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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.02.1911
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1911-02-28
- Erscheinungsdatum
- 28.02.1911
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1911
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pH ts, 28. Februar IS11. Nichtamtlicher Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn. vuchhandel. 2553 >Mit großer Freude unterstütze ich Ihr Be streben und zeichne vorläufig 5000.—, behalte mir aber vor. die Summe zu verdoppeln. Wenn ich mir einen Vorschlag erlauben darf, so geht der dahin, nicht nur den männlichen, sondern auch den weiblichen Mitgliedern, die es wahrscheinlich ebenso nötig haben, diese Vergünstigung zuteil werden zu lassen. - Aus obigen Zuschriften ist ersichtlich, daß die Gründung eines Erholungsheims sür Buchhändler unumwunden für gut anerkannt wird. Nur gehen die Meinungen, wo das Erholungsheim gebaut werden soll und wie das Geld Zu sammenkommen soll, noch auseinander. Ich bin der Meinung, daß das Komitee, das jetzt in der Gründung begriffen ist. sich zuerst sür ein Haus an der See entscheidet und später ein Haus im Gebirge ins Auge faßt. Aus den vielen Zuschriften habe ich den Eindruck bekommen, als ob die Norddeutschen lieber ins Gebirge und die Süddeutschen lieber an die See gehen würden. Vor allen Dingen ist wohl Einmütigkeit bei diesem weit ausschauenden Plan durchaus nötig. Ich bitte nochmals Herren, die sich für die Sache inter essieren, sich sür das Komitee zu melden. Berlin IV. so. den 24. Februar 1911. Neue Winterfeldtstraße 3-». Wilhelm Süsserott. Ausstellung gegen Schund- und Schmutz- literatur im Deutschen Buchgewerbehaus in Leipzig. Die Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg- Großborstel hat in Gemeinschaft mit dem Deutschen Buchge werbe-Verein gegenwärtig in den Räumen des Deutschen Buch gewerbehauses in Leipzig eine Ausstellung gegen die Schund- und Schmutzliteratur veranstaltet, die sür die Zeit vom 26. d. M. bis zum 12. März für jedermann unentgeltlich geöffnet ist. Der Zweck dieser Ausstellung, die außer in Hamburg bereits in mehreren anderen Städten, darunter in Berlin, Chemnitz. Bremen und Hannover gezeigt wurde und mit außerordentlichem Interesse ausgenommen worden ist. ist der, dem großen Publikum die Augen zu öffnen über den riesenhaften Um fang. die mannigfachen Erscheinungsformen und die ver hängnisvollen Folgen dieser Pest unseres deutschen Kultur lebens. Schon zu wiederholten Malen hat sich die berufene Vertretung des Buchhandels und viele einzelne seiner Glieder mit aller Energie öffentlich dagegen verwahrt, daß man ihnen die Verantwortung für das rapide Anwachsen und Gedeihen dieser Literaturgattung hat in die Schuhe schieben wollen. Allein die oft verblüffende Unkenntnis selbst gebildeter Leute in bezug auf buchhändlerische Verhält nisse hat immer wieder zu schiefen und ungerechten Urteilen Anlaß geboten. Darum ist es dringend notwendig, in der Aufklärungs arbeit nicht nachzulassen und ständig bemüht zu sein, ge eignete Mittel zu Erfolg versprechender Bekämpfung dieses Übels zu finden, solange die vorhandenen Gesetze zum Nieder ringen dieses Schundes nicht ausreichen. Als sicherster Weg hat sich bisher der der Selbsthilfe erwiesen, die an Stelle dessen, -was mißfällt, etwas Eigenes, Besseres stellt-. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß mit Unterstützung der Behörden und tätiger Mithilfe der Lehrerschaft und Volks erzieher sowie durch rastlose und systematische Verlegerarbeit achtungswerte Erfolge gezeitigt worden sind. Aber es ist bisher nicht im entferntesten gelungen, das Übel mit der Wurzel auszurotten. Wer noch irgend Zweifel darüber hegt, wie üppig dieser Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 78. Jahrgang. Giflbaum gedeiht und immer neuartige Blüten treibt, welche horrenden Auflagen gedruckt und — was mehr gilt — auch tatsächlich unter das Volk gebracht werden, der unterziehe sich der geringen Mühe und vergegenwärtige sich die Trag weite der Zahlen, von denen die ausgehängten statistischen Tabellen reden; dann wird er nicht mehr über die ver blüffenden Einnahmen, die einzelne Unternehmer aus diesen Schundbüchern herausholen, in Erstaunen geraten. Jeder betrübende Vorfall in hohen oder niederen Kreisen wird mit unheimlicher Geschwindigkeit in dieser Hintertreppen literatur zu endlosen Bänden verarbeitet und in mannig fachster Variation breitgetreten. Alle Tiefen des menschlichen Lebens werden aufgewühlt, die Skandalchronik aller Zeiten wird herangezogen, um geeigneten Stoff zu bieten, und jeder Räuberhauptmann mit seiner Bands zu neuem Leben erweckt. Wo die tatsächlichen Geschehnisse nicht aus reichen, um den Leser in der nötigen Spannung zu er halten und die niedrigsten Instinkte der Menschheit, Blut durst. Perversität und Rohheit in jeder Form anzusachen, da wird in diesen Schundheflen daraus los gefaselt, und cs häufen sich Morde. Einbrüche, Betrug und jede Art von zynischer Gemeinheit in endlosem Wechsel. Unermüdlich sind die Skribenten in der Erfindung der pikantesten, rohesten und unerhörtesten Szenen, beständig auf dis Kritik- und Urteilslosigkeit des denkfaulen Lesers spekulierend, dem dabei in wohldurchdachtem System Groschen für Groschen aus der Tasche geholt wird. Titel und Umschlagzeichnung überlasten sich an Sinnlosigkeit oder Rohheit; dabei ist in der Er zählung von folgerichtigem Aufbau der Handlung, von richtig beobachteter Charakteristik keine Spur; alles läuft darauf hinaus, aus dem Lesehunger der Konsumenten Kapital zu schlagen, ganz ohne Rücksicht darauf, ob die geschilderten Vorgänge auch nur im entferntesten denkbar sind. Es ist für den Berichterstatter und den denkenden Volksfreund keine Erquickung, in diesem Sumpfe zu waten und alle diese gewissenlosen Machwerke vor seinem Auge Revue passieren zu lassen, und doch muß es geschehen, um zu erkennen, wie bitter notwendig es ist, rasche und ent schlossene Mitkämpfer erstehen zu lassen, denen Wohl und Wehe des Volkes, besonders seiner Heranwachsenden Jugend nicht gleichgültig sein kann. Wir wollen es uns nach dem Gesagten versagen, auf einzelne Titel aufmerksam zu machen, sintemal solche Jedermann geläufig sind. Auf Leinen- Streifen aufgelegt, hängen die Umschlagbilder in langen Reihen an den Ausstellungswänden, ein farbenstrotzendes, trauriges Bild. Vor einiger Zeit wurde in den Spalten dieses Blattes von einer Münchner Sortiments-Buchhandlung berichtet, daß sie in ihrer Schaufensterauslage einen Haufen Schundliteratur aufgestapelt hatte und daneben für die gleiche Summe Geldes eine Auswahl guter Bücher. Sollte dieses famose Beispiel nicht verdienen, recht viele Nach ahmer zu finden? Wenn wir uns über das Wesen und die Folgen des Kulturübels heute entrüsten und aller Orten ent schlossene Männer für seine Bekämpfung eintreten, so müssen wir uns vergegenwärtigen, daß wir es mit einem alteingesessenen Feinde zu tun haben. Fast schon zugleich mit der Erfindung der Buchdruckerkunst blüht der Räuber- und Abenteurerroman, bis es endlich Cervantes in seinem Don- Quichotte, dieser glänzenden Zeitsatire, gelang, für eine Weile Besserung zu erzielen. Wir brauchen nur an den Prosaroman Amadis von Gallien zu erinnern oder an die hohen Auflageziffern, die der Räuberroman Rinaldo Rinaldini erlebt hat. Es hat sich eben die menschliche Phantasie von jeher mit magischer Gewalt in den Bann des Außerordentlichen, Sensationellen ziehen lassen; nur so er klären sich die Rieseneinkünfte gewisser moderner Schund- 334
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