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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.09.1921
- Strukturtyp
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- 1921-09-12
- Erscheinungsdatum
- 12.09.1921
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- Deutsch
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Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel Redaktioneller Teil. 213, 12. September 1921. Diese Methode ist aber nach einiger Zeit nicht mehr brauch bar. Es sei beispielsweise nach einem halben Jahre infolge wirt schaftlicher Veränderungen der Zuschlag für den Verleger auf 50°/» 5.— ./( in obigem Beispiel) und derjenige für Sortimen ter auf 257» (-- 3.75 festgesetzt. Der einheitliche Ladenpreis würde dann für dieses Buch 18.75 ./( betragen. Das Bcrech- nungsversahren ist zwar einfach — aber schematisch. Es geht von der Voraussetzung aus, daß der Preis sich lediglich nach den Ge- stchnngs- bzw. Wicderbeschaffungskosten plus üblichem, durch schnittlichem Verleger- und Sortimentergewinn zu richten habe. So liegt aber die Preisgestaltung für den Verlag keineswegs. Er hat Rücksicht zu nehmen auf die Kaufkraft und Kauflust des Publi kums einerseits und auf seine Gewinnchancen andererseits. Stellt sich heraus, daß das betreffende Buch leicht verkäuflich ist, so wird der Verlag, besonders in Zeiten einer Geldentwertung, eventuell auf vorzeitige Preiserhöhung bedacht sein, die höher ist als die durch vermehrte Zuschläge erzielte. Ist andererseits das Buch schwer verkäuflich, so wird der Verlag vielleicht zu einer Auf- rechterhaltung des ursprünglichen Preises bereit sein, auch wenn der Börsenvereinsvorstand Erhöhung der Zuschläge anordnet. Ferner ist zu beachten, daß diese -von oben- geregelte Erhöhung der Zuschläge und damit der Preise nur dem Durchschnitt der er höhten Gestehungskosten entsprechen kann. Die Gestehungskosten einzelner Bücher können aber sehr Wohl mehr oder minder er höht sein als der Durchschnitt. Eine rapide Erhöhung der Preise für Leder, Büttenpapier, einzelne Arten von Illustrationen usw. würde z. B. eine Erhöhung der Preise von Luxusausgaben nötig machen, die weit über dem Durchschnitt der erhöhten Buchherstel- lungskosten liegen können, wie sie in den einheitlichen Zuschlägen zum Ausdruck gelangen. Auch der umgekehrte Fall wäre denkbar. Aus diesen Beispielen dürfte bereits der Grundfehler ersicht lich sein, den ich in dem Witteschen Vorschlag erblicke: für spätere Zeitpunkte wird dem Verleger das Recht auf Bestimmung der Preise entzogen, nachdem er einmal den Grundpreis festgesetzt hat. Denn die Erhöhung der Zuschläge hängt ja nicht von dem einzel nen Verleger ab, sondern vom Vorstand des Börscnvereins oder einer anderen Zentralstelle. Diese hätte außerdem ein ziemlich schwieriges System von Indexziffern zu berechnen, um die durchschnittliche Preissteige rung der Buchherstcllungskosten zu ermitteln. Wie soll darin z. B. die Verschiedenheit der Löhne in kleinen und großen Orten, die Verteuerung der Bücher durch Illustrationen, durch besondere Typen usw. eingesetzt werden? Schon an der Unmöglichkeit, eine gleichmäßige Verteuerungsziffer sllr den ganzen Buchhandel zu bestimmen, müßte m. E. dieser Plan scheitern. Der Haupteinwand aber bleibt der, daß durch dieses Ver fahren dem Verleger die Grenzen für eine Preiserhöhung vor geschriebe», die Möglichkeit der Beibehaltung oder Herabsetzung des Preises aber genommen wird. Heute können die Gewinn chancen an gutgehenden Büchern allsgenutzt werden, um schlechter absetzbare billiger abzugeben. Diese Ausglcichsmöglichkeit, von der zweifellos in sehr vielen Verlagen weitgehend Gebrauch ge macht werden muß, wird dem Verleger genommen, nachdem er sich einmal auf einen bestimmten Grundpreis sestgelcgt hat. Das aber scheint mir dem Wesen des Verlages zu widersprechen. Wird aber doch einmal eine Preisfestsetzung seitens des Verlegers selbst, in Abweichung von den offiziellen Zuschlagssätzen, nötig, so wird das ganze System durchbrochen. Dieser Fall aber würde voraus sichtlich bald und häufig auftrcten — und der jetzige Zustand wäre nur verschlimmert worden. Es ist aber noch ein weiterer Punkt in dicseni Vorschläge enthalten, der einen Hinweis verdient. Der Verfasser scheint zu glauben, daß durch dieses System der Kampf tim den Sortimenter teuerungszuschlag aufhören würde. Das ist jedoch ein Irrtum. Der Streit um diesen Zuschlag würde nur an eine andere Stelle verlegt, nämlich in den Börsenvereinsvorstand nebst Beirat oder die entsprechende Instanz, die mit der Festsetzung der jeweils gültigen Zuschläge betraut würde. Diese Stelle würde dann von sich aus bestimmen sollen, worüber der Gesamtbuchhandel seit lan gem debattiert: den angemessenen Sortimentergewinn. Sowenig diese Stelle die durchschnittlichen Erhöhungskoste» für den Ver lag errechnen kann, so wenig würde es ihr m. E. gelingen, in 1383 allgemein zufriedenstellender Weise den durchschnittlichen Sorti mentergewinn zu bestimmen. Ja, die jetzt darüber bestehende U n Übereinstimmung würde vermehrt, je mehr die Zuschläge er höht werden müßten, je mehr also die Zuschläge den größeren Teil des endgültigen Verkaufspreises ausmachen. Um so mehr würde dann nämlich der Rabatt auf die verschiedenen Arten Lite ratur (wissenschaftliche, schöngeistige usw.) ein fast gleicher sein, denn die Zuschläge enthalten ja doch einen durchschnittlichen Ra battsatz. Gleißmäßiger Sortimcnterrabatt auf wissenschaftliche und schöne Literatur ist doch aber nach der Erfahrung nicht an- gebracht! Es würde also durch die Verwirklichung dieses Vorschlages 1. dem Verleger für spätere Zeitpunkte das Recht auf Preisfest, setzung entzogen und dafür ein automatisches System der Preisregulierung eingeführt; 2. eine allmähliche Ausgleichung der Sortimenterrabatte und Verlegergcwinne für wissenschaftliche Literatur und andere erzielt. Beide Wirkungen sowie die oben angedeuteten Nebenwirkun gen dürften aber in keiner Weise erwünscht sein, sondern der ge genwärtige» Tendenz zur Individualisierung von Preisfestsetzun gen und -abmachungen direkt zuwiderlaufen. Gerade die schema tische, automatische Behandlung der Preiserhöhung in der kom menden Zeit einer neuen Aufwärtsbewegrmg ist aber auch m. E. durchaus unangebracht. Denn eine solche Zeit wird scharfe An sprüche an die Lcistungssähigkeit von Verlag und Sortiment stel len. Wenn durch erneute Verteuerung der allgemeinen Lebens haltung der Geldbeutel aller Konsumenten stark angegriffen wird, so wird die für Bücher verfügbare Kaufkraft weiter herabgemin- dert. Um so mehr wird es dann Sache des einzelnen Buchhänü- lers, Verlegers wie Sortimenters, sein, sich seinen Anteil an die sem Rest von Kaufkraft zu sichern. Ein solcher verschärfter Kampf ist aber nur durch Anspannung aller persönlichen Kräfte und Auf. merksamkeit zu führen, nicht durch schematische Regelung. Das Beispiel anderer Gcwcrbezweige, von denen Herr Witte spricht, ist nicht brauchbar; bei Massenartikeln kann eine Prcisregelung wie die vorgeschlagene angebracht sein, nicht aber bei einem der aller individuellsten Artikel wie dem Buche. Sollte eine solche schematische Preiserhöhung und Gewinnfestsctzung im Buch handel durchgeführt werden, so könnte leicht durch Veränderun gen der wirtschaftlichen Lage deren Nichtbeachtung hervorgerufen und damit ein unübersehbares Chaos hcraufbeschworen werden. Die Schraube ohne Ende. Ein Wort zu den neugeplanten Tariferhöhungen der Post und der Eisenbahn. Von Verlagsbuchhändler Heinrich Minden (Dresden). Wir scheinen uns nachgerade daran gewöhnen zu sollen, daß regelmäßig ein paarmal im Jahr die Gebührensätze der Post und der Eisenbahn erhöht werden. Man weist auf den vorhandenen Fehlbetrag hin und beruft sich auf die Statistik. Nun, mit maschinenmäßiger Zählwissenschast allein ist's nicht getan. Wer die Aufgaben der Zeit ernsthaft erfassen will, muß zu erkennen trachten, was sich hinter den nüchternen Ziffern verbirgt. — Gehen wir einmal hauptsächlich auf die Postgebühren ein: Niemand wagt zu bestreiten, daß die seit April 1821 gültigen Taxen eine ungeheuer starke Belastung des Handels und der In dustrie bedeuten. Die Höhe der Mehrkosten und die weitere Mark entwertung, der jene Vorschub leisteten, zwangen durchschnittlich dazu, alle Anstrengungen zu verdoppeln und immer neue Zug mittel auszudenken, um nicht zu erliegen. Man schrieb also trotz dem, man schrieb — gezwungenermaßen — erst recht. Die Werbe- tätigkcit wurde bis zur äußersten Möglichkeitsgrenze angespannt, nahm bisweilen geradezu krampfähnliche Form an. Den, Post- Haushalt blieb mithin ein Rückgang der Stückzahl erspart. Aber der Punkt des »Bis hierher und nicht weiter- scheint für eine Großzahl Betriebe nun endgültig erreicht zu sein. Statt »Die Schraube ohne Ende« hätte ich ebensogut »Trug schluß« über den Anfang setzen dürfen. Dem einzelnen Bürger kann's in gewisser Beziehung fast gleichgültig sein, auf welche
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