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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 31.08.1870
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1870-08-31
- Erscheinungsdatum
- 31.08.1870
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- Deutsch
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N 199, 31. August. Nichtamtlicher Theil. 2783 mit dem zärtlichsten Antheil an des Andern Schicksal genannt zu werden verdient, ist bei mir in Absicht auf Sie im höchsten Grade zu finden Ich habe nichts weiter, als das Verdienst der Dank barkeit gegen einen Freund, der mich gebildet und selbst meine Ge schäfte durch stille Empfehlungen an Freunde, die mich unterstützten, vergrößern half." Diese Bricfnotizen sind hinreichend, uns ein Bild von der Großartigkeit des Rigaer Buchhändlers zu geben, der, erst seit kur zer Zeit ctablirt, ohne eigenes Vermögen dastand, der fortwährend mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, und dennoch keine Schranke und keine Rücksicht kannte, wo es den Freund und dessen Wünsche galt. Dasselbe, für Freunde Herder's im Grunde wenig erquickliche Thema zieht sich eigentlich durch alle 12 Druckbogen des Herder- Hartknoch'schen Briefwechsels, undHartknoch's Aufopferung hörte auch da nicht auf, wo Herder ihm zu Beschwerden über Undankbarkeit die reichlichste Gelegenheit gegeben. Während der Jahre 1772, 1773 und 1774 nehmen die Geldsendungen aus Riga ihren fast ununterbrochenen Fortgang: bald 100, bald 150 Thaler oder Wechsel in gleichem Betrage werden gesandt, ein anderes Mal Meßgeschcnke oder Geldbeiträge zu Herder's beabsichtigter Badereise. Hartknoch ließ sich weder durch die häufigen und nnmotivirten Vorwürfe und Empfindlichkeiten, noch dadurch irre machen, daß Herder gegen sein Versprechen nicht nach Riga zurückkehrte, sondern in Deutschland blieb. Er blieb stets derselbe unerschütterliche Freund und von jeder seiner Geschäftsreisen wußte er einige Tage zum Besuch im Herder schen Hause in Abzug zu bringen. Nicht immer war der Empfang, den der reizbare Superintendent von Bückeburg und spätere General- Superintendent von Weimar dem erprobten Freunde seiner Jugend bereitete, ein freundlicher (in einem Briefe vom I. 1778 bittet Her der ausdrücklich, Hartknoch wolle die peinlichen Eindrücke der letzten Zusammenkunft vergessen), — aber nur einmal kam es zu einer vorübergehenden Spannung. Frau Caroline Herder, deren Egois mus, wo es das Interesse ihres Hauses galt, unbeschränkt war, hatte ihrem Manne so lange vordemonstrirt, der befreundete Verle ger „zahle nicht genug" und überschätze Herder's Vermögensum stände, daß der Dichter endlich nachgab und seine „Volkslieder", sowie die dringend von Hartknoch gewünschten „Briefe, das Studium der Theologie betreffend" an fremde Verleger verkaufte. Daß Hart knoch das sehr bitter empfand, war durchaus in der Ordnung, und Hamann, der von der Verstimmung des trefflichen Mannes Kunde erhielt, hielt es für Pflicht, vermittelnd cinzutrcten undHerderVor stellungen zu machen, die denn auch den gewünschten Eindruck mach ten — freilich erst nachdem Hartnoch 100 (selbst erborgte) Dukaten vorgeschossen und Herder's Neffen, Neumann, versorgt und'unterstützt hatte. Im I. 1784, als die „Ideen zur Philosophie der Geschichte" erschienen, kam. es nochmals zu einem Conflict, an welchem wiederum Frau Carolinen's Herrschsucht und Eigennutz die Haupt schuld trug; in wirklich kläglicher Weise wurde Hartknoch zur Stei gerung des Honorars für dieses Werk gepreßt, und es macht Herder, der selbst von aller Kleinlichkeit frei war, wenig Ehre, daß er sich durch die tactlose und unzarte Art seiner Frau zu einem Betragen gegen seinen ältesten und bewährtesten Freund bewegen ließ, das selbst einem Fremden gegenüber wenig gentil gewesen wäre. Mit einer Großherzigkeit, die geradezu unvergleichlich genannt zu werden ver dient, sah Hartknoch über diese Verhältnisse hinweg, und als Herder in den Jahren 1786 und 1787 wieder in Verlegenheiten gerieth, schoß er ihm einmal 80 Louisd'ors, ein anderes Mal 200 Thaler unbe denklich vor. Daß Frau Caroline, nachdem beide Freunde längst verstorben waren, noch davon reden konnte, daß ihr „Seliger" sich mit dem „guten" Hartknoch, der eigentlich sein Geschäft nicht ver standen, stets die größte Mühe gegeben habe, ist einer der dunklen Flecke, die auf dem Gcdächtniß dieser geschcidcn und im Grunde braven, aber zugleich überbetricbsamen und allzu tapfern Frau haften. Wir sind aufHartknoch's Beziehungen zu seinem großen Freunde genauer cingegangen, weil dieselben für den Charakter und die edle Denkungsart des ersten Rigaer Buchhändlers so bezeichnend sind, daß es weiterer Ausführungen über dessen Person eigentlich nicht mehr bedarf. Wer so uneigennützig und hingebend gegen einen Freund handeln konnte, der trotz aller geistigen Größe doch im Grunde ein unliebenswürdiger Charakter war, der muß selbst ein großer und guter Mensch gewesen sein. Von den weiteren Zeng- nissen, die für diese Eigenschaften unseres Hartknoch beigebracht worden sind, werden wir noch hören. Gleich hier sei aber bemerkt, daß Hartknoch's Herder gebrachte Opfer hauptsächlich in eine Zeit fallen, in der es ihm, trotz des Aufschwungs seiner Handlung, nichts weniger als glänzend ging. Zuvörderst hatte er den Kummer, seine heißgeliebte, auch von Herder als Muster weiblicher Tugenden ge priesene Frau nach kaum fünfjähriger Ehe zu verlieren. Den von Geschäften und Sorgen überhäuften Mann, der von dem Leben wenig mehr als Arbeit und Mühe hatte, traf dieser Schlag bis in den Kern seines Wesens.. „Meine Leiden sind sehr groß", schrieb er damals, „ich habe das beste, treueste, sanftmüthigste, meine Schwachheiten mit vieler Geduld und Liebe tragende und doch mich bessernde Weib, die vollkommensteWirthin voll der liebenswürdigsten, einschmeichelndsten Zärtlichkeit verloren. Wie Wenige sind, die ihr eigenes Herz berechtigt, dasjenige, was ich von ihr sagen müßte, für unübertrieben zu halten. Diesen Wenigen kann ich mit einem Zuge ihren Hauptcharakter beschreiben: Sie war gemacht, mit Ar- ria zu sagen: „Pätus, es schmerzt nicht!" Unsäglich litt er unter der Verödung und Schmucklosigkeit desHanses, das sonst seine liebste Stätte gewesen war. „Meine Kinder", schreibt er Herder im Mai 1772, ,,sind im Hause meines Schwagers, des vr. Hummius, und mir bleibt nichts übrig, als mich wie eine Schnecke in mein Häus chen zu ziehen. Schade nur, daß dieses Häuschen ohne alle Zier rathen ist. Ein Mädchen, das den Putz liebt und keine Wirthschaft versteht, führt meine Oekonomie, und Sie können leicht denken, daß zwischen ihr und meiner Frau, der vollkommensten Wirthin, ein ziemlicher Abstand ist. Indessen stürze ich mich von frühe, bis mich der Schlaf quält, in die Geschäfte und habe einige Satisfaction davon, daß ich Gott Lob zu thun habe. Ich habe im vorigen Juli ein Haus in der Sandstraße gekauft, danach brav gebaut und bin damit noch nicht völlig fertig. Ich kaufte dieses Haus recht zur ruhigen Wohnung und Hütte für meine Frau. Mein Gott — sie mußte davon, ehe es völlig fertig war!" (Schluß folgt.) Zu der Erklärung des Prager Gremiums. Das Verlangen des Prager Gremiums „ alle Baarartikel in Rechnung zu empfangen bis zur Besserung der Cursverhältnisse" ist ungerechtfertigt, und zwar aus folgenden Gründen: 1) können Krieg und schlechte Curse noch sehr lange dauern; diePrager verlangen also möglicherweise einen Credit in iuüuitum, was eine geschäftliche Unmöglichkeit in sich schließt; 2) haben die Curse in Oesterreich schon viel schlechter qcstan- den als jetzt, und man hat sich doch zu helfen gewußt; 3) werden die SortimenterPrags ihren Kunden doch nur aus nahmsweise Credit geben; die Regel wird Baarumsatz des Verkauf ten und Bezahlung desselben zum Tagescurse sein. Hierdurch ent stände unfern Prager College» den zinsenverlierenden Verlegern ge genüber ein Vortheil: Niemand aber soll sich aus dem Scha den des Andern bereichern (selten Rechtsgrundsatz!); 4) ist bei der Calculation von Baarartikeln in den meisten Fällen der Baar-Umschlag schwer ins Gewicht gefallen; in welche. 398*
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