich Passiv von der Welle des schlechten Geschmacks und der ungepflegten Bedürfnisse tragen. Hier müsse die Gemeinde cingrcifcn und die Betriebe zu einer städtischen Unternehmung Zusammenlegen, Meint K, A, Wittsogcl im Ernst, daß die Menschheit zu bes sern und zu bekehren sei, wenn im kommunalen Buchladcn künf tig nur das verabreicht wird, was der hohen Obrigkeit gefällt, und wenn der künftige Büchcrbenmte hinter seinem Schalter gute Lehren gibt, vielleicht gar mit dem Nachdruck der Unfehlbarkeit, die dem Beamten gegenüber dem Publikum zu eignen Pflegt? Soll das den in eigene Tasche wirtschaftenden, den Strömungen der kaufenden Menschen, dem Geist der Zeit und den Geistern der. Zeit sich anpassenden Buchhändler ersetzen? Diese Frage ist keine spezifisch buch händle rische, sie mündet in die allgemeine Frage der Zwangswirtschaft und der bürokrati schen Ordnung des Kulturlebens und Ge werbes ein, über die wir gewiß heute nicht allzu günstig denken. Soll das, was schon bei allem feine ren materiellen Konsum versagt hat, beim gei stigen Konsum glückverheißend sein? Wird es rentabel sein? Wird es zur höchsten Anspannung der Arbeitstätigkeit führen? Die Vielgestaltigkeit der persönlichen Bedürfnisse, die Notwcndig- 1308 keit, gerade beim Bücherkauf latenten Bedarf zu Wecken, psycholo gische Geschäftspolitik zu treiben, läßt die eben gestellten Fragen mit einem glatten »Nein- beantworten. Dasselbe gilt für den Bahnhofsbuchhandel, der ja wegen seiner bedrohlichen Nähe zu den Staatseisenbahnen der Verstaatlichung am zugänglichsten zu sein scheint. Aus »Ange- stelltcnkreisen» wurde jüngst den (sozialistischen) Blättern ge schrieben: Um einerseits den Angestellten der Bahnhofsbuchhand- tungcn menschenwürdige Bezahlung zu sichern und andererseits die erzielten Gewinne restlos der Gesamtheit zuzuführen, haben der Angestelltenverband des Buchhandels, Buch- und Zeitungs gewerbes an das Reichsverkehrsministerium die Aufforderung zur Sozialisierung des Bahnhofsbuchhandels gerichtet. Es sei hierbei nicht sowohl an eine Verstaatlichung des Bahnhofsbuch handels gedacht worden, sondern entsprechend dem Grundsätze der Sozialisierungskommission an die Bildung einer selbständigen juristischen Person in der Form einer Eisenbahnbuchhandlungs gemeinschaft, in die die Leitung der Direktionsbuchhandlungen, die Betriebsräte der Angestellten und die Eisenbahnverwaltung zu je einem Drittel ihre Vertreter als oberste Leitung zu senden hätten. Die einzelnen Direklionsbuchhandlungen arbeiten dann wie selbständige Filialen dieser Zentrale nach kaufmännischen Gesichtspunkten in Ein- und Verkauf, Die Bezahlung der Ange stellten erfolge gemäß den Vereinbarungen mit der Organisation in Form eines Fixums und einer Umsatzprovision, der Reinge winn würde an die Eisenbahnverwaltung abzufllhren sein und damit der Gesamtheit zugute kommen. Aber dies einzufllhren, ohne zugleich die Gesamtheit des deutschen Wirtschaftslebens umzubauen, will sogar der »Roten Fahne- nicht empfehlenswert erscheinen, die der Notiz die Worte hinzufügt, es sei eine Illusion, zu glauben, durch die Sozialisie rung des Vahnhofsbuchhandeis könnte der Not der Angestellten abgeholfen werden. Es sei ausgeschlossen, daß der sozialisierte Buchhandel für jeden Angestellten einen so hohen Ertrag abwirft, daß ihm eine auskömmliche Lebenshaltung garantiert ist. Die Angestellten müßten erkennen, daß sie sich vom Joch des Kapita lismus durch eigene Aktionen auf ihrem Gebiet nicht befreien können. Sie müßten einsehen, daß nur die geeinte Aktion des Proletariats die kapitalistische Wirtschaft zertrümmern und an ihre Stelle die kommuiMisch« setzen kann. Nichtiger noch als diese Folgerung der »Roten Fahne- aber wäre die Folgerung, daß der Bahnhofsbuchhandel Wohl bald aus einer milchenden Kuh der Eiscnbahnverwaltung zu einem Schmerzenskinds werden dürste, wenn statt der auf geschäfts mäßigem Wege, durch Sach- und Fachkenntnis und Provisions zahlung erarbeiteten Pachtsummc ein bürokratisches Abgabe system für Reiselektüre durch Bahnhofsbücherbeamte in dem Eisenbahnetat erscheinen würde. Auch hier fehlt nicht nur jeder Beweis, daß neue Ideale ge rade auf dem Wege der Sozialisierung des Buchhandels verwirk licht werden können, es fehlen auch die Beispiele, die eine solche glückhafte Verwirklichung auch nur annähernd glaubhaft machen können. Steht einer Sozialisierung des Sortimentsbuchhandels der verfassungsrechtlich gegebene Schutz des Mittelstandes im Wege, so ist beim Bahnhofsbuchhandel — wie beim Verlagsbuch handcl -- der H 1 des Sozialisierungsgcsetzes ein Hindernis, so lange nicht das »dringende Bedürfnis» und die »Reife des Be triebes« für die Sozialisierung bewiesen sind. Kompenckien-Kstglvge. Vnrreiebniss» von Hit Irs-ll aus allen dedieten. I-eipLig 1920, lloebler L Volcbinar L.-6. l<I. 8-, XI. Sobönsbiteiatni', 844 8, 10 ,/t- in llappbanck 18 ,/f, — XII. dt u 8 ilr lürs II a u 3. 142 8. 3.30 — XIII. 0 n- gsuck-I-itoratur. 192 8. 3 Die Kompcndicn-Katalogc entsprechen in gleichem Matze einem Be dürfnis des Buchhandels wie des Publikums: Der Sortimenter braucht kleine handliche Nachschlagewerke, in denen er möglichst schnell Aus kunft finden kann, und auch dem gebildeten Bücherfreund ist es er wünscht, ein Hilfsmittel an der Hand zu haben, das ihm das Nach- forschen in zahlreichen Katalogen erspart. Es handelt sich allerdings bei diesen Verzeichnissen nur ui» eine Auswahl, d, h, es sind darin
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder