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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 09.07.1883
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1883-07-09
- Erscheinungsdatum
- 09.07.1883
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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Ich glaube, es würde genügen, wie man öffentliche Anlagen dem Schutze des Publicums zu empfehlen pflegt, so auch hier: die Ausführung dieser Thesen wird dem Schutze des Gesammtbuch- handels empfohlen. Eine Instanz, bei welcher Klagen einzureichen wären und welche die Untersuchung der Beschwerden zu führen hätte, wäre bei Annahme der Thesen ein nothwendiges Glied in der Kette der buchhändlerischen Institutionen. Und nun lassen Sie mich noch mit kurzen Worten einen Ge- sammtblick auf die Thesen werfen. Für die Allermeisten werden sie im ersten Augenblick kühn, ideal, phantastisch klingen und darum wird man bei oberflächlicher Betrachtung leicht versucht sein, sie in die Rumpelkammer zu werfen. Eine Eigenschaft wird man ihnen aber nicht absprechen können und das ist diese: sie entsprechen dem gegenwärtigen Bedürfniß des Buchhandels in seiner Allgemeinheit, — sie geben beiden Factoren des Buchhandels, Verlag und Sortiment, in ihren gegen seitigen Beziehungen eine feste, klare und bestimmte Grundlage, — sie verschließen alle Hinter- und Neben- thüren, — sie regeln mit einem Schlag das Verhältniß zwischen Sortimenter und Publicum nach wirklich so liden Grundsätzen nnd ebenso zwischen Verlag und Sortiment, — sie verschließen der Concurrenz nicht die Thüre, sie verweisen sie aber auf das Gebiet, auf dem im Buchhandel zu existiren sie allein ein Recht hat, auf das geistige Gebiet. Gelingt es, sie zu verwirklichen, so wird die geistige Concurrenz sich um so freier und kräftiger ent falten und Resultate zum Wohl und Gedeihen des Buchhandels nnd des geistigen Lebens unserer Nation erzielen, die geeignet sind, die Resultate einer schnöden, brotabschneiderischen Concurrenz auf mate riellem Gebiete weit in Schatten zu stellen. Kein Berufsstand bietet zur Genossenschaftsbildung ein so wohlvorbereitetes und so scharf abgegrenztes Terrain, wie der Buchhandel. So manches Ideal, was unerreichbar erschien, hat sich im beharrlichen Streben darnach im Laufe der Zeit verwirklicht, wie z. B. unser Deutsches Kaiserreich; warum sollte es nicht gelingen, aus der Misöre der gegenwärtigen Zerfahrenheit des Buchhändler staates in ähnlicher Weise zu einer festen deutschen Buchhändler genossenschaft zu gelangen? Geben wir die Hoffnung nicht auf, aber bleiben wir uns dabei bewußt, daß nur Einigkeit zum Ziele führt. Ich schließe deshalb mit den Worten, mit denen ich begann: „Einigkeit macht stark!" Miscellen. Auf die neuliche, der „Oesterr. Buchh.-Correspondenz" entnommene Miscelle „Wie ein College von jenseits der Leitha vom deutschen Buchhandel denkt" (Nr. 146) bringt das genannte Blatt jetzt eine Entgegnung, die wir wie billig, soweit es sich um die beschuldigte Thatsache handelt, nun ebenfalls hier zum Abdruck bringen; dieselbe lautet wie folgt: „...Es ist eine unleugbare und offenkundige Thatsache, daß der Markt für deutsche Literatur in Ungarn von Jahr zu Jahr abnimmt; weiter, daß die ungarische Intelligenz, das bücherkaufende Publicum der französischen belletristischen und theilweise auch wissenschaft lichen Literatur seit neuerer Zeit, speciell aber seit dem segens- reichenWirken derHerrenHeinzeundConsorten, dasist: desdeutschen Schulvereines ein höheres Interesse entgegenbringt. Der Buch händler, der diese Strömung ignorirt oder sie nicht aufzufassen vermag, darf sich nicht wundern, wenn er sich einfach zurück geschoben, »kalt gestellt« sieht. Die französische Sprache gewann in Ungarn seit einigen Jahren derartige Verbreitung, daß wir uns heute dazu verstehen müssen, dem Publicum anstatt der mehr oder minder guten deutschen Uebersetzungen die französischen Originale zu liefern. Unserem Briefe wird Niemand, der ihn ohne Uebelwollen liest, eine andere Deutung geben können. Bisher deckten wir unseren Bedarf aus zweiter Hand, von den Leipziger und Wiener Lagern. Da diese uns jedoch nur ungenügend asiortiren konnten, so wird man es auch vielleicht begreiflich finden, daß wir uns der „Bevormundung" dieser Lager entzogen und directe Verbindungen anzuknüpfen bestrebt waren. Was Herr W. uns so sehr verübelt und zum Vorwurfe macht, das thun deutsche Firmen schon seit vielen Jahren, ohne daß sie hiezu so wie wir gezwungen wären. Es wäre von uns geschmacklos, wollten wir an dieser Stelle erst noch versichern, daß wir deutschem Geiste, deutscher Cultur den ersten Rang einräumen. Daß wir die Organisation des deutschen Buchhandels ebenfalls als die beste anerkennen, sagen wir ja in dem verpönten Briefe selbst, und wie sollten auch wir, die wir unter dem Einflüsse dieser mustergültigen Organisation im Buch handel ausgewachsen nnd ergraut sind, die wir unser Geschäft seit Bestehen nach diesen Prinzipien leiten, etwas Anderes be haupten wollen? . . . Anderseits aber sind wir — wenn Herr W. auch höhnisch auf unseren früheren Namen Rosenberg hinweist — Ungarn oder, wenn es Herrn W. so besser gefällt, Magyaren. Wir sind es mit dem vollen Triebe unseres Herzens, da dieses Land unser Vaterland, seine Sprache unsere Muttersprache ist. Es kann uns sonach Niemand verargen, wenn wir die Pflege der nationalen Sprache und Literatur in erste Reihe stellen, wenn wir neben der deutschen auch der fremden Literatur erhöhte Beachtung schenken. Der herrschenden Strömung, dem Geschmacke Rechnung zu tragen, ist Aufgabe und Pflicht jedes einsichtigen Kaufmannes. Es ist durchaus nicht gesagt, daß wir durch besseres Assortiment in französischer, englischer und ita lienischer Literatur — denn auch dieses Vergehen belastet uns — die Pflege und Verbreitung der uns doch nächsten und geläufigsten deutschen Literatur vernachlässigen. Darin hat Herr W. vollkommen Recht, daß wir lediglich aus Geschäfts rücksichten mit dem französischen Buchhandel in directe Beziehungen getreten sind, aber das möchten wir doch gerne wissen, ob Herr W. in ähnlicher Lage sein Schreiben vielleicht auf jene Argu mente basirt hätte, »daß uns die deutsche Literatur zwar mit Uebersetzungen aller hervorragenden französischen Publikationen versorge und wir lieber diese Uebersetzungen verkaufen, daß wir aber der französischen Literatur doch die Gnade erweisen wollen, sie bei uns ebenfalls zu verbreiten«. Wenn Herr W. in der Weise geschrieben hätte, dann wollen wir gerne als »nationale Chauvinisten« gelten. Auf die Geschmacklosigkeit des Herrn W.: »wir hätten die deutsche Nation mit unserem Briefe beleidigt«, gehen wir gar nicht ein. Diese Absurdität trägt den Stempel der Lächerlichkeit in sich selbst. Die Abfassung des Brieses in deutscher Sprache wird nur Herrn W. komisch er scheinen, ernste Menschen prunken nicht und schreiben in der Sprache, die sie selbst vollkommen beherrschen, von der sie aber auch voraussetzen können, daß sie dem anderen Theile nicht fremd ist. Möge Herr W. seine Pflicht als Mensch und Buchhändler so erfüllen, wie wir zielbewußt der unseligen von Beginn unserer Wirksamkeit Nachkommen, möge er seinem Namen dieselbe Achtung erringen, wie wir sie unserem früheren Namen Rosenberg und unserem jetzt magyarisirten Namen zu erringen bestrebt waren und vielleicht auch errungen haben, dann wird er es nicht nothwendig haben, sich um »anderer Leute« Angelegenheiten zu kümmern und eine solche traurige Rolle zu spielen wie in > diesem Falle. — Dies unsere Entgegnung; ein weiteres Wort I haben wir für Herrn W. nicht. Gebrüder Rövai."
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