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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.05.1915
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- 1915-05-29
- Erscheinungsdatum
- 29.05.1915
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Redaktioneller Teil. ^ 12t. 2g. Mai 1915. Diese Letter vervollständigte und vertiefte so eigentlich die Stoßkraft, die von Eckmanns Schriftschöpfung ausging. Der Einfluß, den der Erfolg der beiden Typen auf das Schrift- gicßereigewerbe ausübte, soll an andrer Stelle zur Sprache kommen. Der Künstler, der in der Frühzeit seines Schaffens außer den schon aufgeführtcn Büchern noch einige andere, beispielsweise eine Anzahl Hartlebenschcr Werke schmückte, hat später für derlei kleine Arbeiten kaum mehr Mutze gefunden, Wohl aber seiner ersten Schrift noch drei weitere zugefügt. Zwei Werke, wenn auch um Jahre später, doch aus derselben Zeitstimmung heraus entstanden, mögen hier noch angeführt wer den: Van de Veldes Titel zu Nietzsches »Leos Komo« und seine Monumcntalausgabe des »Zarathustra« mit der Schrift von Lem- men. Als für Van de Veldes Art charakteristisch, sei auch der Ein band seines eigenen Bckcnntnisbuches »Renaissance im Kunst- gewcrbe« erwähnt. Gleichfalls in das Jahr 1900 fällt die Gründung der Steg litzer Werkstatt. Wenn sie auch nur mit einem Buch vertreten ist, den schon genannten »Sonetten nach dem Portugiesischen«, so blieb ihre Tätigkeit doch für die buchgewerbliche Entwicklung nicht ganz bedeutungslos. Wie hier schon frühzeitig das Wesentliche typographischer Stilforderungen erkannt und verwirklicht wurde, zeigt ein Vergleich ihrer damals entstandenen Gelegcnheitsblätter mit den gleichzeitigen Drucken Darmstadls. Die zwölfte Vitrine: Die Wiener Kunst. Ein anderes entwicklungsgeschichtlich wichtiges Element ist die Kunstgattung, die wir als die Wiener zu bezeichnen Pflegen und die aus den Bestrebungen sich herleitet, die in der Wiener Sezession zuerst sich äußerten. Ein Niederschlag dieser Ideen findet sich in der von den österreichischen Künstlern herausgegcbenen Zeitschrift »Vor Sacrum«. Von den Kräften, aus deren Arbeiten sich das Bilder material zusammensetzt (Kolo Moser, Jos. Hoffmann, Roller usw. — Olbrich wurde schon an andrer Stelle erwähnt —), sind nur wenige bei uns bekannt und beschäftigt worden. Unter ihnen ist auch Orlik, dessen Ausstattung zu Lafcadio Hearns »Kokoro« wenig von den Reizen verrät, die seine farbigen Lithographien und Holz schnitte aufweisen und die seine Exlibris so amüsant machen. Ein Anderer, Klimt, gibt in seinen Bildern zu den »Gesprächen des Lukian« ein deutliches Beispiel seiner glänzenden, nervös empfind samen und sicheren Zeichenkunst. Am ausgesprochensten jedoch tritt der Wiener Stil in den Bestrebungen zutage, die sich auf die Reform des künstlerischen Schreibens gründen und Rudolf von Larisch zum Urheber haben. Sie erst sind es, die im eigentlichen Sinne, vielleicht bei uns noch mehr als in Österreich, fruchtbar geworden sind und wenn auch keinen direkt sichtbaren, so doch unter der Oberfläche gewaltig wirkenden Einfluß auf unser Buchgewerbe ausübtcn. Als konkrete Zeugen dienen seine Bücher »Beispiele künstle rischer Schrift«, »Unterricht in ornamentaler Schrift« und die Festschrift der k. k. Staatsdruckerei in Wien, die mit seiner Type, einer kräftigen, wohlausgeglichenen Antiqua, der »Plinius«, ge druckt ist, einer der wenigen nennenswerten Schriften, die in Österreich entstanden. Dieses Buch, das den mustergültigen Typ einer Jubiläumsschrift zeigt, wurde von Czcschka mit groß auf- gefatztcn Schilderungen der Staatsdruckercibetriebe in Schwarz- Wciß-Manicr geschmückt. Czeschka ist noch mit seinen dekorativ farbigen Nibelungenbildern hervorgetreten und hat neuerdings eine zarte Zierschrift entworfen, deren pikantes schwarz-weißes Schmuckmaterial ganz besonders eine willkommene Bereicherung der ornamentalen Hilfsmittel unserer Buchdrucker darstcllt. Eine mustergültige Leistung ist auch der vor kurzem erschienene Katalog der österreichischen Abteilung auf der Bugra. Ebenfalls von Larisch besorgt, zeigt er in wohltuendem Gegensatz zu unseren Arbeiten dieser Gattung, die immer von geschäftsklugen Kom promissen im Inseratenteil begleitet sind, die unbekümmerte Art, mit der man in Wien rein künstlerische Absichten verfolgt und durchsetzt. Die dreizehnte Vitrine: Die Gießereien. Von so einschneidender Wichtigkeit die Neuschöpfungen der 814 Schriftgießereien auch für das Buchgewerbe waren, so ist es doch im Rahmen der Abhandlung nicht möglich, dieses Kapitel er schöpfend zu behandeln. Es mögen nur kurz die Namen der führenden Betriebe und ihre Hauptleistungen erwähnt werden. Das Verdienst, wertvollste Pionierarbeit vollbracht zu haben, ge bührt Karl Klingspor, dem Mitinhaber der bekannten Offenbacher Gießerei, die mit der Eckmann- und Behrensschrift die ersten Re formversuche begann, sie mit der Behrens-Antiqua und -Kursiv, der Tiemann-Mcdiäval und der Kochschrift fortsctzte und als letzte Arbeit die Mediäval von Peter Behrens hcrausbrachtc. Etwas früher liegt die von der Gießerei Genzsch L Hehse in Hamburg gemeinsam mit Otto Hupp geschaffene »Nendeutsch«, die noch ganz im Sinne der eingangs geschilderten Münchner Rich tung gehalten ist, während die Firma neuerdings die schon er wähnte Czeschka-Antiqua geschnitten hat. Die Frankfurter Schriftgießerei F-linsch ist mit meiner Antiqua und Kursiv, sowie mit den Antiqua- und Frakturschrifte» von Lucian Bernhard ver treten, die Baucrsche Gießerei in Frankfurt mit Wicynks »Tria- non«, der »Kleukensantiqua« und der »Weitzfraktur«. Die Firma Ludwig L Mayer mit der Cissarz-Latein, D. Stempel, ebenfalls in Frankfurt, mit der Kleukensfraktur, dessen Jngeborg-Antiqua, mei ner Rustika und Schwabacher. Meine Fraktur, als Hausschrift der Offizin W. Drugulin ge schnitten, bleibt dadurch, wenigstens vorläufig, noch der Öffent lichkeit entzogen. Alle diese von einem neuen Schriftgefühl diktierten Willens äußerungen haben in das Bild unserer Buchkunst gewaltig ein- gcgriffen, haben vor allem durch sorgfältig durchgearbeitete, mit Beispielen ausgestattete Probehefte den Blick für typographische Aufgaben erzogen und das Verlangen nach gutem Schriftsatz und gutem Druck für wertvolle Bücher als eine nicht mehr zu um gehende Forderung formulieren helfen. Die vierzehnte Vitrine: Die Pressen. Die eingehende Beschäftigung mit dem typographischen Pro blem führte dazu, gleich bis zu den letzten Konsequenzen zu gehen und das mit den besten Mitteln und in sorgfältigster Be arbeitung aller technischen Teile hergestellte Buch zu erstreben, für das die englischen Pressen das Muster aufgestellt hatten. Der Leipziger Drucker Carl Ernst Poeschel, dessen Druckerei mit Recht als eine der besten Deutschlands genannt wird, gründete mit Tiemann die Januspresse, auf der dessen Mediäval erstlich beim Druck von Goethes »Römischen Elegien« verwandt wurde. Bei ihrem jetzt angekündigten dritten Werk, Grillparzers »Des Meeres und der Liebe Wellen«, sucht die Presse durch Hans Alexan der Müllers Mitarbeit den Tonholzschnitt wieder zu Ehren zu bringen, wenn auch die vorliegenden Probedrucke an dem inner lich Berechtigten des Experiments für diesen Fall Zweifel auf- kommen lassen. Am bekanntesten ist die von den Brüdern Kleukens geleitete Ernst Ludwig-Presse des Grotzherzogs von Hessen. Unter den vielen Büchern, die diese Druckerei verließen, verdienen die rein typographischen, wie Verhaerens »Helenas Heimkehr«, Keats' Ge dichte u. a., den Vorzug. Bei anderen, wie beispielsweise dem »Hohenlied Salomos« oder dem »Buch Esther«, überwiegt der plakatartig bunte Schmuck der Titel und verrät mit Hintansetzung des typographisch handwerklichen Teils einen Mangel organischen Buchstils und damit eine Verkennung der Hauptaufgaben einer Presse. Gerade dieser Teil der Arbeit ist bei einer neuen Gründung, der Bremer Presse, aufs beste besorgt. Das typographische Niveau erweist sich hier, soweit es nach den ersten Proben zu erkennen ist, als vornehmste Liebhaberarbeit, und die Prospekte verspre chen die Mithilfe erster Künstler. Die von Melchior Leckster geleitete Einhornpresse erweitert, aber verändert nicht das Bild, das am Eingang der Abhandlung von des Künstlers persönlichem Stil gegeben wurde. Wenn auch nicht der Ausführung, so doch der Gesinnung nach gehören ebenfalls hierher die »Rudolfinischen Drucke«, die Rudolf Koch und Rudolf Gerstung in Offenbach gemeinsam in Kochfraktur herausgeben (Hanne Nüte, Rückerts geharnischte Sonnette usw.), und die aufs sorgfältigste hergestellten Drugulin-Drucke des Verlegers Rowohlt. Hans von Webers ähnliche Bestrebungen sollen an anderer Stelle gewürdigt werden.
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