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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.05.1921
- Strukturtyp
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- 1921-05-20
- Erscheinungsdatum
- 20.05.1921
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Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Redaktioneller Teil. 115, 20. Mai 1921. 2. Kapitel finden sich auf Seite 17 zwei störende Druckfehler; im zwei ten Absatz nennt M. die Zahl von 1189 als diejenige der vorher ermit telten Verlage. In Wahrheit hatte er aber 3343 Verlagsunternchmun- Sen festgestellt. Und im dritten Absatz werden 9 Aktiengesellschaften und 100 G. m. b. H. zu 119 in Gesellschaftsform betriebenen Unternehmun gen addiert. Hier liegen Fehler vor, die das an besagter Stelle ent worfene Bild verzerren.) Nach vorstehendem erscheint folgende Schlußfolgerung M s nicht berechtigt: »Ohne Kapitalismus wäre die seichte Literatur, die in den letzten Jahren wieder sehr zugcnommen hat, nicht zu der Bedeutung ge langt, die sie heute leider hat«. Ich glaube, daß die großen »hochkapita listischen« Verlagsunternehmungen, also speziell die in Gesellschaftsform, wohl zum weitaus größten Teil die Produktion unserer b e st e n Lite ratur in der Hand haben. Mit abnehmender Qualität der Bücher dürfte vielfach auch die rein-wirtschaftliche Größe und Bedeutung der betreffenden Verlage abnchmen. M. hat sich hier offenbar durch Prof. Büchers Gedanken zu einem unzutreffenden Urteil verleiten lassen. Bücher, den M. zitiert, meinte, die Niesenverlage mit angeschlossenen Nebenbetriebcn (Druckerei usw.) würden zu »Buchfabriken, in denen die Verlagstätigkcit ununterbrochen fortgesetzt werden muß, um das bedeutende stehende Kapital nicht müßig zu lassen«. Dieser Schluß ist an sich richtig, aber die fortdauernde Herstellung neuer Bücher braucht und darf nicht als Anlaß zur Herstellung seichter Literatur betrachtet werden! Im übrigen gilt für die Produktion minder wertvoller oder gar minderwertiger Bücher, daß sic nicht vom Buchhandel allein ab hängig ist. Ebensosehr wie der Buchhandel die Nachfrage und Kauflust des Publikums anlockt, ebensosehr ruft auch die Nachfrage des Publi kums das Angebot des Verlags hervor; beides steht in einem Wechscl- und nicht in einem Kausalverhältnis. Wenn also minderwertige Lite ratur auf den Markt kommt, so fällt ein großer Teil der Schuld dem Publikum zu. Vom Verlag geht M. zum Sortiment über, dessen Aufgaben und Bedeutung er treffend schildert. Er meint, daß es hauptsächlich unter zwei Übeln leide, die beide auf einer »Falschorganisierung« beruhen. Erstens fehle dem großstädtischen und wissenschaftlichen Sortiment die Spezialisierung, die unter heutigen Verhältnissen geboten sei. Sodann habe es nicht verstanden, »einen Buchhandelstyp zu schaffen, der äußer lich anspruchslos und auch für den einfachen Mann verlockend, innerlich aber doch gehaltvoll wäre« (Seite 27). M. beruft sich hierzu auf das Zeugnis I)r. Pickardts (Verleger-Zeitung vom 1. Januar 1920) und bürste wohl nicht unrecht haben mit dem Gedanken, daß hierin eine wichtige Ursache für das zähe Bestehen der Auchbuchhändlcr liegt, jener Parasiten und Schmarotzer, wie er sagt, die den regulären Buchhandel weniger leistungsfähig machen. In diesem Zusammenhang kommt M. auch auf die Frage der Uber- süllung des Sortiments zu sprechen, wozu er allerdings kein präzises Urteil abgibt. Er bringt eine Anzahl von Zahlen bei, aus denen sich (was M. leider unterlassen hat!) folgende Tabelle errechnen läßt: Es vermehrten sich in den die Jahren Bevölkerung 1875—1895 22,3 °/o 1895—1907 19,2°/. Buch-, Kunst- u. Musikalien handlungen 192,0°/, 37,2°/. der reine jährliche Neu- Verlag Erscheinungen 38,4 °/o 83.8°/o ? 30,7 °/o Seither habe sich die Zahl der Buchhandlungen etwa im gleichen Verhältnis wie die der Bevölkerung vermehrt (die der Neu-Erschei- nungen aber in einem erheblich größeren Verhältnis! Anm. des Rezen senten). M. ist der Ansicht, daß diese Zahlen immerhin gewisse An haltspunkte zur Beurteilung der Frage nach einer Uberfüllung des Sortiments gäben. Aus dem starken Anwachsen des Sortiments gegen über der Gesamtbevölkerung, besonders in den Jahren 1875—95, muß man also auf ein Zuviel an Buchhandlungen schließen. (Vgl. auch M.s Ausführungen auf Seite 38/9 und 60/1.) Das scheint mir jedoch mindestens falsch begründet, wenn nicht unzutreffend ; auch sagt der Vergleich mit den Zahlen der Neu-Er scheinungen über den gesamten Bücher ab sa tz nichts Zuverläs siges aus. Dieselbe Bevölkerung kann in Jahren wirtschaftlichen Wohl standes nnd Aufblühens eine viel größere Kaufkraft entfalten als in Jahren des Stillstandes oder Niedergangs der Wirtschaft; es kann sich unter Umständen aber auch gerade umgekehrt verhalten, wenn z. B. mit dem wirtschaftlichen Aufschwung eine Zeit krassen materiellen Lebens genusses hereinbricht und sich im Niedergang eine Selbstbesinnung und innere Einkehr geltend macht. Es sind bei der Frage nach der Absatz fähigkeit buchhäudlerischer Erzeugnisse viele Imponderabilien maß gebend, über die die nackten Zahlen keinerlei Auskunft gewähren. Wer hätte 1919, als »alles zu verkaufen war«, von einer Ubcrfüllung des Sortiments gesprochen?! 1921 spricht man davon, obwohl die Bevöl kerungszahl die gleiche geblieben ist. Wird mau cs 1923 auch noch 704 tun? Manche Anzeichen sprechen dafür, aber wer an ein geistiges Wie deraufrichten des deutschen Volkes glaubt, der wird mit seinem Urteil zurückhaltend sein. Dabei darf auch nicht übersehen werden, daß ein solches Wiedcranfrichtcn nicht ganz von selbst kommt, sondern geweckt werden will, nnd dazu ist ein zahlreicher Sortimenterstand notwendig. Zahlen allein bedeuten hier also wenig oder garnichts. Im weiteren Verlaufe seiner Schrift geht M. auf die verschiedenen Neformbestrebungcn innerhalb und außerhalb des Buchhandels ein. Er behandelt die Bewegung zur Schaffung von Konsumenten-Bezugsorga- nisationen (Asta!) und glaubt konstatieren zu können, daß keine stich haltigen Gründe hiergegen geltend gemacht wurden. Das mag zutrcffen, beweist aber nichts für die volkswirtschaftlichen Vor- oder Nachteile solcher Organisationen. Ich sehe den größten Nachteil derselben, wie z. B. einer Bezugsgenossenschaft der Studenten fiir gewisse wissenschaft liche Literatur, in der dadurch hcrvorgcrufenen Schwächung des Sorti- mcnterstandes. (Da M. eine derartige Schwächung durch den Auchbuch handel anerkennt, ist es unverständlich, daß er das im vorliegenden Falle nicht auch zugibt.) Das Sortiment würde solche Verluste an den ihm verbleibenden Artikeln wieder einbringen müssen; das nicht-wissen schaftliche Buch könnte also leicht eine weitere Verteuerung erfahren, eine Tatsache, die doch zweifellos als kulturschädlich anzusehen ist. Das »gute Buch« im weitesten Sinne stellt, als wirtschaftliches Objekt be trachtet, eine Einheit dar; es besteht eine Absatzverwandtschaft zwischen den verschiedenen Kategorien desselben (wissenschaftliche, schöne Litera tur usw.). Der Sortimenterverdienst an einer Kategorie ist unent behrlich für gesicherten Absatz aller anderen. Dieser Zusammenhang würde durch besondere Bczugsgenossenschaften für wissenschaftliche Lite ratur zerrissen werden; das Sortiment, und damit Büchervertrieb und Kultur, würden geschädigt. Diesen höheren, volkswirtschaftlichen und kulturellen Gesichtspunkten und Forderungen müssen sich m. E. die Konsumenten der wissenschaftlichen Literatur unterordnen. Damit dürste M.s Sympathie mit diesen Bezugsorganisationen hinfällig werden. M. gibt ferner eine interessante Übersicht über verschiedene weitere Pläne der Selbsthilfe gegen die Büchervertcucrung, so z. B. das Bor- giussche Sozialisicrungsprojekt und den Volksverband der Bücher freunde (Wegweiser-Verlag), Berlin. M. sieht die Gründe dafür, daß letztgenannter, außerhalb des regulären Buchhandels stehender Verband billiger produzieren und verkaufen kann als der Buchhandel, richtig in den hohen Auflagen bei feststehender Abnehmerzahl und in der Be schränkung auf Veröffentlichung allgemeinbcgehrtcr Literatur. Auch auf die Neformbewcgungen innerhalb des Buchhandels geht M. ein, so auf die Neugestaltung des Börsenvereins, die Einkaufs-Ver einigung, die Pläne zur Umgestaltung des Kommissionsgeschäfts und die örtlichen Zcitschriftcnstellen, bei denen leider auch M. keine Gründe für ihr Nichtbewähren angibt. Überhaupt ist dieser Teil der Schrift ziemlich referierend gehalten. Zum Schluß kommt er auf die in der Autorenschaft herrschenden Strömungen nach gewerkschaftlicher Organisation zu sprechen und macht kurze interessante Angaben über einzelne Ziele (Kulturabgabe, Schund bekämpfung) und Satzungen der betreffenden Verbände. So gewährt das Buch, seinem Untertitel gemäß, einen guten Über blick über die Spannungen und Neformbewcgungen am Büchermarkt, ohne aber dem zentralen Problem nachzugehen, das diese Spannungen erst ausgclöst hat, nämlich der Frage nach der Preisgestaltung und den Ursachen der Bücherverteuerung und den Gründen und Grenzen für deren Auswirkung. Dadurch erst hätten alle die geschilderten Bewe gungen in die richtige Beleuchtung gerückt werden können, und ein fal sches Urteil wie das folgende: der Gewinn am Buch sei bisher fast nur dem Buchhandel zugeflossen, wäre unterblieben oder doch mindestens sehr eingeschränkt worden. Wenn M. im Schlußwort meint, »die haupt sächlichen Ursachen der einzelnen Strömungen in der wirtschaftlichen Entwicklung« aufgezcigt zu haben, so trifft das nicht zu, da er die Frage der Preisgestaltung nicht behandelt hat. Aus diesem Grunde fehlt natürlich auch ein Eingehen auf die Valutaordnung und die Sor- timentertcuerungszuschläge, die Begründung der Notwendigkeit ihrer seinerzeitigen Einführung und ihres gegenwärtig teilweise erfolgten Abbaus. Hierin liegt m. E. der Hauptmangel der M.scheu Schrift, die im übrigen aber ein gutes Bild der Zeitströmungen im Buchwesen bietet. Nicht nur interessierte Laien werden sie gern lesen, sondern auch Fach leute, die nicht unmittelbar im Zentrum aller Bewegungen stehen. Be sonders sei sie den jüngeren Mitgliedern des Buchhandels empfohlen, um sich von den vielfachen Schwierigkeiten und Hemmungen buchhänd lerischer Tätigkeit ein klares Bild zu machen. eanck. rer. pol. G. A. D e l b a n c o.
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