Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 31.08.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-08-31
- Erscheinungsdatum
- 31.08.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19200831
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192008311
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19200831
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1920
- Monat1920-08
- Tag1920-08-31
- Monat1920-08
- Jahr1920
-
9382
-
9383
-
9384
-
9385
-
9386
-
9387
-
9388
-
9389
-
9390
-
9391
-
9392
-
9393
-
9394
-
9395
-
9396
-
9397
-
9398
-
1025
-
1026
-
1027
-
1028
-
-
-
-
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Sortimenter und Verleger erhitzen sich in Gründen für und gegen den Tencrungszuschlag. Der Ladenpreis steht ernstlich in Ge fahr, wenn es nicht bald zu einer Einigung kommt, und der gesamte Buchhandel wird von dem Wirrwarr unserer Tage mitgerissen. Sollte dieser geistig hochstehende Teil der Kaufleute keinen gemeinsamen Boden finden können? Soll ein Klassenkampf zwischen Sortimentern und Verlegern entbrenne», der beide Teile schädigt? Der stolze Bau unserer Organisation, der so manche Nisse und Sprünge hat, wird mit dem Ladenpreis fast zusammenbrechen, und die einreißeude Prciswillkllr wird schwer« Opfer fordern. Könnten wir nicht zu einer einfachen Lösung kommen und dem Verleger wieder die Festsetzung des Laden preises überlassen? Wie wäre es, wenn folgende Bestimmungen ge troffen würden? Alle Teuerungszuschläge sind mit 1. Januar anfzuheben. Die Verleger setzen neue Ladenpreise fest und liefern an die Sortimenter mit mindestens 50°/, Rabatt bei Fest- und B a r be st e l l u n g. Ver packung wird nicht mehr berechnet. Mit diesem gemeinsamen Beschlüsse wäre beiden Teilen gedient, und jeder hätte Freude an der neuen Ordnung, die alle Unsicherheit aus der Welt schafft. Dann hätten alle Anzeigen und Kataloge wieder Wert, dann würde das Publikum wieder Vertrauen zum Buchhandel gewinne» und nicht suchen mit allen möglichen Winkelzügen und Versuchen zu billigeren Büchern zu kommen. Wir müssen uns gegenseitig stützen und halten, wir dürfen nicht hadern und uneins werden, wenn wir in den noch kommenden schweren Tagen bestehen wollen. Unser gegenseitiges ge schäftliches Verhältnis muß möglichst klar und einfach sein, und seine Bestimmungen dürfen sich nicht in vielen Punkten und Kleinlichkeiten verlieren. Linz a. D., 0. August 1020. F. Steurer. Es ist nun allerdings eine große und schwierige Aufgabe, daß die Verleger von billigen Büchersammlungen lmid noch mehr jene wissen schaftlicher Werke) die Verkaufspreise um mehr als ein Drittel herab setzen, aber diese Aufgabe ist des Schweißes der Edelsten im Buchhandel wert. Wohl nur jene Verleger werden sie lösen können, die über eine eigene Druckerei mit Hausbuchbinderei verfügen (eine eigene Papier fabrik besitzt selten eine Verlagsbuchhandlung). Und jene Verleger können ihren hohen kulturellen und wirtschaftlichen Aufgaben nur dann gerecht werden, wenn sie an ihrer Druckerei und Buchbinderei vorerst gar nichts verdienen und zusammen mit ihren Berufsgenossen alle Hebel solange in Bewegung setzen, bis von Staats wegen der unmäßige Verdienst der Papier fabriken unter das Wuchergesetz gestellt wird. Dann werden Buchdrucker und Buchbinder bald im Preisabbau Nachfolgen. Dämmert es an Len höchsten Spitzen des Staates denn immer noch nicht, was für das deutsche Kultur- und Wirtschaftsleben im In- und Auslande auf dem Spiele steht, wenn den Papierfabriken nicht baldigst das Wucherhandwerk gelegt wird?! Ist das Buchgewerbe erst zu normalen Preisen zurückgekehrt, dann ' wird der Abbau der Bücherpreise von selbst einsetzen. Zuerst wird der ! Verlag die freibleibenden Preise in feste Preise umwandeln können, und siehe da, auf einmal wird die durch den Sturmwind im buchhändlcrischen Wirtschaftsleben auseinandergebogene stählerne Kon struktion des Buchhandels — genannt: »Organisation des Börsenver eins« — in seine alten Formen wieder ganz von selbst zurückschnellen. Alle künstlich errichteten Stützen und Zwingen, Bänder und Schar niere werden abfallen: Verlagszuschläge, Teuerungszuschläge, Noi- standsorünung und Auslandverkaufsordnung. Und es wird Friede und Freude sein. Nur eines wird bleiben: der erhöhte Preis für Bücher. Und das wird gut sein. Denn je höher der (angemessene, vernünftige) Verkaufspreis, desto größer ist der Verdienst sowohl für den Verleger als auch für den Sortimenter. Die neueste Notstandsordnung des Börsenvereinsvorstandes mit ihren 1. a, b, o; 2. a, b, o; 3. a, d, v; 4. . . — es fehlen nur noch die «, K -/ — wird dem Gedächtnis etwas schwer einzuprägen sein. Sie bedeutet eine schwere Belastung des ohnedies schon geplagten Sorti- mentergchirns. Da ist die Aufstellung für den Preisabbau des Ber- lcgervcreins doch übersichtlicher und auch leichter zu behalten. Aber auch sie kann nicht das erreichen, was sie wohl bona kicks erreichen will: einen sich gleichbleibenden Umsatz von Büchern. Was die Verleger wollen, ist weder billig noch gerecht. Hinter ihren Vorschlägen oder Maßnahmen steht wieder ihre Unkenntnis des Sortiments. Es sitzen da im Vorstände des Verlegervcreins zu viele Herren, die niemals hinter dem Ladentisch gestanden, die niemals im Sortiment warm geworden sind. Der echte Sortimenter weiß: die Re- clam, Göschen, Natur und Geisteswelt werden nicht deshalb weniger gekauft, weil auf den Bändchen ein Tcuerungszuschlag von 20°/, liegt, sondern deshalb, weil die Ve r l a g s Zuschläge ihre Preise um das Fünf- bis Achtfache erhöht haben. Muß heute ein Roman deshalb zum Durchschnittspreise von 28 ^ verkauft werden, weil die Sortimenter Tencrungszuschläge erheben? Und kann mau deshalb von einem fest stehenden Ladenpreis für Bücher heute nicht mehr spreche», weil in irgend einer Stadt ein Irgendjemand feststellte, daß für ein und das selbe Buch in fünf verschiedenen Buchhandlungen fünf verschiedene Preise verlangt wurden? Steht er vielmehr deshalb nicht mehr fest, n»eil die größten Verlagsbuchhandlungen sämtliche Preise ihrer Ver lagserzeugnisse für freibleibend erklärt haben? Und weshalb taten sie das? Weil die Buchgewerbler sie dazu zwangen! Das Ganze — halt!! In Schwadronen links und rechts schwenkt ab seitwärts steht der gemeinsame Feind! Das Buchgewerbe! Die Papierfabri kanten, die Buchdrucker, die Buchbinder. Gegen sie möge man zu Felde ziehen, geeint und geschlossen, nicht gegeneinander. Sollen die Sorti menter und ihre Gehilfen, die jetzt ein einigermaßen erträgliches Da sein führen, wiederum in den Zustand der Hungerleider zurückgeschleu- dcrt werden, nur deshalb, damit die Papierfabrikauten bei 100°/oigeu Dividenden, ein sorgenfreies Leben führen und ihren Angestellten le bensnotwendige Gehälter zahlen können? Gewiß, es mag heutzutage besser sein, ein Sortiment zu haben, als einen Verlag: Die Welt ist rund und muß sich drehen. Was oben ist, wird unten stehen Aber es ist nicht möglich, den Umsatz z. B. der Sammlung Göschen dadurch zu steigern, daß der Sortimenter von nun an keinen Teue- rungszuschlag mehr erhebt. Erst wenn die Nummer des Neclam-Bänd- chen auf den Preis von 1 der Band der Insel-Bücherei auf 2 zurückgegangen sein wird, werden bei der großen Masse der Bevölke rung Lust und Liebe zum Biicherkaufen wieder zurückkchren. Es dürfte doch nicht schwer fallen, daß gewisse Gruppen von Ver legern oder besonders kapitalkräftige Zeitungsverlage in verschiedenen Gegenden Deutschlands einige für ihre Zwecke besonders eingerichtete Papierfabriken in ihren Besitz bringen. Die neuen Besitzergruppen übergeben die erworbene Fabrik der Leitung eines Direktors und kön nen dann mit Leichtigkeit ein billig hergestelltes Papier für ihre Ver lagswerke oder Zeitungen verwenden. Kann man bedeutende Ver lagsbuchhandlungen aufkaufen, so wird man auch eine leistungsfähige Papierfabrik in seinen Besitz bringen können. Das Sortiment aber kann sich nur auf sich selbst stellen. Rur in heißem Kampfe um seine Lebensnotwendigkeiten wird es sich behaup ten. Höchst unklug ist es vom Verlegerverein, ihm diese Lebensnot- wenüigkeiten schmälern zu wollen. Wer, wie Schreiber dieser Zeilen, auf eine nahezu zwanzigjährige Tätigkeit als Propagandist bedeuten der Verlagshandlungen zurückblicken kann, wird gern bestätigen, daß keine noch so prächtig ausgestatteten Prospekte oder noch so geschickt abgefaßten Anzeigen auch nur annähernd jene Umsätze zeitigen wie eine anhaltende, von persönlichen Empfehlungen getragene Verwen dung der Sortimenter-Chefs und Sortimenter-Gehilfen. Lrimuw vivsi-s. Und zum Leben gehört heutzutage ein guter Verdienst! ! ^ > I ,> -cz- Der Verleger-Teuerungszuschlag. (Ein Beispiel aus der Praxis. — Den Hamburger Herren zum Nachdenken.) (Vgl. Bbl. Nr. 187.) Einbd.- Verfasser- Erlös ord. netto kosten anteil d. Verlags L.Sort 1914 10.- 7.— 0.26 1.- 5.74 S- 1020 19.20-l- 3.84 12.80 3.85 1.92 7.23 10.24 also mehr 1.49 7.24 oder 26°/, 241°/, Was sagten die Hamburger Herren? Der Verleger wolle seine ungeheuren Zuschläge bis zu 150°/, vor der Öffentlichkeit verbergen, — der 20prozentige Sortimenterzuschlag beunruhige die Käufer nicht. Von den Mehraufwendungen für Einbände und Honorar und den höheren Unkosten ganz abgesehen, stellen die Hamburger Herren die Bewertung von Büchern, die'1914 für 10 Goldmark (das sind In schweizer Währung 12.50 Fr.) verkauft wurden, mit 20 bis 25 Papier mark (— Fr. 2.40 bis 3.—) als unerhört hin. Ich kenne keine andere Ware, die in dieser Weise verschleudert wird. Leipzig, 24. August 1020. Wilhelm Ehrenberg. Berantwortl. Red. I. B.: Richard Albert t. — Verlag: DerBörsenvereln der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, Deutsches Buchhändlerhaus. Druck: Ramm L Seemann. Sämtlich in Leipzig. — Adresse der Redaktion und Expedition: Leipzig, Gerichtsweg 2g tBuchhäudlerhauSl,
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Keine Volltexte in der Vorschau-Ansicht.
- Einzelseitenansicht
- Ansicht nach links drehen Ansicht nach rechts drehen Drehung zurücksetzen
- Ansicht vergrößern Ansicht verkleinern Vollansicht