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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.01.1941
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1941-01-18
- Erscheinungsdatum
- 18.01.1941
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- Deutsch
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Das Bildarchiv Von Wilfried Göpel Wenn der Verleger einen gelungenen, von Presse und Pu blikum besonders gul aufgenommenen reich illustrierten Band abschließend zur Hand nimmt, mag dessen Werden von der ersten Besprechung mit dem Autor bis zur letzten Korrektur noch einmal vor seinen Augen vorüberziehen, überdenkt er dabei die Arbeit am Bildteil, so wird ihm zum Bewußtsein kommen, daß — selbst wenn ein Stab wissenschaftlicher Mitarbeiter hierfür im Hause zur Verfügung steht — der Anteil eines oder verschie dener Bildarchive am guten Gelingen durch schnelle Beschaffung auch seltener Vorlagen nicht zu unterschätzen ist. Was versteht man nun eigentlich unter der Bezeichnung Bildarchiv? Bis weit in das vergangene Jahrhundert hinein kannte man solche Einrichtungen nicht. Wohl gab es graphische Kabinette, und manche Bibliotheken besaßen schon teils zufällig mit einem Legat in ihren Besitz gekommene, teils bewußt auf gebaute und geförderte Sammlungen von Porträts und Ein blattdrucken; darüber hinaus begannen aber nur wenige Ver leger eigener Initiative gemäß auch dem Bildsektor ihrer Publi kationen größeres Gewicht zu geben und einen — natürlich nur der eigenen Produktion zur Verfügung stehenden — Fundus an Vorlagen aufzubaucn. Erst die bekannten drucktechnischen Erfin dungen schufen hier eine grundlegende Wandlung, die Photo graphie als Mittlerin begann ihren Siegeszug. Innerhalb weni ger Jahrzehnte entstanden die großen Bildverlage, die als Hand apparat für den Kunsthistoriker die bekanntesten Werke aller europäischen Galerien Herausgaben und die zeitgenössische künst lerische Produktion im Wandel des Geschmacks und der druck technischen Vervollkommnung bis zum modernen Farbdruck der Öffentlichkeit übermittelten. In der gleichen Zeit haben wir aber auch die Geburtsstunde des Bildarchivs zu suchen: Die großen Zeitschriften- und Zeitungsverlage begannen, aus frühen Bild berichten, aus den verschiedensten in irgend einer ihrer Berlags- erscheinungen verwandten Ausnahmen ein Archiv zusammen- zustellcn, das zuerst auf dem Wege freundschaftlichen Aus tausches, später gegen Erhebung bestimmter Reproduktions- gebührcn anderen Verlegern zur Verfügung stand. Unsere Zeit, deren verlegerischer Alltag von der Tages zeitung bis zum wissenschaftlichen Werk einen beträchtlichen Be darf an Bildmaterial aufzuweisen hat, reihte diesen ersten Grün dungen eine Vielzahl neuer Unternehmungen an. Dem Nicht fachmann mag in den meisten Fällen deren Mitarbeit gar nicht bewußt werden, es genügt aber, nur einmal flüchtig die Urheber rechtsvermerke eines Bildbandes zu beobachten, um eine Vor stellung von der Bedeutung dieses Teiles publizistischer Arbeit zu bekommen. Unschwer folgert aus der Vielfalt die notwendige Spezialisierung der einzelnen Unternehmungen: Während der eine Bildverlag besonders Politische Vollmachten erhielt, trägt der andere (ähnlich wie das Deutsche Nachrichtenbüro auf dem Gebiet der Nachrichtenübermittlung) amtlichen Charakter Vie lerlei private Unternehmen gruppieren sich darum, vom Presse archiv des Zeitungsverlages bis zum weitgereisten Bildbericht erstatter mit Aufnahmen aus aller Herren Länder, von dem nach rein journalistischen Grundsätzen aufgebauten Korrespondenz büro bis zu der Vollständigkeit und wissenschaftlichen Korrekt heit betonenden Sammlung des Volkskundlers und Kunsthisto rikers. Sie alle haben das gleiche Ziel, für den Schriftleiter und Verleger redaktionelle und technische Vorarbeit zu leisten. Wäh rend der Photograph den Rohstoff liefert, wird hier seine Arbeit zusammengefaßt, geordnet und jeder Anforderung gemäß weiter geleitet. Er selbst würde sich die gleichen Vorkenntnisse über die Auswertung seiner Arbeiten nur in jahrelanger Vorarbeit an eignen können, andererseits wäre es für den Verleger eine Un möglichkeit, aus der Unzahl von Photographen gerade den her- auszusinden, der das angeforderte Material schon besitzt. Die rechtlichen Unterlagen für die Zusammenarbeit zwischen Photo graph, Bildarchiv und Verleger geben die bekannten deutschen Gesetze, nach denen jedes Photo früher zehn Jahre, heute fünf undzwanzig Jahre nach dem ersten Erscheinen urheberrechtlichen Schutz genießt und bei Veröffentlichung gebührenpflichtig ist. Nicht ohne Grund hat die heutige publizistische Arbeit den Begriff des Bildrcdakteurs geschaffen, der sowohl im Zeit schriften- und Buchverlag wie auch im Bildverlag ein weites Betätigungsfeld findet. Er muß auch hier eingehend Presse und Schrifttum überwachen, muß sich auf Reisen genaue Kennt nis anderer Länder erworben haben, muß jede neue geistige Wendung zur Kenntnis nehmen und auswerten, muß an Hand eingehender Notizen im rechten Augenblick schon die hauptsäch liche Vorarbeit geleistet haben — kurz jenen Spürsinn besitzen, der noch immer den guten Journalisten ausmachte. Nur so ist etwa die unter Umständen sehr wichtige Frage nach der besten Aufnahme eines bestimmten Menschentypus, einer Tracht oder einer geschichtlichen Szene zu beantworten: Ein Griff in die Kartei oder zu dem entsprechenden Ordner hat zu genügen, um die Angelegenheit zu klären. Von gleicher Bedeutung, ja für viele Dinge entscheidend ist auch die Frage der inneren Organisation. Eine Bibliothek, deren Bände verstellt sind, ist praktisch unbenutzbar — auch für die vielen Tausend Aufnahmen eines Bildarchives gilt das. Nur die reinen Pressearchivc haben (wohl in der Hauptsache aus Zeit mangel) aus eine eingehende Katalogisierung verzichtet, alle anderen Sammlungen halten an einer ausführlichen Kartei mit entsprechenden Signaturen für Abzug und zugeordnetes Nega tiv fest. Je nach den einzelnen Erfordernissen entstanden hier natürlich die vielfältigsten Bezeichnungen und Einteilungen. So ordnet der eine sämtliche Aufnahmen nach einer laufenden Nummer ein und gibt deren Aufteilung an Hand von Stich wortkarteien, andere kennen verschiedene Abteilungen mit geson derten Bezeichnungen, die etwa die Landschaften nach Orten, Gemälde nach Künstlernamen, Porträts nach den Dargestellten auffinden lassen und anderes mehr. Überschneidungen werden dabei durch Einordnung mehrerer Abzüge unter verschiedene Stichworte oder Abteilungen oder entsprechende Verweiszettel ausgeglichen. Es genügt, an dieser Stelle auf das nach modern sten Grundsätzen aufgebaute Bildarchiv des Reichsnährstandes hinzuweisen, das zugleich dem Wissenschaftler als Anschauung dient und der Presse zur Auswertung zur Verfügung steht: In praktischen, leichten Metallschränken sind hier in einzelnen Ord nern nach einem übersichtlichen Schema von Stichworten die Aufnahmen der einzelnen Sachgebiete und Landschaften aus dem ganzen Reich zusammengestellt. Jedes Blatt trägt die entspre chende Signatur mit dem Namen des Photographen, ausführ licher Beschriftung und außerdem den Hinweis auf die Negativ nummer. Neue Abzüge sind von allen notwendigen Negativen sofort bereit oder können innerhalb kurzer Zeit angefertigt wer den. Nur der Eingeweihte weiß, welche ungeheure Kleinarbeit hier geleistet wurde, bis die Besonderheit des bäuerlichen Brauch tums, der neuen Gesetzgebung und des bäuerlichen Menschen in diesem großen Spiegel festgehalten war. Wie schon das letzte Beispiel zeigt, ist nicht nur Presse und Schrifttun, eifriger Benutzer eines gut aufgebauten Archives, der Schriftsteller braucht es ebenso wie der Wissenschaftler, der Schauspieler ebenso wie der Maler, Unternehmer oder Privat sammler. Verständlich ist, daß vom Benutzer her immer wieder die Forderung nach möglichster Vollständigkeit herangetragen wird, die aber auch für große Unternehmen trotz weitgehender Spezialisierung nicht erreichbar ist. Man kann voraussehen, daß später über die private Initiative hinaus sich auch amtliche Stellen mit diesen Dingen beschäftigen müssen. So wird sicher einmal als Gemeinschaftsleistung eine wissenschaftliche Arbeit ge leistet, die nicht nur landschaftliche und dokumentarische Dinge, sondern auch kulturgeschichtliche Themen vom Bildmäßigen her eindeutig und erschöpfend bearbeitet. Es genügt, hier etwa an das Beispiel des historischen Porträts zu erinnern. Trotz ver dienstvoller Vorarbeiten haben sich noch nicht einmal Kunst- 18
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