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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.05.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-05-29
- Erscheinungsdatum
- 29.05.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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Pfingstfeiertagen. Deshalb war mein grenzenloses Erstauiren und meine Freude verständlich, als mein Lehrherr mir Ende August die Mitteilung machte, daß ich mit meinem Mitlehrling Aug. Schultze am 2. September auf acht Tage in die Sächsische Schweiz reisen sollte, wozu er jedem 12^ Taler Reisegeld gab." Das wurden unvergeßliche Tage. Als Sohn der norddeutschen Tief ebene sollte ich zum erstenmal ein Gebirge sehen! O, wie waren wir glücklich und froh über die erste Ferienzeit! Dankbar wurde alles Sehenswerte genossen. Der erste Aufenthalt war Dresden, diese herrliche Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten. Den größten Eindruck machte auf mich aber der Blick von der Brühlschen Ter rasse auf die Elbe und die Neustadt. Nur eine Nacht verweilten wir hier, um dann am nächsten Morgen mit dem Dampfer auf wärts zu fahren. Die erste Dampferfahrt auf der Elbe mit ihren schönen Usern, Schlössern usw.! Dann , auf die Bastei, wo ein einfaches Gasthaus uns gut und preiswert aufnahm. Am andern Morgen genossen wir von unserm Balkon aus einen wun derbaren Sonnenaufgang, und die frische, herrliche Luft tat uns besonders wohl. Wir marschierten flott und fröhlich weiter und besuchten so ziemlich alles, was zugänglich war: Hockstein, Kuh stall, Schandau, Prebischtor usw. bis Herrnskretschen und zurück über Königstein. Zwar hatten wir in diesen Tagen viel Regen, aber der konnte unfern Frohsinn nicht dämpfen. Die besonderen Freunde des Herrn Borstell waren meistens freundlich und auch mir wohlgesinnt. In lieber Erinnerung sind mir geblieben: Franz Bahlen, der sich Anfang 1870 in der Breiteustratze selbständig gemacht hatte. Eine Neuigkeit, die in den ersten Tagen meines DortseinS in seinem Verlage erschien, war merkwürdigerweise eine zart ausgestattete Novelle, die in unserm Lesezirkel natürlich bestens empfohlen wurde. Max Winckelmann, Inhaber der Springerschen Buchhandlung, sprach sehr häufig bei uns vor. Er zog auch uns ins Gespräch über alle möglichen Sachen und hatte stets ein freundliches Wort für alle, ebenso Elwin Paetel, der soeben mit seinem Bruder den Buchverlag von Alexander Duncker übernommen hatte, für den der Lesezirkel sehr aufnahmefähig war. Die »Deutsche Rundschau« wurde so energisch und erfolgreich vertrie ben, daß schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit 250 (oder waren es 500?) Bezieher gewonnen waren. Aus diesem An laß gab die Firma Gebr. Paetel den Angestellten der Nicolaischen ein besonderes Fest mit glänzendem Abendessen in der Wein handlung von Trarbach. EduardEggers, Besitzer des Ver lags Gebrüder Bornträger, ein starker Herr mit mächtiger Baß stimme, war vor nicht langer Zeit von Königsberg nach Berlin übergestedelt. Eine anziehende Erscheinung war Franz Lipperheide, ein wirklich vornehm denkender und handelnder Herr, dessen Angestellte allseitig beneidet wurden. Was er damals mit meinem Lehrherrn zu verhandeln hatte, erinnere ich mich nicht genau, da mir die Verhältnisse noch zu unbekannt waren. Eines Tages er schienen der damals im Buchhandel sehr bekannte Friedrich Luckhardt, früher in Kassel, und Wilh. French, Inhaber der Firma Joh. Fr. Hartknoch in Leipzig. Es handelte sich um die Gründung einer Buchhändlerbank. Ein ausführlicher Plan war bereits ausgearbeitet, und Herr B. sollte durchaus für das Unternehmen gewonnen werden. Es fanden mehrfach Verhand lungen statt, aber B. war nicht zum Beitritt zu bewegen. Er hat uns, seinen Angestellten, klar gemacht, weshalb dieser Plan nicht verwirklicht werden könne. Es ist auch nichts daraus geworden. , Das Haus, in dem die Buchhandlung sich befand, war ein altes Patrizierhaus. Es genau zu beschreiben, ist mir nicht mög lich, zumal da ich es auch nur sehr oberflächlich kennen lernte. Kam man durch das Vorderhaus, so befand man sich auf dem ersten Hofe, der von zwei Seitenflügeln und dem Hinterhaus ein geschlossen wurde. In der Mitte war ein eingezäuntes Beet mit Fliederbüschen und einem Brunnen, dem wir unsern Wasser bedarf entnehmen mußten. Hinter den Gebäuden war noch ein für Berliner Verhältnisse großer Garten, in dem der Nußbaum sich befindet, unter dem Theodor Körner im August 1813 kurz vor seinem Heldentode noch geweilt hat. 546 In diesen Garten schleppte zur Winterszeit der Hausmann eines Nachmittags ungezählte Eimer Wasser, um den Kindern des Hauses eine Eisbahn zu schaffen. Leider setzte in der Nacht Tauwetter ein, und das Vergnügen war zu Wasser geworden. Die bisher benutzten drei Räume des Vorderhauses wurden für das riesig anwachsende Lager schließlich zu klein. Da im selben Hause nichts anderes zur Verfügung stand, wurden zu nächst im ziveiten Hinterhause einige kleine Räumlichkeiten hin zugenommen, die freilich mit dem Vorderhause keine Verbin dung hatten, sodaß die hier Beschäftigten der Aufsicht entrückt waren. Ständige Arbeit wurde hier allerdings nicht geleistet, da meist nur die von Restkäufen herrührenden Mengen hier ge lagert wurden und die sehr zerlesenen Bücher, die nur noch aus geliefert, nicht mehr ausgeliehen werden konnten. Obwohl Wilh. Raabe seinen Leserkreis hatte, so wollte es doch nur schwer ge lingen, für seine älteren Bücher Absatz zu finden, und ich erinnere mich des Schreckens, den wir bei Ankunft von Restvorräten dieses Schriftstellers empfanden, da sie trotz äußerst mäßiger Preise nur sehr spärlich abgingen. Erst viel später hat er doch die wohl verdiente Anerkennung gefunden. Mein viertes Lehrjahr näherte sich inzwischen dem Ende, und nun kam die Frage: wohin? Gern hätten mich meine Lehr herren länger behalten, aber ich strebte hinaus aus Berlin. Ich war Berlins satt und überdrüssig. Viel zu überlegen gab's frei lich nicht. Ich war nicht in der Lage, meinen Wirkungskreis selbst zu wählen, deshalb ließ ich das Schicksal entscheiden. Auf meinen Wunsch gaben meine Lehrherren ein Stellengesuch für mich im Börsenblatt auf. Darauf kamen zwei Angebote, von denen ich das günstigste annahm, nämlich mit 30 Talern Monats, gehalt als zweiter Gehilfe in C. Ed. Müllers Sortimentsbuchh. (Fr. Riemenscheider) in Bremen, was ich nie bereut habe. Ich hatte tüchtig arbeiten gelernt, und wenn's mitunter auch reichlich viel war, so habe ich doch alles gut überstanden und bin in dieser Zeit nicht krank gewesen. Mit meinen Lehrherren, denen ich viel verdanke, blieb ich in Freundschaft vexbunden. Sie haben mir bei wichtigen Anlässen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, auch mich im eigenen Heim besucht. Ehre ihrem An denken! Eine große Freude wurde mir durch den jetzigen Be sitzer, den Sohn meines Lehrherrn, Reinhold Borstell, bereitet, als er mich zur Feier des 200jährigen Bestehens der Nicolaischen Buchhandlung am 3. Mai 1913 einlud. Mit herzlichem Dank erinnere ich mich dieses wohlgelungenen glänzenden Festes. Möchte es der Firma vergönnt sein, weitere Jahrhunderte und ein neues, besseres Deutschland zu erleben! Für die »uchhLndlerische FachlMi.thek. Vorhergehende Liste 1920, Nr. 109. Bücher, Broschüren usw. ^robivkür OuokZsrvsrds. IlsrsusASMksn vom Osutsebsn: Ouebxsrvsrdsvsrsin. 57. äakiMNA, ttskt 3/4 vom dlärr/ilpri! 1920. vsipLiA, Vsrlax des Osutsebsn OuekAsrvsrds- vsrsins. /1.U8 dsm Inkalt: ttsrbsrt ttausekiid: Dio Ksn- tats-Nssss Lu bsipLiss (29. 4.-5. 5.). — Lrust Oollin: VVirt- sedaktiicks OstraektunZ rur kuAramssse im krükjakr 1920. — dlax kisdisr: vis Isekniseks Idesss und das Luekx-swsrbs. — klsrdsrt ttsuoetüld: Oie kreis Orapkik auk der krükjakrs-Lugra- MS88S 1920. — krisdriek kiek: vis diarmunZ der Ospierkormste vom Standpunkt der vruokmasekinsnindustris. — Otto liiam- rotb: Oie OrsisbsxvsAUNA und dis kokstokklaAS in der Oruck- kardenindustris. B a h n h o fs b u ch h a n ö e l, Der. 15. Jahrg., Nr. 10 vom 15. Mai 1920. Mit der literarischen Beilage »Der Büchermarkt des Bahnhofsbuchhandels«. 2. Jahrg. Nr. 2 vom 15. Mai 1920. Leipzig-Neubnitz, Konstantinstr. 8, Verlag des Vereins Deutscher Bahnhofsbuchhändler. Aus dem Inhalt: Bericht über die Haupt versammlung des Vereins Deutscher Bahnhofsbuchhändler am 30. April 1920 im Sachsenzimmer des Deutschen Buchgewerbe hauses zu Leipzig. Biicherwclt, Die. Hcrausgegeben vom Verein vom hl. Kar! Borromäus. 17. Jahrg., Heft 4 vom April 1920. Bonn, Ver ein vom hl. Karl Borromäus. Aus dem Inhalt: vr. Joseph M. Faßbinder: Wolfram von Eschenbach. Zum 700ten Gedenkjahr seines Todes. — I)r. August Vezin: Münsterische Romane. -
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