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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.09.1929
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1929-09-02
- Erscheinungsdatum
- 02.09.1929
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- Deutsch
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1929
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^ 203, 2. September 1929. Fertige Bücher. BSrs-nblatt s.d.Dtschn. Buchhandel. 6327 Das Buch des deutschen Offiziers im Rriege Schluß des XXI. Aapitels. Raum hakten die letzten Herren den Hof verlassen, als der Adjutant ihm zu seinem Staunen den Hauptmann Schreiber mel dete. Oie Munitionsversorgung wurde jetzt von besonderen Stäben geleitet, und die Gruppe hatte mit der leichten Muni tionskolonne nicht unmittelbar mehr Zutun. Als Talbot in das Geschäftszimmer trat, er hob sich der Hauptmann schwerfällig vom Stuhl, lächelte unruhig und bat um eine Unterredung unter vier Augen. Talbot führte ihn in seinen Schlafraum. „Ich bitte, mir meinen Wunsch nicht übel zu nehmen," sagte der Hauptmann, „aber ich muß bitten, mich zur Lrsatzab- teilung zu versetzen. Ich bin dem Dienst an der 8ront nicht mehr gewachsen." „Sos" erwiderte Talbot und sah zu Boden, „Sie fühlen sich Ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen s" Lr hob die Blicke wieder und sah den andern an. Oer Hauptman», der völlig grau geworden war, sah in der Tat alt und müde aus. Er griff nach dem ein zigen Stuhl, der in dem Raum stand, und setzte sich schwerfällig nieder. „Ver zeihen Sie mir, lieber, alter 8reund," be gann er wieder, „ich darf Sie doch so nennend — Ls ist nicht wegen der Schießerei. Ls gehen mir jede Nacht Pferde und Leute kaput; aber daran ge wöhnt man sich. . .. «Offiziere Hab ich zwar auch keine mehr, nur «Offizierstell macher ..., Lriegsleutnants..., das Volk ist nichts mehr wert..." „Lieber Schreiber," fragte Talbot, „sagen Sit, was ist denn eigentlich loss" „vor acht Tagen bin ich vom Urlaub zurückgekommen. Zu Hause bei mir gebt alles drunter und drüber. Mein Gut geht zum Teufel, obschon dick verdient wird. Überall Deserteure, Betrug, Schie bungen. Meine 8rau liegt mit allerhand Lerls ... Ich Hab sie .. . Ach was! .. . er schwieg einen Augenblick, dann sagte er, „Und . .. Talbot, lesen Sie denn keine Heeresberichtes" „Nein. Wozus" „Und das Llend in der Heimat inter essiert Sie nichts" „Nein. Und ... ich habe selber genug." „Siel! was haben Sies" Schreiber lachte verzweifelt. „S»e, Junggeselle, reich, unabhängig, ein glänzender Offizier, Generalstäbler, aus purem Mutwillen an der 8ront, Sie und — elend s" „was wissen Sie von mir, lieber Schreibers entschuldigen Sie! — Sie können Ihre 8rau verhauen oder hinaus- werfen. Das macht Luft. — wollen Sie reinen Mund Haltens" „von mir erfährt kcinMensch etwas..." „Ick spucke seit einem Ramelpatrouillen ritt in Palästina Blut. Ls mag von meinem tungcnschuß kommen, vielleicht sind's auch Tuberkelchens. Ist ja auch gleichgültig. Lein Mensch weiß etwas davon außer wöbke, der meine Taschen tücher besorgt. Oer Doktor sieht mich manchmal von der Seite an. Und doch ist das nicht das Schlimmste." „Aber Talbor, Menschenkind", rief der Hauptmann, „Sic müssen sofort etwas tun!" „«Oualsch! Ls wird schon reichen bis zum Lnde. Dis zu unserem sicheren . . . Sieg!" Schreiber sah ihn an; Talbots Ausdruck war undurchdringlich; er faßte Schreiber an der Hand und sah ihm voll ins Gesicht: „So kurz vor dem Lnde wollen Sie uns verlassen, Schreibers" sagte er mit gewinnender Herzlichkeit. „Nein," rief der Hauptmann, „ich bleibe, Talbot, Sie lieber oller Rattenfänger! Aber geben Sie mir einen Rognak!" „Natürlich. Und Sie bleiben zu Tische. Ls gibt zwar elenden 8raß . . ." „Ls gebt nicht. Ich muß die Brüder auf den Schwung dringen . . . Talbot l So glauben Sie wirklich noch an den Siegs!" „Ich glaube, daß Männer aushalten bis ans Lnde. Daran glaube ich, lieber 8reund. Und da Sie mich Rattenfänger genannt haben, Sie kennen doch die Geschichte von den Ratten und dem sinkenden Äppelkahns" Unter den fast weißen Haaren wurde Hauptmann Schreiber glühend rot. „Sie aber bleiben!" sagte Talbot. Lr hatte die Lognakflasche geholt, eine Zi garrenkiste und Gläser, schenkte ein, schnitt einer Zigarre die Spitze ab und steckte sie Schreiber in den Mund, gab ihm 8euer und trank ihm zu. Lr füllte die Gläser noch mehrmals, dann zündete er sich eine pfeife an und begleitete den Hauptmann i» den Hof. „vielen Dank, daß Sie bleiben!" sagte er, dem alten Lameraden die Hand schüttelnd. Oer Hauptmann schwang sich, gleich sam wieder jugendlich geworden, aufs Pferd und trabte grüßend davon. Eine Leseprobe aus Nach den Aufzeichnungen eines Offiziers Geheftet M. 4.50 Gebunden M. b.— ^in^elcannter^Alirer^es^alten^^eeres^dler^si^t^ellteENO^^in^einer^olien^^ei^sstelln^be^ ^nclet, selireibt an clen Ver/asser u. 2.7 „Ick liabe es in einer A/aelit aus^elesen uncl wercle es mit LLocliFenu)3 nochmals lesen. §0 zvsr cler KrieF, vor allem cler Humor im t<rieF, erst im Sommer lcam clie ^enclunF, clie aucli im Lucli clar^estellt ist. . Adolf Gponholtz Verlag Lg. m. b. H. / Hannover
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