S772 VSrs-nblaU p d. MI-hn. «irchhandkl. Künftig erscheinende Bücher. R° 127, 3. Juni IW1. Aus den Einführungsworten des Herausgebers Als im Späijahr 1918 der Herausgeber mit seinen Leipziger Freunden darüber zu Rate ging, was in der genannten Richtung uns an unserem Teile planmäßig zu tun obliege, hat er einen Pädagogen hinzugezogen, den Verfasser geistvoller Untersuchungen über Haupt fragen der Erziehung und des Unterrichtes. Der Mann, von dem wir alle hatten lernen wollen, bekannte schließlich, daß er durchaus nicht wisse, was eigentlich deutsch ist/ seit den jüngsten Umwälzungen sei er sich darüber weniger im klaren wie je zuvor. Wir anderen er schraken bei dieser Rede eines geschätzten Jugendbildners. Ein Ton der Verzweiflung klang uns daraus entgegen. An einem Beispiel erblickten wir greifbar jene gefährliche Unsicherheit der ganzen Lebenshaltung, die es eben zu überwinden gilt in Selbstzucht und durch wechsel wirkendes geistiges Bemühen. Wir Jüngeren fühlten um so kräftiger in uns einen Kern von Gewißheit, der in tausend unmittelbaren Erlebnissen jedem einzelnen erwachsen war/ in den Erlebnissen der Zugehörigkeit zu einem edlen Volke, — nicht zur großstädtischen Masse, nicht zu irgendeiner Partei und nicht nur zu einer Schicht humanistisch Gebildeter. Unser Glaube an das Deutschtum schien uns fest gegründet: auf geschichtliche, auf seelische, letzten Endes auf naturhaste Wirklichkeiten. Auf solchem Grunde, einer gewachsenen Lebensgemeinschaft fühlten wir uns einmütig mit Volksgenossen aller Stände in bestimmten Überzeugungen des Wertes, in dem Wissen, wenigstens darum, welche Hauptrichtung unser gemeinschaftliches Wollen inne zuhalten habe. — Aber gleichzeitig erkannten wir, daß es in der gegenwärtigen Not des Vaterlandes nicht genügt, einen solchen Glauben fühlend zu bekennen. Auch an der gemein samen Liebe zu deutscher Vergangenheit lassen wir uns nicht genügen. Und am wenigsten ist es mit einer philosophischen oder scelenkundlichen Formel getan. — Wir wissen alle, cs gehört zum Eigentümlichen deutscher Art, daß sie schwer zu ergründen ist. Sie bewegt sich durch die Jahrhunderte in ungelösten Widersprüchen. Immer war sie offenen Sinnes bereit, fremdes Gute in sich aufzunehmen. Weltweite Gegensätze suchen im deutschen Geiste ihre fruchtbringende Einung. — Um so dringender fühlen wir uns aufgefordert mitzuarbciicn, daß das Bewußtsein der Deutschhcit sich vertiefe und mit Wahrhaftigkeit sich auf seinen Inhalt besinne. Was denn wahrhaft deutsch sei, daß wird niemand begreifen, der es nicht in seinem Gemüle erfahren hat. Ist aber von innen heraus einem noch die Kraft geworden, daß er Zusammenhänge des Grundes und der Folgen hier erfaßt, daß er davon zu sagen weiß in wissenschaftlich oder philosophisch geklärter Form, dann soll er Mitteilen, was sich seinem Denken sachlich ergab. Sei es, daß er das Bild eines verehrungswürdigen Menschen vor uns auf- richtc oder von geschichtlichem Werden ein für die Deutschen bedeutsames Stück darstellend uns verstehen mache/ sei es, daß er im Leben unseres Volkes Eigentümlichkeiten und stetig wirkende Kräfte glaubt nachzeichnen oder Wege weisen zu können, die unserem Wesen für die Dauer gemäß seien. Professor Dr. Felix Krucger. k. IN ULIP2IO