272, 23, November 1905, Fertige Bücher, 10983 Das Leipziger Tageblatt vom 19. November 190') schreibt über: Die letzten Menschen Bon Friedrich Zacobsen Ein Dichter hat das Zukunftsende vorausgeträumt, — Die Menschheit ist uralt geworden, so das; sie unter der Weisheit ihres hohen Alters leidet. Die Zeit der Verheißung ist er schienen: Gottvater muß den Uncndlichkeitsqualen des Staub- geschlcchts ein Ende bereiten. Ein hallender Riß geht durch den Erdplaneten, die unendlichen Ozeanflutcn ergießen sich über alles Erdcnleben und hüllen es in ein unabsehbar schimmern des Totcngcwand. Nur ein letztes Menschenpaar, Baldur, der letzte Mann, und Eva, das letzte Weib, entrinnen auf Minuten den, Menschheitstod, Im Garten Eden genießen sie ihren letzten Lcbensangcnblick unter den raunenden Zweigen des Lebensbaumes. Ahasvcrns, der Ewige, und Kain, dessen Stirn das Blutmal umflammt, begegnen ihnen in den Paradiesgefildcn, Über ihnen bebt riesenschattenhaft die Hand Gottes. Höher aber und höher steigt die sonnenbestrahltc Ünendlichkeitsflut, Ahasver und Kain, die Todberaubten, versinken, da nunmehr die Wesenlosigkeit in die Ewigkeit hinüberfließt, jauchzend in die blinkenden Mccres- wogen. Nur das letzte Mcnschenpaar, Baldur und Eva, um klammern noch einen grauenhaft einsam ragenden Felsenzacken, „Ich liebe dich, küsse meine Lippen", stammelt ein allerletztes Mal das letzte Weib zum letzten Manne; dann reißt eine auf- rauschcnde Woge auch sie zusammen hinweg. Ein blauer Falter nur schwebt noch eine Weile im Licht über der Tiefe, dann zieht auch ihn der Schaum hinunter. Und die Erde ist wüste und leer, — Diesen großartigsten Menschhcitsausgang schildert Jacobscn mit einer visionär grandiosen Wncht. Ein fast avhoristisch knapper und doch schwunghaft machtvoller Monumentalstil bringt in dichterisch hochbedeutsamcr Weise die McnschheitsLäinmtriing zum Ausdruck. Wenn JacobscnS GeisteskinL auch einerseits ein gcdankcntiefes Philosophen! ist, so fehlt ihm doch andererseits keineswegs eine stark sinnlich berührende Farbengebung, die das Werk erst zu dem hervorragenden Kunstwerk adelt, das cs in Wahrhaftigkeit ist. Troß seiner angcnscheinliche» formalen Schlichtheit sind Jacobscns „Letzte Menschen" doch ein Werk, das mein Seelcninnercs in den Zustand einer tiefe» Ergriffenheit versetzt hat. Das Buch hat mich beim Lesen in die Andachtssphäre gerückt, in die mich etwa der Zarathuftrasang oder die Johanncsapo- kalhpse erhebe». Walter Behrcnd, Preis des Buches: Kartoniert 2 M. 20 Pf. In Leinen gcb. 3 M. In Leder gcb. 4 M. 50 Pf. Ich bitte wiederholt um tätige Verwendung. Rosa Verlangzettel anbei, Georg Wigand