Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.07.1883
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- 1883-07-11
- Erscheinungsdatum
- 11.07.1883
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^ 158, 11. Juli. Nichtamtlicher Theil. 2983 Fall, daß die Druckerpresse die von der Camera fixirten Sonnen strahlen in Gestalt von Naturaufnahmen direct verarbeitet — ein Ergebniß, nach dessen verlockender Spende schon vor siebzig Jahren der Vater der Lichtkünstler, der verdiente Nicöphore Niepce gerungen hatte! Seit kurzem ist nun auch in Deutschland ein ähnliches phototypographisches Verfahren praktisch ins Leben getreten; Erfinder: Meisenbach-München, Name: Autotypie-Verfahren. Es ist mit Recht wiederholt darüber geklagt worden, daß für die vielen neu auftauchenden Reproductionsverfahrcn, selbst wenn sie auf den gleichen Prinzipien beruhen, jedesmal neue Namen erfunden werden, die nur dazu beitragen können, den Ueberblick zu erschweren. Unser Vorschlag wäre einfach, alle Verfahren, die mit Hilfe der Photographie solche Bilder erzeugen, welche mittelst mechanischen Druckes vervielfältigt werden, unter dem Namen Heliographie zusammen zu fassen; die Photographie selbst stellt ja auch ihre positiven Bilder mit Hilfe des Sonnen lichtes her. Doch nun zurück zur Autotypie. Die Schraffirung, welche die Druckplatte nöthig hat, wird bei diesem Verfahren gleich während der photographischen Aufnahme auf dem Negativ selbst vorgenommen; wie das geschieht, dürfte hier nicht allzusehr interessiren; in diesem Punkt liegt ja auch der Werth des Verfahrens, das sich einstweilen noch des Patentschutzes erfreut. In eben diesem Punkte unterscheidet es sich aber auch von dem oben erwähnten Jves-Verfahren, freilich nicht zu seinem Vor theile. Denn während die Amerikaner ein jedes ihnen zugesandte Negativ direct für ihr Verfahren verwerthen können, erfordert die Autotypie ein besonders aufgenommenes und hergerichtetes Negativ. Auch die Herrichtung der Druckplatte ist bei beiden Verfahren eine andere; Jves nimmt jedenfalls von seinem Gelatinerelief zuerst einen Wachsabklatsch und von diesem einen Metallabguß in der gewöhnlichen Legirung; Meisenbach aber überträgt die photo graphische Aufnahme auf Zink und ätzt sie in der bekannten Weise. Die Resultate in beiden Fällen werden die gleichen sein. Die nach Deutschland gebrachten amerikanischen ClichSs haben allerdings ziemlich flaue Bilder ergeben, aber das liegt nur an der Art und Weise des Drückens, das seine Schwierigkeiten hat, da die Galvanos äußerst flach gehalten sind. In Amerika selbst liefert das Jves-Ver- fahren Drucke, welche den Münchener Illustrationen nicht nach stehen. Es läßt sich aber bei Betrachtung dessen überhaupt kein Schluß ziehen wie bei einem Rechenexempel; man muß vielmehr bedenken, daß ein Bild in der Buchdruckpresse niemals in solcher Schönheit ausfallen kann, wie eine Photographie oder ein guter Kupferdruck; ferner aber auch, daß sich unsere phototypographischen Verfahren noch in der Kindheit befinden. Wer hätte, als die ersten Daguerrotypien von Paris aus die Runde machten, geglaubt, daß dieses Verfahren je so prächtige Resultate liefern könnte, wie sie uns jetzt täglich vor Augen kommen! Noch ein anderes Reproductionsverfahren, das seit neuer Zeit praktisch mit großem Erfolge ausgeübt wird, ist für die Buch illustration von Wichtigkeit, nämlich das in London von Sprague L Co. erfundene „Jnk-Photo"-Verfahren. Die Factoren, aus denen es besteht, sind die Photographie und die Lithographie; aber es unterscheidet sich von der bisher bekannten Photolithographie wesentlich dadurch, daß es im Stande ist, eine jede Vorlage mit oder ohne Halbschatten zu vervielfältigen. Allerdings können die Illustrationen dem Texte nur beigegeben, nicht in denselben ein geschaltet werden, da der Druck in der Steindruckpresse erfolgt. Das Verfahren dürfte deshalb in vielen Fällen einen guten Ersatz für den Lichtdruck bilden, zumal es erheblich billiger ist, freilich, ohne dessen Schönheit zu erreichen. Endlich kommt noch eine überraschende Nachricht aus Amerika, die vielleicht ebenfalls auf die Illustration von Werken u. s. w. Einfluß ausüben könnte, es ist das die Mittheilung von der Erfindung einer Maschine, welche beim Copiren des photo graphischen Negativs ihre Thätigkeit entwickeln soll. Bekanntlich wird unter der photographischen Glasplatte ein Abdruck aus empfindlichem Papier dadurch hergestellt, daß beides zusammen dem Licht ausgesetzt wird; diese Art des Copirens nimmt aber verhältnißmäßig viel Zeit in Anspruch; in der Stunde können nur einige Drucke geliefert werden, ein Umstand, der die Heranziehung der Photographie zur Illustration großer Auflagen zu umständlich und kostspielig machte; diesem Uebelstande hilft die erwähnte Maschine von CharlesFontayne inCincinnati ab, da sie im Stande ist, mit Hilfe eines Condensors in der Stunde nicht weniger als 12,000 Copien zu liefern! Wenn das auch nur bei kleineren For maten möglich ist und bei größeren Bildern sich diese Zahl auf etwa 500 reducirt, so wäre das doch immer noch ein gewaltiger Erfolg. In der Praxis aber würde das wieder nur für Ausstattungswerke von Werth sein, denn zum Einklebcn zwischen den Letterndruck eignet sich eine Photographie nicht, ihr glänzendes Aeußere con- trastirt zu sehr mit dem tonlosen Buchdruck. So hat uns diese Betrachtung nun gelehrt, wie der Schwer punkt der Buchillustration in unsrer Zeit auf den phototypogra phischen Verfahren liegt, denen ohne Zweifel die Zukunft gehört; denn heute, wo es die Parole unsrer fortschreitenden Erde ist: „Mehr Licht!", muß es der Tochter der Sonne, der Photographie, vor allem zukommen, auch in der Buchdruckpresse mehr Licht zu verarbeiten und es dürfte im eigenen Interesse der Verleger von Jllustrationswerken liegen, von der „segensreichen Himmelstochter" recht häufig Gebrauch zu machen. Es wird vielleicht Manchem, der noch neu auf diesem Gebiete ist, Angesichts dieser vielen verschiedenen Verfahren ergehen, wie weiland dem verlegenen Schüler in Goethe's Faust: „Mir wird von alledem so dumm ", aber die Wahl, welches Verfahren für den betreffenden Zweck das geeignetste ist, wird ja Jedem dadurch leicht gemacht, daß cs genug gute Firmen gibt, die dem Hilfesuchenden mit Rath und That zur Hand gehen. Im All gemeinen kann man sich merken: für die Ausstattung von Pracht werken, wenn nicht die Photographie selbst, so eines der auf sie begründeten Druckverfahren, wie Lichtdruck, Reliefdruck, Kohle druck, Photogravure u. s. w.; bei der Illustration von wissenschaft lichen oder populären Werken da, wo der Holzschnitt ersetzt werden soll, Chemigraphie, sofern Vorlagen in Strichmanier ausgeführt vorhanden sind. Autotypie aber da, wo es möglich ist, durch directe photographische Aufnahmen den Zeichner zu ersparen. Zur Repro duktion von Zeichnungen oder Holzschnitten, Kupferstichen u. s. w. ist die Chemigraphie der Autotypie immer vorzuziehen, da sie hierin von derselben Leistungsfähigkeit und erheblich billiger ist; der Unterschied beträgt auf den m-Centimeter 15 bis 17 Pfennige. Die Autotypie dagegen entfaltet ihren Werth auf einem Gebiete, auf welches ihr kein anderes Druckverfahren folgen kann: in der genauen Wiedergabe des Gegenstandes, wie ihn die Photographie auf die Platte fixirt hat. Und das ist, wie man mit Recht sagen kann, ein Triumph unsrer Zeit. Hermann Schnauß. XV. ordentliche Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Bnchhandlungs-Gehilfenverbandes in der Buchhändlerbörse zu Leipzig am 8. Juli 1883. Entgegen der jahrelang gepflogenen Praxis, wurde diesmal den Interessenten weder durch eine Vorversammlung am Sonn abend Abend, wie solche üblich war, noch durch officielle Anord nung zwanglosen Zusammenseins an bestimmtem Orte — gewiffer- 126*
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