Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.01.1892
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1892-01-25
- Erscheinungsdatum
- 25.01.1892
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18920125
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-189201255
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18920125
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1892
- Monat1892-01
- Tag1892-01-25
- Monat1892-01
- Jahr1892
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Nichtamtlicher Teil Georges Bridel in Lausanne. Ein Vortrag von I)r. Robert Koenich (Abdruck infolge des Setzerstreikes unlieb verspätet.) In der »Buchhändler-Vereinigung des Christlichen Vereins junger Männer« zu Berlin hatte sich am Dienstag den 26. Oktober v. I. eine größere Anzahl Berufsgenossen zusammenge funden, um einen Vortrag des bekannten Literarhistorikers vr. Robert Koenig zu hören. Das Thema lautete: »Buch händler Georges Bridel in Lausanne, ein waadtlän discher Perthes, und seine Verlagsthätigkeit«. Immer und immer wieder — so führte der Redner aus — höre man in Deutschland die Klage, daß es an Bücher» und Zeitschriften in der neueren französischen Literatur fehle, die man jungen Leuten zur Uebung und Fortbildung in der lang jährig erlernte» Sprache in die Hand geben, oder die man im Familienkreise miteinander lese» könne. In dieser Klage liege eine Anklage gegen den deutsche» Sortimentsbuchhandel, dem der Vorwurf nicht erspart bleiben könne, daß er sich um die Ver breitung gediegener, sittlich reiner Werke in französischer Sprache nicht bekümmere. Es sei durchaus kein Mangel an guter fran zösischer Litteratur, die man in jedem Hause lesen könne. Redner habe zwei Jahre hintereinander mit seinem Freunde, Buchhändler K. Gustorff, damals noch inLeipzig, zusammen einen Katalog solcher Bücher zusammengestellt, die er aus eigener Lektüre oder aus das Zeugnis zuverlässiger Besprechungen empfehlen konnte. Dieser Katalog habe auch eine größere Anzahl von Werken aus dem Verlage des Buchhändlers Georges Bridel in Lausanne ent halten, der sich um die Verbreitung einer reinen und gesunden französischen Litteratur außerordentliche Verdienste erworben habe, in Deutschland aber, selbst in Buchhändlerkreisen, leider vielfach völlig unbekannt sei. Die Familie Bridel, eine der ältesten im Waadtlande, früher katholisch, trat später zur Reformation über und hat sich seitdem treu zur evangelischen Kirche gehalten. Eine größere Anzahl der Familienglieder hatte dein geistlichen Stande angehört; auch der Vater Georges Bridels war Theologe. Georges Bridel wurde am 26. September 1818 zu Vevey geboren, wo sein Vater Direktor des Colläge war; bald darauf siedelte die Familie nach Lausanne über, wohin sein Vater zuerst an die Akademie als Professor, dann als Pastor an die Kathedrale berufen wurde. Es war eine religiös bedeutungsvolle Zeit, in welcher der junge Georges auswuchs. Nach der Zeit des Rationalismus begann in den dreißiger Jahren im Waadtlande die Zeit der »Erweckung», die auf die Entwickelung des jungen Georges Bridel nicht ohne Einfluß blieb. Schon als junger angehender Buchhändler ver band er sich mit gleichaltrigen Freunden zu einem Jünglingsverein. Seine große Liebe zu Kindern veranlaßte ihn in eine Sonntagsschule als Helfer einzutreten und noch als junger Buchhandlungsgehilfe gründete er — damals zwanzigjährig — ein Blatt für seine Lieblinge: »Veetures pour Iss enlanta«, das er bis zu semer Uebersiedelung nach Paris im Jahre 1841 selbständig redigierte und dem er bis zu seinem Tode, im ganzen fünfzig Jahre lang, ein treuer Berater und gelegentlicher Mitarbeiter geblieben ist, das er bei seiner Geschäftsgründung i» Verlag nahm und später auch auf seinen eigenen Pressen druckte Seit 1871 erscheint das Blatt mit Bildern unter dem Titel »Ueeturos illustrsss« gegenwärtig in einer Auflage von >4 000 Exemplaren. Im Jahre >84l siedelte Georges Bridel von Lausanne, wo er seine Lehrzeit beendete, nach Paris über und trat als Gehilfe in die Buchhandlung von Delay, damals die einzige protestantische Buchhandlung, die es in der Weltstadt gab. Sein Prinzipal war ein ernster Christ und ein tüchtiger Geschäftsmann; bei ihm reifte Bridel zum tüchtigen Buchhändler heran und er- Neu»»ndfü»f,igftcr Jahrgang. weiterte seinen Gesichtskreis und seine Kenntnisse durch den Um gang mit gebildeten Parisern. Drei Jahre daraus kehrte er in seine Heimat zurück. Dort kaufte er das Geschäft seines einstigen Lehrherrn und arbeitete bis zum Jahre 1851 vornehmlich als Sortimentsbuchhändler. 1851 gab er das Sortiment auf und widmete sich fortan aus schließlich der Verlagsthätigkeit. Damals beherrschte, noch weit mehr als jetzt, alles, was aus Paris kam, den französischen Büchermarkt; es erschien des halb die Beschränkung auf den Verlag als ein großes Wagnis. Was kann aus der Schweiz Gutes kommen? hieß es verächtlich in Frankreich von jedem Buche, das in Lausanne oder Genf herauskam Georges Bridel war es, der die Litteratur seiner Heimat zuerst zu Ehren gebracht, ja, der sie gewissermaßen ge schaffen hat. Im Verlagskatalog des Hauses Bridel, der im Todesjahr seines Begründers erschien, findet man die Namen von zweihundertundvierzig verschiedenen Autoren, die fast alle der französischen Schweiz angehören, und darunter Namen von Weltruf, wie Alexandre Vinet, den berühmten Lausanner Theologen, den einst die theologische Fakultät von Berlin zum Ehrendoktor machte und der durch seine geistreichen litterargeschicht- lichen Werke sich auch in Frankreich einen angesehenen Namen erwarb. Die Gesamtzahl der von Georges Bridel verlegten Werke beläuft sich auf gegen vierhundert, von denen die Hälfte einen mehr oder weniger religiösen Charakter hat, während die übrigen teils verschiedenen Wissenschaften, teils der Unter- haltungslitteratur angehören. Dazu kommen noch verschiedene Zeitschriften. Georges Bridel ist es gelungen, innerhalb vier Jahrzehnten auf allen Gebieten der Litteratur, sehr oft mit Hintanstellung jeden materiellen Vorteils, nur wissenschaftlich und litterarisch Tüchtiger- und dabei sittlich Einwandfreies zu Tage zu fördern; es war ihm eine Gewissenssache, nichts zu veröffentlichen, was er nicht persönlich gelesen und geprüft hatte. An der Spitze seiner Verlagswerke stehen die religiösen. Bei ihm erschien eine vorzügliche neue Uebersetzung der Heiligen Schrift (lla llidlg ä'apröo In vscsion äs llausaanö), ferner eine Reihe teils volkstümlich erbaulicher, teils gelehrt auslegender Bibel kommentare, Predigtsammlungen von hervorragenden Kanzelrednern, kirchengeschichtliche und apologetische Werke, verschiedene Erbauungs bücher, christliche Biographieen u. s. w, auch das große Missions werk von Burkhardt und Grundemann in guter Uebersetzung. Zuletzt noch ein wichtiges Sammelwerk: »1<a LkOostins illastrog«, Phototypien von Thovoz mit erläuterndem Text aus der Feder des Pastors Philippe Bridel, eines Sohnes des Verlegers. Im Jahre 1858 erschien in seinem Verlage eine wissenschaftlich erbauliche Monatsschrift, die sich einen geachteten Namen in der ganzen christlichen Welt erworben hat: »llsObrstisnsvnnAoligus«. Zwei Jahre darauf begründete er ein populäres illustriertes Blatt: »lla kami lo«. Seit einunddreißig Jahren hat dieses kleine Blatt der Jugend wie dem Familienkreise einen reichhaltigen Unter- haltnngs- und Belehrungsstoff in christlichem Geiste und in gutem Französisch dargeboten. Sehr reichhaltig sind die von Bridel herausgegebenen Erzählungen und Novellen: die » R6,.iti 8t. Ualiois« von Tissot, die »Lcuäes rmpolitainos« von Peter, die Indischen Skizzen (»dloavsllor llinäonos«) des früheren Missionars Glardon, endlich die neuenburgischen Dorfgeschichten von T. Combe (»Oroguis monta^aaräs«) w und die waadtländischen Dorf geschichten von Urbain Olivier, der nicht mit Unrecht der waadt ländische Jeremias Gotthelf genannt worden ist Im Verlage von Georges Bridel erschienen ferner die ge schichtlichen Werke von Professor Vulliemin, von denen besonders die Geschichte der Schweiz (»Uistoiro äs In Oonkdäsration sn'wss) hervorzuheben ist, und außerdem viele andere historische, geo- 64
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder